Gespräche auf Augenhöhe und ein besonderes Parfum

Manchmal passiert es. Einfach so. Ohne viel Zutun. Freilich, von nichts kommt nichts. Eine alte Binsenweisheit, die man Wahrheit nennen darf. Und wenn ich nun von den letzten Tagen erzähle, dann klingt es nach mehr, als es am Ende einbringen wird. Auch das ist eine Weisheit, die heute dem geneigten Leser, ohne weitere Kosten, mit auf seinen Weg gegeben wird. Und bevor ich am Nachmittag im Einkaufswagen in der Brigittenau – jener Bezirk, in dem ich schon seit vielen Jahre lebe – herumgeschoben werde, auf dass den Leuten gezeigt wird, dass auch Künstler in dieser Gegend wohnen, möchte ich noch schnell ein paar Erinnerungsstücke festhalten, bevor sie in den weiteren Tagen relativiert oder der Vergessenheit anheim fallen werden.

Eigentlich wollte ich mich drücken, vor dem Jour Fix des HVB, in dem es um die weiteren Details zur Buchmesse Wien ging. Aber da ich schon Albert Knorr zusagte, der eine freundliche Schar klein(st)er Verleger um sich scharrte, die Interesse zeigen, (wieder) an der Messe teilzunehmen, aber nicht glücklich sind, weil der Verkauf der eigenen Bücher am Messestand verboten ist. Gerade für Klein(st)verleger wäre der Verkauf am Messestand ein einigermaßen lukratives Geschäft, aber die Messebuchhandlung will davon nichts wissen, will keine Ausnahmen gestatten und zwingt somit diesen kleinen Verlagen ihr Verkaufsmodell auf. Freilich, im Laufe des gestrigen Gesprächs, gab es das Zeichen eines Entgegenkommens. Das hätte es wohl noch vor einem oder zwei Jahren nicht gegeben. Wir sehen: die Buchbranche bemerkt den aufkommenden Sturm, der sich am Horizont zusammenbraut.

Wie dem auch sei, ich habe mich zu diesem Treffen geschleppt. In der größten Hitze, mit einem brummenden Schädel und einem angeschlagenen Magen. Ich wollte alsbald wieder gehen und mich in Ruhe meinem kleinen Leiden hingeben (Männer sind dahingehend ja wahre Künstler, wenn es darum geht, ihre Kränklichkeiten zu zelebrieren). Aber, wie der Zufall manchmal so merkwürdig spielt, tauchte ein bekanntes Gesicht auf. Nein, ich habe die gute Andrea Braunsdorfer (ich habe sie gefragt, ob ich sie namentlich erwähnen dürfe und sie antwortete kurz und knapp, dass sie sich geehrt fühle; ja, das hört man gerne) noch nie persönlich getroffen. Aber in den Weiten des virtuellen Social Webs haben wir uns hie und da unterhalten, haben uns ausgetauscht (im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass sie auch ein Exemplar von Schwarzkopf gelesen hatte; erste Auflage!) und ich glaube, dass wir uns da und dort treffen hätten wollen, aber es irgendwie nie zustande kam. Jedenfalls begrüßte sie mich wie einen alten Freund, was vermutlich die Kleinverleger irritierte, weil ich Ihnen ja sagte, dass ich die Andrea nicht persönlich kenne. Da soll mal einer sagen, diese virtuelle Verknüpfungsmaschine wäre zu nichts gut. Wie dem auch sei, ich unterhielt mich sehr ausführlich mit ihr, ist sie doch die neue Pressechefin des Ueberreuter-Verlags und im Moment vor allem für den Sachbuchbereich zuständig. Das Programm, wenn ich es mir richtig gemerkt habe, umfasst beinahe 50 bis 60  Neuerscheinung pro Jahr. Das ist, für österreichische Verhältnisse, enorm. Wirklich. Im Übrigen, wie ich gerade auf der Website gesehen habe, erscheint im Oktober das Buch Phänomen Facebook; also, darüber könnte ich auch einiges erzählen. Jedenfalls, weil wir beide so angeregt plauderten, Andrea mir unbedingt das eine oder andere Buch aus dem Verlagsprogramm zukommen lassen möchte, weil diese mich sehr interessierten, da erzählte ich, dass ich die Idee zu diesem Sachbuch über „Verschwörungstheorien“ hätte und was in dieser Welt so abgeht, ohne dass es der normalsterbliche „Passagier“ bemerkte. Sie wurde hellhörig und meinte, ob ich nicht ein Exposé hätte. Ich verneinte und deutete auf meinen Kopf, wo sich das Ganze befindet. Andrea ließ nicht locker und bedrängte mich, ein Exposé zu machen. Ich nickte und meinte, noch mit (m)einem Informanten (kein Witz, mit Verlaub) reden zu wollen, ob er vielleicht an so einem Buch mitarbeiten würde wollen. Ja, so sieht es also aus, wenn man als Schreiberling ernst genommen wird. Dann kann man auf Augenhöhe Gespräche führen. Das ist für einen Eigenverleger, der sich tagtäglich beweisen muss, ein seltener Glücksfall. Wirklich. Bevor ich mir also Gedanken über das Exposé mache, werde ich mir mal das Programm vom Ueberreuter Verlag angucken – soweit ich weiß, sind sie ein Schwergewicht im Kinder- und Jugendbuchsektor; im Fantasy-Bereich sind sie auch zu Hause und, wer hätte das gedacht, veröffentlichen bereits seit längerer Zeit ausgewählte Bücher als ebooks (Respekt!). Schließlich muss ich ja sehen, woran ich gemessen werde, wenn ich die zwei oder drei Seiten meiner sachbüchlichen Idee vorlege. Hm. Vielleicht sollte ich auch gleich ein Sachbuch über meine „blind date“-Erfahrungen schreiben. Wär auch mal was anderes.

Später wurde ich HS. vorgestellt (ich habe sie noch nicht gefragt, ob ich sie namentlich nennen darf). Eine junge Verlagsvertreterin, die auf mich einen äußerst offenen und sympathischen Eindruck machte. Ich gab ihr mein Verlagsprospekt (vulgo Folder) und sie bekam große Augen, als sie die „Tiret“-Bände sah (während sie Schwarzkopf und Rotkäppchen 2069 links liegen ließ). Weil sie Geschichte studierte und sich für das ausgehende 18. Jahrhundert sehr interessierte. Da staunte ich nicht schlecht. Weil ich immer eine Litanei zu den „Tiret“-Bänden sagen muss („Französische Revolution, you know? Tu sais?“). Erfreulich. Weil sich HS. nun die Bücher besorgen wird (Buchhandlung am Quellenplatz!) und wir uns auf einen Kaffee treffen. Mal schauen, wie sie die Qualität meiner Bücher im Verlgeich zu den „ihrigen“ sieht. Das ist eine gute Prüfung. Wenn ich (respektive meine Bücher) sie bestehe, dann darf ich wieder die Erfolgsleiter hinaufsteigen. Eine Sprosse. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger!

Dass ich, aller Voraussicht nach, die Buchmesse Wien beehren werde, hat natürlich nur damit zu tun, weil Albert Knorr auf mich freundlich aber bestimmt einwirkt. Immerhin ist sein Ziel, während der Messe ins TV zu kommen. Das könnte durchaus gelingen. Seine Leseratten erfreuen sich ja beim Publikum größter Beliebtheit. Und weil er einen LKW voll zur Messe ankarren möchte, kann ich mir gut vorstellen, dass er es schafft. Während er also ein Meister der Zack-Prack-Hau-drauf-und-schluss-Marketingstrategien ist, versuche ich mich im subtil-leisen Anklopfen. Zumeist wird es überhört, aber dafür muss ich mich nicht mit Leutchen herumschlagen, die polternd und lautstark über einen herfallen. Mein Publikum mag es dementsprechend leiser, dezenter und subtiler. Vermutlich ist es, als würde man eine dieser brüllenden Elektro-Ketten-Werbung mit diesem Chanel-Filmchen vergleichen wollen. Ich schätze, beide erreichen ihr Ziel, ihr Publikum. So oder so.

Gefunden habe ich diesen Werbefilm im Blog adliteratur.

update: HS. hat sich die beiden „Tiret“-Bände schon besorgt. Ja, so schnell kann das gehen 😉

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6 Kommentare zu „Gespräche auf Augenhöhe und ein besonderes Parfum“

  1. so so, ich wirke als auf dich ein 🙂
    Ich nehm das mal als Kompliment und würd mich über einen gemeinsamen Auftritt bei der Messe freuen. Ob wir es ins Fernsehen schaffen, will ich nicht versprechen, aber wenn du mit mir zur Pressekonferenz gehst (üblicherweise am Vorabend), dann sind wir auf jeden Fall im Gespräch – versprochen 🙂

    lg
    albert
    (der sich für besagten Vorabend schon ein spezielles „Programm“ überlegt hat)

    1. Yep. Also, die Ankunfts- und Mitmachwahrscheinlichkeit liegt bei etwa 98 %. Prognose: steigend. In den nächsten Tagen geb ich dir Bescheid. Aber ich denke, ich werd das mit dir durchziehen.

      „Spezielles Programm“? Also, ich zieh mich bitteschön nicht nackig aus. Auch wenn ich bald die Sparte „Erotik“ in meinem Verlagsprogramm abdecke 😉

  2. Hm, wenn ich das so lese freu ich mich schon auf die Messe! Aber da diese nur bis 19h geöffnet ist, nehme ich an, dass es nicht nacktes geben wird… 😉

    1. Nacktes? Meine liebe Helga, vulgo HS., vielleicht zieht der gute Albert seinen Leseratten das Fell über die Ohren. Als Thriller-Autor könnte man ihm das doch glatt zutrauen. Ich dagegen, ich bin ja primär zart besaitet. Naja, sagen wir, fast.

  3. Habe Deine Website bereits an unseren Sachbuchchef weitergeleitet. Ich finde Dich und Deine Bücher großartig – ein Talent wie Deines muss unbedingt gefördert werden – was ich dazu beitragen kann, mach ich sehr gerne.

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