richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Beweise, Wahrheit, Spielregeln

Nicht mehr viel Zeit. Trotzdem muss ich es noch los werden, diese seltsame Gefühl, das mir wieder so eindringlich in die Seele gefahren ist. Hin und wieder schält es sich aus dem Unbewussten und tanzt mir auf der Nase herum. Seltsam. Fürwahr. Ich kann nicht anders, als alles und jedes zu hinterfragen. Macht das Sinn? Natürlich nicht. Besser, ich würde meine Energie dahingehend verwenden, gegenwärtige Dinge zu hinterfragen (und davon gäb’s ja genug). Statt dessen kreisen meine Gedanken über längst Vergangenem. Aber ich frage mich, immerzu, was, wenn die Überlieferung (also das, was wir allgemeines Wissen nennen) zu einzelnen vergangenen Ereignissen nicht stimmt?! Ja, was wäre dann?

Ein Beispiel. Die führenden Köpfe einer US-Regierung haben durch ihren Geheimdienst-Apperatus gewusst, dass ein Irakischer Diktator zwar gerne mit seinem Gewehr in der Gegend herumballert, aber Beweise, dass er WMD („Weapons of Mass Destructions“), also Massenvernichtungswaffen, hätte, gab es nicht. Trotzdem wetterten die US-Leute so lange („Axis of Evil“), bis sie ihren Krieg hatten. Später erfuhr man (mehr so nebenbei, weil ja Irak schon in Trümmer lag), dass es keine WMDs gab und noch später, dass man es schon vorher wusste. Aha.

Das mag natürlich nur eine Kleinigkeit sein. Gut, damit konnte die US-Regierung mit ihrem Englischen Sidekick der Welt zeigen, dass man mit ihnen zu rechnen habe und dass man Gründe für eine Eskalation rasch zur Hand hätte („Hey, du hast im Keller ne Nuke-Facility! Dare you!“). Und die Öffentlichkeit (besser: die Medien, die bei diesem Versteckspiel mitmachen) zuckt nur mit der Schulter. The Show must go on. Yep.

Die Frage aller Fragen, wenn man so will: Wann dringt eine Information ins kollektive Bewusstsein und wird von der Allgemeinheit als wahr angenommen? (Gewiss, eine absolute Wahrheit kann es nie geben)

Druckt eine Zeitung einen kleinen Artikel, wird er gelesen, aber nicht für bare Münze genommen. Nur wenn das darin abgehandelte Thema auch die nächsten Tage aufgegriffen wird, weitere Informationen bekannt werden UND wenn andere Medien, andere Kanäle das Thema behandeln, dann dringt es langsam ins kollektive Bewusstsein („Wenn ALLE sagen, dass es so ist, dann wird es schon so sein.“)

Damit steht aber auch fest, dass die Medien eine immer wichtigere Rolle im Spiel der Mächte einnehmen. Gut, wir können sagen, es gibt nun das Web, wo alle Themen jene Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Ja, das Web macht in der Tat den Unterschied. Aber würden wir einer Webseite unser Vertrauen aussprechen? Ist das gedruckte Papier nicht doch „Furchteinflößender“? Oder eine Nachrichten-Sendung? Interessanterweise hat eine bestimmte „geleckte“ Webseite das uneingeschränkte Vertrauen der Öffentlichkeit bekommen. Weil sich Print-Medien genauso wie TV-Kanäle auf diese Webseite beziehen. Hm. Also sind es wieder die klassischen Medien, die entscheiden, welche Webseite (und vor allem: welches Thema) relevant sein darf und welche nicht.

Natürlich. Wir leben in einer freien Welt. Pressefreiheit wohin man guckt. Alles Eitel Wonne, wa? Ach so, ja, natülrich gibt es Medienkonglomerate und wahnwitzig absurde Unternehmenskonstrukte und -verflechtungen, lokal wie international, in die unsereins nicht mehr durchblickt. Am Ende ziehen wieder nur ein paar Leutchen die Fäden. Ich weiß, das klingt jetzt wieder verdächtig („Gähn“) nach Weltverschwörung, aber es ist einfach nur unser Wirtschaftssystem, das nach diesen Spielregeln funktioniert: „The Winner takes it all!“ – Am besten, man spiele im trauten Freundeskreis eine Runde DKT oder Monopoly. Bis zum bitteren Ende. Was wird geschehen? Einer bekommt alles, die andere nichts. Das ist bitteschön keine Weltverschwörung, das ist einfach nur unfair. Yep. So läuft das eben.

Vielleicht wird es Zeit, die Regeln des Spiels zu hinterfragen. Müssen wir denn akzeptieren, dass das Spiel „unfair“ läuft?

Also. Man nehme besagtes DKT oder Monopoly. Man wähle den Ältesten der Runde aus und gebe ihm einerseits die Bank, andererseits das 100fache an Startkapital und 90 % aller Grundstücke mit Häusern/Hotels darauf. Die anderen Mitspieler bekommen nichts und dürfen sich Kredite aufnehmen. Die Konditionen legt der „Banker“ fest. Die anderen Mitspieler beginnen sich also um die letzten kleinen freien Felder zu prügeln. Der „Banker“ ist zufrieden. Keiner stellt in Frage, dass die Spielregeln „unfair“ und „unausgewogen“ sind. Man bezichtigt die anderen Mitspieler, dass sie einen austricksen, dass sie einen übers Ohr hauen wollen (was sie natürlich tun, um wenigstens ihren kleinen Anteil zu bekommen). Und wenn tatsächlich einmal die Mitspieler unangenehme Fragen aufwerfen, kann der „Banker“ immer noch eine Krise  („Huh. Die Zinsen steigen dramatisch …“), einen Krieg („Dein Nachbar hat dir gerade einen Geldschein gestohlen …“) oder einfach das Wohlfühlprogramm („Geht es uns nicht allen gut?“) auslösen.

Yep. Folks. So läuft das Spiel. Und würdest du der älteste Spieler am Brett sein, also der „Banker“, seien wir ehrlich, würdest du etwas ändern wollen? Natürlich nicht.

 

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