richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM 2010: Tag #4

Niederlande : Dänemark  2 : 0

Da hätten wir uns wohl mehr erwarten dürfen. Wieder nur ein lauer Kick. Weil Dänemark mit Niederlande nicht recht mithalten konnte. Der Einsatz stimmte bei beiden Mannschaften, aber von Danish Dynamite war nix zu sehen oder zu spüren, trotzdem machten sie es den Holländern schwer. Und auch wieder nicht. Weil Dänemarks Verteidiger #2  Verteidiger #1 anköpfte, wodurch der Ball ins eigene Tor abgelenkt wurde. Tja. So kann man auch Tore schießen. Nach diesem Gegentreffer war natürlich der dänische Ofen aus. Statt hinten Zement anzurühren, mussten sie nun das Spiel nach vorne treiben, was den Holländern natürlich Freiräume bot. Schlussendlich können die Dänen froh sein, dass sie nur zwei Stück kassierten. Aber spannend oder hochklassig war das Spiel nicht. Nein, nicht einmal mittelklassig. Einfach nur mäßig. Fußball zum Abgewöhnen, sozusagen. Na, Hauptsache, die Leutchen in Holland dürfen jetzt mit ihren (deutschen) Autos hupen.

Japan : Kamerun  1:0

Japan gefällt mir. Genauso wie Südkorea. Warum? Weil sie giftig sind und laufen, laufen, laufen. Wenn sich vielleicht nicht gerade viel am Spielfeld tut, so ist immer einer der Asiaten am Laufen. Das wirkt dynamisch und druckvoll und zieht freilich jedem Gegner den letzten Nerv, in diesem Falle traf es Kamerun. Tja. Die waren alsbald mit ihrem Latein am Ende und kassierten auch noch ein vermeidbares Tor (sind nicht alle Gegentore irgendwie vermeidbar?). Dumm gelaufen. Aber in den letzten, sagen wir, zwanzig Minuten des Spiels, wurde es dramatisch. Weil Kamerun den Ausgleich wollte. Also drängten sie. Man spürte es förmlich, wie sie die Brechstange auspackten und alles versuchten, um den Ball in den Strafraum zu prügeln. Und mit Fortdauer des Spiels wurden die quirligen Japaner müde, unkonzentrierter. Sie ließen sich zurückdrängen, standen aber ihren Mann. Der Lattenkreuzkracher eines Kameruners war nicht von schlechten Eltern. Das hätte der Ausgleich sein können. Dafür hatten die Japaner auch einen Stangenschuss. Somit dürfte das wohl unter „ausgleichende Gerechtigkeit“ fallen. Rätselhaft bleibt mir aber Eto’o, der ehemalige Superstürmer, der im Mittelfeld, irgendwo an der Seite, herumkrebste und mittelmäßigen Stürmern den Ball zuspielen wollte. Absurd ist das, wenn man mich fragt. Wahrlich, seit Eto’o bei Inter Mailand nur noch zum Wasserträger von Milito abstieg, auch Defensivaufgaben übernehmen muss (Mourinho zieht da jeden Spieler an den Ohren, wenn sie nicht folgen!), ist er nur noch einer unter vielen. Schade, schade.

Italien : Paraguay  1 : 1

Hola. Wer hätte das gedacht? Die Italiener, mit Chili im Hintern, gaben ordentlich Gas und wollten Paraguay gleich mal zeigen, wer hier der Herr im Hause ist. Und tatsächlich zeigte dieser südländische Drang Wirkung. In der ersten, sagen wir, zwanzig Minuten kannten die Südamerikaner den Strafraum der Italiener nur vom Hörensagen. Dann besuchten sie hin und wieder die Strafraumgrenze („Pass?“), aber da war nichts Zwingendes, nichts Gefährliches dabei. Die Italiener machten ihr Spiel. Das sah zwar druckvoll und dynamisch aus, mehr war es aber auch wieder nicht. Torchancen waren Mangelware. Weil die Abwehr von Paraguay ihre Sache im strömenden Regen (wer hätte gedacht, dass es in Südafrika so heftig regnet?) ordentlich erledigte und das Mittelfeld die Räume um den Ball eng machte. Überhaupt faszinierend zu sehen, wie sich zwei Mannschaften ineinander verhaken, wenn beide ein ordentliches Pressing spielen. Da stürzen sich die Spieler auf den Ball, kämpfen und rutschen und grätschen und foulen. Ein sehr intensives, körperbetontes Spiel. Zum Anschauen gar nicht mal schlecht. Die feine Klinge darf man natürlich nicht erwarten. Oder Zauberfußball. Das war gestern. Im Großen und Ganzen also ein ordentliches Spiel. Ja, man konnte förmlich spüren, wie die Italiener verbissen um den Sieg kämpften. Das war wohl nicht immer so. Damit haben sie den trägen Franzosen schon mal etwas voraus. Bene! Und Paraguay? Die haben brav gekämpft, das Spiel spannend gemacht. Ihr Torhüter musste natürlich beim Gegentor („Herr Rossi sucht das Glück“) daneben greifen. Was wäre die WM ohne Torwart-Fehler? Wir können davon ausgehen, dass es nicht der letzte sein wird. Gut so. Was ist mir sonst noch aufgefallen? Ich glaube, es waren zum ersten Mal zwei Mannschaften auf dem Feld, die ihre Defensivreihen nicht auf einer Linie aufstellten. Dadurch hatte das Spiel einen angenehm natürlichen Charakter. Wenigstens. Sì, sì!

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4 Antworten zu “WM 2010: Tag #4

  1. nebenschauplatz Dienstag, 15 Juni, 2010 um 2:47

    du schreibst, die italiener hätten chili im hintern, das freut mich zu lesen, ich hatte schon angst, du lässt kein gutes blatt an ihnen. da ich ja leider das spiel nicht sehen konnte. waren sie auch schön, die campioni del mondo?? und wer hatte zuerst das tor gemacht, und wer war es überhaupt, der es geschossen hat? torwart fehler von buffon? hat er überhaupt gespielt?
    schon schwierig, wenn man ein tifoni tshirt an hat, aber der fernseher aus.

    • Richard K. Breuer Dienstag, 15 Juni, 2010 um 8:57

      Bezüglich der Spieldetails, Maureen, da guckst du am besten auf die italienischen Tageszeitung-Webseiten. Ich denke, die gehen noch am Ausführlichsten mit ihrer Truppe um. Einigermaßen objektiv ist vielleicht die ORF-Seite: http://sport.orf.at/wm2010/100614-253/index.html

      Am stärksten gespielt hat für mich ein gewisser Simone Pepe. Glatzköpfiger großgewachsener Wirbelwind. Ob er hübsch anzuschauen ist, also, naja, das kann ich nur bedingt beantworten. Überhaupt, da bin ich wohl zu wenig Frau, als dass ich mir hier eine Meinung bilden könnte. Am ehesten tät’s mir der Zambrotta antun. Vielleicht, weil er mit seinem Bärtchen recht verwegen daherkommt. Den guten De Rossi hätt ich mit seinem Vollbart gar nicht erkannt. Der sieht mir damit so italienisch aus wie Celine Dion.

      Buffon wurde zur Pause ausgewechselt. Er dürfte sich wohl verletzt haben. Genaues weiß ich auch nicht. Also, der gute Mann ist vielleicht ein guter Torwart, aber sonst spricht er mich nicht an. Oder genauso viel wie ein Stück Holz, mit Verlaub 😉

      Hier gibt’s was zum Gucken:
      http://www.sky.de/web/cms/de/sport-wm2010-mediathek.jsp

  2. nebenschauplatz Mittwoch, 16 Juni, 2010 um 6:55

    oha, das hast du ja ganz ernst genommen, die frage nach den männern. und wie du sie beschreibst. das gefällt. ich meine die umschreibung, nicht unbedingt die männer. um genau zu sein. dankeschön dafür.

    bin gespannt, was du heute zu den schweizern schreibst. hopp schwiiz!

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 16 Juni, 2010 um 9:05

      Ja, meine liebe Maureen, ich versuche ja auch die weibliche Leserschaft ein wenig für die WM zu erwärmen 😉

      Huh, die armen Schweizer müssen gegen die Spanier. Da müssen sie sich aber gehörig anstrengen. Ob das Alphorn die Vuvuzuelas übertönen wird?

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