richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Die einschüssige Pistole des sozialen Webs

 

Brouillé

Gerade die „Einladungen“ für meinen BUCH WIEN Messe-Auftritt in facebook und XING abgeschickt. Dabei jeden Kontakt „in der Klick-Hand“ gehabt und entschieden, ob er oder sie eine Benachrichtigung bekommt. Heutzutage ist es so einfach, einer Hundertschaft an Leutchen eine Benachrichtigung zu schicken, dass es nicht weiter verwundert, wenn von dieser Möglichkeit inflationär Gebrauch gemacht wird. Was wiederum zur Folge hat, dass man die Event-Einladungen nicht einmal ignoriert. So wird es auch mir, respektive meiner Benachrichtigung, ergehen. Da darf man sich keiner Illusion hingeben. Die Rücklaufquote in Zeiten des Web grundelt/tümpelt vermutlich im Promille-Bereich herum. Freilich, dort, wo der persönliche bzw. virtuelle Kontakt vorhanden ist, dort gibt es auch zumeist eine Rückmeldung. Aber für die en-passant-Kontakte, die man eben hat, weil es sich irgendwann, irgendwie ergeben hat, zählt so eine Event-Einladung nichts. Freilich, natürlich gibt es die berühmt berüchtigte Ausnahme. Ein Wort, ein Ort, eine Location – irgendein Momentum, das den potenziellen Gast aufhorchen lässt. So ein Momentum ist schwer zu finden. Jedenfalls für den kleinen Mann von der (kreativ-künstlerischen) Straße.

Event-Benachrichtigungen sind ein Spiel mit dem Feuer. Verschickt man zu viele und zu oft, wird man gnadenlos in die Schublade „entbehrlich“ gesteckt. Im schlimmsten Fall „nervend“. Sind die Events, die man „bewirbt“, kaum der Rede wert, wird man in die Schublade „belanglos“ geworfen. Da braucht es schon ein gehöriges Maß an Zurückhaltung, um sich durch den Ablehnungs-Dschungel zu schlagen. Ich vergleiche es gerne mit einer Steinschloßpistole, die einen Schuss hatte, bevor man sie wieder mühsam und zeitraubend nachladen musste. Ja, der Schuss muss wohl durchdacht sein. Wann? Gegen wen? Wohin? Gut, dass ich darin geübt bin. In Penly – dem vorläufig vierten und letzten Band der Tiret-Saga – werden genau solche Fragen gestellt. Dumm, dass am Ende alle im Blut liegen und der Vergleich ein wenig hinkt. Aber wer sagt, dass Scoial Media nicht ein Gemetzel ist? Eben!

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5 Antworten zu “Die einschüssige Pistole des sozialen Webs

  1. Pingback: BUCH WIEN 2010 – bitte einzutreten! « richard k. breuer

  2. Kusanowsky Montag, 15 November, 2010 um 15:55

    Der Artikel enthält interessante Beobachtungen, deren Erklärungsbedürftigkeit vor allem deshalb steigt, da für Blogposts, die solche Beobachtungen festhalten, genau das gleiche gilt wie für Event-Benachrichtigungen: das meiste wird über Internet unverdaut wieder ausgeschieden. Das Internet strukturiert ein permanentes Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Streng genommen war das auch schon vor dem Internet bei konventionellen Massenmedien beobachtbar, was sich in der Weise auswirkte, dass ständig Überbietungs- und Zuspitzungsroutinen durchlaufen werden, die durch die Erwartung der Wahrscheinlichkeit von Aufmerksamkeitsdefiziten programmiert sind. Die sich daraus entwickelnden Strukturen erzeugen auf der anderen Seite dann das, was durch sie eigentlich verhindert werden soll, wenn sie sich erfolgreich entfalten: Verlust von Aufmerksamkeit mit der daraus resultierenden Konsequenz der verstärkten Wiederholung.
    Mit dem Internet wird dieses Phänomen nun horizontalisiert und zugleich trivialisiert.
    Und solange keine nur Form der Erfahrungsbildung gefunden werden kann, die darauf reagiert, bleibt zunächst nur, dass alles beobachtet werden muss wie bisher, auch, wenn sich die Bedingungen der Beobachtbarkeit zu ändern beginnen.

  3. Heinrich Dienstag, 16 November, 2010 um 3:30

    Ich vergleiche es gerne mit einer Steinschloßpistole, die einen Schuss hatte, bevor man sie wieder mühsam und zeitraubend nachladen musste. Ja, der Schuss muss wohl durchdacht sein. Wann? Gegen wen? Wohin? Gut, dass ich darin geübt bin.

    Und wenn man nur einen Schuss hat, kommt es darauf an, ob man die Pistole mit einer Bleikugel, Silberkugel, Leuchtkugel oder einem DumDum-Geschoss lädt. 😉

    Ich denke, Ihre Schüsse sind nicht nur eine Leuchtkugel, sondern ein komplettes Feuerwerk – das begeistert die Menschen! Allerdings wollen sie es am liebsten kostenlos. 😉

    Herr Kusanowsky,
    ich habe Ihre Ausführungen mit Interesse gelesen und einige Folgen schon am eigenen Leibe erfahren. Darum fokussiere ich nun meine gesamte Aufmerksamkeitsdefizitspower auf kommerzielle Werbung für Versicherungen, Medikamente, Flatratetarife und Parteienwerbung.

    Meine verbliebene volle Aufmerksamkeit bekommen neben meiner Familie und meinen Freunden, Schriftsteller, Maler, Musiker und das Rote Kreuz.

    Ich arbeite aber daran, das Defizit völlig auszugleichen, weil ich ja selbst bestimmen kann, worauf ich mich konzentriere – dann stören mich auch die vielen 5 Euro Gutscheine nicht mehr, für die ich erst 25 Euro ausgeben muss, um sie einlösen zu können.

    Da gebe ich lieber gleich 25 Euro aus, um bei Richard K. Breuer in den Club der 99 einzutreten – das ist sehr viel schöner und sinnvoller.

    Gruß Heinrich

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