WM 2010: Tag #1

Südafrika : Mexiko 1:1

Irgendwie, ich geb’s zu, bin ich nicht sonderlich in WM-Stimmung. War das früher nicht anders? Intensiver? Heftiger? Packender? Vielleicht. Jedenfalls konnte das Auftaktspiel überzeugen. Kein stumpfes, emotionsloses  Herumgekicke, wie es Stunden später die Franzosen und die Urus machten. Südafrika – was lastet nur für ein Druck auf dieser Mannschaft? – begann verhalten, zaghaft, ängstlich und nervös. Die Mexikaner dagegen – Aztekische Überheblichkeit in Köpfen und Beinen – spielten die erste Halbzeit souverän herunter, wenngleich es an letztem Einsatz mangelte. Für die Südafrikaner sah es düster aus, ja, man musste vermuten, dass sie unter die mexikanischen Räder kommen. Aber irgendwie schafften es die Gastgeber, ungeschoren in die Pause zu gehen und wie verwandelt herauszukommen. Da war plötzlich ein giftiger Biss zu spüren, ein Wollen, ein Zwicken, ein Drängen. Nur dann ist Fußball wirklich ein Leckerbissen. Wenn die Emotionen hochgehen, wenn jeder mitgerissen wird. Da ist das Endergebnis (fast) egal. Und hätte in der letzten Minute nicht die Stange den Sieg verhindert, ganz Südafrika würde wohl noch heute jubeln.

Frankreich : Uruquay 0:0

Meine Güte. Was für eine blamable Vorstellung der Franzosen. Wieder einmal. Diese großen Kicker der Grande Nation spielen Fußball, als würden sie nicht wissen, wie’s geht: einfallslos bis zum Erbrechen, statisch bis zum Wehtun. Man spürt förmlich diese sonderbare schwere Last auf ihren Schultern, die sie allesamt träge und vorsichtig macht, die ihnen jeden Zauber nimmt. Oui, die Franzosen sind schon seit langem eine bittere Enttäuschung. Wo sind die Zeiten hin, als die Spieler noch Klasse und Charakter hatten? Zidane? Barthez? Deschampes? Thuram? Da waren die Franzosen wirklich groß. Und heute? Nur noch ein müder Schatten, geführt von einem Oberlehrer, der ihnen jede Traumtänzerei nimmt. Und Uruguay? Ach ja, die spielten, besser: mauerten, ja auch. Mannschaften, die nicht in Schönheit zu sterben wissen, sondern nur auf Resultate spielen, gehörten öffentlich ausgepeitscht. Was waren das für Momente, als ein junger Ernst Happel seinen eigenen Tormann mit einem Schuss prüfte, weil einerseits das Spiel längst entschieden und andererseits ihm recht fad war. Gut, gut, heute geht es um sooo viel mehr – im Fußball, wie im Entertainment-Zirkus. Viel Geld. Viel Prestige. Viel Zukunft.  Und wer möchte sich schon seiner Zukunft berauben? Eben.

Advertisements

4 Kommentare zu „WM 2010: Tag #1“

  1. Ja, die 2. Halbzeit des Eröffnungsspieles war wirklich guter Fußball und das Eröffnungstor einfach ein Traumschuß. Wenn man den nicht gegebenen Elfmeter noch dazu rechnet, hätten die Südafrikaner gar 3:1 gewinnen können. Aber diese Entscheidungen obliegen ja immer der Einschätzung des Schiedsrichters.

    Das 2. Spiel der Franzosen gegen Uruguay, na ja, die Franzosen strengen sich eben nur an, wenn sie müssen.

    Etwas störend oder sagen wir besser gewöhnungsbedürftig empfand ich den immer gleichen und viel zu lauten Klang der vielen Vuvuzelas. Das klingt ja wie ein Hummel- oder Hornissenschwarm und über das ganze Spiel gesehen ist es ziemlich nervig, soll übrigens auch so gesund für die Ohren, wegen ihrer Lautstärke nicht sein.

    Na was solls, wir werden uns daran gewöhnen und vielleicht bekommen die Tontechniker das in den kommenden Spielen auch noch geregelt.

    Was ich allerdings als schon penetrante Werbung empfinde, ist das ständige Einblenden der FIFA Schriftzeichen bei jeder Wiederholung (Replay). Was hat sich der Sepp Blatter dabei nur gedacht? Soll sich das Zeichen in das Bewußtsein der Zuschauer einbrennen? Na wenn es zuviel wird, schalte ich eben ab und zeitweise, das gebe ich gerne zu, habe ich statt FIFA auch schon MAFIA gelesen. 😉

    Anzumerken wäre noch, dass ich nicht so der übelste Fußball-Fan bin, mir aber gerne derlei Ereignisse und gute Spiele anschaue.

    Möge die beste Mannschaft gewinnen.

  2. Oha, ein antiquarischer Fußballfreund? Wunderbar. Immer nur hereinspaziert, Uwe. Bei den germanischen Spielen werden wir uns vermutlich nicht so einig sein, aber das ist ja nur eine Randnotiz im großen Rad einer Weltmeisterschaft.

    Die Sache mit den Tröööten war letztes Jahr, beim Afrika-Cup, noch um vieles heftiger. Vermutlich filtern sie das Schlimmste bereits raus. Damals war es einfach nicht zum Aushalten. Jetzt ist es einigermaßen erträglich („Wo sind diese kleinen summenden Biester?“).

    Richtig. Möge die beste Mannschaft gewinnen (attraktiv sollte sie aber schon spielen 😉

    Und dass die FIFA eine mafiöse Verbindung ist, nun ja, so weit von der Hand ist das gar nicht zu weisen. Aber hier geht’s ja um den Lederball, nicht um politische Scharmützel. Ja, ja.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s