richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Das war die (magische) Kriminacht 2010

Huh. Da fehlen einem fast die Worte. Das geschieht selten. Sehr selten. Aber gestern, ich darf es unumwunden in meinen Blog schreiben, wurde der Lese-Abend im Café Falk zur Wiener Kriminacht zu etwas ganz Außergewöhnlichem, etwas Magischem. Natürlich werden diese Zeilen in der blinden Euphorie des beklatschten Künstlers geschrieben. Machen wir uns nichts vor: man sieht sich am liebsten im besten Licht. Wenn ich also zu übermäßig vielen Superlativen greife, um den gestrigen Abend, die gestrige Nacht zu beschreiben, dann möge es mir der nüchterne Leser verzeihen. Nüchtern? Apropos. Das letzte Glaserl Wein hätte ich vermutlich nicht mehr trinken sollen. Aber gegen einen „anarchisch“ eingestellten Loibelsberger, der gleich mal den Barkeeper gibt, kommt man nicht an (und hätte man ihm zugetraut, dass er mal vor langer Zeit Punk war und bei einem Clash-Konzert randalierte?). Zu guter Letzt blieben bei der Kriminacht-Party der Autoren im Keller des Mozart-Hauses nur noch ein paar Sitzenbleiber über. Darüber sollte später noch die Rede sein. Weil es zeigt, wie Verlagsautoren und Eigenverleger mit der Situation am Literaturmarkt umgehen. Ja, ja. Bevor ich jetzt lang und breit abschweife, sei gleich an dieser Stelle der lieben Uschi Fuchs gedankt, die so freundlich war, über die Lesung live zu twittern (@youfox). Die Tweets und ihre Fotos sind am Ende des Beitrages angefügt, so dass man einen Eindruck bekommt, was sich gestern zugetragen hat. update: Ihre Eindrücke hat sie hier beschrieben: link Und den Organisatoren der Kriminacht möchte ich natürlich an dieser Stelle ebenfalls meinen Dank aussprechen. Die Rundum-Betreuung (Sarah!) hat bestens geklappt.

Zurück zum gestrigen Abend im Café Falk. Überhaupt, dieses Kaffeehaus, das es schon seit den 1920ern gibt und als Institution in Transdanubien gilt. Viele Jahre bin ich am Kagraner Platz um die Ecke gebogen, weil ich den weiten Weg zur BHAK in der Polgarstraße machen musste (zwei Schülerinnen holten sich von mir eine Unterschrift, weil sie scheinbar das Projekt „Hör dir eine Lesung an“ aufgegeben bekommen hatten; ihre Professoren kenne ich natürlich nicht mehr). Damals gab es noch keine komfortable U-Bahn, sondern nur den 26er, diese Bim, die ewig unterwegs war. Die Gegend um den Kagraner Platz ist mir jedenfalls bestens vertraut, da ich hin und wieder gute Freunde dort besuche. Aber aufgesucht habe ich das Kaffeehaus sehr selten, deshalb konnte ich nicht wissen, was mich dort erwarten würde, zur Kriminacht.

Die erste Überraschung war Hr. Falk selbst. Was für ein generöser und sympathischer Mensch. Ja, er hat das Herz am rechten Fleck. Und ich bin noch immer äußerst gerührt, wie zuvorkommend er mich behandelte, wie er mich förmlich hofierte, als wäre ich einer der großen Bestseller-Autoren. Zu guter Letzt, da beschenkte er mich noch und freute sich sehr, dass der Abend so angenehm für mich verlaufen sei. Seine Mutter übrigens, die älteste Zuhörerin im Saal (wie sie mir versicherte), strahlte über die Maßen und gratulierte mir herzlich, als ich ihr Buch signierte. Wenn ich mir also einen besonders liebenswerten und herzlichen Kaffeehausbesitzer vorstelle, dann ist es mit Sicherheit jener des Café Falks. Sollte also der geneigte Leser die Möglichkeit haben, den Herrn Falk persönlich kennen zu lernen, tun Sie es. Unbedingt!

Die Lesung fand in einem Extra-Raum im zweiten Stock statt. So wurde der reguläre Kaffeehausbetrieb nicht gestört und jeder, der die Lesung mitverfolgen wollte, konnte das tun. Dieser Extra-Raum (ist es ein Stüberl?) ist bestens für Lesungen geeignet, die Stimmung bei gedämpften Licht hervorragend und die Mikrofon-Lautsprecher-Anlage funktionierte einwandfrei. Gut möglich, dass ich meine nächste Buch-Präsentation dort absolviere.

Das Ambiente, die Location, das Kaffeehaus konnte überzeugen, aber für einen Autor und Verleger ist es natürlich wichtig, dass die Besucherzahl stimmt. Ehrlich, ich befürchtete bereits Schlimmstes. Weil ich viele sagen hörte, dass sie den „weiten Weg“ über die Donau nicht machen wollten (derweil ist man mit der U-Bahn in wenigen Minuten in der City). Auch wusste ich nicht, wie die Kriminacht im 22. Bezirk aufgenommen werden würde. Es ist ein großer Bezirk, aber kulturell, nun ja, ein wenig an den Rand gedrängt. Was fiel mir ein Stein vom Herzen, als ich bemerken durfte, dass die Besucherschar meine Erwartungen bei weitem übertraf. Ja, die Hütte war voll, wenn man es so nonchalant formulieren möchte. Dass AR. sogar den weiten Weg von der Steiermark nach Wien machte, um mich lesen zu hören (und ihre Bücher signieren zu lassen), ehrt und schmeichelt mich. Wahrlich.

Dass die Besucher meinen Büchertisch plünderten, der eine oder andere am Madeleine-Förderprogramm mitmacht („Club der 99“) freut mich ganz besonders und ist nicht selbstverständlich. Für den Büchertisch konnte ich wieder meine liebe Freundin Iris Maria Stromberger gewinnen (hier ein Foto, das ich von ihr machte und mir noch immer sehr gut gefällt: Link). Als Schauspielerin weiß sie, ihre Reize gekonnt einzusetzen, um potenzielle Käufer anzulocken. Dass sie im Oktober im MIMAMUSCH-Separée mit zwei Kolleginnen gegen ein paar Münzen (oder Scheine) aufspielen wird (noch dazu in ihrem Stück), sei an dieser Stelle gesagt. Ich werde mir das natürlich nicht entgehen lassen. Münzen habe ich ja jetzt genug, da kann man sich schon ein paar Künstlerinnen kaufen, im „skurrilen Strategietheater“.

Jetzt ist die Frage, wie die Lesung selbst gelaufen ist. Sagen wir, ich fühlte mich wohl, war in guter Stimmung und freute mich, etwa 45 Minuten aus Brouillé vorlesen zu können. Wie man mir immer wieder versicherte, soll ich es gut gemacht haben. Ob es stimmt, kann ich nicht wirklich beurteilen, aber gehen wir einfach mal davon aus. Die gute @youfox twitterte von meiner „angenehmen Stimme“. Hört man freilich gerne. Überhaupt das Publikum. Mustergültig. Da gab es kein Dazwischenreden, kein Gläsergeklimpere. Da sieht man, was ein aufmerksames Publikum in einem Künstler auszulösen imstande ist. Da ist man gleich lockerer und spielt mit Pointen und Bonmots. Freilich, ein Schauspieler bin ich nicht. Apropos. Einer der Zuhörer war kein geringerer als Erwin Leder, jener Schauspieler, der 1981 in Wolfgang Petersen Das Boot den Maschinisten „Johann, das Gespenst“ so eindringlich gab. Dass er sich für das Madeleine-Förderprogramm eintrug („Du gehörst gefördert!“), machte mich beinahe sprachlos. Dass er mir gegen Mitternacht um den Hals fiel und mir sagte, dass er mich mag, ja, das machte mich dann tatsächlich sprachlos. Der gute Erwin ist ein wunderbarer Mensch. Er hat natürlich seine Ecken und Kanten – was mir wiederum sehr gefällt. Vielleicht ergibt sich ja eine Zusammenarbeit mit ihm. Who knows? Visitenkarte hat er mir gegeben. Und will ich nicht demnächst einen Buchtrailer mit Iris Maria machen? Hm …

Jetzt werde ich noch die letzten euphorischen Wellen genießen, bevor ich mich wieder dem verlegerischen Tagesgeschäft widmen muss. Frankfurter Buchmesse? Die Ausflugsfahrt der „Jungen Verlagsmenschen“ aus Wien findet leider nicht statt. Wie man mir gestern schrieb, wäre ich der Einzige gewesen. Tja. Schade. Jetzt muss ich mich mal umhören, wegen günstiger Zug- oder Flugtickets. Wiener Buchmesse? Da werde ich wohl einen RIESEN-Banner für mich und Albertus entwerfen. 4 Meter sollen es schon werden. Huh. Und der Club der 99 muss aktualisiert werden. Pronto!

Hier die live-Twitter-Beiträge rund um meine Lesung. @YouFox ist Uschi Fuchs. @dschun bin ich. Wer wissen will, was es mit Twitter auf sich hat, nun, ich würde sagen, es ist ein Chat für Erwachsene, wobei die Mitteilungen auf 140 Zeichen begrenzt sind. Die Hashtags (#) dienen dazu, die Einträge zu gewissen Themen zu gruppieren, um sie so leichter mitverfolgen zu können (#kriminacht bedeutet, jeder, der über die Kriminacht twittert, benutzt diesen Hashtag und jeder, der wissen möchte, was gerade bei der Kriminacht abgeht, lässt sich alle Einträge mit #kriminacht anzeigen). Wer es genauer wissen will, hier der Wiki-Eintrag: link.

[youfox 13:52] Der tolle @dschun liest heut bei der Kriminacht aus seinem Buch. Werde von dort unter #kriminacht twittern. Wer will: link

[youfox 19:31] Passend zur #kriminacht den Kindle mitgebracht. @dschun ist angetan 🙂 foto

[youfox 19:41] Wir sind natürlich auch gadgetmässig tiptop ausgestattet bei der #kriminacht Gleich Brouillé von @dschun gecheckt. foto

[youfox 19:45] Gibt natürlich auch alle Werke von @dschun als Hardware bei der #kriminacht zu erstehen. foto

[youfox 20:19] Los geht die #kriminacht im Cafe Falk mit @dschun. Feines Ambiente. foto

[youfox 20:24] Guter Ton, rauchfrei, abgedunkelt und @dschun’s angenehme Stimme. Sehr nett hier bei der #kriminacht

[kathaka 20:25] @dschun viel erfolg fuer deine lesung!! (oder is schon zu spaet?!) anyways.. schade, dass ich nicht dabei sein kann!!

[JuanesSteiner 20:35] @YouFox ohne rauch fehlt die echte literaturcafe-stimmung. moecht ich nur mal gesagt haben.

[youfox 20:38] @JuanesSteiner Naja. @dschun hat drum gebeten. Der Raum ist auch sehr klein. Ist viel besser so. #kriminacht

[youfox 20:39] @kathaka Lesung von @dschun bei der #kriminacht ist grad voll im Gange 🙂

[youfox 20:46] Das Kirchengebimmel von draußen wird von @dschun gekonnt in die Lesung mit eingebaut. #kriminacht

[youfox 21:11] Die Inspiration für @dschun zur Französischen Revolution kam von Stefan Zweig. #kriminacht

[youfox 21:13] Ein heißer Tipp von @dschun : Eigenverleger zu sein ist ein sehr hartes Los. Viel Glück an alle die das auch wollen 🙂 #kriminacht

[youfox 21:18] Förderprogramm „Liste 99“ von @dschun: 99 Menschen sponsern 25 Euro damit Madeleine in Druck geht. Gibt noch freie Plätze! #kriminacht

[youfox 21:32] Jetzt wird noch signiert von @dschun #kriminacht  foto

[youfox 21:37] Die allerbeste Widmung im #Rotkäppchen von @dschun 🙂 #kriminacht  foto

[florianallesch 21:59] die Infos der #Kriminacht von und mit @YouFox und @dschun waren sehr nett …

29.09.2010

[dschun 10:47] @youfox Du bist die Beste, Uschi! :-))))))))))

[youfox 1o:56] @dschun Keine Ursache 🙂 War doch sehr nett. 1. Reihe fußfrei und einen originalen Breuer hab ich auch abgeräumt. Geht nicht besser!

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14 Antworten zu “Das war die (magische) Kriminacht 2010

  1. Uschi Fuchs Mittwoch, 29 September, 2010 um 12:34

    In der Tat – Du hast das sehr gut gemacht. Und wie ich den zufriedenen Lächeln, entspannten Blicken und leisen Gekichern aus den Gesichtern der Zuschauer entnehmen konnte, waren die derselben Meinung.

    Fand übrigens die Atmosphäre dort auch ganz toll.

    Schön, dass dir meine Online Berichterstattung gefallen hat.

    PS: Samuel war von der Lesung auch sehr angetan und hat sich zu Hause gleich über Brouillé hergemacht. Er ist noch immer angetan 🙂

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 29 September, 2010 um 12:50

      Ich werde euch zwei als PR-Duo engagieren, so viel steht fest! 🙂 Dass du als Studentin dein sauer verdientes Geld in das luxuriöse „Rotkäppchen 2069“ investiert hast, beschämt mich ein wenig. Sag, liest Samuel das PaperBook oder das KindleBook von Brouillé? #format

      • Uschi Fuchs Mittwoch, 29 September, 2010 um 16:49

        Ach für ein gutes Stück Papier gibt man doch gerne ein paar Taler her. Und die persönliche Signatur darin machts sehr sehr wertvoll 🙂

        Samuel liest das Brouillé als eBook.

        Wir überlegen aber noch wegen dem Schwarzkopf, hat sich auch sehr gut angehört.

      • Richard K. Breuer Mittwoch, 29 September, 2010 um 17:37

        Ja, der Schwarzkopf ist natürlich der Renner. Ich schick dir gleich mal das kindle.ebook, damit ihr euch einen Eindruck machen könnt. Wenn es euch anspricht, werde ich gerne ein Rezi-Exemplar springen lassen 😉

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  3. Heinrich Mittwoch, 29 September, 2010 um 17:09

    Lieber Richard,

    das ist ja unter anderem das, was Sie zu einem Ausnahmeschriftsteller macht.
    Weder die Magie, noch ein „anarchisch“ eingestellter Loibelsberger oder ein Erwin an Ihrem Hals können Ihnen die schöpferische Kraft rauben. Auch der Charme der lieben Uschi oder der bezaubernden Iris Maria kann Sie nicht ablenken, einen Bericht zu verfassen, der den Leser „live dabei“ sein lässt. Nein, all das beflügelt Sie.
    Lebendig und anschaulich transportieren Sie die Atmosphäre dieser Krimi-Nacht. Nichts ist, wie es scheint. Aber es scheint alles so geschehen zu sein, wie Sie es schreiben. Sonst würde ich mich ja nicht so fühlen, als wäre ich dabei gewesen! 😉

    Gruß Heinrich

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 29 September, 2010 um 17:40

      Das liest man gerne, Heinrich 🙂 Vielen Dank für die netten Zeilen. Im Übrigen sind Sie jetzt im „Club der 99“ mit dem Erwin Leder. Damit können Sie sich vielleicht sogar schon ein wenig brüsten – ich tue’s auf jeden Fall 😉

  4. Heinrich Mittwoch, 29 September, 2010 um 19:52

    Ja, das ist eine Ehre! Ich freue mich, dass die Anzahl der Mitglieder einen kleinen Schub bekommen hat. 🙂

  5. Pingback: Kriminacht |

  6. SOLEILrouge Donnerstag, 30 September, 2010 um 1:55

    Lieber Richard,
    dein Erlebnisbericht der Kriminacht wirkt auf mich so, als wäre ich selbst mittendrin gewesen… ganz toll anschaulich, empathisch UND dadurch auch mitreißend. Schöne Nuancen hast du beschrieben, die Atmosphäre gut rüber gebracht…. ACH, da wäre ich selbst zuuu gerne dabei gewesen!
    Gratuliere zu dem Erfolg!
    Kommst du auch mal nach Deutschland???
    Liebe Grüße,
    SOLEILrouge 🙂
    (die du als Co-Mod aus dem Read&Meet-Forum kennst!)

    • Richard K. Breuer Donnerstag, 30 September, 2010 um 8:48

      Servus Ingrid (wenn ich es jetzt richtig in der Gruppe recherchiert habe),

      danke für die Blumen 🙂 Und ja, nächste Woche bin ich auf der Frankfurter Buchmesse – aber alles sehr spontan und ich hab noch keinen Plan. Ansonsten, wie ich gesehen habe, kommen ja ein paar Gruppenmitglieder im Herbst nach Wien. Vielleicht ergibt sich da ein literarisches Treffen. Ja, ja.

      Liebe Grüße aus Wien
      Richard

  7. dieRadiomarijke Donnerstag, 30 September, 2010 um 10:53

    und bei der nächsten Kaffeehaus-Lesung gibt’s eine Sachertorte mit Schwarzkopf-Aufdruck aus Marzipan, zum Vernaschen 🙂

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