Fin-de-Siècle schlägt Erotik

Umschlag-Entwurf für Azadeh

Umschlag-Entwurf mit einem Foto von
© konradbak – fotolia.com

Am Freitag schrieb mir eine junge Literaturagentin. Sie bot mir an, von ihr vertreten zu werden. Aha. Hört man gerne. Weil es ja bedeutet, dass man im professionellen Verlagszirkus wahr genommen wird. Ich antwortete ihr, dass ich gerade an einem erotischen Fetisch-Roman arbeite. Nebenbei erwähnte ich, dass in der Lade noch ein Wiener Fin-de-Siècle-Roman liege, der schon Staub angesetzt hätte. Sie wurde hellhörig. Hellhörig in Bezug auf den Wiener Jahrhundertwende-Roman, dieser Hommage auf Arthur Schnitzler. Tja. Wie darf ich das jetzt verstehen? Weil ich ja meine, dass mein Fetisch-Roman ein zeitloses Stück Literatur bietet und Themen anspricht, die Mann und Frau nun einmal innewohnen. Gut, vielleicht klingt es nach einem schlüpfrigen Kommerzblabla. Doch weit gefehlt. Es geht um Innenansichten. Es geht um den Umgang mit Gefühlen. Es geht um die Sexualität. Der Fetisch ist primär nur dramaturgischer Platzhalter und kann getrost weggelassen oder durch andere Praktiken, durch andere intime Wünsche ersetzt werden. Generell versuche ich mit dem Roman (eigentlich: autobiographische Fiktion) ein Stück zeitlose Literatur zu fabrizieren, die auch noch in zehn Jahren ihre Gültigkeit haben wird. Dass ich dem Buch ein Schnitzler-Zitat voranstelle („… denn ich liebe sie nicht“), soll nur unterstreichen, dass die Libido, die Sehnsüchte, das Verlangen, dass diese alle nichts an ihrer Kraft eingebüßt haben.

Und der Fin-de-Siècle Roman Azadeh? Gut, an ihm hängt mein Herzblut, deshalb verstaube er zusehends in der Lade. Seit bald fünf Jahren habe ich keinen Strich mehr getan. Als ich für die Agentin heute das Exposé samt Textausschnitt zusammenstellte, kamen die ersten Zweifel hoch. Weil sich zwischenzeitlich meine Schreibe doch verändert hat. Würde ich also das Manuskript jetzt zur Hand nehmen, würde ich dann doch beginnen, an der Sprache zu feilen. Das sollte kein sonderliches Problem darstellen, das geht primär beinahe von alleine. Wichtiger ist ja vielmehr, ob die Geschichte per se funktioniert. Für mich jedenfalls. Diese 64 Kapiteln – vielleicht sogar Episoden – skizzieren das Jahr 1899 in dezenten Farben. Mein Hauptaugenmerk liegt auf den Begegnungen, auf den Gesprächen und auf Ereignisse, die lange zurückliegen, aber noch immer eine Auswirkung auf die Gegenwart haben. Der Roman ist ein schönes Knäuel verwobener Schicksalsfäden und thematisiert wiederum den Kampf des Individuums zwischen gesellschaftlicher Pflichterfüllung und persönlicher Wunscherfüllung.

Bei Erik durfte ich die letzten Wochen feststellen, dass es durchaus Interesse am Thema, am Buch gab und gibt. Dieses Interesse, man darf es sagen, löste anregende Diskussionen aus, die noch nicht beendet sind. Heute 9 von 10 Kapiteln an meine deutsche Lektorin geschickt. Mal schauen, wie es ihr mit diesem freizügigen Konvolut geht. Zwischenzeitlich überlege ich, noch ein allerletztes Kapitel einzufügen. Sprenge ich damit nicht den Rahmen, sind es doch im Moment bereits 500 Seiten? Nun, ich schätze, den Rahmen habe ich längst gesprengt.

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5 Kommentare zu „Fin-de-Siècle schlägt Erotik“

  1. Fin de siècle?

    OH: JA. BITTE.

    (Brennend interessieren würde mich der Zusammenhang, weshalb das Ding in der Schublade lebt, WEIL Dein Herzblut dranhängt? Falls das nicht zu sehr ins persönliche geht, natürlich).

    1. Die Antwort ist einfach, Vic: wenn das Herzblut dran hängt, dann will man sich keinen Fehler erlauben, will, dass alles PERFEKT ist. Tja. Aber bis etwas annähernd perfekt wird, braucht man viel Erfahrung, muss man viel Zeit verstreichen lassen und auf den Moment warten. Deshalb die Lade. Deshalb die anderen Bücher, an denen ich „üben“ konnte 😉

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