richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM 2010: Tag #5

Slowakei : Neuseeland 1 : 1

Ich gebe zu, ich habe die erste Halbzeit versäumt. Als ich dann den Pausenstand von 0 : 0 hörte, war ich ein wenig verwundert. Haben die Kiwis Fußballspielen gelernt? War das möglich? Nach der inferioren Leistung der Australier, dachte ich, die Neuseeländer werden es wohl nicht wirklich besser machen können. Nun ja, jedenfalls, wenige Minuten nach Wiederbeginn – ich hörte nur mit einem Ohr hin – machten die Slowaken endlich ihr Tor. Na bitte, sagte ich mir. Jetzt spielen sie den Sieg trocken nach Hause, schießen noch ein paar Tore und alle sind Glücklich. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als ein Slowake denkt. Die Kiwis spielten munter weiter, gaben sich nicht auf (wir erinnern uns an die Australier, die zu spielen aufhörten, als sie den Gegentreffer kassierten) und die Slowaken, die ließen geschehen. Das ist halt ein Jammer mit den Favoriten. Zuerst mühen und plagen sie sich, diesen so wichtigen Führungstreffer zu machen (aus Abseitsposition, aber da wollen wir mal nicht so sein) und dann beginnen die Spieler bereits ihre Siegesprämien im Geiste auszugeben („Dieses rote Cabrio muss ich haben!“). Mit anderen Worten: das Spiel entgleitet ihnen, sie werden zu einem passiven Passagier und laufen Ball und Gegner hinterher, anstatt die Initiative zu ergreifen und weiter Druck zu machen. Ein Warnschuss hätte die Slowaken aufwecken müssen. Etwa fünf Minuten vor Schluss köpft ein Kiwi alleinstehend neben das Tor. Da hätte es schon im Gehäuse der Slowaken einschlagen können. Aber statt eines Weckrufes blieb alles beim Alten. Die Slowaken wollten das Spiel über die Runden bringen. Sogar der Trainer machte mit, in dem er seinen Sohnemann in der Nachspielzeit auswechselte, um Zeit zu gewinnen. Ich tät’s ja verstehen, wenn der Gegner Italien hieße und diese auf Teufel komm raus alles nach vorne geworfen und die Slowaken in der eigenen Hälfte eingeschnürt hätten. Ja, dann könnte ich diese Auswechselung verstehen. Aber gegen Neuseeland? Beim Stand von 1 : 0? Wir sehen: die Angst regiert König Fußball. Schlussendlich bekamen die Slowaken („Vielleicht doch das gelbe Cabrio?“) die Rechnung präsentiert. Flanke in den Strafraum der Slowaken (es brauchte etwa zwanzig Minuten in der zweiten Halbzeit, bis die Kiwis zum ersten Mal den Ball in den gegnerischen 16er bekamen), Kopfball, Tor. Ich muss sagen, irgendwie hat mir das gefallen. Weil es so aus dem Nichts kam. Die Slowaken können einem natürlich Leid tun, andererseits, sie hatten es selbst in der Hand. Hätten sie Fußball gespielt und nicht geträumt („Cabrio?“), würden sie jetzt nicht mit diesem blamablen Punkt dastehen. Immerhin, die Kiwis haben die Gruppe spannend gehalten. Alle vier Mannschaften halten bei einem Punkt und dem gleichen Torverhältnis. Ich würde sagen: die Karten werden neu gemischt. Hervorragend. So soll es sein!

Portugal : Cote d’Ivoire 0 : 0

Naja. Kein hochklassiges Match. Sehr zerfahren. Nur in den letzten zehn Minuten wurde es dramatisch, weil sowohl Portugal, als auch Cote d’Ivoire eine Entscheidung herbeiführen wollten und es dadurch im Spiel mehr Freiräume  gab. Warum aber ausgerechnet der eingewechselte Superstar Didier Drogba alleine vor dem portugiesischem Tor nicht den Abschluss, sondern einen Mitspieler suchte, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Sein Querpass ging an Freund und Feind vorbei. Und der andere Superstar? Christiano Ronaldo glänzte hie und da mit einem Dribbling, konnte aber sonst keine nennenswerten Aktionen einfädeln. Nur einmal, da hätte er beinahe den Ball im gegnerischen Tor versenkt, wäre dieser nicht an den Pfosten gekracht (also der Ball, nicht …). Das Remis ist jedenfalls gerecht, beantwortet aber nicht die Frage, wer denn nun den zweiten Platz in der Gruppe für sich beansprucht. Hm. Derjenige müsste wohl einen Punkt machen. Gegen die Brasilianer. Äh, ja, das ist freilich vermessen. Die haben Kaka. Dann muss wohl Nordkorea aus dem Stadion geschossen werden. Äh, ja, das ist freilich vermessen. Die haben bekanntlich Atomraketen.

Dummerweise ist mir noch nicht bekannt, wie bei Punktegleichheit entschieden wird. Zählt zu erst das direkte Spiel? Und falls dieses Remis endete, wird dann auf die berühmt berüchtigte Tordifferenz zurückgegriffen? Fragen über Fragen …

Brasilien : Nordkorea  2 : 1

Sapperlot. Wer hätte gedacht, dass sich Brasilien so schwer tut? Und dass die Nordkoreaner auch Fußballspielen können. Freilich, sie sind mit einem Defensiv-Konzept gekommen und sind damit auch gegangen. Aber keine Spur von Nervosität oder Schlamperei. Und wie geht das, fragt man sich, dass sie auch in Bedrängnis noch den schwierigeren Pass spielten, im Gegensatz zu anderen Jausengegnern. Man sehe sich Griechenland an. Oder Australien. Die haben nicht mal den einfachen Pass geschafft. Und im Konter, da waren die Asiaten nicht ungefährlich. Vielleicht suchten sie zu überhastet den Abschluss, aber zu guter Letzt, Minuten vor Schluss, erzielten sie ihren Anschluss- und Ehrentreffer. Ein starker Antritt, ein wuchtiger Schuss. Nicht so sensationell wie das erste Tor der Brasilianer. Maicon, der rechte Außenverteidiger, schießt aus unmöglichem Winkel, mit immensem Effet, ins gegnerische Tor. Bis dahin haben sich die Brasilianer rund 50 Minuten lang an der Nordkoreanischen Betonabwehr die Zähne ausgebissen. Es war äußerst spannend zu beobachten, wie die Nordkoreaner ihre Abwehrketten bewegten und wie sie sich der brasilianischen Drangperiode entgegen stemmten. Mit Händen und Füßen und eisernen Willen. Das verdient Anerkennung und Respekt. Wirklich. Andere Underdogs versinken in Ehrfurcht, wenn sie den Namen „Brasilien“ hören und stellen die Gegenwehr ein. Aber die Nordkoreaner dachten gar nicht daran. Und ich frage mich, wie es wäre, würden sie offensiver spielen. Sie zeigten gute Ansätze und ein gesundes Spielverständnis. Davon können z.B. die Österreicher nur Träumen. Vielleicht sollten wir nach der WM den Nordkoreanischen Trainer engagieren. Ach so, blöd, der darf ja nicht ausreisen. Na, dann schicken wir eben unser Nationalteam nach Nordkorea. Ich schätze, dort lernen unsere Burschen Disziplin und tanken Kondition („Autos? Gibt’s nicht! Wir laufen!“). Ja, von nix kommt nix. Außer bei den Deutschen. Die haben bekanntlich das Gewinner-Genom in ihren Erbanlagen.

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Eine Antwort zu “WM 2010: Tag #5

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