das System: Peak Oil oder das Ende der Fahnenstange

Unser Wissen ist ein kritisches Raten, ein Netz von Hypothesen,
ein Gewebe von Vermutungen.
Karl Popper
Logik der Forschung, Vorwort, 3. Auflage (link)

Die Sache mit Peak Oil ist mehr als ominös. Gut. Zuerst zur Definition: Peak Oil definiert jenen Zeitpunkt, an dem die weltweit maximale Fördermenge aus der Erde gepumpt wird. Ist Peak Oil erreicht, geht es mit der Fördermenge langsam abwärts. So lange, bis kein Tropfen mehr gefördert werden kann, weil keiner mehr erreichbar ist. Es verhält sich analog den Sommerferien, die ich als Kind so genossen habe. In Österreich sind die beiden Monate Juli und August schulfrei. Was für eine Wonne. Aber interessanterweise wurde ich bereits Anfang August leicht nervös. Warum? Weil ich den Kalender im Kopf hatte und wusste: von nun an geht es direkten Weges zum Schulbeginn. Das ist Peak Oil.

um längere Blog-Beiträge besser lesen zu können,
empfehle ich dringend READABILITY

Peak Oil wird aber geflissentlich von den Mainstream-Medien ignoriert oder nur beiläufig erwähnt. Politiker tun so, als hörten sie zum ersten Mal davon oder sie lächeln nickend und meinen, das Ganze wäre Humbug oder nicht relevant. Es gibt dahingehend widersprüchliche Meinungen, aber Fakt ist, dass eine Ressource, die nicht nachwächst, die sich nicht regeneriert, irgendwann einmal erschöpft sein muss. Gut, das könnte natürlich noch Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern, trotz allem scheint es mir logisch, dass es zu so einem Punkt kommen muss. Um es noch ein wenig kompliziert zu machen, werfe ich kurzerhand das Wort „abiotisch“ ins Rennen. Die These von „abiotischem Erdöl“ bedeutet, dass Erdöl durch einen chemischen Prozess im Erdinneren produziert wird. Die Fördermenge wäre somit „unendlich“ und es würde nie zu einem Engpass kommen. Ob Erdöl nun biotisch oder abiotisch ist, ich weiß es nicht. Und seriöse Quellen gibt es scheinbar nicht. Jedenfalls sind sie mir noch nicht untergekommen (bzw. habe ich sie vielleicht übersehen).

Wenn es um Erdöl geht, wenn es generell um Ressourcen geht, dann bemerke ich, dass mein kleines Schriftstellerhirn zwar viel Phantasie hat, aber diese exorbitanten Zahlen einfach nicht gebacken bekommt. Es reicht schon, wenn ich mir klar mache, wie viel Papier täglich bedruckt wird. Man sehe sich die Tageszeitungen, die Magazine und all das Papier an, das tagtäglich Verwendung findet. Von den Büchern ganz zu schweigen. Die größte Druckerei Deutchlands wirbt auf ihrer Webseite mit einem Druckvolumen von 1 Million Bücher pro Tag – 700.000 Taschenbücher, 300.000 Hardcover. Und alleine, wenn ich an die Werbeprospekte denke, mit denen ich beinahe stündlich zugemüllt werde (und ich gehe davon aus, dass es anderswo, in der westlichen Welt, nicht anders ausschaut), dann erkenne ich, wie einfältig ich mir die Welt und ihre Ressourcen vorstelle. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Markt immer noch Angebot und Nachfrage gegenüber stellt und einen Preis bestimmt. Würde es also weniger Ressourcen und mehr Nachfrage geben, müssten die Preise unweigerlich steigen. Aber da wir sogar mit Gratis-Zeitungen zugemüllt werden, kann man davon ausgehen, dass die Kosten für Papier noch verhältnismäßig moderat sind. Gewiss, Holz wächst nach. Trotzdem, diese ungeheuerliche „Verschwendung“ macht mir Kopfzerbrechen. Weil ich sie nicht in Relation setzen kann. Und so geht es wohl vielen, die sich nicht wissenschaftlich oder beruflich damit beschäftigen.

Wenn es stimmt, dann verbraucht die Welt 80 Millionen Barrels Öl, das sind umgerechnet 12,7 Milliarden Liter (!). Täglich! Huh. Ist ne ganze Menge. Interessant ist, dass sogar Wikipedia vom Ölfördermaximum spricht und so nebenbei das undurchsichtige Zahlenmaterial hübsch aufbereitet. Ziemlich ungeniert steht da geschrieben, dass die Erdöl-Reserven noch etwa 41 Jahre den Weltverbrauch decken können, merken aber noch an, dass dieser Wert recht vage ist (das Datenmaterial vieler Erdöl fördernder Länder ist, gelinde gesagt, geschönt) und etwaige Steigerungsraten (China, Indien, you know?) sind da gar nicht erst berücksichtigt.  link

Gut. Kommen wir nun zum Punkt. Wenn also Erdöl die wichtigste Ressource auf diesem Planeten ist, und wenn es biotisch ist, also in naher Zukunft zur Neige geht, sollte man sich nicht dahingehend Gedanken machen? Das soll nicht heißen, dass wir jetzt in unserem Garten nach Erdöl graben müssen, viel mehr würde ich mir erwarten, dass über diese Problematik in der Politik ernsthaft diskutiert wird.Von wegen. Statt dessen wird darüber nachgedacht, wie wir mehr wertloses Papier bedrucken können.

Nun gut. Nehmen wir an, die Politiker werden über Peak Oil und ihre Auswirkungen gebrieft. Gesetzt dem Falle, dass die Lösung heißt, man müsse über kurz oder lang die wichtigsten Ressourcen vor dem Mob schützen und an besondere Gruppen/VIPs verteilen, was würde da einer politischen Kaste denn so einfallen, um dies zu gewährleisten? Natürlich: ein Polizeistaat mit expliziter Überwachungsfunktion muss für Ruhe und Ordnung sorgen. Und viel Unruhe und Unordnung wird es geben, wenn die unteren Einkommensschichten nicht mehr in der Lage sind, die explodierenden Preise für alle Arten von Gütern (hey, sogar in deiner Zahnpasta ist Erdöl drin!) zu berappen.

Gut, gut, das sind nur die blühenden Phantasien eines Wiener Schriftstellers, das muss niemanden wirklich Sorge bereiten. Was einen Sorge bereiten muss, ist die Tatsache, dass die westliche Welt immer mehr in einen orwellschen Überwachungsstaat kippt. Ach ja, man möchte uns vor den Terroristen schützen. Vielleicht sollte man sich einmal vor Augen führen, dass durch den Straßenverkehr mehr Todesopfer im Jahr zu beklagen sind, als alle Terror-Anschläge des letzten Jahrhunderts zusammengenommen. Hätte man nicht besser die Billionen in die Verkehrssicherheit investieren sollen, um mehr Menschleben zu retten? Oder, noch besser, in die Frage, warum es eigentlich zu diesen Anschlägen gekommen ist und weiterhin kommt. Könnte es sein, dass es ein Motiv gibt, das man unter den Teppich kehrt? Oder sind das alle nur durchgeknallte Typen, die gerne mal andere in die Luft sprengen wollen? Ich habe gehört, in manchen Ländern gibt’s dafür nen Orden. Ja, alle Tiere sind gleich, nur manche sind gleicher. Und plötzlich wird einem klar, wie die Terroristerei und die Erdölförderei zusammen hängen. Ohne, dass ich es eigentlich beabsichtigt hatte, bin ich von dem einen Thema in das andere hinübergeglitten. Das beweist natürlich nichts. Rein gar nichts. Die Frage, die alles entscheidende Frage: Was ist überhaupt ein Beweis? Naa? Wer weiß die Antwort?