WM 2010: Tag #9

Australien : Ghana  1 : 1

Wer hätte gedacht, dass die Australier nach ihrer blamablen Leistung gegen Deutschland wieder ein fußballerisches Lebenszeichen von sich geben können? Vor ihrem Eröffnungsspiel hatte ich die Australier auf der Rechnung, danach strich ich sie durch. Und jetzt, nach diesem hart erkämpften Unentschieden, durchaus mit Chancen auf den Sieg, stehen sie wieder drauf und haben ihre – dürftigen – Aufstiegschancen gewahrt. Ich schätze, sie werden den Serben einen heißen Tanz bereiten. Genauso wie die Ghaner mit Händen und Füßen und Zähnen alles daransetzen werden, zumindest ein Unentschieden gegen die Deutschen herauszuspielen, besser: herauszukämpfen. Und wer die Truppe gesehen hat, der weiß, dass die afrikanischen Spieler kampfstark und konsequent sind. Ob die Disziplin, die Zuordnung halten wird, das steht auf einem anderen Blatt Papier. Im Zusammenspiel haben die Ghaner dann doch enttäuscht und viel zu oft versuchten sie, mit harten Weitschüssen ans Ziel zu gelangen, wobei sie aber geflissentlich den besser postierten Mitspieler übersahen. Das muss bis am Mittwoch, wenn es gegen das große Deutschland geht, besser werden. Dafür hat Gyan, der afrikanische Stürmer, bereits seinen zweiten Elfmeter im zweiten Spiel bekommen und klar verwandelt. Podolski könnte sich von ihm wohl etwas abschauen. Aber das weiß er (und ganz Deutschland) sowieso. Die Partie war also gar nicht schlecht. Ein munteres Spielchen. Mit dem richtigen Resultat. So gefällt uns das!

Niederlande : Japan  0 : 1 1 : 0

Die Holländer tun sich schwer, mit dem Toreschießen. Deshalb braucht es zumeist die Mithilfe eines gegnerischen Mitspielers. Im ersten Spiel köpfen sich die Dänen ein Eigentor. Im zweiten Spiel hilft der japanische Torhüter Kawashima kräftig mit, als er den Weitschuss von Sneijder nicht ordentlich pariert und er den Ball ins eigene Tor ablenkt. Dumm gelaufen. Für die Japaner. Die ordentlich spielten, durchaus passabel kombinierten und die ideenlosen Niederländer einigermaßen unter Druck setzten. Als Teamchef Okada (Marke: japanischer Feldherr) drei offensive Spieler einwechselte, ging es nur noch schleppend nach vorne. Wir sehen: es braucht auch Mittelfeldspieler, die Angriffe einleiten, den Tödlichen Pass spielen können. Stürmer, die sich im gegnerischen Strafraum auf die Füße steigen, bringen so gut wie nichts. Diese Lektion musste schon Kamerun bitter erfahren, als sie es nicht zu Wege brachten, die japanische Abwehr zu knacken. Diesmal war es umgekehrt. Diesmal waren es die Japaner, die die gegnerische Abwehr nicht überlisten konnten. Wobei, beinahe hätte es Okazaki geschafft, aber er knallte den Ball in der letzten Minute übers Tor. Tja. Jetzt sind die Holländer als erste Mannschaft im Achtelfinale. Ärgerlich. Weil die Oranjes weder gut, noch souverän gespielt, sie es sich deshalb nicht verdient haben, im letzten Spiel der Gruppenphase gegen Kamerun mit der B-Mannschaft antreten zu dürfen. Für Japan hingegen gibt es nun das Entscheidungsspiel am Donnerstag. Gegen die Dänen. Huh. Ich schätze, Dynamit trifft Samurai. Eine explosive Mischung, so viel ist sicher!

Kamerun : Dänemark  1 : 2

Hallelulja, was für ein Spiel. Und ausgerechnet dieses durfte ich nur „nebenbei“ sehen, weil ich ein Brettspiel zu testen hatte. Trotz der Ablenkung habe ich meine drei Mitspieler in den Sack gesteckt und gewonnen. Jetzt weiß ich nicht, ob das für mich oder gegen meine Mitspieler spricht. Wie auch immer, die Dramatik des Spiels, des Fußballspiels, war wohl nicht mehr zu überbieten. Und es ist ein Jammer, ein großer, wirklich ganz großer Jammer, dass nun die Kameruner ihre Koffer packen müssen. Noch vor ihrem letzten Spiel, gegen die Holländer, sind sie mit null Punkten  chancenlos. Wäre das Ergebnis anders ausgefallen, hätte Kamerun gewonnen, dann hätte es sogar noch für die Oranjes eng werden können. Aber die Fakten sehen eben anders aus. So ist Fußball. Da werden Fehler bestraft. Gnadenlos. Hätte Eto’o vielleicht schon gegen Japan als Mittelstürmer agiert, Kamerun hätte vielleicht das Spiel nicht verloren. Sei’s drum. Die Dänen haben gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist, obwohl ihr Eröffnungsspiel gegen die Holländer äußerst mäßig war. Von wegen dänisches Dynamit. Das war eine schwache fußballerische Leistung, ausgelöst durch die Angst, dass ihr holländischer Gegner übermächtig sei. Derweil lief bei den Niederländern nichts zusammen. Wie auch immer, die Dänen waren es, die tatsächlich, wie Phönix aus der Asche, als Sieger vom Platz gingen. Obwohl es anfänglich ganz und gar nicht danach ausgesehen hatte. Da marschierten die Kameruner gegen das dänische Tor, als würde es kein Morgen geben. Druckvoll machten sie ihr Spiel, schossen aus allen Lagen, kombinierten beherzt und man spürte (sogar ich, der ja abgelenkt war), dass sie die Entscheidung erzwingen wollten. Aber die Dänen hielten, soweit möglich, dagegen (aber immer, wenn ich zum TV-Schirm sah, waren es die Afrikaner, die wirbelten), sorgten auch für Gefahr, aber als Eto’o endlich sein Tor machte, dachte ich nicht daran, dass die Dänen noch einmal zurück kommen würden. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger und weil die Afrikaner ihre Chancen nicht nutzten (davon gab es reichlich), nutzten die Dänen die ihren, wenigen. Sie glichen aus. Sie schossen den Führungstreffer. Sie zogen sich zurück. Warteten auf ihre Chancen, die sie im Konter vorfinden sollten. Aber die Chancenauswertung auf beiden Seiten ist zum Haare raufen. Kamerun hätte zu mindest ein Tor machen müssen. Müssen! Aber der Fußballgott dürfte kein Erbarmen gehabt haben. Fairerweise muss man sagen, dass die Dänen die Entscheidung hätten herbeiführen müssen. Müssen! Aber so scheiterten beide Mannschaft entweder an ihrer Unfähigkeit, an ihren Nerven oder am gegnerischen Torhüter. Gäb’s nur mehr von solchen packenden, dramatischen Spielen, das Leben eines Fußballfans wäre der Himmel auf Erden. Und jetzt blicken wir mit großer Vorfreude auf das „Endspiel“ Dänemark : Japan. Wenn die Dänen die Japaner bezwingen, dann ziehe ich meinen Hut und setze sie auf die Rechnung. Ober, zahlen!

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7 Kommentare zu „WM 2010: Tag #9“

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