richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM 2010: Tag #15

Beinahe musste ich befürchten, dass sich der Fußballgott verschworen hatte und destruktiven Fußball beförderte. Aber, gottlob, am Ende war die Welt wieder in Ordnung. Jedenfalls für mich, nicht unbedingt für die Eidgenossen. Ansonsten nichts Neues im Süden. Brasilien. Portugal. Und dann lange nichts.

Brasilien : Portugal 0 : 0……………….Elfenbeinküste : Nordkorea  3 : 0

Nordkorea! Brav gespielt, aufopfernd gekämpft, die Brasilianer eine Zeit lang geärgert, gegen Portugal untergegangen und nun schwimmen sie nach Hause. Mir haben sie gefallen, die Asiaten. Und wer bitteschön, ist (neben Drogba) in der Lage, Brasilien ein Tor zu machen? Das verdient Respekt.

Elfenbeinküste! Gegen Portugal abwartend gespielt. Gegen Brasilien fehlte der letzte Wille zum Sieg. Das war es dann auch schon wieder mit den Afrikanern. Bei einer Weltmeisterschaft muss man von Beginn an alles geben oder du fliegst raus. Die Ausnahmen sind natürlich Portugal und Brasilien, die mit angezogener Handbremse ins Achtelfinale traben. Alles in allem hat mich die Elfenbeinküste enttäuscht. Schade.

Portugal! Die Abwehr der Portugiesen scheint eine unüberwindbare Hürde für jeden Gegner. Und vorne geigt ein gewisser Christiano Ronaldo. Wenn er einen guten Tag hat und bestens gelaunt ist, dann entscheidet er schon mal ein Spiel. Trotzdem meine ich, dass ihnen das gewisse Etwas fehlt. Und einen Knipser, der vorne die Tore macht, wie einst ein Pauleta oder Gomes. Jetzt geht es gegen Spanien. In gewisser Weise vergönne ich es den beiden Mannschaften. Weil sie ähnlich überheblich agieren. Und Hochmut kommt bekanntlich vor dem Ausscheiden.

Brasilien! Ach ja, die all-time-Favoriten. Mit Dunga sind sie jetzt kampfstärker, robuster und konsequenter. Das Filigrane, das Leichtfüßige haben sie abgelegt. Sie erinnern immer mehr an eine europäische Mannschaft, deren erste Maxime heißt: hinten sicher stehen. Das ist zwar effizient und führt in Richtung Finale, aber wenn man nicht aufpasst, könnte man die Brasilianer leicht mit einer anderen Mannschaft verwechseln. Schätze, das war früher unmöglich. Jetzt treffen sie auf die Chilenen, die für mich einen brasilianischen Fußball spielen. Dumm, dass sie gegen Brasilien untergehen werden. Nicht, weil sie schlechter wären, als der Favorit, sondern deshalb, weil die Brasilianer nun einmal abgeklärter und reifer sind. Schade, aber so ist das eben im Fußball. Gewinnen tut der, der die meisten Tore nach 90 Minuten geschossen hat. Punkt!

..

Chile : Spanien 1 : 2……………….Schweiz : Honduras 0 : 0

Honduras! Honduras ist immer für eine Überraschung gut. Diese zähen Burschen haben Spanien und Chile lange genervt, bis sich endlich die Türe öffnete und die Tore fielen. Wobei, zwei gegen Spanien, eines gegen Chile, das ist in Ordnung. Dass es hingegen die Schweizer nicht schafften, ihnen eines oder zwei Tore zu machen, spricht für die Hintermannschaft (oder gegen die Schweizer Offensive). Im letzten Spiel haben sie ordentlich gekämpft, brav gekontert und alles versucht, den Eidgenossen ein Tor zu machen. Man ist beinahe versucht zu sagen, dass sie es absichtlich nicht wollten. Solche Chancen zu vergeben, also, dafür müsste man eigentlich eingesperrt werden. Wirklich. Ich schätze, jede Wirtshaustruppe würde den Ball irgendwie ins Tor stolpern. Aber wollen wir nicht unken, ich muss ihnen ja danken. Hätten sie sich den Schweizern ergeben, hätten sie die Verteidigung eingestellt, Chile wäre jetzt nicht im Achtelfinale. Also werden mir die Honduraner lange Zeit angenehm in Erinnerung bleiben. Ist ja auch schön, oder?

Schweiz! Sie schafften tatsächlich die Sensation und schlugen die Spanier im Auftaktspiel mit 1:0. Es war eine großartige Defensiv-Leistung. Die schweizer Betonmischmaschine arbeitete ordentlich und ließ die Spanier anlaufen. Einerseits freute es mich. Weil es die überheblichen Spanier wieder ein wenig auf den Boden der Realität zurück brachte (analog den Deutschen, als sie gegen Serbien verloren). Andererseits ärgerte es mich. Weil Beton anrühren zwar eine mögliche Taktik ist, um ein Match zu gewinnen bzw. nicht zu verlieren, andererseits spielt niemand Fußball. Man stelle sich vor, die Spanier oder (noch schlimmer) die Chilenen hätten nach Hause fahren müssen, nur weil die Schweizer mit ihrem Defensiv-Konzept einmal erfolgreich waren. Aber man hat gegen Honduras gesehen, wie schwierig es ist, das Spiel und wenigstens ein Tor zu machen. Scheinbar ist es leichter, den Ball aus dem eigenen Strafraum zu halten, als in den gegnerischen zu bringen.

Chile! Hach. Es ist eine große Freude, die Chilenen beim Fußballspielen zuzusehen. Für mich spielen sie den erfrischensten Fußball. Und beinahe hätten sie auch die Spanier aus dem Turnier gekickt, wäre da nicht dieser dumme Fehler ihres Tormanns passiert. Und die Gelb-Rote, naja, darüber könnte man auch streiten. Wie dem auch sei, für rund 25 Minuten zeigte  Chile auf. Die jüngste Truppe im Turnier kämpft und spielt und trickst, dass es eine Freude ist. Dabei verlieren sie nie den Zug zum Tor. Dumm, dass es ausgerechnet gegen die Brasilianer geht. Wären sie ein wenig erfahrener, abgeklärter, dann würde ich eine große Summe auf sie setzen. Aber so, es steht zu befürchten, wird ein dummer Fehler die Entscheidung bringen. Gegen die Chilenen. Aber noch dürfen wir hoffen.

Spanien! Naja, das war am Ende doch eine recht knappe Angelegenheit. So souverän, wie es sich viele dachten, war es dann doch nicht. Gegen die Schweiz überraschend verloren, gegen Honduras gewonnen, gegen Chile an die Wand gedrückt und dann doch noch den Kopf aus der Schlinge gezogen. Aber unbesiegbar sind sie nicht, die Spanier. Das hat die Gruppenphase gezeigt. Ihr Hochmut hätte sie beinahe zu Fall gebracht. Nun wird sich die spanische Überheblichkeit mit der portugiesischen messen müssen. Hervorragend. Denn am Ende wird es einen zu Fall bringen.

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Eine Antwort zu “WM 2010: Tag #15

  1. Football FAN! Dienstag, 29 Juni, 2010 um 10:56

    Einen schönen Blog hast Du 🙂
    Ich habe vor kurzem auch begonnen einen WM – bezogenen Blog zu schreiben, vll. schaust Du auch bei mir mal vorbei.

    Danke & LG,

    Der Fußball – Fan

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