Perutz, Groult und Flaubert

Die letzte Woche ausgespannt. Irgendwo an einem See. Den letzten Sommertag genossen – es war der Donnerstag – und dabei so unvorsichtig in der Sonne spaziert (besser: gelegen), dass ich mir einen Sonnenbrand holte. Heute, bei kühlen Temperaturen und einem Regen, der schon seit gestern fröhlich nässt, ist das kaum vorstellbar. Nur das Jucken auf der Brust erinnert mich an diesen Sonnentag. Der Versuch aus- und abzuspannen gelingt am besten mit guten Büchern. Gar nicht einfach, wenn man anspruchsvoll ist und Autoren und ihre Bücher auf die goldene Waagschale legt.

Zu aller erst einen gewissen Wiener namens Leo Perutz gelesen. Turlupin wurde mir von M. empfohlen. Weil es ein historischer Roman ist, der im alten Frankreich spielt. Etwa 150 Jahre vor Tiret und der Französischen Revolution,  aber irgendwie nicht unähnlich. Leider ist der Band recht schmal, man hat die Geschichte also ziemlich flott gelesen. Sein größter Erfolg Nachts unter der Steinernen Brücke besteht aus vielen kurzen Geschichten über die alte Stadt Prag. Also, gut ist es natürlich geschrieben (habe es noch nicht ganz gelesen), aber mir gefiel Turlupin besser. Interessant, wie Perutz Fakten mit Fiktion mischt. Das Buch kann ich empfehlen.

In einer umgebauten alten Telefonzelle, an einem See, gab es viele Bücher, die man sich mitnehmen konnte, so man den Wunsch dazu hat. Ich hätte natürlich gerne eines dagelassen, aber ich hatte keines zur Hand. Deshalb wählte ich mir auch nur eines: Salz auf unserer Haut von Benoîte Groult. Zugegeben, ich nahm es anfänglich nur deshalb in die Hand, weil ein Bretone die Hauptrolle spielt und ich ja in Penly einen bretonischen Charakter auftreten lasse. Dem werde ich wohl die eine oder andere Eigenschaft des Groultschen Protagonisten geben. Ich schätze, die französische Schriftstellerin weiß schon, was einen Bretonen so besonders macht. Vermutlich hat sie so einen über mehrere Jahre gespürt. Salz auf unserer Haut ist ein Liebesgeschichte der anderen Art. Man könnte sagen: die beiden Liebenden begehren sich, bekommen sich aber nicht. Fleischlich geht es recht reizend zur Sache, aber der Fokus liegt weniger auf Pornographie oder Erotik, vielmehr darum, wie die beiden mit dieser seltsamen Beziehung über die Jahre und Jahrzehnte zurecht kommen. Das Buch hat mich durchaus fasziniert, was ich anfänglich nicht dachte. Interessant, dass die Autorin in einem Vorwort so tut, als wäre die Geschichte wahr. U. meinte, dass die Story durchaus autobiographisch wäre, sie habe mal darüber gelesen. Aha. Das Buch habe ich übrigens am Samstag Nachmittag ausgelesen. Da merkt man erst, wie stark die Sogwirkung eines guten Buches sein kann. Leider passiert es mir nicht so häufig, dass ich von einer Geschichte so gefesselt werde. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich immer meine eigenen Ideen und Geschichten im Kopf habe.

Zu guter Letzt begonnen Gustave Flauberts Madame Bovary zu lesen. Wir wissen ja, wie es ausgeht. Frauen, die sich eine Verfehlung geleistet haben, in der damaligen Zeit, mussten wohl das Zeitliche segnen. Weil die Gesellschaft anno dazumal unnachgiebig war. Heutzutage wird nicht mehr so heiß gegessen, wie gekocht. Gut so. Weil jeder Mensch seine Freiräume braucht. Der eine mehr, der andere weniger. Man könnte sagen, Benoîte Groult ist die Madame Bovary des späteren 2o. Jahrhunderts, die nun die amourösen Angelegenheiten selbst in die Hand nimmt und sich nicht mehr (zur Gänze) fremdbestimmen lässt. Ob die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts noch freizügiger wird oder die Zügel wieder fester zieht, steht in den Sternen. Würden wir nicht allesamt so heuchlerisch tun, offener mit dem Thema der Sexualität umgehen, es würde uns viel erspart bleiben. Aber so muss vieles im Keller bleiben. Die Wünsche und Begierden genauso wie die Leichen. Apropos Sexualität: Der Fetisch des Erik van der Rohe wird bald über euryclia angeboten werden. Leseprobe inklusive. Man darf gespannt sein.

eine Leseprobe für MADELEINE

eine Tour-de-Force
durch das vorrevolutionäre Frankreich von 1789

Umschlag Madeleine Band III TIRET
Umschlag-Entwurf zu Madeleine

*LESEPROBE PDF*
1 MByte

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Madeleine
Anatomie einer Tragödie
am Vorabend der Französischen Revolution

Band III – Morris – 1789

Taschenbuch/eBook
19 x 13,5 cm, 312 Seiten
Verkaufspreis: € 14,90 / € 4,90
ab Herbst 2010

jetzt vorbestellen!
www.1668.cc/madeleine.htm

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Nun gut, hier und heute ist es also soweit! Die (erste) offizielle Leseprobe von MADELEINE Anatomie einer Tragödie am Vorabend der Französischen Revolution – Band III – Morris – 1789 ist nun erhältlich und kann als PDF (ab Version 7.0) heruntergeladen werden oder auf der Webseite im Browser (Flash) durchgeblättert werden. Etwa 1 MByte beträgt die rund 60seitige Kostprobe. Wer Band I (Die Liebesnacht des Dichters Tiret) kennt, ist klar im Vorteil, während Band II (Brouillé) nichts Wesentliches zum Verständnis des vorliegenden Bandes beiträgt. Somit kann Band III auch unabhängig von den anderen Bände gelesen werden. Oui, oui.

Damit ist eigentlich das Wichtigste auch schon gesagt. Der Erscheinungstermin des Taschenbuchs mit 312 Seiten ist für die Wiener Buchmesse im November geplant. Vorbestellungen werden gerne entgegen genommen und erleichtern kaufmännische Überlegungen. Wer einen hübschen Beitrag leisten will, ist herzlich eingeladen, dem Club der 99 beizutreten und bereits im Voraus die Münzen auf den Tisch zu legen. Dafür erhält er oder sie eine freundliche Erwähnung – im gedruckten Buch genauso wie auf der Webseite. Ausführliche Informationen gibt es hier: https://1668cc.wordpress.com/99-2/

Wer noch ein wenig Zeit hat, dem erzähle ich gerne meine Gedanken. Immer, wenn ein neues Buchprojekt in den Startlöchern harrt, ist es Zeit, sich kurz zurückzulehnen, in sich zu gehen und sich zu fragen. Ja, immer gibt es Fragen. Antworten? Selten. Als kreativer Einzelkämpfer hat man nicht viele Versuche. Es ist, als würde man sich mit einer  einschüssigen Pistole ein Dutzend zwielichtiger Gesellen vom Leib halten wollen. Da braucht es viel Selbstbewusstsein und Nerven. Wer zu früh schießt, wird zerrissen. Wer es zu spät tut, ebenfalls. Man muss den Zeitpunkt mit Bedacht wählen. Leichter gesagt als getan, wenn die Horde nur auf eine Schwäche im Abzugsfinger wartet. So eine Leseprobe für die Öffentlichkeit freizugeben ist so ein Schuss ins Dunkle der verlegerischen Zukunft. Wie wird sie aufgenommen? Wird sie überhaupt aufgenommen? Gibt es Interesse? Wird die Nachricht weitergeleitet oder versandet sie ungesehen im virtuellen Papierkorb. Wir dürfen uns nichts vormachen: kreative Projekte gibt es heutzutage wie Sand am Meer. Jeder ist in der Lage, mit wenig (technischen) Mitteln, etwas auf die (wackeligen) Beine zu stellen. Keine Hexerei. Noch vor über zwanzig Jahren tippte ich auf der mechanischen Schreibmaschine meine kleinen Geschichten und es steht für mich außer Frage, dass wir vermutlich nur einen Bruchteil an Schriftstellern hätten, hätte es nicht die elektronische Textverarbeitung in jeden Haushalt geschafft. Müßig darüber zu befinden. Trotzdem beschäftigt es mich. Weil diese kreative Explosion („jeder“) auch eine kommerzielle Implosion („keiner“) verursacht, die mit einer Übersättigung daherkommt. Ich nehme mich nicht davon aus. Erwarte, dass man meine Projekte wohlwollend aufnimmt und gleichzeitig beachte ich andere nicht für einen Augenblick.

Hier ziehe ich also den Abzug. Und werde meine Pistole nachladen. Weitere Buchprojekte benötigen meine Aufmerksamkeit. Penly, in einer ersten BETA-Version, wird von Madame Anonym gelesen und kommentiert. Ein Drittel fehlt ihr noch, bis zum Ende, aber bis jetzt kann ich zufrieden sein. Mit mir und Penly. Und Erik? Hier habe ich mich nun entschlossen, das Projekt auf meiner Webseite anzukündigen. Ein erster Schritt, wenn man es ernst meint.

Die nächsten Tage werde ich mich zurückziehen. Kein Internet. Keine E-Mails. Nur im Schatten liegen und die Batterien aufladen. Bevor der September, mit seinen verlegerischen und kaufmännischen Notwendigkeiten, alle kreativen Bemühungen erschwert. Sonst? Ach ja. Von der Süße des Lebens will ich heute noch schnell kosten 🙂

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Eriks Nordwind und Madeleines Penly

Martin Weiß, eine Twitter-Bekanntschaft, hat nicht nur auf seinem Blog Buchratschlag Brouillé in schönen Tönen gelobt, sondern hat sich auch als Förderer für Madeleine eingestellt. Krönung des Ganzen ist eine Vorstellung meines Projektes Der Club der 99. Hier nachzulesen. Das hat mich sehr gefreut, weil es nicht selbstverständlich ist.

Penly habe ich nun gestern in einer ersten Version Madame Anonym zum Lesen gegeben. Sie ist ja eine treuherzige Leserin und fanatische Anhängerin der Tiret-Saga. Warum gerade sie so hinein kippt, in diese Romanreihe, kann ich nicht sagen, obwohl sie es natürlich gut zu beschreiben versteht, was ihr an Mickiewicz, Duport, dem Marquis (vor allem er) und den Morosinis (vor allem die beiden) gefällt. Immerhin ist sie ja Autorin. Das sollte man nicht vergessen (und wenn ich Glück habe, gewinnt sie einen ansehnlichen Preis für ihren Debüt-Roman, was ihr sicherlich viel Publicity und  noch mehr Applaus einbringen und mich mit fremden Federn schmücken wird).

Gestern kam Madame Anonym bis Seite 85 und bereiste die ersten fünf Kapiteln. Diese sind als Einstieg zu verstehen. Ab Kapitel 86, mit Eintritt dreier altbekannter Charaktere, beginnt dann die blutige Hochschaubahn. Geht gar nicht anders. Kann gar nicht anders sein. Ich bin gespannt, wie Madame Anonym mit der (für mich) neuartigen Aktions-Beschreibung zurecht kommt. Huh.

Am Montag die Korrekturen von meiner Wiener Lektorin EJ. zu Madeleine bekommen. Dabei bis Mitternacht zusammen gesessen und jede Seite durchgegangen. Manche Fehler sind richtiggehend peinlich. Aber so ist das mit mir. Ich konzentriere mich weniger auf Orthographie dafür mehr auf die Geschichte, die Dialoge, die Logik. Deshalb gibt es ja EJ. (und natürlich andere gute Geister), die mir helfen, Kraut und Rüben zu sortieren, sozusagen. Werde wohl heute die Korrekturen (und kleinere Änderungen) einarbeiten können, dann gehen die Druckfahnen zu meiner germanischen Lektorin, die noch einmal drüber liest und übersehene bzw. eingearbeitete Fehlerchen anstreicht. Ist dies auch getan, dann ist Madeleine soweit mal fertig und wird an die Teilnehmer (Förderer) des Club der 99 versandt. Eine Leseprobe, auch nicht unwichtig, wird ins Netz gestellt und kann abgerufen werden. Aussendungen dürfen gemacht werden.

Gestern lag übrigens ein dickes Buch im Postkasten. Glattauers E-Mail-Roman (ja, der mit dem Wind und den Wellen) in der Hardcover-Gesamtausgabe, dazu ein freundlicher Brief. Aha. Mehr sag ich nicht. Jedenfalls habe ich reingeblättert. Weil ich ja mit Der Fetisch des Erik van der Rohe in einem ähnlichen Fahrwasser schwimme. Immerhin bin ich jetzt einigermaßen beruhigt, dass auch ein namhaftes Buch mit imposanten Verkaufszahlen, die üblichen Tricks und Kniffe einsetzt, die mir ein wenig unangenehm im Magen gelegen sind. Nehmen wir an, Protagonist A. schreibt einen leidenschaftlichen Brief an Protagonistin B. Diese bedankt sich für den Brief und gibt zu, „geweint zu haben, weil er so schön geschrieben ist“. Nun hat aber der Leser den Brief ja gelesen und findet ihn „nett“, aber zu Tränen rührt ihn der Brief aber nicht die Bohne. Ergo, es kommt eine Verstimmung auf, weil er dann aus der Geschichte aussteigt und sich Gedanken darüber macht, warum der Autor so einen schwülstigen Brief schreiben musste. Die Lösung wäre denkbar einfach: man streicht den Brief und belässt nur die Antwort von Protagonistin B. Dann kann sich der Leser (jeder Leser!) seine eigene Vorstellung von einem Brief machen, der ihn zu Tränen rühren würde.

Jedenfalls werde ich mir erlauben, später einmal das Buch (Welle und Wind) zu zerpflücken und es mit Erik zu vergleichen. Das ist legitim und streichelt mein Schriftsteller-Ego. Auch wenn ich es schon zig Mal angeführt habe, noch einmal will ich den geneigten Leser darauf hinweisen, dass die erste Version von Erik im Jahre 2003 entstand, während Glattauers Werk 2006 das Licht der Welt erblickte (wenn ich es richtig recherchiert habe). Soll mir also keiner Sagen, die Sache mit den „E-Mails“ seien ein alter Hut oder ich hätte die Idee schamlos kopiert. Aber bis ich ein Hegemanisches Fegefeuer auslöse, muss ich wohl noch ein paar Millionen Bücher verkaufen.

Zu Erik ist mir heute Morgen eine famose Idee gekommen. Ich streiche das Kapitel Marie Claire und Alice ratzeputz. So einfach kann man ein Buch besser machen. In dem man einfach das eine oder andere Kapitel in den Lokus wirft. Hahaha. Ich bin gut. Die zweite Idee ist, den Roman verstärkt „autobiographischer“ zu gestalten – was ich bis dato eher vermied, weil ich ja befürchte, dass man dann eher mein libidonöses Leben beleuchtete, statt meine literarische Schreibkunst lobte. Aber tatsächlich haben nur schüchterne Autoren solch ein Problem. Je größer der Autor, umso ungenierter wirft er mit (angeblich) Autobiographischem nur so um sich. Da treten plötzlich Protagonisten auf, die den Namen des Autors tragen, aber nicht der Autor sind. Oder doch? Wie dem auch sei, ich werde diesem Anspruch Rechnung tragen und ein bisserl umrühren, im Text. Schadet ja nicht. Später einmal kann immer noch die („unerhörte“) Gesamtausgabe veröffentlicht werden. Ja, ja.

ein traumhaftes Abonnement

Werbeeinschaltungen in eigener und fremder Sache werden gerne überlesen. Ich mache das jedenfalls so. Weil ich mich nicht gerne beschwatzen lasse. Und Aufdringlichkeit kann ich schon gar nicht leiden. Dürfte angeboren sein. Vielleicht will ich mich nicht in Beschlag nehmen lassen. Na, da gibt es wohl viele Gründe. Wie dem auch sei, ich nutze die Gelegenheit, bevor ich wieder die letzten Kapiteln zu Penly angehe, noch schnell eine hübsche Werbeeinschaltung zu platzieren. Im letzten Heft von frisch gespielt habe ich mir erlaubt, ein bisschen aus dem Vollen zu Schöpfen.  Und weil mir die Umsetzung noch immer gefällt, so hübsch schwarz, so hübsch blond, will ich sie dem geneigten Leser nicht vorenthalten. Ja, ja.

Wer nun bis hierher gelesen hat, soll belohnt werden. Mit einer Traumsequenz, die ich letztens hatte. Freud hätte sicherlich seine Freude an mir. Und Christopher Nolan sowieso. Ein bisserl dürfte mich INCEPTION schon beeinflusst haben. Weil ich mich ja immer noch frage, worin der Unterschied zwischen Traum und Realität besteht. Okay, beim einen wacht man auf, beim anderen schläft man ein, aber im Traum selber sind die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion ziemlich verschwommen. Es fühlt sich jedenfalls echt an. Und für das Gehirn ist es das auch. Irgendwie. Jedenfalls beginnt der Traum damit, dass ich am Minoritenplatz stehe. Das hat natürlich eine literarische Bewandnis, aber davon später mehr. Ich warte auf Nathalie. Nennen wir sie so. Weil im letzten Kapitel von ERIK nämlich genau diese Szene angedeutet wurde: Eine „blinde Verabredung“ zwischen Erik und Nathalie, die vereinbaren, ohne ein Wort zu sagen, sich zu küssen. Einfach so. Um diesen sonst so sperrigen Anfang einer jeden Verabredung aufzulockern. Huh. Ob es in der Realität so einfach ist, kann ich nicht sagen, im Traum jedenfalls hat es wunderbar funktioniert. Nathalie kommt, ich warte. Sie geht auf mich zu. Und, voilà, ihre Lippen auf meinen. So einfach kann es also gehen. In einem Traum. Dann lösen wir uns. Ich glaube, wir lachen beide. Muss ja wohl sein, wie sonst soll man so seine verfängliche Situation wieder unverfänglich machen. Dann beginne ich ihr von Azadeh zu erzählen, vom Universum und wie hier Leutnant Märwald steht und zur Bankgasse geht, wo er dann auf die ominöse Billardkugel trifft (oder sie auf ihn) und sich umentscheidet. An der Ecke „Rosengasse“ und Bankgasse will ich Nathalie wieder einen Kuss antragen, aber sie weicht ein Stück zurück und meint, dass es nicht zum „Standardprogramm“ (das Wort weiß ich nicht mehr so genau, aber es kommt irgendwie hin) werden soll. Mein Traum-Ego ist da natürlich ein wenig enttäuscht, weil es ja nichts von einem Traum weiß und nicht volles Risiko gehen kann (im Nachhinein, wenn man aufgewacht ist, denkt man sich nur: warum habe ich mich nicht getraut, es hätte mir ja nichts passieren können). Dann gibt es diesen „traumhaften“ Schnitt und ich sitze mit Nathalie in einem Rosengarten (vermutlich waren es Nelken, aber das klingt dann nicht so gut), auf einer großen, langen Bank und wir sind sehr leidenschaftlich. Vermutlich hat es sich Nathalie anders überlegt und doch zum „Standardprogramm“ geschalten. Also, das war schon eine feine Sache. Mein Traum-Ego konnte gar nicht genug bekommen. Und Nathalie war sehr entgegen kommend – ist nicht immer so. Manchmal sind die Traum-Partnerinnen dann doch recht zickig und ablehnend. Eine Verabschiedungs-Szene gab es dann auch noch. Heiß und innig. Auf einer Brücke (Theatralik!). Dann ist sie gegangen. Ich habe ihr nachgesehen. Sie drehte sich noch einmal kurz zu mir um. Ich überlege, ihr nachzugehen. Dann wache ich auf und frage mich, ob es gut gewesen wäre, ihr nachzugehen – oder ob es die Magie nicht zerstört hätte.

Nach so einem hübschen Traum, den ich der Leserschaft nicht vorenthalten will (vermutlich, weil ich dadurch auf ERIK aufmerksam machen kann), stellt sich die Frage, ob ich nicht doch diese „wir-treffen-und küssen-uns“-Sequenz ausformuliere. Bis dato endet das Ganze ja, in dem Erik auf Nathalie wartet, in großer Anspannung, ob sie überhaupt kommt und ihn tatsächlich küsst (bei Frauen weiß man ja nie, was ihnen einfällt). Und weil mir ja M. erzählte, dass Glattauer bereits so ein Szenario beschrieben hat (aber wie ich später hörte, ebenfalls nur von den Protagonisten angedacht, nicht in ihrer Realität ausgeführt), muss ich wohl meine Feder anspitzen und zu Werke gehen. Manchmal sollte man einfach seinem Traum folgen. Auch wenn er nur aufgeschäumte heiße Luft ist, ein wahrer Kern steckt immer darin. Diesen Kern habe ich noch nicht gefunden, aber ich arbeite daran. Arbeiten? Stimmt. Penly ist jetzt mal an der Reihe. Und wer weiß, vielleicht kommt ja mal eine Nathalie in die Wirklichkeit des Dichters. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Ja, ja.

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erarbeiteter Musenkuss

Nach so einem Mittagsschläfchen, wenn man wieder in die Gänge kommt, geht die Post ab. Ist natürlich nicht immer so, aber hin und wieder. Also schnell ein paar Zeilen zusammenschreiben, bevor ich mich wieder Penly und dem Schlüssel eines Geheimnisses widme. Welcher Sohn würde schon seine eigene Mutter aus dem Fenster und in die Tiefe stürzen? Eben. So ein obskures Verbrechen gehört aufgeklärt. Und wird aufgeklärt. Obwohl, dieses Geheimnis ist eigentlich nur die Beilage zum großen Showdown. Die ersten Kapiteln soweit überarbeitet, sie in Ton und Stimmung den anderen angepasst, vor allem an Brouillé, weil die Handlung ja nahtlos vom zweiten Band in den vierten übergeht. Und der dritte Band Madeleine? Ja, der besucht ein wenig später die Handlung, bringt dafür aber einen Stein ins Rollen und löst das im Subtitel genannte Blutbad aus. Ja, ja.

Nebenbei habe ich nun eine ernsthafte Leseprobe von Der Fetisch des Erik van der Rohe erstellt. Sie soll einen kurzen Einblick in jedes der 10 Kapitel geben. Die erotischen Phantasien und intimen Sessions sind da natürlich nicht dabei, weil diese ja nur erregendes Beiwerk sind, aber nicht mehr. Mit allem Drum und Dran erreicht die Seitenzahl 600. Das ist schon gewaltig. Zu gewaltig. Wie dem auch sei, das erste Kapitel Lydia werde ich Anfang September als ebook anbieten.  Weitere Kapitel folgen, wenn ich meine, dass es Sinn macht, sie zu veröffentlichen. Die Idee, das gesamte Manuskript gegen Einwurf vieler Münzen als „Privatausgabe“ im PDF-Format anzubieten, ist mal im Kopf. Weil ich ja weiß, wie nervig es sein kann, auf Fortsetzungen zu warten. Aber auch da wird im September eine Entscheidung fallen.

In Erik habe ich nun im letzten Kapitel Nathalie eine hübsche Szene geschaffen. Erik und eine virtuelle Bekanntschaft beschließen, sich bei ihrem ersten (blind) Date einen Kuss zu geben. Ohne davor ein Wort zu verlieren.Ich habe mir die letzten Tage Gedanken darüber gemacht, ob das realistisch ist. Vermutlich nicht, aber bei genauerer Betrachtung würde diese Begrüßungsaktion viel Druck nehmen. Also, wenn ich so zurückdenke, dann komme ich zum Schluss, dass es nicht geschadet hätte, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Weil man dann schnell merkt, ob man sich wohl fühlt oder nicht. Ach, manchmal macht es schon Spaß, solche seltsamen Gedanken zu spinnen und auszuformulieren. Und, hey, ich darf das, ich bin Schriftsteller!

Anmerkung: MM. schrieb mir, dass es so eine „Kuss-Szene“ in der Literatur bereits gibt: bei glattauer machen sie auch ab, dass sie sich im dunklen zimmer träfen und nicht sprächen und sich einfach küssten, falls du es nicht ganz gelesen hast… :-))

Anmerkung: Nope, den Glattauer und seine Bücher kenne ich bitteschön nicht, ja?

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