And the Oscar goes to … the Banksters of Wall Street

Hollywood’s a place, where they shoot too many pictures and not enough actors.
Walter Winchell

 

update: hier die privaten Eindrücke eines österreichischen Besuchers, der heimlich mit seinem iPhone filmte. Da ist man hautnah dabei und sitzt ziemlich gut. Respekt.

And the Oscar goes to … Schnarch 2009: link
And the Oscar goes to … wtf*** 2010: link

Das obige Titellied ist aus dem Film 127 Hours von einem gewissen Danny Boyle (Trainspotting, you know!). Der Song ist sehr stimmig und äußerst anschmiegsam. Einfach wohltuend. Im Gegensatz zum nachfolgenden Promi-Geschwätz am roten Teppich, der den Stars und Starlets ausgerollt wurde. Ach ja, die Stars. Liebend gerne hätte ich hier eines der attraktiven Photos des LIFE Magazines über längst vergangene Oscar-Verleihungen eingestellt. Aber das geht natürlich nicht. Wo kämen wir da hin? Also bitte sehr, hier klicken und die Bilderstrecke angucken. Lohnt sich. Wenn man etwas für die „gute alte Zeit“ übrig hat, wo alles noch glamouröser war: Bilderstrecke

Eines der Fotos möchte ich hier gleich mal herausstreichen: link – es zeigt unter anderem Jack Lemmon, Dean Martin, Yves Montand und Simone Signoret, wie sie sich unterhalten, dabei rauchen und sicherlich ein gut gefülltes Glas trinken. Man hat das Gefühl, da stehen oder sitzen echte Menschen, die miteinander sprechen und aufeinander eingehen. So, als würde unsereins sich in einer netten Runde befinden und Spaß an der Freude haben. Gewiss, warum auch nicht? Aber wenn ich heute diese Sterne und Sternchen sehen, wie sie alle in ihrer kleinen Welt leben und von ihren Managern gesagt bekommen, nur ja nicht anecken, immer brav sein und auf gar keinen Fall mit einem gut gefüllten Glas Alkohol abgelichtet werden – die Flasche darf erst im Hotelzimmer ausgepackt werden.

Wenn ich mir also diese alten Fotos so ansehe, dann glaube ich, dass es hier noch ein gewisses Maß an Verbundheit gab. Eine Form von Familie. Keine Sorge, ich weiß, dass dieses Filmbiz schon immer kein Zuckerschlecken war, dass Neid und Eifersucht und Gier und Geiz immer eine wesentliche Rolle spielten. Damals und noch mehr heute. Freilich. Aber es verhält sich vielleicht analog der Formel I (ja, die gestörten Typen, die sich mit 300 Sachen Rad an Rad Duelle liefern und dabei auch noch Spaß haben – also meistens). In den 60ern und 70ern, als dieser Renn-Zirkus (und das ist er auch, mit Sport hat dieser Zirkus nicht viel am Hut) langsam an Attraktivität gewann, war vielleicht viel Ruhm, viel Ehr zu holen, aber kaum Geld. Die Piloten waren zumeist untereinander befreundet. Man lernte sich gut kennen, verbrachte nach den Rennen seine Zeit miteinander, tauschte schon mal die Freundinnen aus und genoss das Leben, immer im Hinterkopf, dass es bald zu Ende gehen könnte (Jochen Rindt 1970, you know?) In der heutigen Formel I ist alles nur noch Bizness. Man kennt sich. So, wie man gute Kollegen im Job eben kennt. Ja, so ähnlich verhält es sich wohl auch im Filmgeschäft. Sagt einer, der es nicht wissen kann. Der nur vermutet.

Eigentlich hätte man sich ja die heurige Oscar-Verleihung sparen können. Weil die Oscars allesamt an die Wall Street hätten gehen müssen. Selten so eine eklatante schauspielerische Leistung gesehen. Allen voran die Bosse, die beteuern, von der Finanzkrise nichts geahnt zu haben, förmlich überrollt worden zu sein, um sich später, mit Steuergelder, die ihren, pardon, Arsch gerettet haben, dicke Bonifikationen auszahlen zu lassen. Ja, ich weiß. Ist ihr gutes Recht. Schließlich sind es ihre Banken, ihre Konten – und wenn die politische Riege nicht fähig ist, Bedingungen auszuhandeln, tja, dann sollte man eigentlich zuerst die Politiker feuern und dann die Banksters aus dem Land jagen. Ist das jetzt harsch? Hey, das ist Hollywood! Wir spielen ne Komödie. Ist ja alles zum Lachen. Falls Sie weinen müssen, gut, dann ist es eben ne Tragödie. So oder so, dieser Film, der da die letzten Jahre abgeht, ist irre. Wahrlich.

Gut. Wollen wir nicht vom Thema abschweifen. Heute geht es ja um den kleinen goldenen Kerl mit der Glatze. Falls Sie sich jetzt angesprochen fühlen, hm, würde mich das sehr wundern. Aber wer weiß denn schon, wer meine Artikel liest, ha? Okay. Es geht gleich los.

Der #gähn rote Teppich, der einfach nur #peinlich ist. Ich bin aufs Schlimmste gefasst. Zuvor muss ich natürlich einräumen, kaum einen der nominierten Filme gesehen zu haben. Wer hat denn schon die Zeit, sich all diese Filme anzugucken? Und die meisten interessieren mich ehrlich gesagt nicht die Bohne.

Aha. Die letzten Tage hat es also in L.A. geregnet. Apropos. In zwei Jahren ist die Stadt vermutlich bankrott. Hm. Stört niemanden. Jedenfalls nicht am roten Teppich. Aha. Spirit Awards der Indie Filme. Black Swan! Bekam vier Auszeichnungen. Da schau her. Gut. Der Film steht auf meiner Liste. Geb ich zu.

Oha. INCEPTION! Na, das ist mal Kino der Extra-Klasse. Warum? Weil Christopher Nolan (Memento, you know!) eine Vision hat und diese umsetzt, komme was wolle. Genauso wie die Coen Brüder. True Grit! Da fühle ich mich dann wohl. Man kann diese kreativen Genies, die über Leichen gehen, um ihre Vision auf Zelluloid (besser: auf ne digitale Scheibe) bannen zu können, lieben oder hassen. Vielleicht sollte man darauf hinweisen, dass die Filmstudios und ihre Filmbosse (besser: die Manager) immer wieder gegen das kreative Aufbegehren der Filmemacher mit aller juristischer Härte und kaufmännischer Bösartigkeit vorgingen. Darüber könnte man Bücher füllen. Aber nicht jetzt.

1:32 Der rote Teppich! Huh. Ich würde gerne die Gedanken der Interviewten lesen können. Die Fragen, die sie zu hören bekommen, sind unter jeder Sau. Will heißen: so banalst, dass sie sogar der debilste Vollmongo noch verstehen kann. Und darum geht es ja, oder? Debile Vollmongos haben Geld und geben dieses gerne aus. Man darf sie nur nicht überfordern. Die erste Regel der Marketing- und Werbeabteilung. Get it? Get it!

1:43 „Und viele zerbrochene Träume“, hört man. Ach ja. „Vergeudung von Talenten“? Freilich. „Im Leben brauchst immer a bisserl Glück.“ Äh, ja. Stimmt. Dostojeswki, so Robert Dornhelm, meinte, dass Armut und Tragik ein guter Nährboden für Künstler ist und nicht Reichtum und Paläste. Aha. Soll ja ein Klischee sein. Sagen jene, die sich mit kreativer Arbeit Paläste kaufen konnten.

1:53 Huh. Firth und Rush am roten Teppich. Das ist eigentlich Paradox. Wie verträgt sich das? Zeit für Tee und Kuchen.

2:04 Während Timberlake (schreibt man den Kerl so?) verpeinlichisiert wird („Colour Terrorist!“), guck ich mal auf Twitter, was da unter #oscar getwittert wird. Momenterl.

 

libbyajoyce Apparently, red is the color this year…. #redcarpet #oscar

HollisCGuerra Due to house moves- missing all the #Oscar fun. And I prepped so well! Twitter- keep me posted on wins and #fashion

camila_praxedes#oscar Susanne Bier, querida está simples mas está elegante…

maksfan87 is james franco blitzed? #oscar

NYDNgossip RT @nydnfashion: Helena Bonham Carter on her velvet #Oscar gown „I have a complex with my bum, thought I’d make it bigger.“

02:12 Nicole Kidman ist mit einem Kind verheiratet? Meine Güte. Aha. Sie trägt Dior. Gut zu wissen. Ich glaub, ich erschieß mich. Aha. Paltrow trägt Calvin Klein. Aha. Der Moderator stellt eine Frage, die ihn über Twitter erreichte. Ich fass es nicht. Die Moderatoren sind peinlich. Das ist bitteschön untertrieben. Völlig untertrieben. Manchmal glaube ich, um diesen Job zu machen, darf der IQ nicht größer sein als der einer Zitrone.

02:16 Twitter meldet mir rund 3.500 neue Tweets, die sich in den letzten Minuten angesammelt haben. Scheinbar gucken ein paar Leutchen die Oscar-Nacht und twittern es in die weite Welt. Yep.

Ach? James Franco und Ann Hathaway moderieren die Nacht. Hm. Schätze, da wird es keine bösen Überraschungen geben. Nebenbei bemerkt, wird ja seit der „Dankesrede“ von Michael Moore („Shame on you, Mister President“) die Live-Übertragung 5 Sekunden zeitversetzt, so dass die Leute an den Reglern noch eingreifen können. Wir wollen ja nicht, dass die TV-Zuseher Sachen hören, die wahr sein könnten. Nein, nein. Besser, wir lullen sie ein. Warum gibt es eigentlich noch keinen Gratisdrink (besser: Gratisflasche)? Das wäre in Summe billiger und würde auch zu zombifizierten Ja-Sagern führen.

02:25 Oh my god. Steven Spielberg tupft einem seltsamen Typen den Schweiß von der Stirn und reicht ihm eine Flasche Wasser. Okay, alles einstudiert. Gewiss. Aber ist es nicht seltsam, dass einer der erfolgreichsten Menschen, die Hollywood jemals gesehen hat (er und Lucas haben die Filmbranche vor dem Bankrott gerettet und den Blockbuster erfunden), sich zum Affen macht. Hat keiner mehr Stil? Keiner mehr Chuzpe? Natürlich: Alle wollen wir geliebt werden. Vermutlich auch ein Spielberg.

02:33 Okay. Franco und Hathaway spielen in den nominierten Filmen mit. Hm. Subtiler Witz geht natürlich anders. Oha. Baldwin rulez! (dazu muss man natürlich mal die Serie „30 Rock“ gesehen haben, die in der ersten Staffel bitterbösen Zynismus auf das Biz-TV-Establishment abfeuert). Oh! Eine Anspielung auf Back to the Future! Wunderbar.

02:39 Hm. Franco Hathaway oder Ann James, die beiden versuchen tatsächlich witzig zu sein. Ich denke, man sollte es ihnen hoch anrechnen, dass sie sich bemühen. Jetzt wird auch noch Francos Großmutter ins TV-Bild gezerrt. Peinlich. Oh. „Lesbians!“ Damit schockt man scheinbar auch niemanden mehr, in Tinseltwon. Gehört jetzt zum Mainstream.

02:42 Tom Hanks. Richtig. Den gibt’s ja auch noch. Art Direction. And the Oscar goes to Alice in Wonderland. Da schau her. Jetzt frage ich mich gerade, ob ich den Film gesehen habe. Peinlich. Ich glaube ja. Hm. Seltsam. Oder war es doch nur der Trailer?

02:46 Cinematography. Wesentlichst für jeden Kinofilm. And the Oscar goes to Inception. Sehr schön. Da ich den Film noch in recht guter Erinnerung habe, geht die Auszeichnung in Ordnung.

02:49 Aha. Gleich kommt die Rubrik Best Supporting Actress. Übergeben von Kirk Douglas. Oh my god. Da passt es ja hervorragend, dass die US-Regierung generell Pensionen kürzen wollen. Frei nach dem Motto: wenn Kirk Douglas noch mit 95 Jahren (!) auf der Bühne steht und damit Geld verdient, dann sollte ein Klempner mit 80 das auch können. Also arbeiten, nicht auf der Bühne stehen. Alles klar? Gut. Dann können wir ja wieder zum Tagesgeschäft übergehen. And the Oscar goes to … okay, das kann jetzt dauern … Mister Douglas braucht noch ein Weilchen … äh, wie heißt sie? Kann man bitteschön ihren Namen einblenden? Puuh. Melissa Leo in The Figther. Aha. Gut. Haben wir das auch erledigt.

03:01 Da ist er ja, der gute Timberlake. Best Animated Feature and Best Animated Short. Haha. Let’s Pollute klingt witzig. Muss ich mal googeln. And the Oscar goes to … The lost thing. Aha. Okay. Nett. Zurück zu Let’s Pollute [aus IMDB: In the spirit of 50’s & 60’s educational films, ‚Let’s Pollute‘ is a modern satire on how pollution is our heritage and keeps our economy growing strong, while instructing us how to be better polluters for a better blighted tomorrow.] Oha. Jetzt die Langversion der animierten Filme. And the Oscar goes to TOY STORY 3. Stimmt. Habe ich auch noch nicht gesehen. Kommt auch auf die Liste. Na, eigentlich steht der Film ja schon ewig darauf, aber die Lust hielt sich in Grenzen. Kommt vielleicht noch. Andererseits …

Ha! Gibt’s ja nicht. Dafür danke ich die Oscar-Nacht, dass ich diesen animierten Kurzfilm kennen lernen durfte. Sensationell! Really!

03:12 Bardem bringt spanisches Flair auf die Bühne. Es geht jetzt um die Screenwriter und Adapted Screenplay. Ach ja. Es soll ja Filme geben, die auf Bücher basieren. The Social Network. Nett, dass sich der Drehbuchautor auch beim Schriftsteller bedankt. Naja, am Ende gibt’s ja keinen Meter Film ohne Text, der nicht auf einem Blatt Papier oder elektronischem Medium (Laptop, you know) geschrieben wurde. Immer braucht es eine Idee, braucht es Gedanken – der fertige Film ist nur das Endprodukt dieses musischen Prozesses. Dass Kalkül eine Rolle spielt, davon später mehr. Jetzt kommt Original Screenplay. And the Oscar goes to … The King Speech. Huh. Ein seriöser Schreiber, den man sich gut in einer kleinen Stube vorstellen kann, wo er an Dialogen feilt und schwitzt. Shit. Jetzt hab ich den Sickerwitz nicht verstanden. Hübsche Tochter hat er ja, der gute Mann. Da schau her. Der Drehbuchautor hat selber gestottert und er wollte den Film immer schon machen – es dauerte dann 40 Jahre. Ja, so lange kann es gehen. Schreiberlinge brauchen Sitzfleisch. Sagt einer, der gerade um 03:22 auf seinem Hintern sitzt und diese Zeile schreibt.

03:24 Die Hathaway kann singen. Respekt. Auch wenn sie Ulk macht. Schad drum. So. Was kommt jetzt. Ich halt’s nicht aus. Franco macht auf Travestie, macht auf Marylin Monroe. Wir sehen, neben „Lesbians“ ist nun „Travesty“ am Hollywood Hof salonfähig geworden. So. Foreign Language Film. And the Oscar goes to … In a Better World. Dänemark rulez! Scheint ein ambitioniertes sozialkritisches Stück Film zu sein. Gut.

03:29 Best Supporting Actor. Na gut. Ich bin ja ein Fan von Geoffrey Rush. Das ist halt ein begnadeter Schauspieler. Witzig ist er, der gute Mann. Wahrlich. And the Oscar goes to … Christian Bale und The Fighter. Gähn. Ist das nicht wieder einer dieser lähmenden Rocky – wir – können – es – schaffen – wenn – wir – nur – die – Arschbacken – zusammenkneifen – Film? Ja, einer dieser Filme, die einem wieder die Illusion vorgaukeln, dass man es schaffen könnte, wenn man verzichtet, wenn man leidet, wenn man mit dem Kopf durch die Wand galoppiert (während die Banksters mit einem Federstrich jede Fata Morgana wahr werden lassen können und weder verzichten, noch leiden müssen; ich sag das nur, weil es gerne ausgeblendet wird).

03:38 Häh. Was ist denn das jetzt? Ne Promotion-Rede von ABC? Gut. Sind die zwei auch wieder weg. Jetzt Nicole Kidman und Hugh Jackman. Sie präsentieren Best Original Soundtrack. Natürlich muss die Star Wars Fanfare als erstes in dieser Best-of-Soundcollage erklingen. John Williams! Was wäre wohl Hollywood ohne diesen Soundklängen? And the Oscar goes to … Trent Reznor & Ross für  The Social Network. Oh. Jetzt weiß ich endlich, wie David Fincher aussieht. Meine Herren. Der gute Fincher war mal der Shooting Star des jungen Hollywood, der frischen Wind in die Studiohallen bringen sollte. Ich sage nur Alien³, das der gute Fincher mit jungen 30 Jahren in Angriff nehmen durfte – ohne vorher einen abendfüllenden Spielfilm gemacht zu haben. Ja, ja.

03:46 Sound Mixing. And the Oscar goes to INCEPTION. Fein. Und nun Sound Editing. Und wieder INCEPTION. Sieht danach aus, als würde der Film die Anerkennung auf diesem Wege zuteil werden. Die Hauptkategorien sind wohl anderwertig vergeben.

03:53 Was haben wir jetzt? Best Make-Up, präsentiert von Cate Blanchett. Na, das nenn ich ne Ausstrahlung. Fesch, fesch. And the Oscar goes to … The Wolfman. Hm. Schon wieder eines dieser „Hey, heut ist Vollmond, da wachsen mir die Haare“ – Filme. Schnarch. Oh. Wieder die gute Cate. Best Costume Design. The Oscar goes to … Alice in Wonderland. Ja, gegen einen künstlerisch abgedrehten Tim Burton Film kann jeder andere Film nur abstinken. Da explodiert die Kinoleinwand förmlich an Farben und Formen, vermengt mit visionären Ideen. Das kann dann schon auch mal ermüden. Aber, hey, it’s a Tim Burton movie!

04:01 Meine Güte. Da muss sogar Mister President herhalten, um seinen all-time-Favoriten zu benennen (Casablanca). Sollte er sich nicht um andere Sachen kümmern? Vermutlich nicht.

04:11 Erste Ermüdungserscheinungen treten auf. Ist alles so mainstreamig glattgebügelt. Überraschungen? Fehlanzeige. Höchstens, ob ich mit meinem Schädel auf die Tischplatte knalle und in ein Hollywood-Koma. Okay. Documentary Short Subject. And the Oscar goes to … Strangers no more. Da schau her. Der Film beschäftigt sich mit Kindern aus allen Herren Länder, die eines gemeinsam haben dürften: sie sind in die USA gekommen – freiwillig oder nicht. So. Nächste Kategorie. Live Action Short Film. And the Oscar goes to God of Love. Haha. Der Kerl ist ja ne Wucht. Schätze, mit seinem Wuschelkopf würde er gut in die 1970er passen. Okay. Gibt’s doch ne Überraschung. Nice!

04:17 Okay. Franco Hathaway werden immer anstrengender. Das ist ja das Schlimmste überhaupt: mit der Brechstange lustig oder witzig oder funny sein zu wollen. Puuh. Zumeist bekomme ich dann Mitleid. Lustig ist es dann aber noch immer nicht. Jössass. Oprah Winfrey. Auf ihrer Couch wollten sie alle sitzen. Die Grande Dame des TV-Biz hatte sie alle. Ich kann mit ihr nichts anfangen. Period. Interessiert mich nicht die Bohne. Documentary Feature. Huh. Allesamt kritische Filme. Sehr gut. And the Oscar goes to … Inside Job. Huh. Thrilling! Massiv Fraud … HAHAHAHAHA! THAT’s MARVELLOUS! THIS GUY MADE MY DAY! Finanzkrise, massive Betrügereien und keiner ist Schuld (und wird angeklagt), sagt der Dokumentarist Charles Ferguson. Muss ich mir angucken. Unbedingt.

04:28 Billy Crystal plaudert über Bob Hope. Hach. Die waren noch funny. Really. By the way: es gab bis jetzt 283.610 Twitter-Meldungen über #oscar. Da ist er ja, der gute Bob Hope. Jetzt geht es um Best Visual Effects. And the Oscar goes to INCEPTION. Aha. Na, das macht sich jetzt aber schon ganz gut, auf den Plakaten, die da nachgedruckt werden, um den Film noch mal zu berwerben. Frage mich gerade, was sich diese Filmbiz-Bosse denken, die das Script bzw. die Synopsis von Nolan gesehen, durchgeblättert und den Kopf geschüttelt haben („What the heck should that be?“) Oh. Film Editing geht an The Social Network. Nicht, dass ich den Zuckerberg-Film gesehen hätte, aber ist der Filmschnitt wirklich so herausragend? Hm. Okay. Durch die Oscar-Nacht werden wohl die letzten facebook-Verweigerer nachdenklich werden. Hab ich schon meinen Klogang auf die Wall gepostet? Es uriniert sich im Moment ganz gut. Moment. Muss ich gleich machen … also posten, nicht urinieren. Andererseits …

04:41 Best Original Song. Huh. Puh. Oooh. Jetzt wird gerade der Song live gespielt, den ich ganz am Anfang verlinkt habe. Sehr schön. Nanu. Gwyneth Paltrow singt? Wer hätte das gedacht? Sieht irgendwie anders aus. Aber ihr Stimmchen ist okay. Der Song Durchschnitt. So. And the Oscar goes to … Randy Newman … Toy Story 3. Enttäuschend. Weil natürlich immer ein Randy Newman drinnen ist, wo Randy Newman drauf steht. Er ist natürlich ne Legende. No question about that. Na, vermutlich geht es um die Historie.

04:50 Rückblick. Ach. Da spielt Hollywood seine Stärke aus. Wenn mit elegischer, melodramatischer Filmmusik die Bilder der im letzten Jahr verstorbenen Filmleute zu sehen sind. Das geht unter die Haut. Weil man eine Ahnung von der Vergänglichkeit der Zeit und des Lebens bekommt. Heute noch jung und aufstrebend, morgen ein Kirk Douglas, der sich zurücksehnt, in ein Leben, als er Womanizer und Alkoholiker war, und beides niemanden störte. Ja, da kann man schon sentimental werden. Denn für einen kurzen Moment lässt die Illusionsmaschine die Wirklichkeit herein. Tony Curtis! Leslie Nielson! Claude Chabrol! Pete Postlewaithe. George Hickenlooper. Robert Culp! Peter Yates! Anne Francis! Arthur Penn! Susannah York! Jill Clayburgh. Alan Hume. Irvin Kershner. Dennis Hopper. Dino De Laurentiis. Blake Edwards. Kevin McCarthy. Das sind nur jene, die mir auf Anhieb etwas sagen. Tja. So ist das. Gut. Der Begleitsong von Celine Dion, äh, war eher mau. Da gab es schon Besseres. Interessanterweise wurde diesmal nicht geklatscht. Seltsam. Die letzten Jahre wurden die Verblichenen mit Geklatsche geehrt. Hat mir jetzt doch sehr gefehlt. Und wer die Möglichkeit hat, der soll sich die wunderbare Doku über und mit Dennis Hopper angucken … Titel fällt mir jetzt nicht ein.

05:02 Best Director. Huh. Spannend. And the Oscar goes to Tom Hooper for The King’s Speech. Ich sag’s gleich, ich kannte den Kerl noch nicht. Muss man sich jetzt wohl hinter die Binden schreiben. Oder sonst wo hin. Huh. Er sieht so jung aus, man möchte meinen, er dürfte in einer US-Bar noch keinen Alkohol ausgeschenkt bekommen.

05:07 Eli Wallach (wer erinnert sich nicht an die Dollar-Trilogie von Sergio Leone mit Clint Eastwood, ha?), Francis Ford Coppola (muss man über ihn überhaupt noch etwas sagen?), Kevin Brownlow (der Filmklassiker restauriert, höre ich gerade) und Jean-Luc Godard (France, tu sais?) wurden geehrt. Schön.

05:11 Ha! Jeff Bridges! Wer hätte gedacht, dass er noch einmal durchstartet? Eigentlich war er schon so gut wie weg vom Hollywood-Fenster. Aber schön, dass er als Big Lebowski noch mal eine Chance bekam. Der Film ist übrigens von den Coen Brüdern, mit denen er nun True Grit drehte. Na, jetzt geht es um Best Actress. Also. Eins, zwei, drei … kann ja wohl nur die gute Natalie Portman sein. Das einzig, wirklich einzig Gute, was man über die Star Wars Prequels sagen kann. Na, bitte! The Oscar goes to … Natalie Portman in Black Swan. Tränen. Das sieht das Publikum gerne. Sind ja Freudentränen, wenn man so will.

05:19 Sandra Bullock? Ach ja. Stimmt. Sie präsentiert die Kategorie Best Actor. Auch nicht gerade unwichtig. Schätze, wir nähern uns dem Ende. Hell ist es noch nicht. Aber man spürt den Morgen nahen. Langsam kriecht er zwischen die Fensterritzen hindurch (no way, bei Schallschutzfenstern, aber es klingt gut, nicht?). Gut. Jetzt bekommt Colin Firth sein Fett weg, respektive seinen Oscar. Also, wenn Hollywood etwas vom Zuckerberg-Film gelernt hat, dann müsste dieser in der Kategorie bester Film gewinnen. Dann sind morgen die Zeitungen und Magazine und – noch wichtiger – die Social Networks voll von Meldungen und Meinungen. Dann verbindet sich Hollywood mit seinem Gegner (huh, Internet-Piraterie, you know?). Eine Liaison, die so lange aufrecht erhalten bleibt, so lange sie nützt. Wir erinnern uns an MySpace, oder? Sodala. Colin Firth holt sich für The King’s Speech gerade den Oscar ab. Nichts Neues unter der Sonne. Aber wir können davon ausgehen, dass er eine Dankesrede schwingen kann. Sehr sympathisch, der gute Mister Darcy, pardon, Firth.

05:30 So. Die letzte Runde wird eingeläutet. BEST PICTURE. Da sind wir ja mal gespannt. Gähn. Oh. Steven Spielberg darf nun das Kuvert öffnen. Respekt. Was hat der Mann nicht geleistet?! Ich bin mit ihm groß geworden, habe seine Blockbusters allesamt gesehen, angehimmelt und vielleicht sogar vergöttert. Auch wenn man mit dem Erwachsenwerden reifer und nachdenklicher wird, man muss Spielberg und seine kreativen Kumpanen danken, dass sie eine zeitgemäße Antwort fanden, auf die Frage nach dem Wohin. Huh. Wo sind die Baldrian Tropfen? Da schau her. Hollywood besinnt sich der klassischen Werte und gibt The King’s Speech den Vorzug. Ein wenig dämmert mir, dass damit vielleicht auch ein politisches Statement abgegeben wird. Immerhin geht es um Krieg. Immerhin geht es darum, diesen Krieg auszustehen. Und leben wir nicht gerade in einer Zeit der Kriege? War on Drugs! War on Terror! Und wie sie alle heißen. Und alsbald … what the heck? Kinder singen „Somewhere over the rainbow“? Was will man uns damit sagen? Dass man Kinder zwar zur Oscar-Verleihung für drei Minuten auf die Bühne lässt, aber zu Hause vor die Tür setzt, weil deren Eltern die Kreditraten für ihre Häuser und Wohnungen nicht mehr zahlen können.?Ich weiß, das will keiner hören. Ich will es ja auch am liebsten unter den Teppich kehren. Aber wenn uns mal die Decke auf den Kopf fällt, dann möchte ich mir nicht sagen lassen, dass ich geschwiegen habe.

Wo kann ich nun „Inside Job“ sehen? Hmm.

 

5:44 Kopf fällt auf die Tischplatte #koma

 

 

Wir sind Helden für einen Tag oder Wider der Gier!


Ich weiß, dass ihr wisst,
und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Judith Holofernes
Wir sind Helden

Über die Tageszeitung
BILD
und der Versuch, die Band
in das Werbe-Boot zu locken.
link

Phänomene, wohin man guckt

Aus gegebenem Anlass. Im Web macht die Absage von Judith Holofernes, der Frontfrau der deutschen Band Wir sind Helden, die Runde. Sie schlug das Angebot einer Werbeagentur aus, für die BILD-Zeitung zu werben. Das ist freilich nicht üblich. Ganz und gar nicht. Zum einen, weil niemand gerne ein paar Münzen verliert. Zum anderen, weil man es sich nicht mit der auflagenstärksten Zeitung Deutschlands (oder gar der Welt?) verscherzen möchte. Für mein Dafürhalten ist das Phänomen BILD-Zeitung ein nicht zu unterschätzendes. Wir müssen uns vorstellen, dass sich Deutschland und seine über 80 Millionen Einwohner als aufgeklärtes und intelligentes Volk wahrnimmt. Vermutlich wie jedes Volk. Österreich hat seine KRONEN Zeitung. Wobei, gegenwärtig würde ich sagen, dass die KRONE eine Lichtgestalt des Boulevards war, wenn man sich ansieht, welche Blätter aus ihrem Windschatten marschieren. ÖSTERREICH und ihre Gratiszeitungs-Ableger lassen einem vernünftigen, an die Bildung und Aufklärung glaubenden/hoffenden Menschen verzweifeln.

Gratiszeitung? What the fack!

Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, gratis etwas herzuschenken? Lazarus? Oder gab es da nicht hübsche Geschichten von Hingabe und Aufopferung in diesem dicken Buch, das Gutenberg (das Original) als erstes auf seiner revolutionären Maschine druckte? Geben sei seliger denn nehmen, hieß es da. Und heute? Wenn dir einer etwas umsonst anbietet, kann man sich sicher sein, dass man sich in eine Abhängigkeit begibt oder der andere profitiert auf eine unschöne Art und Weise. Ist es nicht seltsam (es sollte einem auffallen!), dass es keine intellektuelle oder wenigstens kritische Gratis-Zeitung gibt. Boulevard rulez. Natürlich sind hier die Gemeinden nicht unschuldig. Weil sie die Möglichkeit angeboten haben, hässliche Aufsteller zu platzieren, aus denen sich der unbedarfte Bürger seine Gratiszeitung nehmen darf. Aha. Was, wenn hundert andere auf diese Idee kämen? So viele Aufsteller würden in keine U-Bahn-Station passen. Wer hat also hier das Sagen? Wer gab hierzu seinen Segen? Tja. Ich schätze, das bedarf einer genaueren Untersuchung. Frei nach dem Motto: „Wir sind alle nur gekauft.“

Eigentlich will ich jetzt darüber gar nicht schreiben!

Ich wollte wirklich nur den obigen Link posten. Aus. Schluss. Aber dann musste ich doch meiner Unmut Luft machen. Es tut gut, wenn sich Künstler und Kreative getrauen, einen oder zwei Schritte nach vor zu machen. Das ist mutig und gehört belohnt. Und wer weiß, vielleicht bekommt auch noch Deutschland sein Madison, Wisconsin. Und Österreich? Haha. Da wird nicht revoltiert. Ist per Dekret abgeschafft.

P.S.

Das Schreiben richtet Holofernes ja nicht an die BILD-Macher, sondern vielmehr an die Werbeagentur. Diese seien ehemalige intelligente Studienkollegen, die eben wissen, was sie da anstellen, meint Holofernes recht unverblümt. Ja, das ist ja die Krux an der Misere. Es gibt sie, die aufgeklärte Bürgerschicht, die es in der Hand hätte, eine Elite aus Funktionären und Abkassierern und Verdummern und Erz-Corporatisten das Handwerk zu legen. Oder es ihnen wenigstens schwerer machen. Aber sie haben die Aufstiegschance und das Auskommen gewählt. Egal um welchen Preis. Gewiss. Den werden wir zahlen. Alle. Bald. Bestimmt.

P.S.S.:

Und sollte sich herausstellen, dass das Angebot der Werbeagentur nur ein Fake war, sich die Putzfrau, der Putzmann, einen herzlichen Spaß erlaubt haben, dann macht das nichts. Rein gar nichts. Es zählt die Antwort! Nur die Antwort.

P.S.S.S.:

Und sollte sich herausstellen, dass die Sache vom Musiklabel der Band inszeniert wurde, dann, hm, ja, dann muss ich mal in mich gehen und dabei einen Kopfstand machen. Oder zwei. Je nach dem.

Qualität und Journalismus anno 2011

*

Gestern gab es im Deutschen Bundestag eine interessante Debatte über die »Qualitätsprobleme im Journalismus und ihre Ursachen« – den Fragen der Politiker stellten sich unter anderem die Medien Zeit online, Spiegel online und Süddeutsche Zeitung (SZ). Die Debatte, besser: Gespräche dauern beinahe zwei Stunden. Herausgreifen würde ich die „Mythen“-Dekonstruierung von Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit online (gleich zu Beginn des Videos) und die Vergangenheits-Gegenwarts-Darstellung eines Hans Leyendecker von der SZ, der von seinem Alter und seiner gereiften Anschauung sicherlich als Journalist der alten Schule gelten darf. Sonst kann ich nicht viel mehr dazu sagen, weil ich mir auch nicht den Rest angesehen habe. Dafür werde ich nicht bezahlt. Warum sollte ich es also tun?

eine Gliederung
erleichtert die Lesbarkeit

Gut. Im letzten langen Blog-Artikel wurde ich höflich daran erinnert, dass ich die Absätze mit Überschriften versehen sollte. Yep. Das ist eine gute Idee. Dummerweise schreibe ich ja aus dem Handgelenk, schieße ich aus der Hüfte und mache mir kein Konzept. Ich schreibe, wie es mir in den Sinn kommt. Deshalb, ich gebe es zu, kritzle ich oft Kraut und Rüben, schreibe von Hinz und von Kunz, ziehe Querverweise, schweife ab und meine plötzlich und unvermutet (für den Leser), etwas Wichtiges erzählen zu müssen. Das ist vielleicht auch schon der große Unterschied zwischen einer bezahlten journalistischen Tätigkeit und einer „mach nur, wenn du möchtest“-Einstellung. Wer bezahlt, schafft an. So heißt es. Immer schon. Daran konnte auch das Web2.0 nichts ändern. Jeder, der also etwas schreibt, für das er bezahlt wird, muss gewisse Erwartungen erfüllen. Das beginnt bei der Themenwahl und endet bei der Gliederung und der wohlfeilen Kürzung all zu langer Beiträge. Wer liest heute noch lange Beiträge, wenn er nicht dafür bezahlt wird?

Was uns die Debatte nicht verrät, aber Noam & John

5min Clip!

Anmerkung: ich habe nun die Überschrift im Voraus notiert – mal gucken, ob ich mich keiner Themenverfehlung schuldig mache. Also, was verrät uns die Debatte nicht? Nun, wir können mit einem Medienkritiker der sehr alten Schule aufwarten. Er heißt Noam Chomsky, ist US-Amerikaner und emeritierter Professor für Linguistik am MIT und für mein Dafürhalten einer der letzten seiner Art. Wirklich. Er nimmt sich kein Blatt vor den Mund, erläutert Zusammenhänge und beleuchtet dunkle Aspekte. So! Jetzt habe ich eine gefühlte Ewigkeit durch youtube-Videoclips geklickt und schließlich doch etwas hierzu Passendes gefunden: Eine Doku über den Mythos der freien Presse. Auch sehr schön auf den Punkt gebracht hat es der australische Journalist John Pilger (es gibt viele sehenswerte Dokus von ihm im Web! SEE IT!), der dieses „War on Terror“-Geschrei einmal richtigstellt (weil es die „freie Presse“ scheinbar nicht macht oder nur unzureichend – und da meine ich jetzt bitteschön nicht die Tageszeitung „Die Presse“ aus Österreich) youtube. Und von der Medienkonzentration, nun, sollte man auch einmal sprechen, oder? Jerry Mander tut es hier (die Qualität ist leider mäßig, was daher kommt, dass solche Interviews selten im Mainstream-TV gezeigt werden): youtube (eine besser Soundqualität gibt es hier, aber der Clip sieht ein wenig spooky aus): youtube. Und überhaupt sollte man einmal von der Allmacht der Corporations erzählen, oder? Eine sehr gute Doku mit deutschen Untertitel gibt es hier zu gucken: The Corporation Darin wird festgestellt, dass ein marktwirtschaftlich geführtes Unternehmen alle Anzeichen oder Symptome eines Psychopathen aufweist (Serial Killer, you know!). Klingt das jetzt heftig? Hey, das ist kein Kindergeburtstag, ja? Da geht es um Geld. Viel Geld. Sehr viel Geld. Unfassbar viel Geld. Wirklich. Das ist der Glaube (Motor), der die Welt am Laufen hält. Fakt!

Ich bin nicht gekauft!
Aber ich würde mich gerne verkaufen …

Es ist ein Dilemma, in dem man steckt. Jeder, der professionelle Texte schreibt, will sie per se verkaufen bzw. er hat bereits einen Käufer gefunden, der bereit ist, Geld zu zahlen. Es ist eine abgedroschene Binsenweisheit, die Sache mit dem Geld und dem Einfluss, ich weiß, ich weiß, ich weiß. Aber nur weil sie abgedroschen ist, ist sie deshalb nicht unwahrer. Der Philosoph Spinoza (ich werfe diesen ein, ohne ihn gelesen zu haben – nur damit klar ist, dass ich ein Kind der Search Engines bin, aber gemeinhin so tue, als würde ich belesen wirken – wer es nicht tut, der werfe den ersten Karl-Theodor von Guttenberg), jedenfalls, dieser italienische Philosoph schrieb einmal „Weil jeder nur so viel Recht hat, wie er Macht hat.“ Würde man nun ergänzen „Weil jeder nur so viel Macht hat, wie er Geld hat“, dann gelangt man unweigerlich zu diesem Kreislauf: Recht = Macht = Geld = Recht. Wir bemerken: ich schweife ab. Nun denn. Ich bin nicht gekauft. Deshalb schreibe ich das jetzt so auf. Wäre ich gekauft, würde ich in einer Anstellung sein, würde ich mir eine Anstellung erhoffen, tja, dann würde ich vermutlich so etwas nicht schreiben. Niemand beißt die Hand, die einen füttert. Gut, dem Medium, sei es Zeitung oder Magazin oder TV oder Radio oder Webportal könnte es ja egal sein, aber weil dieses gekauft wurde (im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen) ist es gekauft. Hilft nichts. Ist nun mal so. Würde es mir einfallen, jemanden Geld zu zahlen, der mir ans Bein pinkelt, weil er dreist verlautbart, dass man  (meine) Romane nicht mehr lesen solle, weil sie einen verblöden lassen? Würde diese These populär werden, sich verbreiten, ich könnte meinen Verlag zusperren und wir hätten es mit einer Existenzgefährdung zu tun. Aha!

Immer geht es nur um das eine!
Existiere ich oder lebe ich?

Egal, mit wem man spricht, mit wem man es zu tun bekommt. Sei es einem Tankwart oder Oberkellner, einem Kaffeehausbesitzer oder Franchise-Nehmer, einem Journalisten oder Medienmogul, einem Landwirt oder einem Model, alle haben sie eines gemeinsam: die Existenzangst. Diese treibt die seltsamsten und gefährlichsten Blüten im Kopf. Sie ist ausschlaggebend, dass Dinge getan werden, die gegen den gesunden Menschenverstand sprechen. Wirklich. Fragt man später einmal jemanden, warum er dies oder jenes getan hat, dann wird er oder sie oder es mit der Schulter zucken und antworten: „Was hätte ich tun sollen? Ich wollte nicht verhungern!“ – Gewiss, verhungert ist noch niemand, im Sozialstaat (wobei, wo ist eine Statistik dazu?) und wenn alles nach Plan läuft, würde der Staat auch Sorge tragen, dass es nicht geschieht. Trotzdem ist die Angst dermaßen stark ausgeprägt, vor dem Nichts zu stehen, wie man es so schön formuliert, dass viele nicht nur Tricks und Kniffe anwenden, sondern auch mal tiefer in die Zauberkiste greifen und dabei die Grenze zwischen Gesetz und Anstand und Moral vergessen. Warum erzähle ich das? Weil durch diese Angst der (strebsame) Mensch manipulierbar ist. Darüber könnte man viel, sehr viel erzählen – zum Beispiel, dass die Medien ein Bild des erfolgreichen und angepassten Bürgers zeigen, immer und immer wieder, bis man der Meinung ist, man ist selber Schuld an seiner Erfolglosigkeit, die es ja tagtäglich zu meistern gilt. Journalisten und Medienmacher sind dieser Existenzangst und dem Wunsch nach Anerkennung (uups, auch wichtig!) genauso ausgeliefert wie du und ich. Warum sollten sie anders sein?

Ich möchte geliebt werden. Bitte!

Dieser Wunsch nach Anerkennung ist der Existenzangst natürlich vorgereiht. Warum soll man sich fürchten, wenn alles optimal läuft? Eben. Die dunklen, depressiven Ängste kommen erst dann, wenn die Kacke am Dampfen ist. Dazwischen ist es wohl der Konkurrenzgedanke, der schlagend wird und natürlich der Wunsch dazuzugehören. Antoine de Rivaról (1753 – 1801) sagte einmal Folgendes: »Hat man vierundzwanzig Stunden früher als die übrigen Menschen recht, so gilt man diese vierundzwanzig Stunden lang für närrisch« (sein kritisches Journal über die Französische Revolution habe ich bitteschön gelesen, nicht gegoogelt!). Wer möchte also bitteschön als Narr gelten? Keiner! Keiner will sich in den Augen der anderen lächerlich machen. Journalisten und Medien genausowenig. Deshalb darf es einem nicht verwundern, dass sich die publikumswirksamsten Nachrichten wie ein Lauffeuer verbreiten und so den Anschein erwecken, wahr zu sein (uh, was ist Wahrheit bzw. was gilt als geschichtlicher Fakt?). Aber wie dem auch sei, gegen eine voreingenommene Masse anzuschreiben könnte vielleicht in der Tat dazu führen, dass das Medium ausgegrenzt wird und damit ihre Existenz verliert. Damit es nicht geschieht, haben wir in der Ostmark (man verzeihe mir diesen zynischen Witz, den ich so gerne mache. Warum? Weil er so hübsch zynisch ist) die Presseförderung (ich müsste mich jetzt schlau machen, wie sie verteilt wird, aber hey, ich werde dafür nicht bezahlt und ich schreibe lieber als dass ich jetzt lange und breite Statistiken durchsehe, ja?). Dass sich damit die Tageszeitung wiederum abhängig machen, liegt auf der Hand, oder? Eine Partei, die antritt, diese Förderung zu streichen, hm … woran man erkennen kann, wie diese Abhängigkeiten ineinandergreifen: eine Partei würde diese Förderung nie (ernsthaft) in Frage stellen, kann aber damit drohen. Und ja, auch eine Partei und ihre Politiker wollen geliebt werden. Wirklich.

Ich habe Hunger!
Wer holt mich da jetzt raus?

Yep. Ich habe Hunger. Wirklich. So etwas gibt es. Und weil ich nicht für dieses Konvolut bezahlte werde – ich schreibe es ja aus freien Stücken und erziele daraus einen sexuellen Stimulus … hm … wie dem auch sei, ich müsste es ja nicht machen, deshalb kann es dem Leser – in dem Fall wohl nur Sie (oder Du, je nach dem, ob wir uns kennen) – deshalb kann es dem Leser (ja Du!) herzlich egal sein, ob ich darbe oder nicht. SSKM! Selber Schuld. Kein Mitleid. In einem Büro würde sich vielleicht jemand darum kümmern, dass ich nicht verhungere. Man würde mir mundgerechte Nahrung auf den Tisch stellen. Auf dass ich brav weiter schreibe und nicht aus dem Fluss komme. Ja, weil mit leerem Magen studiert es sich nicht gut. Kommen wir also zu einem Ende (obwohl ich ja nur die Oberfläche gekratzt habe).

Ende und Aus!

Die Debatte um den Qualitätsjournalismus im Deutschen Bundestag ist, man verzeihe mir jetzt diese brachiale Wortwahl, nett. Wirklich. Ich finde zum Beispiel, dass die junge Geschäftsführerin von Spiegel online attraktiv ist. Und der (ebenfalls) junge Chefredakteur von Zeit online eine gute Figur macht. Und dass ich dem sonoren Herrn Leyendecker ewig zuhören könnte (wenn ich etwas im Magen hätte). Die anderen, pardon, sind mir jetzt nicht sonderlich aufgefallen (das ist bitteschön positiv zu verstehen) oder ich habe sie erst gar nicht gesehen bzw. gehört. Sonst? Ach, dazu fällt mir jetzt gar nichts ein.

Epilog

Ich frage mich ja, ob jemand auf die Idee gekommen ist, zu bemerken, dass die Leutchen, die da so hübsch beisammensaßen, recht befangen sind. Sie sitzen allesamt im selben Boot und wollen nicht kentern. Das Web ist so lange keine Gefahr für sie, so lange es zu keiner Machtkonzentration kommt. Tja. Dumm gelaufen. Jobs und Zuckerberg und Bezos, besser bekannt als Apple, facebook und amazon … ach ja, die Google-Boys dürfen wir natürlich nicht vergessen … sie allesamt werden dafür sorgen, dass es zu einer globalen Machtkonzentration kommt. Davon hätte keiner der ehemaligen Medien-Tycoons (by the way: kennt jemand Citizen Kane?) jemals träumen dürfen. Ist das gut? Ist das schlecht? Hey, ich werde für visionäre Analysen nicht bezahlt! Was ich damit sagen will, ist, dass die besagten Unternehmen große Wellen schlagen werden. Ach ja, da gibt es ja dieses Boot … hm … ich würde vorschlagen, Schwimmwesten auszugeben.

Und was hat jetzt diese Faselei mit der Qualität
von Journalismus zu tun, verdammt noch mal?

Nun. Das ist ganz einfach. Die einen werden bezahlt und sind gekauft. Die anderen werden nicht bezahlt und haben Hunger. Und weil sie Hunger haben, werden sie viele Dinge tun, aber ein fütterndes System nicht in Frage stellen. Schließlich wollen sie ja ihre Mägen füllen. Und Anerkennung und Liebe suchen sie ja auch noch. Get it?

 

Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten,
ihre Meinung zu verbreiten.
Paul Sethe
im Der Spiegel anno 1965
#presse

Ebook, Social Media und die Goldräusche der Verlage

@dschun Sehe gerade deine großartigen Bücher sind auch als eBooks verfügbar. Sehr gut
Tweet from @ludren 22/02/2011


Aus gegebenem Anlass. Gestern. Mit einem kleinen engagierten Verleger geplaudert. Er wolle nun auf eBook setzen, für seine Bücher. Warum? Weil er immer wieder hört, dass man damit ein Vermögen machen kann. In den USA. Aber die eBooks, so meint er, würden auch bald nach Europa kommen und dann müsste man dabei sein, vor den anderen. Und dann sah er mich fragend an, weil ich seinen Redeschwall nur mit „hmm“ und „naja“ und „tja“ und „äh“ kommentierte.

update: Die Explosion des eBook Marktes in den USA link

Tja. Wo fangen wir da an. Gut. Ein elektronischen Buch, vulgo eBook hat viele Vorteile für verlegerische Underdogs, will heißen für die verschmähten kleinen und mittleren Verlage, die vom buchhändlerischen Establishment nicht wahrgenommen werden. Das mag jetzt gar nicht so sehr mit böser Absicht sein, sondern ist vielmehr eine Kapazitätsfrage. Wenn viele tausende Bücher jedes Jahr neu erscheinen, aber nur wenige hunderte in eine Verkaufsstelle gelangen können, tja, dann muss beinhart ausgesiebt werden. Ja, so ist das.

Mit einem elektronischen Buch hat man (theoretisch) keine böse Schranke zu meistern. Wer auf amazon sein kindle-ebook hochlädt, der ist herzlich dazu eingeladen. Das können Ur-Opas Kriegserlebnisse sein (falls jemand solche zu Hause herum liegen hat, bitte mit mir in Kontakt treten, ja?) oder die ersten Gedichte des Töchterleins (nein, dafür habe ich keinen Bedarf. Danke!). Lektorat? Korrektorat? Häh? Nope. Interessiert hier keinen. Umschlagentwurf? Häh? Nope. Mach, wie du glaubst. Ein paar Gestaltungshinweise gibt amazon natürlich frei Haus, aber egal was du tust, wie du es tust, keiner wird den Kopf schütteln und dir sagen „Tut mir Leid, aber das passt leider nicht in unser Sortiment!“.

Amazon hat tatsächlich den hermetisch abgeschlossenen Buchmarkt aufgebrochen. Anfänglich beim gedruckten Buch, wo jedes eine Platzierung im virtuellen Bücherregal fand (gut, gefunden muss es erst einmal werden) und nun – mit voller Wucht – beim elektronischen Buch. Wahrlich, es ist die Demokratisierung des Verlegens. Kein Wunder, dass diese Bösartigkeit in den USA ihren Anfang nahm. Und weiters darf es einen nicht verwundern, dass amazon dadurch viel Umsatz machte und macht – ob die Profite stimmen, kann ich nicht sagen.

Das europäische (sagen wir, ich spreche hier eigentlich vom deutschsprachigen) Verlagswesen hat auf diese Demokratisierung zurückhaltend reagiert. Natürlich. Wer nämlich im Boot saß, wollte keine anderen aufnehmen. Und wer nicht im Boot saß, wollte unbedingt hinein. Der übliche kapitalistische Raufhandel um einen Platz an der Sonne, respektive am Esstisch. Ein großer Publikumsverlag, der zahlreiche alteingesessene Verbindungen in Medien, Handel und Politik (wir dürfen nicht vergessen, dass Bücher zuweilen auch Politik machen) unterhält, wird sich nicht sonderlich wohl fühlen, wenn diese Strukturen aufbrechen: die Medien wandern von Print in den Online-Bereich ab, wo die Leser ihre Kommentare abgeben können und so jeden PR-Beitrag ad absurdum führen können (während im Print nickt der Leser den Artikel ab). Es gibt Literaturblogs, die sich nicht so einfach überreden lassen, eine wohlfeile Rezension zu schreiben (im Gegensatz zum Sub-Unter-Neben-Tochter-Firma des Medienkonglomerats). Und dann ist da die letzte Bastion, der stationäre Buchhandel. Zwar sind die Buchhandelsketten auf den Geschmack gekommen, am Profit der Verlage mitnaschen zu wollen (und natürlich machen manche Verlage gehörige Profite – sonst würden sie in einer Soll-und-Haben-Welt nicht existieren – freilich, die Vielzahl der anderen darbt und leidet). Der Buchhandel – und vorgelagert die Auslieferung und der Verlagsvertreter – sortieren knallhart die guten von den schlechten Äpfel aus. Schließlich geht es ums Geschäft, nicht um Literatur. Aber der Handel wird immer mehr an die Wand gedrückt. Ein Zeichen der Zeit, wo der kleine familiär geführte Einzelhandel kaum noch eine wirtschaftliche Lebensfähigkeit hat. In Wien sagte man in den späten 70ern Jahren das Greißlersterben (der Greißler ist der Wiener Tante Emma Laden) voraus. Ich kann mich noch erinnern, in Meidling, wo ich meine Kindheit verbrachte, ums Eck einen Greißlerladen aufgesucht zu haben. Die besten Topfengolatschen weit und breit gab es dort. Jahre später gab es ihn natürlich nicht mehr. Dafür aber diese grooooßen KONSUM Einkaufstempeln, die – ironischerweise – in späteren Jahren wirtschaftlichen Schiffbruch erlitten und heute nur noch eine anrührige Ruine der sozialistisch genossenschaftlichen Marktwirtschaft darstellen.

Wir sehen: das Verlagsgeschäft hat sich verändert. Das eingespielte Team (nicht umsonst heißt es: Never change a winning team or a running system!) ist nicht mehr so stark wie ehedem, aber noch vorhanden. Neue Vertriebs- und Werbekanäle müssen gefunden und richtig bespielt werden. Nicht einfach. Wahrlich nicht.

Und da stand ich nun, mit dem engagierten Verleger, der, ich wusste es, wenig Budget hat und mit Internet und Web und Social Media nur am Rande herum tut. Tja. Was würde ihm dann ein eBook nutzen, wenn er darauf nicht aufmerksam machen kann? Nicht in den Kanälen, die dafür notwendig wären.

Ein wenig erinnert mich diese digitale Aufbruchsstimmung in den verschmähten und frustrierten Verlagen an den Goldrausch in Kalifornien, wo jeder so schnell wie möglich dorthin musste, um sein Glück und ein Vermögen zu machen. Schlussendlich haben viele profitiert, aber zumeist waren es nicht die Goldgräber, sondern jene, die eine Infrastruktur bereit stellten. Freudenhäuser, you know?

Aus meiner eigenen Erfahrung – ich habe im Jänner 2010, also vor rund einem Jahr begonnen, meine eBooks über beam ebooks (Formate: epub, pdf, mb) und amazon.com (kindle) anzubieten. Ich denke, ich habe im Social Media Bereich (facebook, twitter, xing, …) soweit es mir möglich war, immer wieder auf mich und meine Bücher und meine eBooks aufmerksam gemacht. Auf meiner Webseite werden diese aufgelistet – auch wenn es dahingehend sicherlich bessere, schmuckere Möglichkeiten gäbe, wer meine Bücher als eBook haben möchte, der sollte sie finden. Aber der Umsatz, in diesem Jahr, mit meinen vier Titeln, ist, bescheiden. Wirklich. Freilich, ein kurzes Gratis-Download-Angebot bescherte mir für Tiret rund 4000 neue Leser. Wobei, in unserer Gratiskultur, wird mal schnell etwas heruntergeladen. Ob es aber jemals gelesen, oder wenigstens angelesen wird, who knows. Ich könnte jedenfalls nicht sagen, dass ich durch diese Downloads in weiterer Folge kaufmännisch profitierte. Freilich, wer einmal mein Buch anklickt, liest den Titel, liest etwas über mich – und damit ist schon mal das erste Saatkorn gesät, denn merke: Werbung ist die Wiederholung der Wiederholung. Nur was einem immer wieder über den Weg läuft, wird positiv wahrgenommen. Eine einzige Werbeeinschaltung – und mag sie noch so groß, so überdimensioniert sein – bringt nichts.

Was ich damit sagen will, ist, dass es einerseits mühsam und zeitaufwändig ist, eBooks selbst herzustellen (mit Ausnahme natürlich eines PDFs, einem Abfallprodukt des Printbuchs, wenn man so will). Ich werde nun herangehen, und die letzte Version von der Freeware Sigil auf Herz und Nieren prüfen. Aber der erste Eindruck dieser epub-Konvertierungs-Software macht einen tollen Eindruck. Gut möglich, dass es bald Tools gibt, die mit einem Klick hübsche (und korrekte) eBooks fabrizieren. Das ist der große, wirklich große Vorteil von amazon und seinem kindle-System: die Konvertierung macht amazon und man kann sich das Endergebnis in einem virtuellen kindle-reader angucken, also prüfen, ob alles in Ordnung ist. Damit kann man getrost zu Bett gehen, wissend, dass alles in Ordnung ist. Im Gegensatz zu den epub-Büchern, die einem Wirrwarr an verschiedenen eReadern gegenüberstehen und dann gibt es noch diese Schranke iBookstore von Apple, die mit einem Prüftool gleich mal die Spreu vom Weizen trennen. Wer da nicht technisch auf der Höhe ist, scheidet leider aus.

Natürlich kann man für die Erstellung eines eBooks bezahlen (Infrastruktur, you know!), aber dahingehend habe ich noch keine Erfahrung gesammelt und der Preis soll ab 100,- aufwärts sein – je nach dem, wie kompliziert der Text aufbereitet ist bzw. werden soll. Und ob das fertige Produkt dann wirklich alle Prüftools (die da vielleicht noch kommen) übersteht, das sei mal dahingestellt.

Und natürlich wäre es nicht Europa/Deutschland, würde sich nicht das Establishment auch hier noch die eine oder andere Schranke einfallen lassen: ISBN. Yep. Viele virtuelle Verkaufsstellen (die seltsamerweise mit stationären in direkter Verbindung stehen) verlangen nach einer ISBN pro ebook und Format. Im Prinzip ist es keine Hexerei, sich ISBNs zu besorgen, wenn man sich mit dem System ein wenig beschäftigt. Aber wer nur die Ur-Opa-Tagebücher hochladen möchte, der mag sich nicht mit diesem Verlags-Kram herumschlagen. Und dass ISBNs auch kosten, sei mal gleich hinzugefügt. Dass hier die Österreichische Agentur  (HVB) wieder mal den Vogel abschießen, ist klar: für 100 ISBNs berappt man stolze EUR 360,-  während die Deutsche Agentur keine EUR 50,- veranschlagt (okay, da gibt’s ne Einmalgebühr von rund EUR 150,-).Ich schätze, die Freudenhäuser in Kalifornien waren zu Zeiten des Goldrausch auch nicht gerade billig.

Wir sehen: kleine und größere Fallstricke wohin das unbedarfte Auge sieht – gewiss, alles ist machbar, alles ist schaffbar, wie man bei mir sieht *zwinker*.

Bleibt nur noch die Mühen und Leiden zu erwähnen, die Social Media mit sich bringt. Für kleinere und mittlere Verlage, die sich bereits jetzt an ihrer Leistungsgrenze befinden – besser: die Ausbeutung der eigenen Person und der mit Herzblut bei der Sache seienden KollegInnen. Ihnen bürdet man nun auch noch die Interaktion in den sozialen Medien des Webs auf. Keine Frage, wer Zeit und Lust hat, der fühlt sich alsbald wohl, im Pool der Geschwätzigkeit und Selbstdarstellung. Alle reden, kaum einer hört zu. So ist das. Und man wird überschüttet mit Informationen. Keine Frage, viele sind gute, wichtige, richtige Informationen, an die man sonst nicht gekommen wäre. Aber sie rauben einem wieder ein Stück von den 24 Stunden, die jeder Mensch zur Verfügung hat. Mag er noch so wenig schlafen, noch so wenig freie Zeit verbringen, am Ende hat sein Tag nur diese 24 Stunden. Get it? Get it!

Die Arbeit wird mit diesen Instant-Messages ja noch einmal um eine Potenz, vielleicht sogar zwei, stressiger. Während du dir bei einer E-Mail noch Zeit lassen kannst, sie zu beantworten, geht man bei Twitter und facebook davon aus, dass es eine zeitnahe Response gibt. Muss natürlich nicht. Aber dann spielst du auch nicht wirklich mit. Ich, für meinen Teil, sehe hier meine Kapazitätsgrenze zuweilen erreicht. Eine One-Man-Show kann und soll Vieles, aber er darf sich nicht zu sehr ablenken lassen. Vielleicht hänge ich noch einer Generation an, die step-by-step, das eine oder andere erledigen muss, bevor es sich der nächsten Aufgabe widmet. Gewiss, ich arbeite gleichzeitig an mehreren Tasks, aber es ist einer seriellen Monogamie zu vergleichen, im Gegensatz zur gleichzeitigen Vielweiberei, die einem schon Nerven und Kräfte kosten kann. Also immer vorsichtig.

Social Media wird ja von vielen als eine Informationsplattform gesehen. Da knallen Verlage (aber auch andere Unternehmen) ihre nüchternen Informationen raus („Neuerscheinung hier, Lesung da …“), die kaum jemanden interessieren, es sei denn, die Leutchen hängen schon am Angelhaken. Ich denke, die soziale Komponente wird hier gänzlich vernachlässigt. Da steckt kein Leben drin. Und um das geht es ja. Ich will als Mensch wahrgenommen werden, in dieser Bits-und-Bytes-Welt, und wer das nicht tut, dem schenke ich keine Liebe (okay, sagen wir: keine Aufmerksamkeit oder kein Geld oder beides). Aber sozial interagieren, also, huh, das ist die Meisterprüfung schlechthin. Da draußen, im Web, laufen viele Menschen herum, die sich ins Rampenlicht stellen wollen, die einen Knacks haben, die lügen, die lachen, die trinken, die Sex haben wollen (mehr sage ich jetzt mal besser nicht) und mit all diesen Leuten soll man plaudern, kommunizieren? Ach ja, eine Message gilt es ja auch noch rüberzubringen („Hey, ich bin ein Verlag und habe tolle Bücher, die dich sicherlich interessieren!“) – also, nein, das ist nicht easy going. Das ist Schwerstarbeit. Wirklich. Oder sagen wir: es kommt auf den Menschen an. So wie es die einen gibt, die ungezwungen mit Fremden plaudern können, offen und immer freundlich sind, und andere, die eine Anpassungsstörung haben (erst gestern gelernt!).

update: Artikel in meedia.de über die Entwertung der Kommunikation in facebook.

Und wenn wir schon von Goldräuschen sprechen, dann muss man auch gleich dazu sagen, dass das World Wide Web noch immer der Wilde Westen unserer zivilisierten Gesellschaft ist. Auch wenn bereits viele Reglementierungen und Hürden vorhanden sind, es gibt nichts, was es nicht gibt. Irgendwo findet sich eine Webseite, die genau das bietet, was man gestern noch so schmerzlich vermisste. Aber der Nachteil ist natürlich: wer schneller zieht, lebt länger. Okay, das ist jetzt natürlich überzeichnet. Aber es geht um Schnelligkeit. Die Chose dreht sich immer schneller. Es rückt eine Generation nach, die Gadgest, Apps, APIs im Blut und im Kopf hat, sie ist ja damit aufgewachsen. Ich erinnere mich  gut, dass ich in den 80ern meinen Vater belächelte, weil er einen Videorekorder (yep, VHS, you know?) nicht ohne Hilfe programmieren konnte, obwohl es mir so einfach schien. Und heute? Bin ich überfordert bei A. am TV-Schirm den richtigen Sender einzustellen, weil dieser über Tuner, Surround-Anlage, DVD-BlueRay-Abspieler und Festplatten-Rekorder gekoppelt ist. Da liegen gefühlte zehn Fernbedienungen herum und ich habe einfach keinen Tau mehr, welche Tasten ich in welcher Reihenfolge ich drücken soll. Ja, so sieht das aus. Und ich schätze, es wird nicht einfacher. Nicht für mich. Nicht für uns.

Am Ende, seien wir ehrlich, geht es doch nur darum, dass wir mit einem Menschen ins Gespräch kommen, etwas aus diesem Gespräch mitnehmen und uns gut fühlen. Es ist wie diese leidige Sache mit dem Fetisch Auto. So toll es auch sein mag, seine Bestimmung ist, dass es mich von A nach B bringt. Wenn mir das Ziel B nicht behagt, wenn ich dort nicht hin will, nutzt mir auch das beste Auto der Welt nichts. Ich wäre unzufrieden. Und so verhält es sich auch mit Social Media und den eBooks. Sie sind nicht die Lösung. Sie sind ein Mittel, um ein Ziel zu erreichen, das jeder für sich selbst finden muss. Und manchmal kann es Sinn machen, auf das Auto zu verzichten und ein Stück zu Fuß gehen. Wirklich!

 

 

 

 

Loben und Preisen und Klicken

ein – im wahrsten Sinn – „fesselndes“ Vergnügen

Bevor ich mich aufmache, das Drehbuch von Schwarzkopf zu preisen und zu loben („Der dritte Mann, dieser Film ist ein Klassiker … und die Krimicomedy ist funny, wirklich!“), möchte ich auch darauf hinweisen, dass nun die Leseprobe zu Der Fetisch des Erik van der Rohe bei book2look online ist. Am besten auf www.erik.1668.cc mit allem wissenswerten Schnickschnack gucken oder direkt zum virtuellen Buch einfach hier klicken und sich überraschen lassen. Vorbestellungen auf euryclia werden natürlich gerne angenommen. Ja, ja.

*

Am Abend werde ich der Buchpräsentation von Chrys Punzengrubers Die Suppe danach beiwohnen. Nach dem ich ja das Buch gelayoutet habe, sollte ich schon dabei sein, wenn das Kind aus der Taufe gehoben wird, oder? Wer Zeit und Lust hat, ist natürlich herzlich eingeladen, dem (intimen) Lese- und Hörgenuss beizuwohnen. Der Event in facebook ist hier zu finden. Oder einfach und banal hier:

22.02.2011 um 21:00
Café Carina
Josefstädter Straße 82
1080 Wien
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