richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Fans und angereichertes Uran in einem Milchwölkchen

[update: der blog ist nun im ovistore erhältlich: link]

So! Wieder am Schreibtisch. Wieder am Fabrizieren eines Blog-Eintrages. Seltsam ist’s, zugegeben, dass ich schon wieder die dringende Lust verspüre, hier meine kreative Befindlichkeit zu Papier zu bringen. Ein gutes Zeichen. Weil es auch Tage gibt, wo ich mir nur denke, dass ich nichts vorweisen kann, worüber es wert wäre, zu bloggen. Im Moment darf ich mich nicht beklagen, es geht drunter und drüber. Mehr seitwärts, denn vorwärts, aber immerhin, ich bleibe in Bewegung. Und mal schauen, wie schnell es braucht, bis Kollege @carstentergast diesen Beitrag twittert. Gut möglich, dass er gerade ostfriesischen Tee mit einem Milchwölkchen trinkt und das Cup-Aus von Werder Bremen  betrauert *harhar*.

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Gut! Wo beginnen? Bezugnehmend auf meinen letzten Beitrag (und der von Jana Herwig) habe ich gestern doch tatsächlich noch die NOKIA App für meinen Blog gemacht: das heißt, man kann nun mit dieser App alle meine Blog-Beiträge auf einem NOKIA Smartphone abrufen und lesen. Coolio, ha? Diese App aus dem ovistore zu machen, geht wirklich kinderleicht, da gibt es keine technischen Hürden mühsam zu überwinden. Alles ist auf seinem richtigen Platz und wird mit guten Hilfetexten erklärt. Ich denke, dieses User-Interface sollten sich viele Software-Unternehmen mal genauer ansehen, wenn sie es richtig machen wollen. Zurück zur App. Noch ist die Prüfung nicht abgeschlossen. Gut möglich, dass es noch ein paar Tage dauert. Schließlich könnte ich ja böses oder hässliches oder verunglimpfendes Zeugs hochgeladen haben. Geht nicht. Nicht auf einem NOKIA. Bis jetzt gibt es in meinem Umfeld drei Leutchen, die so ein Smartphone besitzen. Ich darf also davon ausgehen, dass die App im Store drei Mal heruntergeladen wird. Und nur wer mich und mein Blog kennt, wird auch diese App finden. In Zukunft kann man also diese Zeilen unterwegs lesen. So man das überhaupt möchte. Aber darüber will ich jetzt besser nicht befinden. Interessanter ist schon, dass ich mich mit ein paar Bildern herumschlagen musste. Schließlich will so eine App auch hübsch daherkommen, am Mobilo. Dumm, wenn man Ästhetikfetischist und Perfektionist ist. Dann tüftelt man eine geraume Weile an einem kleinen Bildchen, an einem größeren Banner und an einem Logo und muss sich die Frage gefallen lassen: wozu? Die drei Leser kennen mich und meinen Blog und meine Texte, diese muss ich nicht sonderlich überzeugen und die anderen werden diese App nicht finden. Aber man hat halt einen Ruf zu verlieren und will sich anständig und hübsch präsentieren. Jawohl. Soll ja auch Frauen geben, die sich ordentlich schminken, bevor sie Milch und Butter und Semmeln fürs Frühstück vom Bäcker holen. Ja, so ähnlich verhält es sich auch hier. Man weiß nie, wer einem da begegnen könnte.

Gestern, bis spät in die Nacht, wieder an Bildern und Bannern getüftelt. Langsam, aber sicher kristallisiert sich eines heraus: das Web ist eine visuelle Reizmaschine. Wer mit einem Bild nicht punkten kann, hat verloren. Um Inhalte geht es kaum mehr. Analog des heutigen Literaturbetriebs, wo sich die Bücher generell durch Umschlag und Titel (und Chart-Platzierung) verkaufen. Der Inhalt ist nur noch zweitrangig. Es soll ja einmal eine Zeit gegeben haben, da wurden die Bücher erst gar nicht gebunden, vielmehr konnte der Käufer entscheiden – je nach Budget – wie er den Buchblock, also die losen Seiten, gebunden haben wollte. Der eine nahm teures Leder, der andere billigen Karton. Deshalb heißt auch die erste Seite heute noch „Schmutztitel“, obwohl diese ja schon längst hübsch oder zweckmäßig eingepackt ist. Wie dem auch sei, ohne grafischen Leckerbissen wird jedes Buch geflissentlich ignoriert. Gerade im Web. Deshalb ist es unverständlich, dass es noch immer Verleger gibt, die dem Umschlag ihrer Büchern nicht die nötige Aufmerksamkeit geben. Freilich, in ein paar Jahren ist das natürlich Geschichte. Ich gehe davon aus, dass es eine App geben wird, die hübsche passende Umschläge gestaltet. Schon jetzt kann ein Laie mit gutem Auge schon Beachtliches leisten – die nötigen Tools vorausgesetzt. Die passenden Fotos oder Illustrationen kann man ohne viel Aufwand in den foto-communitys lizenzieren. Ärgerlich nur, dass das Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek für kommerzielle Vervielfältigung einen kräftig zur Kassa bittet, obwohl die Bilder  längst gemeinfrei sind, sich aber im Besitz der Bibliothek befinden. Es mag natürlich in Ordnung sein, Unternehmen bezahlen zu lassen, wenn diese kräftige Profite machen, aber Kleinverleger, die sich nach der Decke strecken müssen, werden genauso behandelt wie Multis. Und man sollte nicht vergessen, dass die Bibliothek die Digitalisierungen auch durch mein Steuergeld (ja, auch ich zahlte mal kräftig Lohnsteuer) finanzierte. Da würde ich mir dann doch mehr Fingerspitzengefühl erwarten. Aber gut möglich, dass nie so heiß gegessen, wie gekocht wird.

Zurück zur gestrigen Nacht, die lange dauerte. Ich habe nun das Projekt Azadeh auf startnext eingestellt und warte auf die Freigabe. Darüber werde ich sicherlich noch lang und breit und ausführlich sprechen. Kurz erklärt: startnext ist eine neue Plattform, die das Crowdfunding-System in den deutschen Sprachraum holt (ob sie wirklich die ersten sind, kann ich nicht sagen). Die Idee ist simpel: hier gibt es jemanden, der ein hübsches Kunstprojekt auf die Beine stellen will, aber nicht die notwendigen finanziellen Mitteln hat; dort gibt es viele Kunstinteressierte, die auf der Suche nach interessanten Projekten sind und diese durch Einwurf vieler Münzen fördern wollen. Eine Win-Win-Situation. Dass die Sache natürlich viele Haken und Ösen aufweist, soll nicht verschwiegen werden und wird auch nicht. Aber alles zu seiner Zeit. Aha. Da schau her. Sie haben sich mein Projekt angesehen und sind nicht ganz glücklich. Versteh ich. Weil ich ja eigentlich nur im hochpreisigen Segment meine Förderer finden wollte. Da sieht auf den ersten Blick nach einem Typen aus, der keine Ahnung von der Materie hat. Tatsächlich habe ich in der Zwischenzeit zu viel gesammelt und bin deshalb zum Schluss gekommen: ein paar Münzen zu erbetteln ist nicht nur mühsam, sondern führt zu nichts (wenn man in größeren Dimensionen denkt). Aber ein großes Plus, dass sich die Leutchen von startnext eingehend mit den Projekten befassen und das Gespräch mit den Projektemachern suchen.

Der Buch-Trailer ist mal im Kasten, respektive am Laptop von @medienpirat aka Flow. Bis auf ein paar (wunderbare) Fotos habe ich bis jetzt noch keine bewegten Bilder gesehen. Flow arbeitet daran. Und meine virale Idee gibt es ja auch noch. Ob sie umsetzbar ist und welcher Aufwand es bedeutet, wird natürlich an anderer Stelle verraten. Man will ja nichts vorwegnehmen, nicht? Übrigens, das Foto, das ich für das App Store Icon verwende, ist von Flow.

Die Buchmesse steht auch schon vor der Tür. Gottlob kümmert sich mein Kollege Albert Knorr vorbildlich um alle Details, während ich nur nicke und die eine oder andere kleinere Idee einwerfe („Monitor? Yep. Da steht bei mir einer herum!“). Gratiskarten gibt es jedenfalls mal für die Aussteller. Wenigstens. Ich werde sicherlich die eine oder andere unter meine Fans werfen, respektive verlosen oder verschenken. Gehört sich so.

Apropos Fans. Die Fan-Seite auf facebook von Der Fetisch des Erik van der Rohe hat sich nun bei 45 eingependelt. Von allein geht da gar nix weiter – der Trugschluss, wenn Unbedarfte von Social Media reden: „Da braucht man net viel tun, das machen dann deine Fans!“ – Leider sind wahre Fans schwerer zu bekommen als angereichertes Uran. In beiden Fällen hofft man in späterer Folge auf eine Kettenreaktion. Natürlich alles im friedlichen Rahmen. Ja, ja. Nichtsdestotrotz komme ich zum Schluss, dass du viele, sehr viele Fans brauchst, um etwas Auszulösen. Wie viele kann ich noch nicht sagen, aber ich befürchte, mehr, als ich persönlich erreichen kann. Auch wenn ich alle meine Social Media Kanäle zusammen nehme. Da frage ich mich dann immer, wie es wohl anderen ergeht, ihre Fan-Basis auf die Beine zu stellen, wenn sie weniger Zeit als ich im Web verbringen. Da fällt mir ein: gestern auf facebook mit der Autorin Zoe Beck amüsiert geplaudert und ihre Einträge kommentiert. Vermutlich habe ich den Bogen überspannt, weil es den Anschein machte, ich würde sie vielleicht gar facebooklich stalken. Das ist mir jetzt natürlich schon sehr peinlich. Aber es gibt ein Foto von ihr, ich muss sagen, das ist dermaßen beeindruckend, dass ich mir gut vorstellen könnte, es RIESENGROSS zu plotten und an die Wand zu knallen. Es kann ruhig grobkörniger aufgelöst sein, umso besser, das unterstreicht das kreative Potenzial. Ach so, ja, hier geht’s zum Foto auf flickr. Ich hoffe, die gute Zoe bekommt diese Zeilen jetzt nicht in die falsche Kehle, aber ich denke, sie versteht das schon. Immerhin ist sie ja auch Autorin und sehnt sich nach der großen Bühne und dem Scheinwerferlicht.

Scheinwerferlicht? Zu guter Letzt noch ein kleines Schmankerl aus der Twitterwelt. Auf dass auch für mich ein Rest von Licht meine Eitelkeit bestrahlt. Das Gespräch fand zwischen der Autoren-Kollegin Heike Koschyk und mir statt (nur falls es jemand noch immer nicht weiß, dass ich im Twitter-Universum @dschun bin/heiße). Nebenbei habe ich gerade bemerkt, dass die gute Heike schon mal den Agatha-Christie-Krimipreis abgeräumt hat. Respekt.

 

@heikekoschyk: Melde mich aus dem Off. Sitze beim Friseur und nutze die Zeit, um an einem Autorenportrait für die Facebook-Seite von Quo Vadis zu arbeiten.

@dschun: Quo Vadis hat ne Facebook Seite?

@heikekoschyk: Ja, der Autorenkreis Quo Vadis. Wär das nicht auch was für Dich?

@dschun: Autorenkreis? Haha. Ich bin Eigenverleger, you know! Außerdem war ich schon länger nicht mehr beim Friseur 😉

@heikekoschyk: Und? Bist Du deswegen etwa kein Autor??? Na, immerhin siehst Du fesch aus. Auch ohne Friseur 😉

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4 Antworten zu “Fans und angereichertes Uran in einem Milchwölkchen

  1. Heike Koschyk Donnerstag, 28 Oktober, 2010 um 19:03

    Ach, lieber Richard, dass meine Kommentare Deine Eitelkeit erhellen, ist zuviel der Ehre … ;-P

    • Richard K. Breuer Donnerstag, 28 Oktober, 2010 um 23:24

      Erhellen? Du weißt ja gar nicht, wie dunkel es hier in Wien werden kann. Zappenduster, meine liebe Heike. Ich hab übrigens für dich bei lovelybooks gevotet. Den Listennamen nehme ich jetzt besser nicht in den Mund, sonst bekomm ich vielleicht noch Probleme 😉

  2. Heinrich Freitag, 29 Oktober, 2010 um 2:38

    Lieber Richard,
    ich betrachte ja alles aus Sicht des Lesers, des Fans beziehungsweise des Bürgerlichen und Internet-hier-und-da-Klickers.

    Als Sie oben im Artikel erwähnten, dass man viele Fans braucht, konnte ich das sehr gut nachfühlen. Als normaler Blogger treibe ich schon einen immensen Aufwand, um eine Handvoll Besucher zu bekommen.

    Als Sie sagten „dass ich im Twitter-Universum @dschun bin/heiße).“ schoss mir ein Gedanke durch den Kopf:
    Selbstverständlich wissen alle Fans und eingeweihten Leser, dass sich hinter dschun, Erik …, Club der 99, 1668.cc usw der großartige Richard K. Breuer verbirgt. Verbergen ist aber keine offensive, virale Taktik. Für die Verbreitung wäre ein einziges Markenzeichen auf allen Plattformen günstiger.

    Wenn Sie bei Twitter, Facebook, Amazon, im Blog, auf der Homepage, im Club, einfach überall unter einer Marke erscheinen, erhöht sich das Ranking und die Bekanntheit dieser Marke sicher deutlich.

    Gruß Heinrich

    • Richard K. Breuer Freitag, 29 Oktober, 2010 um 8:37

      Lieber Heinrich. Ja, eine Marke ins Gedächtnis der Leutchen zu verankern ist der Stein der Weisen des Marketings des 21. Jahrhunderts. Gut, dass Sie mich also daran erinnern, ich habe es ein wenig aus den Augen verloren. So einfach ist es natürlich nicht, einerseits diese vielen Stränge zusammenzufassen und zusammenzulegen, andererseits werde ich mal darüber nachdenken und vielleicht kommt der zündende Funke, die brennende Idee. In den nächsten Tagen oder Stunden kommt ja wieder ein weiteres Projekt zu den vielen dazu: „Azadeh“ geht bei startnext ins Rennen. Ich schätze, ich tanze auf vielen Hochzeiten 🙂

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