richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Eine seltsame Bitte oder Geister, die man rief

Mobile Kultur – Fahrende Kunst

Für alle, die es noch nicht wissen: Morgen Nachmittag werde ich in der Gegend herumgeschoben. In einem Einkaufswagen. Das hat nichts mit meinem Alter zu tun oder mit Faulheit und ist auch bitteschön kein Witz, sondern ein hoch offizielles Kunstprojekt. Damit möchte man im Bezirk (besser: Grätzel) auf die verschiedenen Künstler aufmerksam machen. Ich werde also herumgeschoben und verteile Autogramme oder lese aus einem meiner Bücher. Vielleicht werfe ich auch mit Almosen um mich. Äh, nein, ich erwarte mir natürlich welche. Da die gute Laura Heneis, Profi-Fotografin ihres Zeichens, dieses Projekt mit dem Grätzelbüro des 20. Bezirks eingefädelt hat, wird es wohl auch hübsche Fotos zu sehen geben. Ja, morgen ist demnach der richtige Zeitpunkt um das „Schriftsteller“-T-Shirt überzustreifen. Soll jeder sehen, wohin einem die Literatür bringt.

*

Schlapperlot. Jetzt hat mir doch tatsächlich XY. geschrieben. Sie bat mich, ihren Eintrag aus dem Jahr 2008 aus meinem Gästebuch zu entfernen. Warum? Weil sie einen neuen Job suche und deshalb „alles, was niemanden angehe“, löschen möchte. Schau mal einer an. Ihr Eintrag, man muss es sagen, war weder fehlerhaft, noch obszön oder dumm oder dreist oder bös. Nein, nein. Ich fand ihn sogar äußerst positiv formuliert und stimmig geschrieben. Nun, ich habe natürlich der Bitte entsprochen und den Eintrag gelöscht. Gehört sich so. Sollte also jemand das schlechte Gewissen packen, und er oder sie sich erinnern, in meinem Gästebuch Dampf abgelassen zu haben („mein Chef soll sich ins Knie f***“), dann wäre es jetzt an der Zeit, Farbe zu bekennen und mich zu bitten, es zu löschen. Früher oder später kaufen vielleicht findige Unternehmer all diese verstauben Gästebücher auf und löschen nur noch Einträge gegen Bezahlung. Ja, das könnte ein lukratives Geschäft werden.

Zurück zum Start. Wer googelt oder bingt nicht jemanden, der ihm zufällig über den realen oder virtuellen Weg läuft? Erst heute hörte ich JT. sagen, dass sie mich nicht gegoogelt hätte (was sie aber sonst immer tut). Das hat mit Neugierde und Voyeurismus zu tun, keine Frage, vielleicht aber auch mit der Frage, ob es Gemeinsamkeiten gibt, an die man anknüpfen kann. Man stelle sich vor, X. sammelt alte Hauspantoffel und erfährt, das Y. ein Museum für Schlapfen ins Leben gerufen hat. Ich denke, die beiden haben sich viel zu erzählen. Und wer weiß, vielleicht ergeben sich Synergien? Alles klar?

Und nun stelle man sich vor, du googelst X. und findest … nichts. Kein Eintrag. Kein Bild. Keine Spur. Ist das nicht merkwürdig? Wer hinterlässt im Web überhaupt keine Spuren? Ich, für meinen Teil, bin dann skeptisch und male mir bereits einen Schläfer der berüchtigsten Trrrror-Szene aus. Vielleicht gehört er oder sie auch zu den Guten. Aber woran merkt man das?

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2 Antworten zu “Eine seltsame Bitte oder Geister, die man rief

  1. foxyline Donnerstag, 17 Juni, 2010 um 20:36

    Also ich finde das ja eigentlich gut, wenn Menschen schön langsam ein Bewusstsein dafür bekommen, was man im Internet ruhig verbreiten kann, was man besser für sich behält. Auch wenn es sicher nicht leicht ist, die Spuren im Nachhinein zu verwischen 😉

    Und früher hab ich ständig Leute gegoogelt. Seit aber Blogs und alle Social Apps stark aufgekommen sind, mach ich das nicht mehr, denn hier hab ich das Gefühl, dass besonders die aktiven Leut ganz genau die Menge und die Art der Infos über sie selbst dosieren, bestimmen und freiwillig präsentieren und somit ein hinterherstalken überflüssig wird ^^

  2. Richard K. Breuer Freitag, 18 Juni, 2010 um 8:56

    Echt? Du googelst nicht mehr? Schlapperlot. Natürlich kann man jetzt mehr steuern, beeinflussen, aber es gibt nun mal gewisse faktische Informationen: in welchem Bereich jemand tätig ist, wohin seine Interessen gehen und wie jemand ausschaut. Nicht unwichtig, wenn man gemeinsame Anknüpfungspunkte sucht.

    Vielleicht wäre das auch ein Barcamp-Session-Thema: wie google ich eine Person richtig 😉

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