Wie gehst du mit Kritik um?

„Wie gehst du mit Kritik um?“, möchte Alexandra Künzler für ihren Zürcher Literaturblog Bücherwahnsinn von mir und zwei weiteren Autoren wissen. Andere Fragen, die ich beantwortet habe, können auf ihrem Blog gelesen werden (z.B. „Wie beginnst du ein neues Buch?“).

Wie gehe ich also mit Kritik um? Nun, da muss man wohl unterscheiden. Auf der einen Seite der Autor, auf der anderen Seite der Verleger. Generell gilt: jede (veröffentlichte) Kritik ist wichtig, weil es bedeutet, dass man als Autor/Verleger wahrgenommen wird. Wenn du totgeschwiegen wirst, kannst du natürlich nicht verrissen werden, aber es bedeutet auch, dass du (und deine Bücher) in der Versenkung verschwindest. Wir müssen uns vorstellen, dass zigtausend Neuerscheinungen jedes Jahr die interessierte Leserschaft förmlich erschlägt. Die zumeist von den Medien gefilterten Bücher machen nur den Bruchteil eines Bruchteils der Neuerscheinungen aus. Warum gerade bestimmte Bücher viel mediale Aufmerksamkeit bekommen und andere so gut wie keine, ist bitteschön weder dem Zufall, noch dem lieben Gott geschuldet, sondern einfach nur der finanziellen Potenz der Verlage oder deren Verbindungen, seien diese politischer, seien diese wirtschaftlicher Natur. Aber das wissen wir, nicht?

Ich bin also immer froh, wenn sich jemand die Mühe macht (und das ist es!), eines meiner Bücher zu besprechen. Ernsthaft zu besprechen. Ist es eine gelungene, sehr positive Rezension, bin ich natürlich äußerst zufrieden und für kurze Zeit schwillt mein Brustkörper gefährlich an. Aber das dauert bekanntlich nicht lange. Weil jede Kritik, so gut sie geschrieben, so toll, so wunderbar sie auch von meinem Buch spricht, nicht die Butter aufs Brot bringt. Es braucht viele veröffentlichte Rezensionen, um wiederum von ernsthaften Medien in Augenschein genommen zu werden. Als Kleinverleger musst du schon großes  Glück haben, auf Leser zu treffen, die von sich aus alle Hebel in Bewegung setzen, um dein Buch zu würdigen. Meist sind es persönliche Kontakte (aber keine Freundschaftsdienste), die direkte Ansprache („möchtest du eines meiner Bücher rezensieren?“), um Kritik zu bekommen. Ein mühsamer, steiniger Weg. Aber so wichtig! Wie gesagt, als Verleger giere ich nach dem Rampenlicht – und nehme auch schon mal einen Verriss in Kauf. Tatsächlich war ein bekanntes Krimi-Portal der Meinung, meine Krimicomedy „Schwarzkopf“  zu zerpflücken und regelrecht in den Boden zu stampfen. Ich weiß nicht, was in den Rezensenten gefahren ist und wie viel er getrunken hat, aber das Buch grundsätzlich als „drauf geschissen“ abzutun (während die Kritikerin der Leipziger Volkszeitung sich schlapp lachte), zeigt mir an, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht, im literarischen Umfeld, das immer mehr von wirtschaftlichen Werten dominiert wird.  Ein Eigenverleger, der professionell produzierte und gut geschriebene Bücher abliefert, ist da nicht gerne gesehen. Somit kann ich mir auf die Fahne schreiben, in diesem Literatur-Portal die schlechteste Kritik „abgeräumt“ zu haben. Auch eine Leistung, nicht?

Als Autor giert man natürlich nach Anerkennung und Lob. Tadel überliest man geflissentlich. Zwar sage ich, dass es mir nichts ausmacht, wenn jemand meine Bücher nicht mag oder sie ablehnt, aber es schmerzt dann doch ein wenig. Weil der Autor natürlich in jedem seiner Bücher viel Herzblut gesteckt hat, es sein Baby ist. Wer hört schon gerne, dass sein eigenes Kind hässlich sein soll? Eben. Aber jede ernsthafte Kritik hat mich natürlich weiter gebracht. Ohne den Rückmeldungen der Leser würde ich vielleicht noch heute im banalen literarischen Gewässer nach Wortperlen fischen. Also, um die Frage jetzt endlich einmal zu beantworten: positive Kritik erfreut das Herz des Autors, negative Kritik schmerzt ihn dann doch sehr. Aber alles nur eine Frage der Zeit. Nach Stunden oder Tagen oder Wochen wird der Zähler wieder auf Null gesetzt. Und das Warten auf neue Kritiken setzt sein. Und irgendwann wird schon dieses „Goldene WOW!“ dabei sein. Das ist die Hoffnung. Das ist das Ziel.

Übrigens, die gesammelten Kritiken zu meinen Büchern finden sich hier:

https://1668cc.wordpress.com/kritiken/

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2 Kommentare zu „Wie gehst du mit Kritik um?“

  1. ach ja – was würde ich darum geben, wenn ein Herr Marcel Reich-Ranicki publizieren würde: „Also, ich habe diesen Breuer gelesen. Tun Sie es nicht. Er ist ein schrecklicher Autor!“

    Ich würde sofort eine Party schmeißen 😉

    Welch ein Glück, beschrieben zu werden – und schreiben, Götter, welch ein Glück!

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