richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Ein Trailer ist der bessere Film

@florianallesch befragt die Blog-Gemeinde zum Thema 30 Tage – 30 Filme und ich suchte mir die folgende Frage aus: „ein Film, wo der Trailer besser als der Film ist“. Nun denn, hier die Antwort und der Beitrag.

Ich bin ein Trailer-Junkie! Habe ich das schon mal erwähnt? Vermutlich. Im Kino, ich sage es, wie es ist, freue ich mich wie ein kleines Kind, wenn die Trailer-Show anfängt. Und hie und da frage ich mich, ob man nicht mal einen Kinosaal nur für Trailers reservieren sollte. Wie dem auch sei, so einen Trailer zu fabrizieren halte ich für große Kunst (und wenn mich nicht alles täuscht, gibt es ja in Hollywood eigene gut bezahlte Leutchen dafür). Eigentlich gehe ich sogar so weit, dass ich behaupte, dass die meisten Filme gegen einen sehr gut gemachten Trailer keine Chance haben, zu bestehen. Warum ist klar: in der Kürze liegt die Würze. Während der Kinofilm gedehnt und gestreckt scheint, ist es im Trailer auf den Punkt gebracht. Es gibt hierzu wunderbare Beispiele, die mich regelrecht in Verzückung und in eine inspirative Stimmung versetzen. Deshalb werde ich mir erlauben, ein paar exzellente Trailers zu benennen. Bitte sehr:

INCEPTION hätte ich jetzt beinahe vergessen. Vermutlich, weil es noch gar nicht lange her ist, als ich den Film im Kino gesehen habe und durchaus angetan war. Endlich einmal ein intelligent gemachtes Stück, das den Zuschauer nicht für dumm verkauft. Inception hat Ähnlichkeiten zu Vanilla Sky oder Jacob’s Ladder oder vielleicht sogar zu Matrix – auch bei diesen Filmen weiß man nicht, woran man ist. Fakt? Fiktion? Traum? Alptraum? Realität? Jedenfalls gibt es genügend Spielraum, um zu diskutieren (oder eben auch nicht).

Beginnen wir bei dem Western Appaloosa von und mit Ed Harris. Der Film ist nicht schlecht geraten, aber der Trailer ist nahezu perfekt. Freilich, es geht hier um einen actiongeladenen blutigen Männerfilm, der mit den kühlsten Sprüchen aufwartet, ohne dabei lächerlich zu wirken – natürlich nur, wenn man im Kopf den kleinen Cowboy reitet („You go first!“ oder „I don’t kill people, I enforce the law!“). Der Trailer schafft es, diese Phrasen perfekt mit den Bildern und der Musik und der Geräuschkulisse (Schüsse!) in Einklang zu bringen. Brilliant!

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Quantum of Solace – der zweite Bond mit Daniel Craig – ist die üblich gut gemachte Action-Routine, eine  ironiefreie und zynische Aktions-Oper, sozusagen. Der Schnitt im Trailer ist nahezu perfekt gelungen. Dafür gibt es Applaus, egal ob man die Bond-Abenteuer mag oder nicht.

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Atonement – der Trailer erinnert mich immer wieder daran, dass ein epischer Film am schönsten und wirkmächtigsten ist, wenn die Liebe zwischen Mann und Frau durch den Krieg auf eine Bewährungsprobe gestellt wird. Herrlich, wie die Schreibmaschine rattert. Herrlich, wie die Musik in der Mitte des Trailers einsetzt und die epischen Bilder verstärkt (vor allem die gestrandeten Soldaten in Dünkirchen).

Elizabeth – The Golden Age ist berauschend, was vor allem der verwendeten Musik „My name is Lincoln“ zu verdanken ist (das Stück ist wiederum dem Soundtrack von „The Island“ entnommen). Auch hier wieder die Verschränkung des Epischen mit dem Einzelschicksal (die Königin holt sich Rat, dann die Armada oder, wunderbar gespielt, die Unbeherrschtheit der Königin gegenüber den spanischen Abgesandten und der Blick von Geoffrey Rush, all das ist  einfach nur zum Niederknien).

Amazing Grace – ach, es ist einfach ein herrliches Musikstück und die dahinter liegende, auf wahre Ereignisse beruhende Geschichte, die der Trailer erzählt, einfach nur schön. Wer nicht den rechten Sinn dafür hat, wird es natürlich kitschig und schal finden.

Kingdom of heaven – Huh. Ich finde den Film grandios, jedenfalls im Directors Cut. Dass Regisseur Ridley Scott auch Flops landen kann, hätte ich mir nicht gedacht, aber sein Robin Hood ist jämmerlich. Das nur zur Warnung. Wer also Zeit und Lust hast, sollte bei Kingdom of heaven bleiben. Im Trailer erwarten einem hübsche sonore Stimmen, die dann im Film gar nicht mehr so sonor klingen. Das hat mich dann schon geärgert und daran soll man erkennen, welche Mühe sich die Leutchen in Hollywood machen, wenn es um Trailers geht (hie und da werden sogar eigens Szenen nur für den Trailer gedreht!). Wenn mich nicht alles täuscht, ist die Frauenstimme am Ende des Trailers eine gewisse Alanis Morissette.

Star Trek (2009) – tja, wie ich mir gerade den Trailer angesehen habe, da konnte ich mich gut erinnern, als ich ihn das erste Mal sah und mir der Mund förmlich offen blieb. Da dachte ich: endlich wieder Raumschiff Enterprise und James T. Kirk und Spock und alles, was dazugehört, um einen kleinen Buben selig zu machen, der mit ihnen aufgewachsen ist. Tja. Der Film war dann, nun ja, eine nette Durchschnittlichkeit. Enttäuschend, eigentlich. Vermutlich, weil ich zu viel erwartet hatte. Und warum hatte ich so viel erwartet? Richtig. Weil der Trailer nur gutes verhieß. Darum ist die erste (und einzige) Regel, die man zu beachten hat, wenn man sich einen Trailer anschaut: der Film ist ganz anders! Hm. Jetzt sehe ich gerade, dass der Film gute Kritiken auf imdb bekommen hat und ich frage mich, ob er mir nicht doch gut gefallen hat. Hm. Nein. Ich war enttäuscht. Andererseits, es hätte schlimmer kommen können. Viel schlimmer. Believe me!

Starting out in the evening – so ein Film bzw. Trailer ist nur hartgesottenen Literaten zu empfehlen. Immerhin haben wir es hier vermutlich mit DEM Wunschtraum eines jeden alternden Schriftstellers zu tun: junge, attraktive Frau fühlt sich zum schreibenden Genius hingezogen. Nebenbei sieht man den Autor in eine Krise stürzen, weil die Buchbranche andere Wege geht. Einfach wunderbar, wie Frank Langella diese kreative Verzweiflung spielt. Das ist wahrlich beeindruckend – und macht einem beinahe Angst.

Once – und zu guter Letzt ein authentisches Stück Leben, hübsch gespielt, gut in Szene gesetzt. Die beiden Hauptdarsteller könnte man auf der Stelle zu sich nach Hause einladen, da wirkt nichts gekünstelt oder aufgesetzt. Ein rührseliger Film, eine kleine Liebesgeschichte, die nicht viel Aufhebens macht und am Ende trocken realistisch bleibt.

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10 Antworten zu “Ein Trailer ist der bessere Film

  1. pebowski Mittwoch, 8 September, 2010 um 9:27

    Das Thema Trailer hat mich auch gerade beschäftigt. Für unsere Okto-Reihe „Wie Geht Das?“ machen wir ja für jede Sendung einen eigenen Trailer (muss genau 30 Sekunden sein) – und jetzt war bei einer Okto-Schulung gefragt, einen allgemeinen Trailer zur Sendung zu machen – was bei uns ja gar nicht so leicht ist, weil bei uns ja jede Sendung unter einem anderen Thema steht. Wir haben dann in Gruppen ein Konzept erarbeitet, dann mal eine erste Fassung erstellt, die dann in der Gruppe hergezeigt und diskutiert. Das ist dann am Ende rausgekommen (natürlich nicht mit o.a. Beispilen zu vergleichen 😉

    PS: Das war das erste Mal, dass ich im Schnittprogramm 52 Spuren gebraucht habe. 😉

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 8 September, 2010 um 17:41

      Na, gar net schlecht, der Trailer, Pebo. In 30 Sekunden kann man natürlich net all zu viel herzeigen und da ist vermutlich schon die Sichtung/Auswahl eine heiden Arbeit. 52 Spuren? Wie behält man da die Übersicht? 😉

      • pebowski Mittwoch, 8 September, 2010 um 17:49

        Die Auswahl hab ich relativ schnell getroffen – wir wollten Leute zeigen, die mit Herzblut und Freude ihre Dinge machen (ich weiß, da hätte ich dich nehmen sollen!!!!) – die Heidenarbeit waren die Titel. Es sind je nur 2 Spuren Bild und 50 Spuren Schrift (die Titek der einzelnen Sendungen) – das schwierige war das Timing, wann sie ein- und ausgeblendet werden. Und wenn du dich da für was anderes entscheidest, musst du halt 50 Spuren ändern. 😉

      • Richard K. Breuer Mittwoch, 8 September, 2010 um 18:15

        Aha. 50 Spuren Schrift. Huh. Das gefällt mir. Ja, die finde ich klasse, wie sie ein- und wieder wegblenden!

      • pebowski Mittwoch, 8 September, 2010 um 22:11

        Die Details täten dem Herrn Typographen gefallen: dass die Schrift der Sendung, aus die der gerade laufende Ausschnitt stammt 100% Deckkraft hat, die der anderen weniger, sieht man ja gleich. Dass die aktuelle Schrift aber während der Dauer des Ausschnittes leicht anwächst in der Größe, während die inaktiven in der Größe gleich bleiben, ist nicht so ganz offensichtlich. 😉

      • Richard K. Breuer Mittwoch, 8 September, 2010 um 23:25

        Der Pebo macht es sich auch nicht leicht. Aha. Die Schrift wird größer. Sieht aber auch so aus, als würde sie näher zum Betrachter wandern. Der Effekt ist jedenfalls hübsch.

        Beschreibung hast du keine beim Videoclip, gell.

  2. Nikola Mittwoch, 8 September, 2010 um 14:18

    Ja, ja, ja! Auch ich bin ein Trailer-Junkie! Danke für die tolle Auswahl. Mein Highlight ist Atonement, allein wegen dieser wahnsinnig hypnotischen Musik – genial!
    Nikola

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 8 September, 2010 um 17:42

      Diese „hypnotische Musik“ ist von Philip Glass, wenn ich mich recht entsinne. Wobei diese nur am Anfang gespielt wird und dann in ein anderes, elegischeres Stück übergeht. Aha. Auch ein Trailer-Junkie. Vielleicht gibt es ja mehr von uns?

  3. Nikola Mittwoch, 8 September, 2010 um 22:15

    Fast richtig.;-)
    Dario Marianelli – von ihm ist auch die Musik zu Stolz & Vorurteil (die letzte Version). Mittlerweile gibt es ja schon zu Romanen Trailer, eine tolle Idee, wie ich finde. Jetzt habe ich jedenfalls ein bißchen mehr Zeit und werde noch die anderen Trailer genießen, die du eingestellt hast.

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