richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM 2010 FINALE NED : ESP

Niederlande : Spanien  0 : 1

Meine Güte, was war denn das für Spiel? Beinahe hätte ich mit dem Fußballgott ein ernstes Wörtchen reden müssen. Weil es fast so aussah, als würde die Partie ins Elfmeterschießen gehen. Und wie das ausgeht, weiß keiner. Am Ende hätte dann die holländische Kickboxer-Truppe noch den Pokal geholt. Nicht auszudenken. Nicht für den Fußball. Ich frage mich ja, was sich die Zuschauer gedachte haben, die zwei europäische Mannschaften um den Weltmeistertitel „rittern“ gesehen haben und vermutlich zum Schluss kommen, dass die Provinz-Mannschaft von Guangzhou einen besseren Fußball spielt. Oder anders gesagt: die Provinz-Mannschaft bemüht sich wenigstens, Fußball zu spielen. Und im Fußball geht es nun einmal darum, Tore zu schießen und nicht Knochen zu brechen.

Die Holländer? Ich kann kein gutes Haar an ihnen lassen. Derweil war ich noch so begeistert von ihrem schnellen, modernen System, vor zwei Jahren zur Europameisterschaft. Da fertigten sie Frankreich und Italien mit attraktivem Offensiv-Fußball unnachahmlich ab. Dass sie von den Russen besiegt wurden, die ihr System kopierten, aber glücklicher oder effizienter umsetzten, dürfte sie tief in der Seele getroffen haben. Da dachten sie sich: machen wir es so wie unsere deutschen Nachbarn in der Vergangenheit und versuchen wir jedes Spiel zu gewinnen, egal, wie grottig wir kicken. Dass die Niederlande überhaupt ins Finale gekommen sind, war per se schon eine Frechheit. Weil sie ein Haufen von zusammengewürfelten Einzelspieler sind, die durch Einzelaktionen (Sneijders Weitschüssen sei Dank) den Sieg davontrugen. Fußball gespielt haben sie nie wirklich. Nicht jedenfalls über 90 Minuten. Hätte also Holland den WM-Titel geholt, ihr System hätte vermutlich Furore gemacht. Nicht auszudenken.

Spanien hat den Pokal redlich verdient. Immerhin versuchten die Spieler in allen WM-Spielen ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden und agierten offensiv. Dass das auch in die Hose gehen konnte (gegen die Schweiz) oder beinahe in die Hosen ging (Chile, Paraguay) ist heute nur noch eine Randnotiz, die von keiner Bedeutung mehr ist. Die Spanier haben vielleicht nicht immer den Fußball gespielt, den man von ihnen erwartete, aber sie haben sich wenigstens bemüht. Andere Mannschaften (Holland, Griechenland, Neuseeland usw.) haben sich darauf konzentriert, das Spiel der Gegner zu zerstören. Das mag effizient sein (Neuseeland ist die einzige Mannschaft, die ungeschlagen geblieben ist!), aber attraktiv ist es nicht.

Das Finale lebte von den Härte-Einlagen, die nichts zu wünschen übrig ließen. Dass nach 90 Minuten noch alle 22 Spieler am Feld waren, ist nur dem Schiedsrichter Howard Webb zu verdanken, der vermutlich die „Rote Karte“ in der Kabine vergessen hatte. Die Ironie ist, dass sich die Holländer bei ihm bedanken dürfen, dass er nicht schon nach 45 Minuten zwei Spieler von ihnen unter die Dusche schickte, andererseits ist er auch dafür verantwortlich, Iniesta nur zu verwarnen, obwohl er sich zu einer Tätlichkeit hinreißen hatte lassen. Unter den üblichen Gesichtspunkten hätte er mit Rot bestraft werden müssen. Seine Tätlichkeit wiederum wurde durch das nicht geahndete herbe Foul von van Bommel an ihm, ausgelöst. Den Vogel hat mit Sicherheit De Jong abgeschossen, der mit einem Kung Fu – Tritt Xavi Alonso im Brustbereich förmlich niederstreckte. Hier nur Gelb zu zeigen war grenzwertig Nahe an einer Manipulation.

Das sonst an Torraum-Szenen arme Spiel war natürlich nichts für schwache Nerven. Hie und da gab es gute Torchancen. Robben hätte das Finale eigentlich im Alleingang entscheiden können, scheiterte aber zwei Mal am spanischen Schlussmann. Auf der anderen Seite kopierte ihn Fabregas und scheiterte ebenfalls am Torhüter. Man musste schon gute Nerven haben. Heitinga wird zehn Minuten vor Ende der Verlängerung mit Gelb-Rot unter die Dusche geschickt. Minuten vor Schluss und dem Elfmeterschießen bereits vor Augen, war es dann Iniesta, der den Ball ins Tor der Holländer knallt. Das war es dann auch schon.Meiner Seel, das Finale hat mich todmüde gemacht.

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10 Antworten zu “WM 2010 FINALE NED : ESP

  1. Guido M. Breuer Montag, 12 Juli, 2010 um 8:48

    jau, auch mich hat das Finale todmüde gemacht – und das lag nur teilweise an der Hitze des Tages oder an dem riesengroßen Gin Tonic, den ich dazu genoss.

    Das Spiel – ach ja. Die bessere Mannschaft hat gewonnen, und das aber auch nur mit dem Glück des Tüchtigeren. Klar hätte Robben 2 mal treffen müssen, aber umgekehrt gabs eben auch Szenen … man kennt das, es ist müßig. Tore zählen, der Rest ist Fangeschnatter …

    Auch zu den Brutalitäten der Holländer muss man nicht viel sagen. So kann man gegen eine spielerisch haushoch überlegene spanische Mannschaft zwar auch eine Chancengleichheit herstellen. Aber ich bin heilfroh, dass es die Deutschen nicht so versucht haben!

    Netter Nebeneffekt: die Torfabriken beider Finalteilnehmer versagten, und so ist wieder einmal ein deutscher Müller Torschützenkönig, zwar hat er nicht mehr Tore geschossen als seine direkten Konkurrenten um diese Trophäe, aber dafür eine Reihe von Assists, die gerechterweise heutzutage mitzählen (in dieser Kategorie hat Senor Villa exakt 0 zu bieten, glaub ich). Von diesem Herrn Müller wird man in den nächsten 10-12 Jahren noch extrem viel sehen, in Finals von EM, WM oder CL. Ganz sicher. Es sei denn, es kommt so ein De Jong oder ein van Bommel daher und tritt ihn tot … an Michael Ballack darf man gar nicht mehr denken, dessen letzte reelle Chance auf eine große WM im Vorfeld zertreten wurde. Jedenfalls bin ich guter Hoffnung, dass die schöne erfreuliche Serie deutscher Torschützenkönige bei Weltmeisterschaften weitergeht.

    Und ich freue mich, das Diego Forlán zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Er war 80% seiner Mannschaft, und er hat diese Mannschaft (die so erfreulich ganz anders spielte als frühere Urus) bis zum kleinen Finale getragen. Der Kerl ist super, Gratulatión! Solche Spielerpersönlichkeiten begeistern mich.

    Ach, wenn ich doch ein Mädchen geworden wäre! (Der Name „Hannelore Sybille“ stand bis zur Geburt, bei meinem Coming Out sah man dann die Bescherung …) Ich würde heute noch mit meinen dreiund vdfgdzig Jahren für diesen Mann schwärmen – er sieht gut aus, hat ein praktisches Waschbrett für die bei uns dann wohl ständig nötige Säuberung der Bettwäsche immer dabei und er hat eine Treffsicherheit, die nicht nur auf dem Fußballplatz begeistern wird! Und dieser stolze Blick, die schönen Locken, und diese Nase, mein Gott, diese Nase …
    Ach so, ich sollte zum Ende kommen …

    Mein Gott, wie ich ihn vermissen werde … nee, nicht nur den schönen Diego, sondern vor allem den WM-Blog des lieben Richard!

  2. Richard K. Breuer Montag, 12 Juli, 2010 um 9:32

    Merci für das hübsche Lob, Guido. Liest man gerne. Gerade von einem Autorenkollegen 🙂

    Wenn ich deine Schwärmerei so lese, dann fällt mir dazu sofort eine Liebesschmonzette (schreibt man das so?) ein:

    Krimiautor aus der Eifel verfällt Diego Forlan, reist nach Uruguay und muss die tolldreistesten Abenteuer im Fußball-Unwesen bestehen: gegen Kickboxende Holländer, Schweizer Betonmischmaschinen, Griechische Zombies, Neuseeländische Riesen, Französische Anelkas, Italienische Cannavaros und Spanisches Tiqui Taka usw., und am Ende fallen sich die zwei in die Arme (und schießen ein Tor und werden Weltmeister). Coolio 😉

    • Guido M. Breuer Montag, 12 Juli, 2010 um 20:17

      Ein Fußballmärchen der schrägen Art, was sonst könnte von dir kommen 😉
      Ich setze eine kriminelle Variante dagegen:
      Diego Forlán ist auf dem Weg nach Wien zu einem ChampionsLeague-Spiel, unterwegs wird er am Rastplatz vergessen, der Mannschaftsbus fährt ohne den süßen Diego weiter. Ein verbitterter Verleger und Autor aus Wien, der gerade ungebetenen Besuch von einem total abgebrannten Krimi-Autor aus der Eifel hat, der sich wochenlang von ihm durchfüttern lässt, findet den desorientiert herumlaufenden Fußballer und nimmt ihn mit. Was er nicht ahnen kann: der verlotterte germanische Krimiautor ist seit Jahren bis über beide Ohren in den schönen Sportler verliebt. Der zeigt sich jedoch als spröder Liebhaber, deswegen kettet der Krimiautor den armen Forlán im Keller des Wiener Kollegen an und überlegt, wie er sich am besten an dem Schönling vergehen kann. Die beiden Autoren kriegen sich in die Haare, weil sie sich nicht über die richtige Haltung und Pflege eines südamerikanischen Fußballers einigen können (es soll ja nicht so enden wie bei Diego Maradona, der auch von deutschen Pflegeeltern heruntergewirtschaftet wurde und letztlich drogenabhängig wurde). Es kommt zum Duell der beiden, sie zetteln einen Poetry Slam an, der bis zum Tode ausgetragen wird. Der Wiener labert den Eifeler tot, doch das Duell dauert so lange, dass der angekettete Forlán kaum noch sprechen kann, als ihn ein Sonderkommando der FIFA unter der Leitung von Major Kohlweg endlich finden kann. Forlán wird gerade noch rechtzeitig zum Fußballspiel auf den Platz gestellt, ist aber während des Spiels so unkonzentriert, dass er sich von Jürgen Patocka tottreten lässt. Tragisches Ende mit Fangesängen. Rapid, Rapid …

      • Richard K. Breuer Dienstag, 13 Juli, 2010 um 10:45

        Kriminell? Hola! Der schwarze Humor ist direkt beängstigend. Aber das mit den Fangesängen, also, das ist wiederum eine hübsche Schluss-Szene. Ich schätze, die FIFA/UEFA wird den Film nicht sponsern. Na, vielleicht Rapid 😉

  3. Andrea Montag, 12 Juli, 2010 um 11:37

    Das sind treffende Abschlussworte zu diesem enttäuschenden WM-Finale! Ich bin nur froh, dass die uns das Elferschießen erspart haben, sonst hätte ich die zweite Flasche vom feinsten Heckenklescher doch noch öffnen müssen und wär heute zusammen mit einem riesigen, zutraulichen Kater im Büro.
    Wobei ich dazu sagen muss, dass ich mich ja voll auf das Or(kr)akel von Paul verlassen hatte und das Spiel gar nicht sehen wollte. Ich konnte es dann doch nicht lassen – die ganze WM verfolgen und dann das Finalspiel schwänzen, geht ja auch nicht…
    Liebe Grüße, eine (nur halbverkaterte) Andrea

    • Richard K. Breuer Dienstag, 13 Juli, 2010 um 10:47

      Wie kann frau ein Finalspiel schwänzen?

      Also, wirklich, Andrea, das geht ja gar nicht. Mitgehangen, mitgefangen! Da gibt es kein Entkommen. Und soo enttäuschend war das Finale auch wieder nicht, weil ja am Ende die richtige Mannschaft gewonnen hat und die Sache beinahe ins Auge gegangen wäre. So wird man auch noch Wochen und Monate später über dieses mit Härte-Einlagen gespickte WM-Finale reden. Schlimmer wäre gewesen, die Holländer hätten die Spanier eingelullt und ihrerseits ein Glückstor gemacht. Nicht auszudenken.

      • Andrea Dienstag, 13 Juli, 2010 um 12:28

        Ich hab’s schlussendlich eh nicht über’s Herz gebracht, zu „schwänzen“. Du hast schon recht, dass es ein spannendes Spiel war („Wer frisst endlich die Rote?“), aber ich war enttäuscht von den Niederländern – was dann natürlich den positiven Effekt hatte, dass ich polarisieren musste (nach Minute 90: „Die dürfen jetzt aber auf keinen Fall a Tor schießen). Das hat dann die Spannung ausgemacht. 😉 Gott sei Dank is „bald“ die EM!

      • Richard K. Breuer Dienstag, 13 Juli, 2010 um 17:29

        Vor der EM ist aber noch die Qualifikation zur CL und Europa League. Heute startet ja gleich mal RB Salzburg. Da werden wir dann erst so richtig spüren, wie sehr uns die WM abgeht. *seufz*

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