richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM 2010: Tag #21 Viertelfinale PAR : ESP

Paraguay : Spanien  0 : 1

Da sind sie also wieder, die Spanier, dieser 1.FC Villa. Es ist nur schwer erklärlich, wie sie mit mäßiger Leistung, so weit kommen. Sie straucheln, aber sie fallen nicht. Vielleicht ist das ihr Geheimrezept? Und Paraguay? Hätte es sich durchaus verdient, ins Halbfinale zu kommen. Aber, seien wir ehrlich, was hätten diese kleinen Südamerikaner gegen die aufgeputschten Deutschen ausrichten wollen? Da braucht es schon den Mythos der  iberischen Unbesiegbarkeit (in den letzten 58 Spielen haben sie gerade einmal zwei Partien verloren: einmal gegen die USA vor einem Jahr im Finale des CONFED-Cup – ja, da waren die Spanier völlig von der Rolle, so, als würden sie gar nicht spielen wollen – und im Gruppenspiel gegen die Betonmauer aus der Schweiz).

Die Spanier haben vermutlich die besten offensiven Mittelfeldspieler, vergleichbar nur mit den Niederländern. Paraguay hat aber mit Kampfkraft und Laufbereitschaft dagegen gehalten. Jeder Trainer, der die erste zwanzig Minuten des Spiels der Chilenen gegen die Spanier gesehen hat, weiß nun, wie man die Iberer schlagen – oder wenigstens entschärfen – kann. Ich schätze, Herr Löw wird das wissen. Ich hoffe, Signor Del Bosque weiß, dass Herr Löw das weiß. Gut möglich, also, dass wir im Halbfinale einen Schlagabtausch von der ersten Minute an sehen – frei nach dem Motto: wer zu erst trifft, hat gewonnen.

Die Spanier also mit ein wenig Glück weiter. Und schon wieder hatte der Fußballgott seine Finger im Spiel, musste er an der Dramaturgieschraube drehen. Zuerst ein Elfmeter für Paraguay, weil Pique, dieser (für mich) hölzern wirkende Elite-Verteidiger vom FC Barcelona, im Strafraum Cardozo zu Boden reißt. Das macht er so lächerlich ungeschickt (er hält mit beiden Händen den Arm des Stürmers und reißt ihn zurück), dass man sich fragt, ob Pique sie noch alle hat. Und dann bewahrheitet sich wieder einmal die geflügelte Phrase: der Gefoulte solle nicht den Strafstoß schießen. Gesagt getan, Cardozo scheitert an Casillas, der den Ball fängt und sofort ausschießt, was zur Folge hat, dass Villa mit dem Ball in den Strafraum von Paraguay sprintet und dort zu Fall gebracht wird. Elfmeter. Keine 40 Sekunden später. Aufregung. War es ein klares Foul? Strittig!  (natürlich stellt sich sofort die Frage: hätte der Schiedsrichter so einen Elfmeter für das kleine Paraguay gepfiffen?). Xabi Alonso läuft an und verwandelt staubtrocken. Freude bei den Spaniern. Ein Pfiff. Der Schiedsrichter deutet erneut auf den Elfmeterpunkt. Der Strafstoß muss wiederholt werden, weil spanische Spieler in den Strafraum gelaufen sind, obwohl der Elfmeter noch nicht ausgeführt wurde. Aufregegung. Xabi Alonso legt sich den Ball erneut auf den Elfmeterpunkt. Anspannung. Er schießt. Villar, der Torhüter von Paraguay kann den Ball abwehren, dieser springt von ihm weg, direkt vor die Füße von Villa. Der Torhüter wirft sich Villa entgegen, reißt ihn förmlich von den Beinen (kein Elfmeter, obwohl ein klares Foul), der Ball kullert zu Ramos, der aufs Tor schießt, aber der Ball wird von einem südamerikanischen Verteidiger vor der Torlinie mit dem Fuß abgewehrt. Zusammengefasst: drei Elfmeter, kein Tor! Ja, so dramatisch kann Fußball sein.

Dass am Ende die Spanier vom Platz gingen, ist wieder einmal Villa zu verdanken, der einen Torriecher hat. Wieder goldrichtig gestanden („dort, wo ein Stürmer zu stehen hat“), wieder das wichtige, entscheidende Tor gemacht. Hätte der Fußballgott nicht noch einmal die Dramaturgieschraube andrehen können?  Der Schuss von Pedro prallt von der Stange und direkt vor die Füße von Villa. Dieser fackelt nicht lange und zirkelt den Ball ins lange Eck. So genau, dass der Ball die Innenstange trifft und von dort die Torlinie entlang zur nächsten Stange kullert, abprallt und ins Tor springt. Was wäre wohl geschehen, wäre der Ball AUS dem Tor gesprungen? Es wäre wohl in die Verlängerung gegangen.

Nach dem Führungstreffer, der etwa 10 Minuten vor dem Ende der Partie passierte, hätte Paraguay noch den Ausgleich erzielen können. Aber Santa Cruz (ex-FC Bayern Stürmer) scheiterte an Casillas. Das ist Pech (und eine Glanzleistung des spanischen Torhüters). Also wieder Tränen bei Cardozo (hätte er doch nur den Elfmeter verwandelt), grenzenloser Jubel bei den Spaniern. Ich kann kein spanisch, sehe auch kein spanisches Fernsehen, aber ich wette, dort werden die Kommentatoren lauthals gesagt haben, dass dieser Mannschaft „alles zuzutrauen“ ist. Ach ja, das hatten wir schon, nicht?

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Eine Antwort zu “WM 2010: Tag #21 Viertelfinale PAR : ESP

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