richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

grandiose Ideen mit sektor5

Am Wochenende umtriebig. Dabei wieder bemerkt, dass Wien ein Schmelztiegel ist, wenn man sich darauf einlässt und auf die Menschen zugeht, ihnen zuhört. Auf der Finissage der Fotografin Sandra Fockenberger (link), die ich mit meinem Haus- und Hof-Fotografen @medienpirat besuchte, gesellten sich zu Glühwein und dunklem Brot unter anderem eine Polin (die in Deutschland lebt und ihre Galerie in Wien hat), eine Südafrikanerin, eine Deutsche und ein Südtiroler. Als Wiener fühlt man sich dann zwar in der Minderheit, aber trotzdem gut aufgehoben. Weil mich der Blick von außen immer interessiert. Gerade als Schriftsteller. In der Galerie auf afrikanischen Holzmöbel gesessen. Einfach. Simpel. Perfekt. Schon eigenartig, welche stärkende Ruhe diese Möbel ausstrahlen, die von Hand gefertigt sind. Und der Südtiroler, der sich mit dem vorherrschenden System seit Jahrzehnten auseinandersetzt, meinte ja, dass Einfachheit in allen Völkern und Kulturen als Bereicherung an Lebensqualität angesehen wird. Wundert das einen? Mich nicht.

Nach der Finissage ins sektor5 – coworking spaces („flexibler raum für freie arbeit“). Dort hätte ja die Feier eines Twitteristi stattfinden sollen. Hätte. Die Feier wurde aber um 6 Tage verschoben. Tja. Da standen wir nun im sektor5, ich und mein Haus- und Hof-Fotograf. Wir hätten natürlich wieder gehen können. Aber wir wurden von Yves und Karin, den Entrepreneurs dieses neuen Gemeinschaftsbüros, so herzlich aufgenommen, dass wir blieben, uns mit den Anwesenden wunderbar unterhielten. Es ist schon beeindruckend, jene Menschen kennen zu lernen, die eine Idee haben, die nicht locker lassen und schließlich Risiko nehmen, um dieses vage Gedankenkonstrukt in Stein und Holz zu meißeln. Wir haben uns die Räumlichkeiten angesehen. Ich kann sagen, die beiden haben eine perfekte Mischung gefunden. Die Einrichtung ist simpel (wieder diese Einfachheit!), zweckmäßig und lenkt nicht ab. Man spürt förmlich ein kreatives Klima, unterstützt durch kleine, aber wichtige Details. Die „Lounge“, die Kaffee- und Getränkebar, ist so einladend durchgestylt, dass man sich diese in seinem Stammcafé wünscht. Ja, sektor5 hat etwas von Berlin: es ist hip, es ist jung, es ist ungezwungen. Vielleicht sollte man jetzt mal anmerken, dass Yves aus Leipzig und Karin aus Salzburg stammen. Nicht, dass ich Wienern abspreche, tolle Ideen zu haben, aber es mangelt ihnen oftmals an der Bereitschaft, ins kalte Wasser zu springen, also Risiko zu nehmen. Besser: sie gehen lieber ins Kaffeehaus oder zum Heurigen und klagen über die Ungerechtigkeit dieser Welt.

Ein zweiseitiger Artikel im Stadtmagazin WIENER, geschrieben von Nicole Kolisch und fotografiert von Marco Rossi gibt es hier: link.

Wir haben uns lange mit Karin unterhalten. Haben uns angehört, wie sie und ihr Ehemann Yves praktisch im Alleingang die Räumlichkeiten adaptierten (soweit es möglich war) und sich nun, nach dem physischen Job,  in das Netzwerken stürzen. Ja, was nutzt die beste Idee, die beste Umsetzung, wenn es keiner erfährt, keiner weiß? Eben! Deshalb dachte ich mir, ich unterstütze die beiden dahingehend, dass ich dann und wann diesen hippen Coworking space lobend erwähne. Hätte ich die finanziellen Mittel, ich würde mich in irgendeiner Weise beteiligen. Weil dieser Mut belohnt gehörte. Weil solche Mensche wie Karin und Yves Farbe und Melodie in den grauen Alltag bringen. Das merkt man sofort, wenn man über die Schwelle tritt. Und wie wir uns so wunderbar entspannt unterhalten haben, sich Karin interessiert den Flyer von ERIK/LYDIA besah, da reifte in mir die grandiose Idee, im sektor5 eine kleine, feine, aber besondere Lesung zu veranstalten. Aus ERIK. Ein Mann. Eine Frau. Das Glattauer-Werk Gut gegen Nordwind wurde ja für die Bühne adaptiert und feiert einen respektablen Erfolg.  Die Darstellung einer (Internet)-Beziehung  dürfte also den Nerv des jungen Publikums treffen. Das kann ich mit ERIK  auch. Vielleicht sogar besser. Jedenfalls authentischer, ehrlicher. Warum es also nicht ausprobieren? Eben! Ich werde mit den beiden darüber reden. Und vielleicht, wer weiß, ist es der Anfang einer wunderbaren Zusammenarbeit. Und wer sich mit eigenen Augen überzeugen möchte: jeden Samstag Abend steht die Türe offen. Das Motto  „whatever“ ist Programm. Schüchtern sollte man natürlich nicht sein. Aber bei einer Flasche Bier, bei einem kleinen Espresso, da rückt die Welt ein wenig zusammen. Sogar im kakanischen Wien.

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[in eigener Sache: es gibt nun für die Wiener Krimicomedy Schwarzkopf eine facebook-FAN-Page (link), genauso wie für Erik (link) – ich tät mich über den einen oder anderen Klick freuen. Ja, ja. Am Mittwoch ist übrigens die Premiere zum neuen Kottan-Film. Peter Patzak, Regisseur der Serie, hat ja das Script zu Schwarzkopf gelesen. Mehr verrate ich mal nicht.]

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2 Antworten zu “grandiose Ideen mit sektor5

  1. sandra Montag, 29 November, 2010 um 13:05

    hallo Richard,

    ja, schön war es am Samstag… ist ein feiner Raum mit guter Ausstrahlung und multikultureller Anziehung; vielleicht eine kleine Annäherung zur ehemaligen Hauptstadt von Europa 😉

    schön, dass du da warst

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