richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

ein ungewöhnlich anmutendes Schreiben

Gestern Nachmittag lange mit meiner Lektorin zusammen gesessen. Gemeinsam die zwei Seiten eines Briefes durchgegangen, der in späterer Folge den einen oder anderen Verlag erreichen soll. In letzter Zeit merke ich, dass kleine und mittelständische Verlage, die seit längerem am Buchmarkt etabliert sind, ein wenig unsicher in die Zukunft blicken (siehe 5 Indie-Verlage vor einem Jahr) und Antworten auf viele Fragen suchen. Weil sich weder der technische Fortschritt aufhalten, noch das Kaufverhalten der Leser mit Sicherheit bestimmen lässt. Lange Jahre konnte sich ein Verlag über höhere Margen freuen, weil in der Druckindustrie die Preise für die Herstellung eines Buches in den Keller sackte. Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Verlag sich darüber ernstlich Sorgen machte. Im Gegenteil. Geringere Herstellungskosten, höhere Auflagen, mehr Profit. Die Krot, wie wir in Wien zu sagen pflegen, die Krot musste das Druckerei-Gewerbe schlucken. Gestern, am JVM-Treffen in den heiligen Hallen des HVB, erzählte mir eine Kollegin, dass ihr Großvater Setzer war und mit Bleilettern handierte. Die Lehre des (händischen) Setzers, einst ein angesehener, gut bezahlter Beruf, der viel Wissen und Gespür erforderte, gibt es nicht mehr. Die alten Druckmaschinen sind längst im Museum (im Leipziger Museum für Druckkunst kann man diese Ungetüme bestaunen und sich erklären lassen) und kein Hahn kräht mehr nach ihnen. So ist das mit den Veränderungen. Du kannst dich dagegen sperren, dich auflehnen, aber am Ende spült es dich fort. Beispiele gibt es genug. Yep!

Wenn ich mich also heute vorstelle, dann kommt es zu meist zu folgendem Dialog:

A: „Und was machen Sie?“

B: „Ich bin Schriftsteller und Verleger.“

A: „Ach? Sie haben Ihren eigenen Verlag? Und veröffentlichen nur Ihre Bücher?“

B: „So ist es.“

A: „Aha.“

Wir können uns vorstellen, welche Gedankengänge im Kopf von A abgespult werden. Zu meist, wenn es passend ist, ziehe ich einen Folder aus der Tasche (ja, man muss immer einen griffbereit haben) und überreiche ihn mit einem freundlichen Gesichtsausdruck. Gewiss, die Illustrationen der Kheira Linder zu den Tiret-Bänden, die machen schon etwas her. Aber am Ende bleibt es ja doch „nur“ eine „One-Man-Show“ und damit geht das weitere Interesse von A gegen Null. Das ist dumm, aber nun mal die Situation, mit der jeder Einzelkämpfer zu rechnen hat. Einen anderen von seinen eigenen Qualitäten zu überzeugen, ist ein schwieriges Unterfangen. Noch mehr, wenn man versucht ist, nicht all zu aufdringlich zu sein und seine Leistungen für sich behält.

Es gab und gibt ein berufliches Vorleben. Ich bin nicht als Schriftsteller und Verleger auf die Welt gekommen. Mitnichten. Es spülte mich nach einer wirtschaftlichen Ausbildung in die Bankenwelt. Kann man sich das vorstellen? Ein kreativer Freigeist, der im starren Bankenapparat vor sich hin werkelt? Aber ich habe immer versucht, das Beste aus der Situation zu machen und wer an sich hohe Ansprüche stellt, muss unweigerlich Karriere machen – auch wenn er es eigentlich gar nicht wollte. Nach vielen Jahren im Bankenbereich wechselte ich in die Softwarebranche, wo ein Kreativer allemal besser aufgehoben war, gerade zu Beginn einer epochalen Aufbruchsstimmung. Ich darf auch hier anmerken, dass ich mich gut einlebte (schließlich programmierte ich in meiner Jugend kleine Programme im guten alten Basic – zu mehr reichte es aber nicht) und schlussendlich verdiente ich jene Münzen, die mir später helfen sollten, meinen Verlag auf die Beine zu stellen.

Diese Berufserfahrungen stehen am Rande meiner Biographie und werden geflissentlich ignoriert. Dem will ich jetzt mit dem eingangs erwähnten Schreiben begegnen, wo penibel erklärt wird, was ich denn so geleistet habe und welche Erfahrungen ich sammeln konnte. Man mag mich dann vielleicht als Eigenverleger belächeln, aber nicht als jemand, der für die Gelddisposition einer Investmentbank oder die Emissions-Abwicklung namhafter österreichischer Unternehmen verantwortlich war, oder der das Fachkonzept für die EURO-Umstellung im Wertpapierbereich erstellte und später an der Software-Umsetzung maßgeblich beteiligt war. Überhaupt hatten es mir die obligatorischen und freiwilligen Kapitalmaßnahmen angetan, die in ihrer Komplexität nur von den Derivatkonstrukten geschlagen werden, und für die ich gemeinsam mit meinen KollegInnen Software-Lösungen ersann.

Wenn man so will, bin ich von einer wirtschaftlich – analytisch – kreativen Prägung und suche die Herausforderung. Kein Wunder also, dass ich mich als Mikro-Verleger versuche und es mit professionellen Kleinverlagen aufnehme. Und wenn ich am 19.11. auf der Wiener Buchmesse mit meinem Kollegen Albert Knorr den Vortrag halte „Ich habe ein Buch geschrieben. Und was nun?“, dann werde ich mir vermutlich kein Blatt vor den Mund nehmen und dem anwesenden Publikum sagen, was Sache ist, am Buchmarkt. Wenn ich es nicht mache, wer dann? Während der Buchmesse gibt es Workshops zum Thema Eigenverlag, zum Thema „Wie finde ich den richtigen Verlag?“. Das ist nett. Aber aus dem Nähkästchen plaudert da niemand. Alles ist immer schön in der Spur. Damit ist jetzt Schluss *harhar*. Wo ist jetzt die Briefmarke?

 

10 PRINT „Ich bin ein Genie!“
20 GOTO 10

RUN

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Eine Antwort zu “ein ungewöhnlich anmutendes Schreiben

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