richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Ein Kaffeehaus in Toyko

 

ein Kaffeehaus in Tokyo

Ich sitze in einer Fastfood-Filiale, habe hier gefrühstückt, Kaffee getrunken und tippe nun schnell diesen Beitrag in den Laptop. Yep. WLAN ist hier auch zu haben. Geraucht wird genauso wenig, wie Radio aus den Lautsprechern plärrt (sondern durchaus angenehme Musik). Jeder Lokal-Besitzer, der Radio spielen lässt, gehört öffentlich ausgepeitscht. Weil er dafür sorgt, dass Werbebotschaften und sinnloses Geschwätz verbreitet wird. Das gehört sich nicht. Wahrlich nicht. Deshalb sei es jedem Lokalbesitzer in sein Tagebuch geschrieben: KEIN RADIO! Alternativ gibt es ja Internet-RADIO. Das kann ich uneingeschränkt empfehlen – so lange es nicht ebenfalls Werbe-verseucht ist. Wir sehen: auch in Wien, mit all den Kaffeehäusern, ist es schwierig, das richtige zu finden, das alles hat, alles bietet. Noch dazu sollte es ja in Gehweite von zu Hause sein. Und wer an der Donau lebt und liebt, der kann ein Lied davon singen, dass die Kaffeehaus- und Buchkultur nicht bis hierher vorgedrungen ist. Gut. Natürlich gibt es die Ausnahme der Regel. Aber davon später einmal mehr.

Yuko habe ich in facebook durch Zufall kennen gelernt. Eine Japanerin, die sehr gutes Deutsch spricht (definitiv besser als die halbe Stadt hier), findet man nicht so leicht. Und ich bin sehr glücklich darüber. Weil mich fremde Kulturen immer von einem persönlichen Standpunkt interessieren. Wie lebt es sich in Tokyo? Was tut man in Tokyo? Yuko „zeigte „mir ein japanisches Kaffeehaus – und ich war regelrecht überrascht. Hätte ich es für möglich gehalten, dass so ein Kaffeehaus in Japan stünde? Nope. Ich hätte den Kopf geschüttelt. Freilich, man hört immer wieder, dass die Japaner auf die Originale Sachertorte „abfahren“, diese in der Holzkiste nach Japan fliegen lassen. Aber man sehe sich mal die Süßspeisen, Mehlspeisen, Torten an, die dieses Kaffeehaus feil bietet. Das ist schon beeindruckend. Ja, ja. Das Foto hier ist übrigens eine japanische Bäckerei, wo Yuko am Sonntag Morgen eingekauft hat.

Yuko ist in Japan aufgewachsen und lernt Deutsch so nebenbei. Es ist ein Hobby. PotzblitzderTeufel, ist das möglich? Oder ist „Yuko“ eine japanische „Lost-in-Translation“-Software, die an mir erprobt wird? Das ist ja die Krux an diesen virtuellen Welten. Man weiß nie, mit wem man es am Ende zu tun hat. Und genausogut könnte dieser Beitrag von einer europäischen KI-Maschine formuliert werden, die der Welt vorgaukelt, es gäbe einen echten Menschen, der diese Zeilen geschrieben hat. Am Ende ist vielleicht alles doch nur Illusion. Aber diese Illusion lässt die Menschen aus verschiedenen Erdteilen näher zusammen rücken.

Über myspace lernte ich einst Laura, eine Afrikanerin mit brasiliansichen Wurzeln kennen, die in Deutschland studierte und an der Schweizer Botschaft tätig war. Jetzt lebt sie in Rio und erwartet sehnsüchtig meinen „Liebesbrief“, der natürlich nur eine gewöhnliche E-Mail ist, mit gewöhnlichem Inhalt. Aber in dieser Nebensächlichkeit liegt das Besondere. Was hätte mir Yaoundé gesagt, hätte ich Laura nicht kennen gelernt? Nichts. Als sie mir ein Foto von der Stadt schickte, war ich verblüfft. Eine gewöhnliche große Stadt, mit Hochhäusern und Bürogebäuden, Parks und Menschen und und und … das Dilemma ist, wenn ich „Afrika“ höre, dann sehe ich ein „armes Land“ (obwohl es reicher ist als andere Kontinente), Löwen, hungrige Kinder, Sonne, Steppe … und im nächsten Gedankenblitz fällt mir ein, dass Ägypten auch zu Afrika gehört. Und da gibt es Pyramiden. Wie passt es zu „Afrika“? Eben! Das ist das Grundübel. Dass wir in den Topf „Afrika“ alles hineinstülpen, was uns unterkommt. Genauso machen wir es mit „Japan“. Der Mensch verallgemeinert. Immer. Es kann auch gar nicht anders sein. Wie sollte er die abertausenden Facetten auch in einen Kontext setzen können? Kann er nicht. Tut er nicht. Deshalb werden Klischees, werden Allgemeinplätze immer in den Köpfen der Leute herumspuken. Einzige Möglichkeit ist der persönliche Kontakt zu diesen Ländern, zu diesen Kulturen. Dann ändert sich im Bewusstsein des „Besuchers“ etwas. Er beginnt zu relativieren (und macht vielleicht den selben Fehler, in dem er meint, mit einer persönlichen Begegnung die Stadt, das Land, den Kontinent erklären zu können! – Yuko ist nicht Japan, ist nicht Tokyo, nein, sie bietet mir nur einen (weiteren) Blickwinkel unter Millionen an). Aber diese Relativierung ist wichtig. Man beginnt das unbekannte Fremde neu zu beurteilen („Topf auf und gucken, was da so drinnen ist und ob es da noch reingehört“), man setzt sich (kurz) damit auseinander. Deshalb wird die WEB-Generation, die nicht mehr in Grenzen und Schablonen denkt, ein neues Bild der Welt und ihren Ländern und Menschen zeichnen (so man sie lässt). Genauso, wie einst die Aufzeichnungen eines Marco Polo über China (ob erfunden oder nicht, sei dahingestellt) als einzige Grundlage dienten und später, mit der Mobilität der Vielen, diese eine Sicht erweitert, ergänzt, verworfen wurde.

Und diese Vernetzung hat es mir möglich gemacht, meine Bücher einem größeren, viel größeren Kreis anzubieten. Die Highlights, die muss ich hier und jetzt natürlich loswerden. Zum einen dient es der eigenen Beweihräucherung (weil es ja sonst keiner tut), zum anderen zeigt es auf, wohin die Reise geht, ohne Reisepass (meiner ist schon längst abgelaufen), ohne Visum (häh?), ohne Strapaz.

Yuko – Japan/Tokyo – liest Schwarzkopf und Lydia.

Laura – Brasilien/Kamerun – liest Tiret, Rotkäppchen 2069.

Steve – USA/Portland – liest Schwarzkopf

Gunar – Holland/Maastricht – liest alle meine Bücher

Claudia – Zürich/Honk Kong – liest alle meine Bücher

Petra – Strasbourg – liest ab und an meine Blog-Beiträge, bald Schwarzkopf

Nunu – Spanien – liest Schwarzkopf (übersetzte den Umschlag ins Spanische)

Velina – Ukraine/Leizpig – liest Rotkäppchen 2069

… die Liste wird fortgesetzt

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6 Antworten zu “Ein Kaffeehaus in Toyko

  1. Pingback: BUCH WIEN 2010 – bitte einzutreten! « richard k. breuer

  2. Laura Sonntag, 14 November, 2010 um 15:07

    Merci, mein Dichter! Ich weiss es zu schätzen 😉

  3. Heinrich Dienstag, 16 November, 2010 um 5:30

    Heinrich – Germany/Hannover – liest alle Breuerbücher.
    (oder zählt Germany nicht als Ausland?) 😉

    Lieber Richard,
    danke für die kleine Weltreise! Werden Ihre Bücher übersetzt? Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Spaß auf der Messe!
    Gruß Heinrich

    • Richard K. Breuer Dienstag, 16 November, 2010 um 18:58

      Danke, Heinrich, für die Glückwünsche. Kann man sicherlich gut gebrauchen. Bis jetzt läuft alles einigermaßen nach Plan, in Bezug auf die Messe.

      Nein, meine Bücher werden nicht übersetzt. Die Damen und Herren müssen deutsch lesen können. Ja, ja.

      Germanien zählt bedingt zum Ausland. Überhaupt zählt ja für einen Wiener alles außerhalb Wiens zum Ausland.

      Beste Grüße
      Richard

  4. Sebastian Schneider Samstag, 20 November, 2010 um 11:12

    Gruß an Yuko – Ihr Deutsch ist wirklich sehr sehr gut 🙂

    Grüße
    Sebastian

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