richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM 2010: Tag #18

Niederlande : Slowakei  2 : 1

Gääähn. Die Holländer, vulgo Oranjes, sind also im Viertelfinale und treffen dort auf den Sieger Brasilien : Chile. Manchmal ist es mir ja ein Rätsel, wie es manche Mannschaften schaffen, mit mäßigen Leistungen, so souverän die Spiele für sich zu entscheiden. Die Niederländer gehören definitiv dazu. Die vier Spiele, die sie bis dato abgeliefert haben, waren schlichtweg zum Vergessen. Weil die Holländer es verstehen, den Raum eng und hinten dicht zu machen. Vorne reicht dann mal ein Maßflanke auf Robben, der zum Strafraum sprintet, nach links zieht und dann seinen Schuss anbringt. Messi macht es ja genauso. Eigentlich sollte man meinen, die Abwehrspieler kennen das schon. Aber hilft halt nix. Das Tor hat er trotzdem gemacht, der Robben. Schöne Bescherung. Weil dann gar nichts mehr los war. Die Holländer haben noch nie Ambitionen gezeigt, weiter Druck zu machen. Liegt es an ihren attraktiven Spielerfrauen? Verlangen die ihnen vielleicht des Nächtens zu viel Kraft ab? Während der EM 2008 spielten die Oranjes auf, dass es eine Freude war. Sie zerlegten die Italiener und Franzosen, ließen beide alt aussehen (was sie ja auch waren) und spielten sich mit Offensivfußball vom Feinsten in mein Herz. Tja. Zwei Jahre später ist nichts mehr davon zu sehen. Statt druckvoll nach vorne ihr Spiel zu machen, werden die Sicherheitspässe in der eigenen Hälfte zelebriert, so lange, bis Robben, Van Persie oder Kuyt in Position gesprintet sind, um von Sneijder bedient zu werden. Das war’s auch schon wieder. Die anderen Holländer versuchen nur das Spiel des Gegners zu zerstören. Das ist vielleicht effizient, aber zum Zuschauen eine Zumutung. Man müsste eigentlich das Eintrittsgeld zurück verlangen. Was die Fußballwelt braucht, ist kein Videobeweis, sondern Haltungsnoten!

Und die Slowakei? Vittek, der nach seinen Toren in der Gruppenphase bereits Nationalheld in spe ist, hätte sich unsterblich machen können. Blöd. Hat er aber nicht. Alleine vor Stekelenburg versagen ihm die Nerven (hat er schon daran gedacht, wo man seine Statue für ihn aufstellen würde?). Einmal. Und sogar ein zweites Mal. Statt ins Tor schießt er den Torhüter an. Da hätte es noch einmal spannend werden können. Aber wo Holland drauf ist, ist Un-Spannung drin. Zu guter Letzt holten sich die Slowaken noch den Ehrentreffer in der letzten Minute ab. Auch das ist zum Ärgern. Zehn Minuten früher und wir hätten ein Hopp-oder-Dropp der Slowaken gesehen. Aber es sollte wohl nicht sein. Und jetzt stelle man sich vor, die Oranjes kicken Brasilien (oder die Chilenen, von denen ich sehr viel halte, habe ich das schon gesagt?) aus dem Turnier. Unvorstellbar, aber leider möglich. Und weil wir gerade bei Unvorstellbarem sind: Deutschland : Holland im Finale?  Wenn ja, dann geb ich mir den Jabulani! Auf der Stelle!

Brasilien : Chile  3 : 0

Tja. Das war wohl nix. Aus Sicht der Chilenen. Für die Brasilianer könnte es nicht besser laufen. Wer das Spiel nicht gesehen hat, wird es bereits am Ergebnis festmachen, dass die Dribblanskis vom Zuckerhut in allen Belangen besser waren. Äh, so einfach ist es bitteschön nicht gewesen. Zum einen: die Chilenen haben anfänglich das Spiel gemacht, haben recht flüssig kombiniert und nach vorne gespielt. Aber vor dem 16er baute sich eine rigorose, konsequente Abwehrmauer auf, die durchaus beeindrucken konnte. Da gab es sprichwörtlich kein Durchkommen. Nada. Und wenn wir uns vor Augen führen, dass die Chilenen die Schweizer Abwehr knackten, dass sie mit nur 10 Mann die Spanier teils schwindlig spielten, dann lässt es wohl nur den Schluss zu, dass die Brasilianer vielleicht spielerisch nicht die beste Mannschaft des Turniers ist, dafür aber die Konsequenteste in der Abwehr und die Effizienteste im Angriff. Sie machen gerade so viel, wie nötig ist, ein Tor zu machen, dann ziehen sie sich zurück und lauern. Da sind sie den Holländern nicht unähnlich. Und wenn diese beiden Mannschaften nun im Viertelfinale aufeinandertreffen, dann heißt das, wir müssen mit dem schlimmsten rechnen: ein ewiges Abtasten, ein zögerliches Offensivbemühen. Die Chilenen halten nichts von einer Abwehrreihe. Sie versuchen den Gegner unter Druck zu setzen, Pressing zu spielen. Gegen die Brasilianer hat es anfänglich genauso gut funktioniert, wie gegen die Spanier. Der Ballbesitz in den ersten, sagen wir, 15 Minuten, war etwa 45 zu 55 % für die Chilenen. Schätze, das sieht man nicht so oft, dass die technisch starken Brasilianer in die Defensive gedrückt werden. Freilich, gefährlich wurden die Chilenen nicht wirklich. Daran happert es bei ihnen, bei der Konsequenz. Besser machen es da die Brasilianer, die das erste Tor aus einer Standard-Situation (Eckball: Kopfball gegen die kleinen Chilenen ist ein geeignetes Mittel), das zweite durch einen klassischen Konter erzielten. Wir sehen: die Brasilianer müssen nicht mehr das Spiel machen (vielleicht wollen sie’s auch nicht, who knows?), sie wollen nur die Tore machen und Schluss.

Die Chilenen haben mir jedenfalls gefallen. Beherztes Spiel nach vorne. Ihr junges Alter macht sich immer wieder bemerkbar. Sie sind zu wenig abgebrüht, zu wenig zielgerichtet. Ihnen fehlt die Souveränität, das Selbstbewusstsein, das ein Lucio, ein Gilberto Silva hat. Jeder der Spieler aus Brasilien versprüht eine Aura des „Hier bin ich und  was willst du?“. Es wird schwierig, diese Mannschaft, die nicht mehr schön spielen, sondern nur noch gewinnen möchte, zu schlagen. Die Holländer werden es wohl kaum sein. Aber vielleicht schläfern sie die Brasilianer 120 Minuten ein und kicken sie dann im Elfmeterschießen raus. Ich schätze, ein frühes Tor für Brasilien und wir sehen wütende Oranjes, die zum ersten Mal einem Tor nachlaufen. Kann auch umgekehrt sein.

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Eine Antwort zu “WM 2010: Tag #18

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