Wie das System funktioniert: Wachau, die Bahn und eine Pumpe

In den beiden „Die Presse“-Artikel von Hermann Knoflacher (link), Professor emeritus am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der Technischen Universität Wien und Wilfried Posch (link), der bis 2008 Leiter der Lehrkanzel für Städtebau an der Universität für Gestaltung Linz. Mitglied des Österreichischen Nationalkomitees Icomos, geht es um die Einstellung der Wachaubahn und die Ersatzbedienung mit Autobussen. Die beiden Verfasser sprechen sich gegen die Einstellung der Bahn aus. Das ist gut so.

 

Wachau
Burg Dürnstein in der Wachau (Wikipedia)

Wenn man mich einmal fragen wird, wie es dazu kommen hat können, dass ein (Wirtschafts- und Gesellschafts-)System unsere kleine Welt auf den Kopf hat stellen können, dann ist die Antwort nicht leicht. Vielleicht hilft uns die Diskussion um die Wachaubahn, zu verstehen, wie das System funktioniert.

Die Bahn wurde vor Jahren vom Bund, also dem Staat Österreich, an das Land Niederösterreich „verkauft“ bzw. übergeben. Das Land Niederösterreich hat also den Rechenstift angesetzt und bemerkt, dass die „Nebenbahn“ unrentabel ist und beschlossen, diese still zu legen. An ihrer Stelle werden nun Post-Busse eingesetzt. Das klingt vernünftig, für einen wirtschaftlich denkenden Menschen, weil das Unrentable durch weniger Unrentables ersetzt wird.

Die Frage, die wir uns allesamt stellen müssen – früher oder später: Was wollen wir uns leisten? Aber weil diese Frage nicht und nicht gestellt wird, weil man sich vor den Antworten fürchtet, tut jeder, was er tun muss: er wirtschaftet nach bestem Gewissen.

Wir leben in einer Welt, in der das Zählbare, das Quantifizierbare über dem Nicht-Zählbaren, wie Qualität oder Seelenheil, gestellt wird. Eine Statistik, eine Auswertung, ein Zahlenspiel wird immer einem Bauchgefühl überlegen sein. Noch gibt es moralische, ethische Grenzen, die auch die größten Zahlenspieler nicht zu übertreten wagen (z.B. Abschaffung der Pflegeheime, die per se hohe Kosten verursachen), andererseits, in Stein gemeißelt sind diese Grenzen auch wieder nicht.

Das System, in dem wir leben, reißt und zerrt und fordert, so lange, bis es bekommt, was es will. Aber unersätlich, wie es ist, will es mehr, mehr, mehr. Es ist der „Blutpumpe“ von Verdun zu vergleichen, deren Idee ein gewisser Herr von Falkenhayn hatte. Auch er betrieb ein Zahlenspiel. Nicht mehr. Mit dieser zynischen Bemerkung soll nur gezeigt werden, in welche Richtung gewisse Rechenkünste gehen können. Und immer wird es heißen: ich musste so handeln, es blieb mir nichts anderes über, die Umstände (das System) verlangten es. Damals wie heute.

So lange wir uns also in einem System befinden, das fast zur Gänze aus einer Zahlenspielerei von Münzen besteht, so lange werden wir nicht frei sein. Ja, ja.

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