Filmische Absichten im LIECHTENSTEIN MUSEUM

 

Gartenpalais Liechtenstein, Wien
Die Südfassade des Gartenpalais Liechtenstein entworfen von Architekt Domenico Martinelli (1650–1718) um 1700 © LIECHTENSTEIN MUSEUM. Die Fürstlichen Sammlungen, Wien

Meine Güte. Was plage ich mich mit diesem Eintrag! Wobei, es gäbe viel zu erzählen, mehr als sonst, aber der Punkt ist, dass ich nicht weiß, wer aller diesen Beitrag zu Gesicht bekommt. Und wie so oft, wenn man es gut machen möchte, macht man es schlecht. Warum? Weil die Leichtigkeit verloren geht. Die Zeilen werden sperrig, wirken unnatürlich und gekünstelt. Der geneigte Leser, der versteht, zwischen den Zeilen zu denken, bemerkt alsbald, dass hier einer am Werk ist, der nur eines im Sinn hat, nämlich Gefallen zu wollen. Diese textuelle Anbiederung wird selten goutiert und damit hat der Autor sein Ziel – so er eines gehabt hat – verfehlt. Tja. Deshalb dachte ich mir, ich sollte versuchen diese verkrampfende Haltung aufzubrechen. Am besten mit einer historischen Anekdote. Bereit?

Gut. Im LIECHTENSTEIN MUSEUM (link) (davon ist später noch die Rede) wird es Anfang Dezember zwei Sonderausstellungen geben. Die eine zeigt das imposante silberne Prunkservice des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen (link), die andere wiederum Wiener Porzellanfiguren aus der Regierungszeit Maria-Theresias (link). Nun, im Pressetext des Museums ist unter anderem folgendes darüber zu lesen:

Trotz der teilweise frivolen Themen ­– durch die Unterhaltungsmotti des Rokoko bedingt – lässt sie niemals die noble Zurückhaltung des Wiener Hofes und die dort vorherrschenden Sitten vergessen.

MUSEUM LIECHTENSTEIN Porzellanfigur
Kaiserliche Porzellanmanufaktur (1744–1864), Wien Sängerin mit Lautenspieler, 1760/65 Höhe 19 cm Unterglasurblauer Bindenschild, Bossierer: P Uměleckoprůmyslové Museum © LIECHTENSTEIN MUSEUM. Die Fürstlichen Sammlungen, Wien

Als ich diese Zeile las, kam mir Kardinal Rohan in den Sinn, der für eine kurze Weile Gesandter des französischen Königs am Wiener Hofe war. Nun, der gute Rohan war zwar Geistlicher, aber das hinderte damals einen Mann von Welt nicht daran, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Rohan gab berauschende Feste und verstand es, mit Pracht und Prunk (und vielen Geschenken) den Wiener Hof für sich einzunehmen. Ach, der gute Rohan warf mit Geld nur um sich und freute sich, wenn andere sich freuten. Dumm, dass sich eine am Hofe darüber gar nicht sonderlich freute. Noch dümmer war, dass es sich um Kaiserin Maria-Theresia handelte, die eine gewisse moralische Sittsamkeit nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen am Hofe einforderte. So kam, wie es kommen musste. Kaiserin Maria-Theresia begann  beim französischen König zu intervenieren und es sollte nicht lange dauern, bis Kardinal Rohan aus Wien abberufen wurde. Während dieser Intervention schrieb die besorgte Mutter natürlich auch ihrer Tochter am französischen Hofe, einer gewissen Marie-Antoinette, Gemahlin des Thronfolgers, dem späteren König Louis XVI. In den Briefen der Kaiserin beklagte sie immer wieder ihrer Tochter die Unmoral des Kardinals und dass sie sich von diesem Menschen fern halten solle. Marie-Antoinette hatte keinen Grund an der Verwerflichkeit des Kardinals zu zweifeln (obwohl sie viele gute Ratschläge ihrer Mutter oder ihres Bruders geflissentlich ignorierte) und so formte sich ein – vermutlich künstlicher – Hass, der den Kardinal zeitlebens treffen sollte und der todunglücklich darüber war. Aber dann, eines Tages, tauchte eine geheimnisvolle Dame bei Kardinal Rohan auf und das Schicksal eines Halsbands nahm seinen Lauf. Wer wissen möchte, wie die kleine Geschichte – die schlussendlich große Wellen schlug –  weitergeht, wird wohl zu meinem Band Tiret greifen müssen – oder sich im allwissenden Internetz schlau machen. Nun, um den Bogen wieder zurück zu machen, der Wiener Hof verstand es damals, sich still und leise zu vergnügen, ohne dabei großes Aufsehen zu erregen, im Gegensatz zum Französischen Hof, wo die Farben und die Formen etwas Obszönes anhaftete. Man muss sich nur das übermäßige Versailles und das gemäßigte Schloss Schönbrunn vor Augen führen, um die Unterschiede der beiden Höfe zu verstehen.

Die Idee, in einem herrschaftlichen, barocken Anwesen einen filmischen Schnappschuss zu machen, der meine „revolutionären“ Tiret-Bände in die erste Reihe stellt, war recht schnell geboren. Ja, im Kopf war die Szene – es sollte nur eine geben – fertig abgedreht, nur an der geeigneten Örtlichkeit vulgo Location fehlte es. Wer die ersten beiden Tiret-Buchtrailer gesehen hat, der weiß, wie man aus der Not eine Tugend machen kann. Obwohl das Resultat durchaus eine „bewegende“ Wirkung hatte, träumte ich noch immer von einem Schloss oder Palais als weitere Hauptrolle in meinem nächsten filmischen Schnappschuss. Wien ist ja bekanntlich gesegnet mit derlei Häusern. Dass ich aber schlussendlich in DAS barocke Anwesen der Stadt Einlass erhalten würde, hätte ich mir nicht träumen lassen.

Jenes barocke Anwesen, von dem ich hier spreche, ist natürlich das Palais Liechtenstein, das die Fürstlichen Sammlungen beherbergt und museal ausstellt.  Gestern* also von einer Mitarbeiterin der Presseabteilung in Empfang genommen und herumgeführt worden. Das ist schon mehr als beeindruckend, während eines Schließtages die barocken oder klassizistischen Räumlichkeiten zu betreten (und dabei das geschäftige Treiben des Museums-Personals zu beobachten). Die Mitarbeiterin der Presseabteilung, ich sag es jetzt frank und frei, hat mich überrascht. Sehr überrascht. Ich erwartete eine Dame im mittleren Alter, die streng und korrekt mich und mein Ansinnen mustern würde. Derweil war die Pressedame jung, fröhlich und bestens gelaunt. Freilich, sie hatte sich schon meinen virtuellen Auftritt, meine Biographie, genauer angesehen – und der erste Buch-Trailer dürfte so schlecht nicht gewesen sein. Ansonsten, wir können es uns denken, hätte ich vom Palais Liechtenstein weiter träumen dürfen.

Nach dieser persönlichen Führung, nach diesem so wunderbar angenehemen Gespräch, nach all dieser Pracht, musste ich ins Café und meine Eindrücke sofort ins Tagebuch vermerken. Ja, ich war guter Dinge. Der Überschwang spülte förmlich die Zeilen aufs Papier. Ach, immer ist es diese kurze Zeit nach einem schönen, erfüllenden Moment – weil wir davon ausgehen, dass schon bald ein noch schönerer, noch erfüllenderer Moment kommen wird. Heute*, mehr als 24 Stunden später, bin ich natürlich wieder „normalisiert“, geerdeter, weil ich bemerkt habe, dass auch so ein kleines Filmprojekt seine Schwierigkeiten macht und Tücken hat. Aber wer etwas Erreichen möchte, muss dieses Hindernisse überwinden. So einfach ist das.

Noch am späteren Nachmittag erreichte mich die frohe Kunde (nein, nicht durch den Fürstlichen Boten), dass ich die Möglichkeit hätte, den Buch-Trailer im Palais zu filmen. Natürlich mit gewissen Auflagen, die ich hier nicht erwähnen möchte. Jetzt stellt sich nur die Frage, ob ich Erwin Leder „bekommen“ kann. Ich sehe nämlich diese eine Szene vor meinem geistigen Auge. Gut, sie mag für Tiret-Leser nichts Neues bieten, gewiss, aber die Umsetzung, ich weiß es, wird elektrisierend sein. Und wenn Erwin nicht zur Verfügung steht, dann, ja, dann werde ich wohl in den sauren Apfel beißen und die Rolle gleich selber „spielen“. Nein, nein, Schauspieler bin ich keiner.

 

MUSEUM LIECHTENSTEIN, silberne Terrine
Ignaz Joseph Würth (1742–1792) Runde Terrine mit Untersatz, 1779–81 Silber; 42 x 67 cm Privatsammlung, Paris © LIECHTENSTEIN MUSEUM. Die Fürstlichen Sammlungen, Wien

Zu guter Letzt habe ich der der lieben Pressedame natürlich jeweils ein Exemplar von Tiret und ein Exemplar von Brouillé mitgegeben. Signiert habe ich sie nicht. In meiner Gedankenlosigkeit glatt vergessen. Macht nix. Weil ich sie ja zur Eröffnung der Sonderausstellung(en) sicherlich antreffen werde. Und wenn ich ihr ein paar hübsche Zeilen in die Bücher kritzle, werde ich ihr die Anekdote von Kardinal Rohan und Kaiserin Maria-Theresia erzählen. Ich bin sicher, das wird sie beeindrucken. Und wenn der nächste Buch-Trailer endlich abgedreht, geschnitten, vertont und ins Netz gestellt wird, dann werde ich die Zuseher mit dem Salle d’Hercule – oder schlicht Herkulessaal – beeindrucken. Ja, den sollte man wenigstens einmal gesehen haben. Um zu verstehen, wie einem die Ehrfurcht kurz in alle Glieder fährt. Fortsetzung folgt …

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* Anmerkung: Dieses Gestern, dieses Heute, von dem hier die Rede ist, liegt schon ein paar Tage zurück.

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