richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Eriks Nordwind und Madeleines Penly

Martin Weiß, eine Twitter-Bekanntschaft, hat nicht nur auf seinem Blog Buchratschlag Brouillé in schönen Tönen gelobt, sondern hat sich auch als Förderer für Madeleine eingestellt. Krönung des Ganzen ist eine Vorstellung meines Projektes Der Club der 99. Hier nachzulesen. Das hat mich sehr gefreut, weil es nicht selbstverständlich ist.

Penly habe ich nun gestern in einer ersten Version Madame Anonym zum Lesen gegeben. Sie ist ja eine treuherzige Leserin und fanatische Anhängerin der Tiret-Saga. Warum gerade sie so hinein kippt, in diese Romanreihe, kann ich nicht sagen, obwohl sie es natürlich gut zu beschreiben versteht, was ihr an Mickiewicz, Duport, dem Marquis (vor allem er) und den Morosinis (vor allem die beiden) gefällt. Immerhin ist sie ja Autorin. Das sollte man nicht vergessen (und wenn ich Glück habe, gewinnt sie einen ansehnlichen Preis für ihren Debüt-Roman, was ihr sicherlich viel Publicity und  noch mehr Applaus einbringen und mich mit fremden Federn schmücken wird).

Gestern kam Madame Anonym bis Seite 85 und bereiste die ersten fünf Kapiteln. Diese sind als Einstieg zu verstehen. Ab Kapitel 86, mit Eintritt dreier altbekannter Charaktere, beginnt dann die blutige Hochschaubahn. Geht gar nicht anders. Kann gar nicht anders sein. Ich bin gespannt, wie Madame Anonym mit der (für mich) neuartigen Aktions-Beschreibung zurecht kommt. Huh.

Am Montag die Korrekturen von meiner Wiener Lektorin EJ. zu Madeleine bekommen. Dabei bis Mitternacht zusammen gesessen und jede Seite durchgegangen. Manche Fehler sind richtiggehend peinlich. Aber so ist das mit mir. Ich konzentriere mich weniger auf Orthographie dafür mehr auf die Geschichte, die Dialoge, die Logik. Deshalb gibt es ja EJ. (und natürlich andere gute Geister), die mir helfen, Kraut und Rüben zu sortieren, sozusagen. Werde wohl heute die Korrekturen (und kleinere Änderungen) einarbeiten können, dann gehen die Druckfahnen zu meiner germanischen Lektorin, die noch einmal drüber liest und übersehene bzw. eingearbeitete Fehlerchen anstreicht. Ist dies auch getan, dann ist Madeleine soweit mal fertig und wird an die Teilnehmer (Förderer) des Club der 99 versandt. Eine Leseprobe, auch nicht unwichtig, wird ins Netz gestellt und kann abgerufen werden. Aussendungen dürfen gemacht werden.

Gestern lag übrigens ein dickes Buch im Postkasten. Glattauers E-Mail-Roman (ja, der mit dem Wind und den Wellen) in der Hardcover-Gesamtausgabe, dazu ein freundlicher Brief. Aha. Mehr sag ich nicht. Jedenfalls habe ich reingeblättert. Weil ich ja mit Der Fetisch des Erik van der Rohe in einem ähnlichen Fahrwasser schwimme. Immerhin bin ich jetzt einigermaßen beruhigt, dass auch ein namhaftes Buch mit imposanten Verkaufszahlen, die üblichen Tricks und Kniffe einsetzt, die mir ein wenig unangenehm im Magen gelegen sind. Nehmen wir an, Protagonist A. schreibt einen leidenschaftlichen Brief an Protagonistin B. Diese bedankt sich für den Brief und gibt zu, „geweint zu haben, weil er so schön geschrieben ist“. Nun hat aber der Leser den Brief ja gelesen und findet ihn „nett“, aber zu Tränen rührt ihn der Brief aber nicht die Bohne. Ergo, es kommt eine Verstimmung auf, weil er dann aus der Geschichte aussteigt und sich Gedanken darüber macht, warum der Autor so einen schwülstigen Brief schreiben musste. Die Lösung wäre denkbar einfach: man streicht den Brief und belässt nur die Antwort von Protagonistin B. Dann kann sich der Leser (jeder Leser!) seine eigene Vorstellung von einem Brief machen, der ihn zu Tränen rühren würde.

Jedenfalls werde ich mir erlauben, später einmal das Buch (Welle und Wind) zu zerpflücken und es mit Erik zu vergleichen. Das ist legitim und streichelt mein Schriftsteller-Ego. Auch wenn ich es schon zig Mal angeführt habe, noch einmal will ich den geneigten Leser darauf hinweisen, dass die erste Version von Erik im Jahre 2003 entstand, während Glattauers Werk 2006 das Licht der Welt erblickte (wenn ich es richtig recherchiert habe). Soll mir also keiner Sagen, die Sache mit den „E-Mails“ seien ein alter Hut oder ich hätte die Idee schamlos kopiert. Aber bis ich ein Hegemanisches Fegefeuer auslöse, muss ich wohl noch ein paar Millionen Bücher verkaufen.

Zu Erik ist mir heute Morgen eine famose Idee gekommen. Ich streiche das Kapitel Marie Claire und Alice ratzeputz. So einfach kann man ein Buch besser machen. In dem man einfach das eine oder andere Kapitel in den Lokus wirft. Hahaha. Ich bin gut. Die zweite Idee ist, den Roman verstärkt „autobiographischer“ zu gestalten – was ich bis dato eher vermied, weil ich ja befürchte, dass man dann eher mein libidonöses Leben beleuchtete, statt meine literarische Schreibkunst lobte. Aber tatsächlich haben nur schüchterne Autoren solch ein Problem. Je größer der Autor, umso ungenierter wirft er mit (angeblich) Autobiographischem nur so um sich. Da treten plötzlich Protagonisten auf, die den Namen des Autors tragen, aber nicht der Autor sind. Oder doch? Wie dem auch sei, ich werde diesem Anspruch Rechnung tragen und ein bisserl umrühren, im Text. Schadet ja nicht. Später einmal kann immer noch die („unerhörte“) Gesamtausgabe veröffentlicht werden. Ja, ja.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: