richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM 2010: Tag #7

Argentinien : Südkorea  4 : 1

Zugegeben, ich habe das Spiel erst ab der 75. Minute gesehen. Weil ich zuvor am #Naschmarkt ein WOK-Gemüse aß und dabei Brouillé und Schwarzkopf anpries. Schlussendlich wählte JH. dann Brouillé. Eine gute Wahl, wie ich ihr versicherte. Soviel zur Literatür. Nun wieder zum Wesentlichen. Interessanterweise passierte es mir nun zum zweiten Mal, dass, nach dem ich in ein laufendes Spiel einsteige, justament ein Tor fällt. Diesmal das dritte Tor für Argentinien. Blöd. Weil ich mir zuvor erfreut die Hände rieb, roch es doch nach einer emotionalen Schlussviertelstunde.  Die Südkoreaner geben kein Spiel auf, wenn sie eine klitzekleine Chance wittern. Und Argentinien war auch schon mal abgeklärter und souveräner. Bei der Zusammenfassung der zweiten Hälfte musste ich bemerken, dass einer der Koreaner eine 100%ige vernebelte. Tja. Wenige Minuten später kassierten sie dann das wohl entscheidende Tor (was bei genauerer Betrachtung eigentlich irregulär, weil abseits war). Der vierte Treffer war dann nur noch die Draufgabe eines verkorksten Spiels, aus Sicht der Asiaten. Der 1.FC Messi hingegen, der gratulierte sich zum Aufstieg. Was die Gauchos einmal machen, wenn Signor Messi einen schlechten Tag hat oder gar ausfällt, das will man sich besser nicht vorstellen. Sei’s wie’s sei, wollen wir nicht unken. Seien wir froh, dass die Argentinier weiter sind und nicht die Griechen. Für die Koreaner muss jetzt zu mindest ein Punkt gegen Nigeria her. Das sollte zu schaffen sein. Jetzt, wo die afrikanischen Superadler nach Hause fliegen werden. Uups. Das war jetzt wohl ein Spoiler.

Nigeria : Griechenland  1 : 2

Die ersten fünfzehn Minuten gähnend ein Spiel verfolgt, dass nichts versprach. Die Griechen? Arbeitsverweigerer der Sonderklasse. Die Nigerianer? Zehrend von einstmaligen Höhenflügen und neben ihrer Form herlaufend. Dann zirkelte ein Afrikaner einen Freistoß in den Strafraum, an Freund und Feind vorbei und ins Tor. Der griechische Torhüter? Äh, ja, der ließ sich zur Seite fallen, um ja keine Chance zu haben, den Ball noch abzuwehren. So kann es gehen. Damit war das Spiel wohl gegessen. Nach der blamablen Leistung der Griechen im ersten Spiel gegen die Südkoreaner setzte ich keine Drachme auf die Europäer. Doch die Götter im Olymp hatten ein Einsehen mit „ihrer“ Truppe und sorgten dafür, dass sich die Nigerianer schwächten. Sani Kaita, frustriert, weil Torosidis den Ball bei einem Out-Einwurf partout nicht hergeben wollte, deutete einen Tritt an. Der Schiedsrichter wiederum deutete dies als versuchte Tätlichkeit und zeigte dem Afrikaner mal kurzerhand den roten Karton. Tja. Dumm gelaufen. Damit hatten die Supereagles nur noch 9 Feldspieler, führten zwar mit einem Tor, aber hätten 65 Minuten überstehen müssen. Die Griechen leckten Blut (jemand „300“ gesehen?“) und waren wie ausgewechselt. Plötzlich begannen sie die Freiräume zu suchen, legten Sprints hin und zogen vom 16er knallhart ab. Ich schätze, wer die Götter auf seiner Seite hat, kann nichts falsch machen. Und so wurde ein Weitschuss vom eigenen Spieler ins nigerianische Gehäuse abgelenkt. Ausgleich. Halbzeit. Anpiff. Und die Griechen legten los wie die Feuerwehr. Die Nigerianer gaben sich nicht auf, versuchten mitzuhalten. Und dann, ja, dann kam diese ominöse 59. Minute. Hier kann man sehen, wie ein Spiel hin und her wogen kann, wenn beide Mannschaften gewillt sind, die Entscheidung zu suchen. Zuerst die Griechen. Ein nigerianischer Verteidiger versucht im eigenen Strafraum den Ball wegzuköpfen, was aber derart misslingt, dass er einem griechischen Stürmer den Ball perfekt serviert. Was tut nun Karagounis, der etwa fünf oder sechs Meter alleine vor dem Tor steht? Er schießt den Torhüter über den Haufen, statt den Ball entspannt rechts oder links vorbeizuschieben. Nun prallt der Ball vom Torhüter zu einem Afrikaner, der einen mustergültigen Konter einleitet. Etwa drei oder vier Nigerianer sprinten mit dem Ball auf zwei griechische Verteidiger zu, überlaufen sie und suchen den Abschluss, der aber vom Torhüter der Griechen vereitelt wird. Der Ball hüpft zu Obasi (der kickt bitteschön bei Wolfsburg), der nun das leere Tor zu seiner linken hat. Der Torhüter, längst geschlagen, kann nicht mehr eingreifen. Was tut Obasi? Er schiebt den Ball am Tor vorbei. Aus einer Entfernung von, sagen wir, vier Metern. Also, wenn da nicht Zeus persönlich eingegriffen hat, dann weiß ich nicht. Wie dem auch sei, es geht munter weiter. Die Griechen rackern und laufen und schießen, als hätten sie nie etwas anderes getan. Und dann muss ausgerechnet dem besten Mann der Nigerianer, Torhüter Enyeama dieser Patzer passieren (der zuvor noch mit einem Überdrüberreflex einen Kopfball entschärfte). Ein scharfer Weitschuss. Enyeama will den Ball fangen, verschätzt sich (Drall!) und lässt ihn abtropfen. Dadurch springt er einem Griechen vor die Füße, der keine Probleme hat, das Tor zu machen. Und wie heißt der gute Mann? Torosidis! Die Götter dürften ihren Helden gefunden haben. Dagegen hilft auch kein Voodoo. Damit haben die Griechen ihre Chance auf den Aufstieg gewahrt. Aber wollen sie wirklich Argentinien einen Punkt abrotzen, pardon, abtrotzen und auf Schützenhilfe von den Afrikanern hoffen, die gegen Südkorea mit gepackten Koffern antreten? Aber, man möchte es nicht glauben, aber es gibt glaube ich eine theoretische Chance für die Afrikaner, doch noch aufzusteigen. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Und wenn wir gerade bei Unwahrscheinlichkeiten sind: die Argentinier könnten auch noch rausfliegen. Gut, da müsste Zeus wohl persönlich herabsteigen und sich ein Leiberl überstreifen. Aber wer weiß, vielleicht hat ja Trainer Rehakles einen guten Draht in den Olymp. 2004 hat die Verbindung bestens geklappt.

Frankreich : Mexiko  0 : 2

Merde! Jetzt ist mir mein langer Exkurs über Zidane und Makelele und Vieira und Thuram und Barthez im virtuellen Nirvana verschwunden. Ärgerlich. Sehr ärgerlich. Also gibt es jetzt nur die Kurzfassung, weil ich ins Bett will und mich nicht gerne wiederhole. Also: Frankreich hat jämmerlich gespielt, Domenech gehört endlich gefeuert und der neue Trainer sollte sich dem neuen modernen Fußball öffnen und nicht wieder die Spielkonzepte von 1978 hervorkramen. Wie es geht, zeigen die Mexikaner. Sicheres Kurzpassspiel. Beeindruckende Technik. Sprints in den freien Raum. Und, vor allem, Spielfreude. Emotion. Bei Frankreich: Fehlanzeige. Da lehnt Domenech gelangweilt an der Seite, traben die Kicker gelangweilt hinter dem Ball her. Blamabel! Kurz und gut: die Mexikaner haben sich mit Chile in mein Fußballerherz gespielt. So gehört sich das. Und wenn man es nicht besser wüsste, würde man ja meinen, es wäre eine  mexikanische Schülermannschaft, die da zu Werke geht. So klein und schmächtig, wie sie alle sind. Aber wirbeln können sie. Und ihr Papa Blanco, der dienstälteste WM-Spieler mit beinahe 38 Jahren, hat einen Elfmeter perfekt verwandelt. Da kann ich nur sagen: chapeau! Jetzt stellt sich nur noch eine Frage: wie feuert man die Mexikaner an?

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2 Antworten zu “WM 2010: Tag #7

  1. Matthias Freitag, 18 Juni, 2010 um 10:35

    México, México – Ra Ra Ra!

    • Richard K. Breuer Freitag, 18 Juni, 2010 um 11:27

      AHA! Das kann ja dann nur der von mir erwünschte Mexico-Anfeuerungs-Ruf sein, nicht? Sehr schön. Hm. Vielleicht sollt ich mal ein Pub-Viewing beim Mexikaner einplanen. Das hätt schon was. Und dann ins Chilenische Restaurant. Hm. Ich werd schon zapplig.

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