richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Literarische Lottospielambitionen und ein dickes Lob

Mit kleinen Schritten muss sich der Kleinstverleger seinen Weg durch den dichten, überwucherten Dschungel der Buchbranche bannen. Kein einfaches Unterfangen, wenn das Budget knapp bemessen und eine familiäre Hilfsstruktur nicht gegeben ist (wer hat schon einen Verleger-Papa? Oder einen Banker-Papa, dessen Jahres-Bonus reichen würde, um mein gesamtes Literaturschaffen der letzten Jahre abzudecken?). Deshalb ist man (vulgo ich)  auf ein soziales Netz angewiesen. Mehr denn je verlagert sich dieses in den virtuellen Raum. Und dort ist das Potenzial schier grenzenlos. Wer aber nun vermeint, es würde bedeuten, man müsste nur das Geld, das auf dieser Webstraße läge, aufsammeln, der irrt. Nicht gewaltig, nein, aber er irrt. Weil auch im Web, so virtuelle es auch sein mag, immer noch Menschen am anderen Ende der Leitung sitzen, die reale Wünsche und Begierden haben.

Wie dem auch sei. Kommen wir zum alleinigen Grund dieses heutigen Geschreibsels: Matthias Brömmelhaus, Schreibtäter seines Zeichens, ist über mich und meine beiden „Tiret“-Bücher gestolpert. Dass dieses Stolpern bei Petra van Cronenburg passierte, Journalistin und Autorin im Elsaß, die mein verlegerisches Tun immer wieder positiv erwähnt, freut mich besonders. Weil sie sich in ihrem Blog (übrigens eine dringende Empfehlung!) sehr kritisch mit der verlegerischen Zunft auseinandersetzt. Und in jenem Beitrag, der sich mit dem Abgesang des historischen Romans beschäftigt, hat mich Matthias Brömmelhaus gefunden.

[Petra van Cronenburg] „Ich hörte ungefähr zu dem Zeitpunkt auf, als die Titel nur noch ein „-in“ oder eine „Tochter des“ und Grafiken aus der Präraffaelitenkiste trugen, weil ich als Frau das Frauenbild nicht mehr ertrug, das von der fröhlichen Massenvergewaltigung im Kostüm direkt in die willige Eherolle neben dem Märchenprinzen führte.“

Das hätte natürlich auch vollends in die Hose gehen können. Weil ich mich im Kommentar zu dieser profunden Analyse kurz eingemengt und meinen Senf dazu abgegeben habe. Dass ich dabei klar machte, ebenfalls Autor historischer Bücher zu sein, hätte man mir natürlich übel nehmen können, bin ich doch damit nicht mehr objektiv und wir wissen, dass die eigenen Kinder immer die hübschesten und intelligentesten sind. Und ehrlich, ich hatte dann doch ein flaues Gefühl im Magen, als ich den Kommentar abschickte. Im schlimmsten aller Fälle hätte man mich der penetranten Eigenwerbung überführen können. Deshalb freut es mich doppelt und dreifach, dass die Sache wunderbarst gelaufen ist.

Matthias Brömmelhaus hat sich nämlich kurzerhand Die Liebesnacht des Dichters Tiret und Brouillé bestellt und in kurzer Zeit gelesen, OHNE, dass ich dahingehend meine Hände im Spiel hatte. Das ist ein Faktum, das ich hier und jetzt anzeigen möchte. Denn bis jetzt war es oftmals und immer so, dass ich bei den Literaturblog-Betreibern höflich angefragt habe, ob sie Interesse hätten, eines meiner Bücher zu besprechen. Natürlich schickte ich ihnen ein Rezensions-Exemplar. Natürlich erwartete ich mir eine Besprechung. Aber dass jemand zum einen die Bücher ordnungsgemäß gegen Münzen beim Buchhändler seines Vertrauens (virtuell oder real sei dahingestellt) orderte, zum anderen diese dann auf eigenen Antrieb in seinem Blog bespricht, also, damit konnte ich nicht rechnen.

Diese Buchbesprechung von Matthias Brömmelhaus ist demnach wie ein kleiner Lottogewinn zu betrachten. Weil er die beiden Bücher in den schönsten Tönen lobt. Keine Spur von Eigenverleger-Bashing, ganz im Gegenteil. Brömmelhaus streicht gerade diesen Umstand äußerst positiv hervor:

Dazu kommt, dass die Bücher gestalterisch Maßstäbe setzen. Typografie, Umschlaggestaltung – all das sieht man nur noch selten in dieser Qualität. Und das, obwohl – oder vielleicht gerade weil die Bücher im Selbstverlag des Autors erscheinen. Ein Beleg dafür, welche Perlen hier verborgen sein können.

Genau dorthin wollte ich kommen, das wollte ich so dringend erreichen: dass man meine selbstverlegten Bücher als „Perlen“ entdeckt, sie wertschätzt und die Qualität, das Herzblut, das in jeder Seite steckt, erkennt, vielleicht sogar fühlt. Das Besondere ist, dass sich meine Bücher vom Einheitsbrei des Literaturbetriebs abheben. Das ist gar nicht so sehr bewusst geschehen, kann aber gar nicht anders sein, da ich ja meinen eigenen verlegerischen Weg gehe (besser: gehen muss).

Wenn ich später einmal jenen Erfolg vorweisen kann, der wiederum Erfolg nach sich zieht, und man mich fragen würde, was denn mein Erfolgsrezept gewesen sei, so würde ich sagen: seinen Weg gehen, nicht aufgeben und tun, tun, tun. Hie und da sollte man sich natürlich zurücklehnen und tief durchatmen (bitte nicht einschlafen!). Das klingt alles nicht neu. Schon hundert Mal gehört. Ich weiß. Und ich muss mich auch zwingen, dieses „Rezept“ zu schreiben. Weil es in der Realität des Verlegens (nicht so sehr des Schreibens, weil, das ist meine Sache) so sehr auf den anderen ankommt. Ich kann alleine nichts bewegen. Ich kann vielleicht einen Anstoß liefern, aber ansonsten bin ich Passagier und muss zusehen, wohin die Reise geht. Das ist mit Sicherheit die unangenehmste Erfahrung, die jeder Entrepreneur am Beginn seiner unternehmerischen Odyssee macht: dieses Ausgeliefert sein. Da verteilst du, sagen wir, tausend Flyers und am Ende des Tages, am Ende der Woche, am Ende des Monats tut sich nichts. Dafür kann es dir passieren, dass das Telefon klingelt und man dich zu Wiener Kriminacht einlädt, weil dieser eine Flyer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort aufgelegen ist. Das kann man nicht steuern. Das kann man nicht beeinflussen (so sehr man es auch möchte). Deshalb sind diese kurzen Momente, in der ich  bemerke, dass mein kreatives, verlegerische Tun eine Wirkung zeigt (mag sie auch noch so klein sein, wie zum Beispiel der ReTweet dieses Beitrages), nicht zu unterschätzen. Für die Seele genauso, wie für das Ego.

Dass diese so positive Buchbesprechung von Matthias Brömmelhaus bereits den Stein des Anstoßes gab, den Kreis sozusagen schließt, bestätigt meinen zuvor genannten Vergleich mit dem kleinen Lottogewinn. Dass Kaiserin Maria-Theresia vor weit über zweihundert Jahren die Erlaubnis zum Lottospiel gab, um damit den Krieg gegen die Preußen zu finanzieren, sei nur am Rande erwähnt. Soll aber zeigen, dass wir allesamt Kinder der Vergangenheit sind. Auch ein bescheidener Eigenverleger aus Wien mit literarischen Lottospielambitionen.

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11 Antworten zu “Literarische Lottospielambitionen und ein dickes Lob

  1. Matthias Brömmelhaus Mittwoch, 7 Juli, 2010 um 10:49

    In der Tat, habe ich die Bücher sowohl eigenhändig bestellt wie – mit großem Vergnügen gelesen. Ich schreibe auf meinem Blog nämlich keine Rezensionen, sondern empfehle nur hin und wieder Bücher, die mir besonders gut gefallen haben. Und nichts liegt mir ferner als (Eigen)verlegerbashing, schließlich arbeite ich selbst in einer abseitigen Nische des Literaturbetriebs.
    In diesem Sinne: Weiterhin viel Erfolg und vor allem: mehr solch wunderbaren Lesestoff wünscht
    Der Schreibtäter.

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 7 Juli, 2010 um 11:04

      Ja, dein „Autobiografie-Service“ kann man getrost als „Nische des Literaturbetriebs“ bezeichnen, wobei, ich finde ja die persönliche Geschichte immer noch wichtiger als jedes fiktive Geschreibsel. Dahingehend leistest du wohl der Gesellschaft brave Dienste. Da kann ich nur mit meinen Tagebüchern dagegen halten 😉

  2. Petra Mittwoch, 7 Juli, 2010 um 11:09

    Sollte da jemals irgendwo Eigenwerbung in einem Kommentar erschienen sein, dann war sie so charmant verpackt, dass keiner sie bemerkt hat. 😉

    Ich freue mich, wenn ich zu solchen Erfolgserlebnissen beitragen konnte und glaube übrigens ganz idealistisch, dass neben dem Schnell-Lesefutter in Zukunft die Qualität von Büchern, inwendig wie äußerlich, immer stärker für oder gegen diese sprechen wird, auch wenn es ungeheuer schwer ist, jedes einzelne Buch in diesem riesigen Markt überhaupt erst zu finden (das geht Leuten bei „normalen“ Verlagen nicht anders, nur finanziell besser).

    Dein Erfolgsrezept sollte man auch jedem Autor ans Herz legen, der nicht selbst verlegt!

  3. Heinrich Mittwoch, 7 Juli, 2010 um 14:55

    Bewundernswerter Richard K. Breuer,
    entschuldigen Sie, dass ich als Branchenfremder dazwischen quatsche, aber ‚man‘ hätte Petra van Cronenburg nicht ‚erfinden‘ können – sondern nur ‚erschaffen‘. *grins*

    Gruß Heinrich

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 7 Juli, 2010 um 16:34

      Danke für die Blumen, Heinrich. Branchenfremde sind natürlich immer gerne gesehen. Weil meinereiner sowieso schon ein wenig betriebsblind wird.

      Die gute Petra kenne ich ja leider (noch) nicht persönlich, demzufolge weiß ich auch nicht, ob Cronenburg nicht die „Erfindung“ einer Journalistin ist, die Cronenburg heißt 😉

      • Petra Mittwoch, 7 Juli, 2010 um 18:58

        Um die beiden charmanten Herren zu entlasten, behaupte ich mal frech, dass die gute Petra ständig Texte erschafft, weil sie wahrscheinlich vergeblich versucht, sich selbst zu erfinden. Oder so ähnlich 😉
        Das Kompliment, Richard, geht runter wie Rohöl, danke!
        Aber Vorsicht, der Dialog mit dem vollen Namen hat jetzt bei Gugl eine völlig neue Person erschaffen, die ich nie werde töten können. Ein Schatten, der mich verfolgen wird wie das Wetter…

      • Richard K. Breuer Donnerstag, 8 Juli, 2010 um 8:57

        Das Wort „Gugl“ find ich lustig, Petra, weil es ja gut zum Wienerischen „Googlehupf“ passt 🙂

        Komplimente verteile ich gerne, besonders, wenn sie wahr sind. Und ja, früher oder später führen unsere virtuellen Gugl-Egos ihr eigenes Dasein. Huh. Ein wenig beängstigend.

  4. Heinrich Freitag, 9 Juli, 2010 um 0:20

    Lieber Richard,

    ich habe heute einen ‚Schriftsteller‘ im Eiscafé beobachtet, der sich später aber ’nur‘ als Briefschreiber entpuppt hat, was aber heutzutage auch schon eine Seltenheit ist!

    Vermutlich werde ich bis zu meinem 108. Geburtstag niemanden mehr einen zehnseitigen Brief im Café schreiben sehen.

    Dabei habe ich überlegt, dass es zu einem Wiener Schriftsteller ganz besonders passt, in einem Kaffeehaus zu schreiben. Das ist ja sicher in Wien erfunden worden und nicht in England?!

    Haben Sie das schon einmal oder mehrfach gemacht? Vielleicht ein paar Schwarzkopfszenen?

    Das würde mich sehr interessieren. 😉

    Gruß Heinrich

    • Richard K. Breuer Freitag, 9 Juli, 2010 um 11:40

      Ja, ja, Heinrich, in der Tat sitze ich – dann und wann – im Kaffeehaus und schreibe mit Füllfeder und Tinte in mein Tagebuch. So, wie es sich als Kaffeehausliterat gehört. Nur die Bücher, die schreibe ich natürlich nicht mit der Hand, da wär ich dann doch zu langsam.

      Wenn schon in Wien, dann muss man auch den zugehörigen Klischees entsprechen. Nicht immer, aber manchmal.

  5. Pingback: Freiluftschriftsteller « Heinrichs Blog

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