richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM 2010: Tag #3

Algerien : Slowenien  0 : 1

Das Spiel ist noch keine 12 Stunden alt und ich weiß schon gar nicht mehr, wie es ausgegangen ist. Ja, ja, ich habe es leibhaftig gesehen. Vielleicht überfiel mich auch der Sekunden- oder Minutenschlaf. Wahrlich, diese Partie war lähmend. Derweil dachte ich, Algerien würde als afrikanischer Teilnehmer den Europäern zeigen, wo’s lang geht. Aber irgendwie wollten sie nicht. Und Slowenien, naja, die wollten auch nicht so recht. Nur ja nicht zu viel wollen. Das ist die Krankheit des modernen Fußballs. „Aus einer gesicherten Abwehr heraus spielen“, heißt das im Fachchinesisch und bedeutet trockenes, witzloses, ödes Ballgeschiebe, so lange, bis der runde Leder über die gegnerische Torlinie kullert. Egal wie, egal durch wen. Dann wird Beton angerührt, Zeit gelassen und das gegnerische Spiel im Ansatz zerstört. That’s all, folks! Dass bei jener welchen Partie ein Tor fiel, ist eigentlich dem Torhüter zu verdanken. Nicht Mister Green, sondern Fawzi Chaouchi (nein, den Namen muss man sich bestimmt nicht merken) war es, der einen scharfen Kullerball nicht fangen, nicht wegschlagen wollte. Tja. Und so kam Slowenien zu einem Sieg. Den einzigen Höhepunkt auf algerischer Seite schaffte der Stürmer Ghezzal, der in der 70. Minute eingewechselt wurde um nur 15 Minuten später mit Gelb-Rot vom Platz zu fliegen. Dümmer kann man sich nicht mehr anstellen. Wirklich! Aber die WM dauert ja noch eine Weile. Wer weiß, welche Dummheiten wir da noch sehen werden. Darauf freue ich mich. Wirklich. Das ist das Salz in der Suppe.

Ghana : Serbien  1 : 0

Endlich einmal gewinnt ein Underdog. Es wurde auch Zeit. Wobei, wer das Spiel gesehen hat, wird mir beipflichten, dass Serbien wenig gezeigt hat, wohingegen Ghana ambitioniert und kampfstark ihr Spiel machte. Schön zum Anschauen war es jetzt nicht unbedingt, aber man spürte das Wollen auf Seiten der Ghanaer (so sagt es der Duden). Die Serben wiederum wussten nicht so recht, was sie tun sollten und spulten ihr „kicken-wir-den-Ball-nach-vorne-und-schauen-was-passiert“-Programm runter. Dumm, dass es schließlich ein unnötiger Hands-Elfmeter war, der ihnen das Unentschieden kostete. Was Ghana aus dem Sieg machen wird, bleibt abzuwarten. Als nächster Gegner kommen die Australier. Hola, sagte ich „Gegner“? Nein, nein, die Australier veranstalten ja ein orientierungsloses Synchron-Nebenbei-Herumlaufen. Und für die Serben wird es eng. Gegen die Deutschen muss wohl ein Sieg her. Gut so. Das klingt nach Schlagabtausch. Hoffentlich.

Deutschland : Australien  4 : 0

Ehrlich gesagt, ich hatte noch gut das Gruppenspiel der WM 2006 in Erinnerung, als Australien die Brasilianer an den Rand einer Niederlage brachte und herzerfrischenden Fußball spielte. Gut, dieses Spiel liegt schon eine Weile zurück, aber ich erinnere mich noch gut an das beherzte, kampfstarke und gut eingespielte Auftreten der Aussies. Jedenfalls, die ersten Minuten im gegenwärtigen Spiel gegen die Deutschen ließen mich innerlich jubeln. Beinahe hätten die Australier das Tor gemacht. Ein Eckball und schon machte die deutsche Mannschaft Schwimmübungen. Ich lachte mir ins Fäustchen, nach dem ich mich grün und blau geärgert hatte, weil ein Australier zuerst seinen eigenen Mann anköpfte und im Nachschuss den kleinen Lahm. Was wäre wohl aus diesem Spiel geworden, hätte der Ball den Weg ins deutsche Tor gefunden? Tja. Stattdessen dauerte es nur ein paar Minuten, bis es im Tor der Australier einschlug. Gut. Das kann schon mal passieren. Warum aber die Australier zu Spielen aufhörten und jede Gegenwehr einstellten, bleibt wohl eines der ungelösten Rätsel dieser WM. Schlussendlich war es sogar Marcel Reif, der Kommentator von Sky, sichtlich unangenehm, dass die deutsche Nationalelf quasi ein Trainingsspiel absolvierte. Wie stark die Deutschen wirklich sind, who knows? Das wird sich wohl erst im nächsten Spiel zeigen, wenn sie gegen ein Serbien auflaufen, das hoffentlich Fußballspielen will. Für die Australier heißt es gleich mal Koffer packen und nach Hause schwimmen. Und den Trainer verfüttern wir an die Straßen-Haie von Johannesburg. Strafe muss sein.

UPDATE: „It was easier for Germany to play Australia, who played offside with the line of their back four, and it was too easy for them to get to goal. There was probably a penalty for Australia which would have made it 2-1 and they had a player sent off. So it could have been different.“ Fabio Capello im Guardian

DER WM-KALENDER!

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7 Antworten zu “WM 2010: Tag #3

  1. Pingback: Tweets that mention WM 2010: Tag #3 « richard k. breuer -- Topsy.com

  2. die Radiomarijke Montag, 14 Juni, 2010 um 10:26

    du kannst dir nicht vorstellen, was hier gestern abend auf den Staßen los war 🙂 ich will nicht wissen, wie es wird, wenn wir das Ding wirklich holen 🙂

    glaubst du Straßen-Haie stehen auf Käse? 🙂

    • Richard K. Breuer Montag, 14 Juni, 2010 um 11:22

      Straßen-Haie vertilgen alles, Marijke. Auch australischen Käse.

      Also, jetzt mal ehrlich. Jubeln ist ja schön und gut, aber man sollte die Kirche doch mal im Dorf lassen und das nächste Spiel abwarten, wenn es gegen einen Gegner geht, der wirklich Fußballspielen will. Huh. Stimmt. Ich will nicht wissen, was da bei euch abgeht, wenn ihr das „Ding“ holt. Aber bis dahin ist es noch ein weiter, langer, steiniger Weg. Tröööt-Konzerte inklusive.

  3. die Radiomarijke Montag, 14 Juni, 2010 um 13:42

    die „Hup Holland“ und „Oranje boven“-Rufe nicht zu vergessen 🙂

  4. die Radiomarijke Montag, 14 Juni, 2010 um 21:49

    deren Hup-Konzerte sind wohlige Klänge für die Ohren, im Gegensatz zum Vuvuzela-Gedröhne

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