richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM 2010: Tag #10

Slowakei : Parguay  0 : 2

Bis zum ersten Tor der Südamerikaner war es ein munteres Spielchen, was natürlich damit zusammen hängt, dass Paraguay die Entscheidung suchte und mit extremen Pressing die Slowaken ziemlich in Bedrängnis brachte. Daraus resultierte dann der entscheidende Abspielfehler eines Slowaken (war’s Skrtel?), der zum Tor führte. Ab diesem Zeitpunkt schaltete Paraguay einen Gang zurück. Resultat. Es war zum Einschlafen. Weil die Slowaken kein Mittel fanden, sich gegen das Pressing zu wehren. So versandeten ihre Angriffsbemühungen am Mittelkreis. Enttäuschend. Wahrlich. Der Torhüter von Paraguay hatte in 90 Minuten einen gefährlichen Ball zu halten: einen scharfen Rückpass. Erst in der Nachspielzeit – da stand es bereits 2 : 0 und die Partie war längst entschieden – da durfte sich Villa nach dem Ball strecken, weil man die Slowaken schießen ließ. Aber das war’s dann auch wieder. Somit steht Paraguay im Achtelfinale (es sei denn, sie geben sich eine blamable Blöße gegen Neuseeland, aber, nein, das schaffen scheinbar nur die Slowaken) und für die Slowakei gibt es nun ein tatsächliches Endspiel. Gegen Italien. Huh. Das stell ich mir interessant vor. Ich gehe davon aus, dass sich die Slowaken gegen eine europäische Mannschaft leichter tun. Und die Italiener? Schauen wir mal, wie schwer sie sich mit Neuseeland tun, dann reden wir weiter. Zu guter Letzt würde ich Cristian Riveros allen Mannschaften ans Herz legen, wenn es darum geht, Schusstechnik zu üben. Sein Hammer von der Strafraumgrenze ins lange Eck, halb hoch, war unhaltbar und zeigt, dass man den Ball nicht immer nur drei Meilen übers Tor knallen muss.

Italien : Neuseeland  1 : 1

Hier spielte bitteschön der Weltmeister von 2006! Ideenlos bis zum Erbrechen. Kreativität gleich Null. Bewegung? Keine! Es dominierte bei ihnen nur eine nervöse Hektik, während der WM-Neuling Neuseeland abgeklärt und ruhig die Partie nach Hause spielte. Ich schätze, die Kiwis haben die Fußballer aus ihren Rugby-Teams abgeworben. Oder gab es eine landesweite Suche nach Spielern, die größer als 1,90 m sind und Telefonbücher zerreißen können? Gegen die Slowakei sind mir diese neuseeländischen Recken gar nicht so sehr aufgefallen. Wie wird das erst sein, wenn die kleinen Spieler aus Paraguay im nächsten Spiel auf diese Riesen treffen? Huh. Aber bleiben wir zuvor noch bei den Italienern, die nun ein Entscheidungsspiel gegen die Slowaken haben. Am Donnerstag geht es für sie um alles oder nichts. Wie so oft. Ob sie diesmal den Kopf aus der Schlinge werden ziehen können? Ihr Glück, dass die Slowakei jenseits einer annehmbaren Form spielt und sich vielleicht vom Namen „Italien“ blenden lässt (im Gegensatz zu den Neuseeländern, die keinerlei Ehrfurcht zeigten, ganz im Gegenteil). Ich meine ja, dass beim Fußball viel im Kopf der Spieler entschieden wird. Wer Angst zeigt, reagiert zögerlich. Wer Stärke demonstriert, agiert konsequent. Italien hat sich weder im ersten Spiel (obwohl offensiv aufgestellt!), noch im zweiten weltmeisterlich gezeigt. Gut, das ist natürlich keine Voraussetzung, um ins Achtelfinale zu kommen, aber es sollte einen schon zu denken geben. Im Besonderen, dass diese Mannschaft keine Mannschaft ist. Seltsam, spielen doch einige beim selben Verein (Juventus) und kennen sich bestens. Fehlt wirklich nur ihr Spielmacher (Pirlo) und ist das der Grund für ihr jämmerliches Spiel? Nein, mitnichten. Es fängt schon damit an, dass sie dieses alte Spielprinzip praktizieren (vermutlich verinnerlicht): Stehfußball mit Pässen oder Flanken in die Spitzen; kaum Bewegung, jeder wartet, bis er angespielt wird und die Defensivspieler rücken nicht auf, weil sie Angst vor dem Konter haben. Ganz anders Paraguay. Die setzen die gegnerische Mannschaft in deren eigenen Hälfte unter Druck und stehen dicht beim Gegenspieler. Aber bevor ich die Italiener gänzlich in den Fußballrasen stampfe, warten wir mal ab, wie sich Paraguay mit Neuseeland tut. Also, ich hätte gemeint, die quirligen, sprintstarken Südamerikaner werden den Neuseeländern ordentlich Schwierigkeiten bereiten. Weil sie auch technisch stark sind und mit Dribblings versuchen, in den Strafraum zu kommen (die Italiener kommen mir in diese Disziplin nicht sonderlich beweglich vor). Denn, eines darf man nicht unter den Tisch fallen lassen: die Neuseeländer könnten mit einem Sieg gegen Paraguay noch ins Achtelfinale aufsteigen. Das klingt natürlich verwegen, aber es ist nicht unmöglich. Immerhin haben sie genauso viele Punkte am Konto wie der Weltmeister von 2006, nämlich zwei und um einen mehr als die Slowakei. Hätte sich das jemand träumen lassen? Nope! That’s football, folks!

Brasilien : Elfenbeinküste  3 : 1

Gähn. Gerade ist die erste Halbzeit zu Ende gegangen und ich dachte mir, ich schreib schon mal vor und unke, dass es ein mäßiges Spiel ist. Also, diese gehypten Brasilianer, sie gehen mir auf den Senkel. Der Glanz vergangener Zeiten, als sie große Fußballspieler hatten, ist längst vorbei. Jetzt heben sie Kaka auf ein Podest, aber ein Genie sieht anders aus, dafür ist er mir zu brav gestrickt. Dass er verletzungsbedingt nicht in Hochform ist, hat ihm auch nicht abgehalten, die Vorlage zum Führungstreffer der Brasilianer zu geben. Das gibt natürlich einen Pluspunkt. Wobei, er hatte doppeltes Ballglück. Also ziehen wir wieder einen Punkt ab. Und der Schuss von Fabiano, also ehrlich, wie oft bringt er so einen Schuss – hart unter die Latte aus spitzem Winkel – zusammen? Ansonsten ist vom Kombinationsspiel der Brasilianer nichts zu sehen. Technik? Fehlanzeige. Auf der anderen Seite agiert die Elfenbeinküste beinahe passiv, wirkt wie unter Drogen. Eigentlich dachte ich, sie würden wie aufgezogen ihr Spiel abspulen. Statt dessen traben sie dem Ball nach. Ich befürchte, die Afrikaner sind in ihrem Spiel zu sehr europäisch (das kommt wohl davon, weil die  Spieler allesamt ihr Brot in europäischen Ligen verdienen; und dass sie sich einen mittelmäßigen europäischen Trainer geholt haben, setzt noch eines drauf). Schade. Jetzt bräuchte es Emotion, Kraft und Härte. Sonst brauchte man gleich gar nicht mehr aus der Kabine kommen. Die Brasilianer – analog den Deutschen – haben das Gewinner-Gen in ihrer Erbanlage fest verankert. Sie glauben erst dann, dass sie ein Spiel verloren haben, wenn sie es am nächsten Morgen in der Zeitung lesen. So. Jetzt gucken wir mal die zweite Halbzeit und hoffen inständig, dass die Afrikaner motiviert in die zweite Hälfte starten. Was ihnen fehlt ist das „Auge des Tigers“. Vielleicht hätten sie in einen der Townships Südafrikas  trainieren sollen. So. Wir schreiben die 59. Minute und ich bemerke, wie der Ärger in mir hochkocht. Weil die Brasilianer das zweite Tor geschossen haben. Aber wie? Fabiano übergaberlte im Strafraum zwei afrikanische Verteidiger, machte dabei ein Hands, übergaberlte einen dritten Verteidiger, machte noch einmal ein Hands, und schließt trocken ab. Und der Schiedsrichter? Gibt den Treffer. Also, ich weiß nicht, aber mich bringt so etwas auf die Palme.  Weil die Brasilianer jetzt das Spiel sicherlich gewinnen werden, daran besteht jetzt wohl kein Zweifel und damit wohl auch für Portugal alles klar gemacht wird. Shit. Da ist auch schon das dritte Tor. Es ist zum Abgewöhnen. Wirklich. Weil die Elfenbeinküste wieder einmal zum Fußballspielen aufgehört hat. Da stehen sie meterweit vom Gegner weg, traben dem Ball gemächlich hinterher und zeigen kaum Emotionen oder den Willen, das Spiel noch zu drehen. Was soll denn das? Im Gegensatz dazu, die Löwen aus Kamerun, die vermutlich DAS Spiel der WM ablieferten und dabei unglücklich gegen Dänemark verloren, aber wie sie kämpften, wie sie alles versuchten, das war und ist noch immer äußerst beeindruckend. Meine Güte, ich hasse diese Spiele, die bereits entschieden sind und wo man nur noch auf den Schlusspfiff wartet. Warum schaltet man dann nicht aus? Nope! Das geht gar nicht! Weil man immer hofft, dass ein magischer Moment geschieht. Erinnern wir uns an das CL-Finale zwischen Liverpool und AC Milan, als die Italiener in der ersten Spielhälfte mit drei Toren führten und eigentlich alles entschieden war. Doch die Engländer glichen in der zweiten Halbzeit aus und gewannen schlussendlich im Elfmeterschießen. Oder die Schlussphase im CL-Finale zwischen Manchester United und Bayern München, in der es die Engländer geschafft haben, in den Schlussminuten das Spiel für sich zu entscheiden. Oder dieser last-minute Treffer, der die Bayern zum Meistertitel schoss und das bereits jubelnde Schalke 04 demütigte. Freilich, solche magischen Momente gibt es wenige, sie sind eine seltene Kostbarkeit. Aha. Die Spieler der Elfenbeinküste versuchen es jetzt mit Härte. Na, das sieht mir ein wenig zu viel des Guten aus. So etwas gehört sich natürlich nicht. Aber ich versteh natürlich deren Frustration. Die spür sogar ich. Elano hat es ziemlich übel erwischt. Derweil hat er noch vor wenigen Minuten über sein Tor gejubelt. HALT. Ehrentreffer? Drogba köpft das 3 : 1 – ein klein wenig keimt Hoffnung auf. Shit. Hätten sie das Tor nicht vor zehn oder zwanzig Minuten machen können? Oder noch in der ersten Hälfte? Es ist ein Jammer. Jetzt geht es nur noch, sagen wir mit der Nachspielzeit 15 Minuten. Oha. Ein Tumult! Jetzt geht’s aber drunter und drüber. Rot für Kaka. Und plötzlich spürt man ein wenig Feuer bei den Afrikanern. Zu spät. Zu spät. Aus und vorbei. Jetzt sind die Brasilianer mit mittelmäßigem Fußball – genauso wie die Oranjes – bereits fix für das Achtelfinale qualifiziert. Damit läuft am Donnerstag eine B-Mannschaft gegen die Portugiesen auf. Na bravo. Und diesen reicht ja ein Unentschieden (wir gehen davon aus, dass sie die Nordkoreaner bezwingen, wobei, geschlagen sind diese zähen Burschen noch lange nicht!). Im schlimmsten Fall tun sich die Brasilianer und die Portugiesen nicht sonderlich weh und erspielen sich ein Unentschieden. Tja. Blöd gelaufen, für die Elfenbeinküste. Aber seien wir ehrlich, mit dieser Stehfußballpartie, so ganz ohne Emotionen, verdienen sie es ja erst gar nicht, weiterzukommen. Da hätt ich ja noch lieber die Nordkoreaner. Die zeigen Herz. Nicht nur Atomraketen.

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8 Antworten zu “WM 2010: Tag #10

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  2. fatmike182 Montag, 21 Juni, 2010 um 11:14

    ad Bra vs CIv
    generelle Zustimmung, besonders wenns ums Abdrehen geht; habe dann aber doch noch meine Einwände:
    – europäische Spielweise
    wodurch zeichnet sich diese aus? Das Hauptmerkmal ist mMn das ständige Theaterspielen (schnelles Passspiel ohne großer Technik & dann abstauben können andere S-amerikanische Mannschaften besser). Und die ehrenlose Attitüde bei einem Sport durch solche Feigheiten/Unsportlichkeiten zu betrügen hat sich bei beiden Teams kaum gezeigt. Aber das war auch schon die einzige Freude an dem Spiel.

    – Handspiel
    Tja – FIFA & co tun ja auch seit Jahren ihr Bestes, diese weiteren Unsportlichkeiten zu verhindern… NOT!
    Ein Kriterium das einen Sport auszeichnet ist nicht, dass es Regeln gibt, sondern, dass sämtliche davon eingehalten werden. Mit 4 Maxerln zur Aufsicht von 22 Personen +1 Ball +4 Hauptlinien auf einem Raum von 7000m^2 ist schon mal denklich schlecht. Man beachte die technischen Features mit denen der sparsame, bequeme Zuseher zuhause seit Jahrzehnten bereits verwöhnt wird: Zeitlupe/Videoanalyse.
    Sich ständig auf den Schiedsrichter au(s/f)zure(d/g)en scheint der wahre Sinn von Fußball geworden zu sein — das gemeinsame Feindbild jeglicher Fankultkonkurrenz.

    Mir ist momentan keine „Sportart“ bekannt, bei der, zum einen die Bereitwilligkeit der Ausübenden zum Betrug und zum anderen die gespielte Ohnmacht, bzgl der Regelkontrolle, der Dachverbände in dem Ausmaß Usus ist… noch dazu soll die dzt stattfindende Meisterschaft eine der höchtdotierten in dem Bereich sein – kein Hinterhofhundskick in der Rauchpause; das lässt die mittlerweile 5 irregulären Tore (3 irregulär gefallen, 2 irregulär nicht gewertet) dann schon in einem anderen Licht erscheinen.

    PS: (sry für das lange Kommentar)
    Würde mir endlich eine Debatte wünschen, wie sie bei Dopingfällen die logische Folge ist. Schwalben als alltägliche Fußballerübung ohne jeglicher Folgen im Alltag, Handspiel als Kavaliersdelikt – das ist mMn exakt das gleiche: Betrug (& Fußballer verdienen deutlich mehr als der durchschnittliche Tour de France Fahrer oder Leichtathletik-WM-Teilnehmner)

  3. Richard K. Breuer Dienstag, 22 Juni, 2010 um 11:34

    Spät, aber doch meine Antwort auf deinen langen Kommentar (entschuldigen brauchst dich deshalb bitteschön net, deshalb ist ja so ein Blög gut und teuer 😉

    Ich bin gespalten, was die „Videobeweise“ anlangt. Wenn es ohne längere Spielunterbrechungen möglich ist (zum Beispiel durch den „5.Schiedsrichter“, der die Wiederholungen des Fernsehbildes analysiert), dann könnte man es probieren. Aber wenn dann nach jeder strittigen Szene die Trainer einen Videobeweis fordern und sich dann (wie beim Eishockey, glaub ich) alle um einen Monitor gruppieren, dann wird’s peinlich und fad.

    Man muss auch sagen, dass durch die Schiedsrichter Spiele eine unvorhergesehene Wendung bekommen können. Freilich, das kann gut, das kann schlecht sein, macht es aber in jedem Fall als Zuseher (nicht als Fan) interessanter, spannender.

    Debatte über das Thema „Unsportlichkeit“ wäre vielleicht mal wirklich angebracht, aber ich befürchte, es ist verlorene Liebesmüh. Wenn es um viel geht, ist auch der Mensch bereit, viel zu tun, um zu gewinnen. Schon im antiken Griechenland gab es bei den „Olympischen Spielen“ Athleten, die schummelten oder sich ungehörig Vorteile verschafften.

    Als „europäische Spielweise“ definiere ich (für mich) ein lustloses, aber effizientes Ball-Herumgeschiebe. Man spielt sich in der Abwehr hundert Mal den Ball zu, macht die sicheren kurzen Pässe und dann schlägt man einen weiten Ball nach vorne und hofft, dass der Ball irgendwie ins Tor kullert. Ist das der Fall, zieht man sich zurück und lauert auf Konter.

    Hätte Kamerun die europäische Spielweise verinnerlicht, hätten sie gegen die Dänen nicht verloren. Genauso Nigeria gegen die Griechen. Es ist halt ein Jammer, aber diese europäische Effizienz wird noch dafür sorgen, dass das Fußballspiel immer öder wird. Was wir brauchen ist Feuer und Leidenschaft, keine Ergebnisspielerei. Ja, ja.

  4. fatmike182 Dienstag, 22 Juni, 2010 um 13:37

    Dann lass uns Haltungsnoten fordern!
    Sämtliche Indizien deuten darauf hin, dass es sich ohnehin nur um ein Unterhaltungsspiel haltet ohne den Fans die Schuld der Vergleichbarkeit (als Uridee des Sportes) zu erzeugen.

    Fußball würde zum Synchronschwimmen/Eiskunstlaufen des Rasens werden, den chauvinistischen Charakter verlieren, die Foul-Quote (Schwalben-Quote) verlieren und im Gesamtbild attraktiver werden.
    Da die Juroren auch anhand von Zeitlupenvideos bewerten können, wäre die Thematik mit der Unterbrechung durch Videobeweis auch weg.
    —-
    zurück zur traurigen Realität:

    Videobeweis muss auf jeden Fall parallel von einem neutralen Schiedsrichter laufen. Die Methode, dass nur eine gewisse Anzahl von den Trainern gefordert werden kann halte ich auch nicht für zielführend, zumal es dafür im Fußball zu viele Schiedsrichter-Entscheidungen gibt. Spiele werden aber auch so oft genug angehalten, oft auch zu unrecht – das könnte dann getilgt werden. Vermutlich würde sich ein zeitlicher Pufferbereich anbieten, innerhalb dem vom 5. Schiri Einspruch erhoben werden kann.
    Durch Sensor-Systeme könnten alle Abseitsfragen vorab beantwortet werden, sowie strittige War-der-Ball-über-der-Linie fragen (Tor, Out).

    ad interesse durch Schiedsrichterentscheidungen
    das kann ich leider nicht nachvollziehen. Vllt denk ich da zu sehr in meiner Sport-Welt, aber für mich ist ein Spiel in dem Fall schon an der Kippe zum Annullierung (aus persönlciher Sicht dann schlicht Ignoranz) – wozu es weiterverfolgen, wenn die Spieler psychisch durch eine Fehlentscheidung beeinträchtigt wurden?
    Das steht auch im Konflikt mit dem, womit Geld verdient wird.

    ad Unsportlichkeit bei olymp Spielen
    absolut, eben auch wie bei Doping. Aber es wird dagegen vorgegangen nach dem state of the art.

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 23 Juni, 2010 um 14:46

      Am einfachsten wäre es, wenn ein 5. Schiri über Funk dem Schiedsrichter mitteilt, wenn er schwer daneben liegt. Andererseits, wer hat das letzte Wort? Und wie weit wollen wir die Technik treiben, um ein „perfekt faires“ Spiel zu bekommen?

      Ein wenig erinnert mich diese Diskussion an jene, wenn es um die Frage der Sicherheit im öffentlichen Raum geht. Die einen wollen absolute Sicherheit durch technische Gadgets erreichen, die anderen plädieren auf Zivilcourage.

      Der Vergleich hinkt natürlich, aber in dieser Thematik kann ich mich weder für das eine, noch für das andere erwärmen. Vielleicht sollten es die nachfolgenden Generationen für sich klären, wie sie die Spiele gespielt haben wollen 😉

    • Stefan Janzek Donnerstag, 24 Juni, 2010 um 11:26

      muss fatmike krass wiedersprechen:

      ad Videobeweis: Tests bei Sensor-Systemen sind teilweise fehlgeschlagen und noch nicht einsatzbereit bzw. dort wo sie möglich sind, äußerst selten notwendig (siehe Jugendtuniere, usw…) – grundsätzlich aber zu uinterstützen

      ad Videobeweis bei Abseits: vor allem die tatsächlich sinnvolle Regel des passiven Abseits macht einen automatisierten Videobeweis hier nahezu unmöglich – technisch müssten sensoren im Ball und allen(!?) Körperteilen des Spieler eingebaut werden

      ad Schiedsrichterentscheidungen gehören zum Spiel: halte ich für eine fadenscheinige Ausrede von Fehlleistungen der Schiedsrichter.

      ad Unsportlichkeit (inklusive Schwalben und Zeitschinden): das könnte man im Rahmen der aktuellen Regeln relativ einfach beheben: z.B. jeder Spieler der (tatsächlich oder angeblich) verletzt ist muss min. 5 Minuten außerhalb vom Spielfeld warten bevor er das Spielfeld wieder betritt.

      ad Unsportlichkeiten in anderen Sportarten: ob bei Teamsportarten wie Handball, Eishockey und amerikan Football oder Einzelsportarten wie x-Meter Lauf, Radfahren, usw… Bei jeder Sportart wird versucht das möglichste herauszuholen. Fairness im Sport widerspricht sich vielleicht sogar (jede Partei sieht Entscheidungen verständlicherweise aus ihrer eigenen Sicht).

      ad europäische Spielweise: Kann man die einheitlich definieren? Spanischer Spielstil unterscheidet sich vom englischen, italienischer vom grichischen und deutscher vom russischem. Der Vergleich Südamerika vs. Europa vs. Afrika ist weit hergeholt, da die meisten Südamerikaner in Europa spielen und alle(?) afrikanischen WM-Mannschaften nicht afrikanische Trainer haben.

      Meine Meinung:
      – die Schiedsrichter müssen durch weitere Schiedsrichter unterstützt werden (siehe Europa League)
      – Schiedsrichter müssen ihre Arroganz ablegen und sich als fehlbar akzeptieren
      – das Spieler- und Schiedsrichter-Bashing abseit des Platzes muss aufhören
      – man sollte sich überlegen ob man nicht eine weitere Strafkategorie einführt: Gelb und Rot weiterhin für Fouls, eine dritte Kategorie für Unsportlichkeiten – damit kann man die Konsequenzen von Fouls und Unsportlichkeiten trennen (z.B. Knöchelbruch gegen Ballack ist anders zu sehen als Trikot beim Jubeln ausziehen)

      • Richard K. Breuer Donnerstag, 24 Juni, 2010 um 14:17

        Sehr schön. Andere Meinungen sind mir immer Willkommen, Stefan. Ich lass deinen Kommentar vorerst mal so stehen, vielleicht möchte fatmike darauf antworten.

        Bezüglich „Schiedsrichter müssen ihre Arroganz ablegen und sich als fehlbar akzeptieren“: im Prinzip tun sie das ja schon abseits des Spielfelds und nach einem Spiel. Auf dem Platz und während eines Spiels müssen sie jedenfalls Autorität zeigen. Dass diese dann und wann in Arroganz umschlägt (vielleicht sieht es auch nur von außen betrachtet so aus?), ist nicht im Sinne des Systems, kommt aber sicherlich vor 😉

  5. Pingback: Tweets that mention https://1668cc.wordpress.com/2010/06/20/wm-2010-tag-10/#comment-5221?utm_source=pingback -- Topsy.com

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