Werben auf facebook? easy cheezy!

Huh. Gestern kündigte facebook die Änderung in den FAN-PAGES an. Nun gibt es zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten mit seinen Fans (oder jenen netten virtuellen Freunden, die man genötigt hat, den Like-Button zu klicken). Ich habe nun die facebook Seite für Schwarzkopf aktualisiert UND eine Werbekampagne geschalten. Aufregend. Wahrlich.

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Ja, die Zuckerberg Brüder verstehen es, virtuelle Werbeeinschaltungen massentauglich und wohnzimmerkonform zu gestalten. Das geht so einfach und ist so günstig (ab rund € 40,- ist man dabei), es ist erstaunlich. Und erschreckend. Kein Wunder also, dass einem in der Seitenleiste die hübschen Mädels anlächeln und auf Flirt-Dating-Seiten hinweisen. Diese sehen natürlich nur jene Profile, die als Beziehungsstatus „Single“ eingestellt haben. Ich schätze, die Damen werden andere Fotos sehen als die Männer. Und das Alter kann man auch noch festlegen. Yep. Dann schaltet man eine Werbekampagne für junge Frauen, für junge Männer, dann für die bereits gereiften Leute und schließlich für die ältere Generation. Tja.

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Ich kann mit Werbungen nichts anfangen. Sie nerven mich. Wirklich. Ich gehe ihnen aus dem Weg. Immer. Überall. Und doch kann man sich ihnen nicht entziehen. Egal wo, egal wann, immer leuchtet so ein Zipfelchen einer Werbe-Einschaltungen hervor. Im Moment höre ich Internet-Radio ohne Werbe-Unterbrechung. Das öffentliche oder private Radio ist nicht mehr zu ertragen, wenn Werbung eingespielt wird. Geht das keinem auf die Nerven? Nimmt man das mit der Zeit hin? Verstehe ich nicht. Wie kann es sein, dass man mit der Schulter zuckt. Genauso wie die Werbe-Unterbrechnung im TV. Solche Filme, Serien usw. interessieren mich dann gar nicht mehr. Ich fühle mich regelrecht veräppelt. Gut. Dafür erhält man „gratis“ Content. Yep. Trotzdem.

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Ist es nicht erschreckend, dass Werbung notwendig ist, um gesellschaftliche, kulturelle oder künstlerische Projekte zu bezahlen bzw. bezahlbar zu machen? Ist es nicht erschreckend, dass „unabhängige“ Medien, sei es Zeitung, TV oder News-Webseiten trotz allem von zahlungskräftigen Werbepartnern abhängig sind? Wie kann es sein, dass eine aufgeklärte, zivilisierte Gesellschaft sich das gefallen lässt. Ja, wie kann das sein? Weiß darauf jemand eine plausible Antwort?

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Die Werbeindustrie ist ein Milliarden-Unternehmen! Unvorstellbar. Unvorstellbar. Sie produziert nichts Notwendiges. Sie erzeugt nur Luft. Sie ist das virtuelle Pendant zur Rüstungsindustrie. Man redet uns ein, dass wir beide bräuchten. Wozu? Gut. Ich spiele hier den Naiven. Ich weiß, wie der Hase der Wirtschaft läuft (mehr, mehr, mehr!). Trotzdem. Das kann nicht einer Gesellschaft würdig sein, die behauptet, nach vernünftigen Maßstäben zu agieren. Ich befürchte, wir schaufeln uns gerade das Grab. Weil wir immer subtilere Möglichkeiten finden, andere davon zu überzeugen, zu tun, was sie eigentlich nicht tun wollen. Gewiss, noch ist alles so hübsch harmlos. Aber wie lange noch? Die politischen Entscheidungsträger und ihre Spin-Doktoren und PR-Konsuleten haben bereits erkannt, dass Image-Kampagnen (über Umwege doch wieder nur vom Bürger berappt!) wirkungsvoller sind, als tatsächliche Politik zu machen. Und in den USA übersteigen bereits die Wahlkampfkosten für eine Präsidentschaftskanditatur die Milliardengrenze. Ist das normal? Ist das vernünftig? Die Auswüchse haben wir die letzten Jahrzehnte erlebt! Da werden Unternehmen und Branchen mit Steuervorteilen bedacht, wird ausländische Konkurrenz durch Auflagen und Gesetze beschnitten, erhalten Ex-Führungskräfte Top Positionen als Berater oder werden gleich mit Regierungsaufgaben betraut. Wie kann es sein, dass hier die Bürger mit der Schulter zucken? Es ist ihr Geld, das entscheiden sollte. Statt dessen nimmt man hin, dass „fremdes“ Geld ihre Politiker kauft. Wahrlich, das ist nicht zu glauben, dass wir uns das gefallen lassen!

Und wer bis hierher gelesen hat, soll auch belohnt werden. Um die nervigen Werbe-Einschaltungen in der Seitenleiste von facebook verschwinden zu lassen, nehme man firefox, aktiviere die add-ons Adblock plus (sehr zu empfehlen!) und zusätzlich Elemente zum Verstecken. Hat man diese aktiviert, kann man die Seitenleiste – trara – wegzaubern. Leider auch ein paar Informationen, die man hin und wieder vielleicht doch gerne sehen möchte. Deshalb einen anderen Browser ohne Adblock im Hintergrund laufen lassen und bei Bedarf switchen. Das klingt vielleicht ein wenig lästig, aber, hey, wie sonst soll man gegen das Milliarden-Imperium ankämpfen, ha? Die Macht sei mit dir!

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9 Kommentare zu „Werben auf facebook? easy cheezy!“

  1. Gut, dass dieser Schluss kam, Richard!
    Ich glaube nämlich, Werbung ist weder so wichtig noch so beliebt, wie sie tut. Sonst hätten Adblocker nicht diesen Erfolg, oder Internetradio und Podcasts. Nur fürs Fernsehen warte ich noch auf den Adblocker, schaue aber eh nur Sender mit Minimalwerbung. Wenn Werbung wirklich beliebt wäre, hätten wir keine Medienkrise, bei der sich alles um Anzeigenkunden dreht. Irgendwann wird einfach überdreht.

    Aber vor offener Werbung habe ich gar keine Angst. Die ist einfach nur dümmlich und oft selbstentlarvend. Viel gefährlicher ist das, was in die PR verlagert wird, weil man weiß, dass die Menschen vor erkennbarer Werbung davonlaufen. Also wird Werbung als „Content“ getarnt, schleicht sich hier und da auch schon einmal Propaganda ein oder sind Journalisten „embedded“. Das lässt sich nicht wegklicken – und um es zu erkennen, muss man einigermaßen gebildet, hellwach und kritisch sein. Werbung wird künftig also anstrengend werden.

    1. Tja. Wie wahr, wie wahr. Dummerweise sind wir Web2.0-User allesamt subtile Werbe-Leute. Entweder will man sich in den Vordergrund schreiben, posten, tweeten – oder glänzt mit hübschen Fotos, Videos und Musikstücken. Allesamt gieren wir nach Aufmerksamkeit. Ich schreibe diesen Blog-Beitrag. Du kommentierst. Beide wollen wir, dass unsere Seiten angeklickt werden. Damit verschwimmt Info und PR und Werbung und Beeinflussung. Ich wünschte mir, es wäre nicht so.

      1. Nö, meine Seite muss man nicht anklicken. Ich bin nicht „wir“. Mich hat das Thema interessiert, mehr nicht. Ich giere nicht nach Aufmerksamkeit, ich interessiere mich für Menschen und will mit ihnen ins Gespräch kommen.
        Und so sind die Ziele und Bedürfnisse der Web 2.0 User individuell sehr verschieden. Die traurigen Selbstdarsteller entlarven sich recht schnell selbst…

  2. Es ist definitiv ein Systemfehler, dass man für Dinge die man will nicht direkt bezahlen kann, sondern die Werbung für Dinge ertragen muss, die man eigentlich nicht will.

    Wo ist denn der Facebook Pro Button?
    Nirgendwo, weil Börsen den Besitz von Werbeadressaten höher bewertet als von Abonnenten.

    1. Werbung gehört zum heutigen Leben wie Dioxin, Schweinegrippe, Hochwasser, Übergewicht, Magersucht und Arbeitslosigkeit.

      Das finde ich wiederum sehr treffend, Herr Heinrich. Wie schon in meinem Kommentar zu Ihrem Blog-Artikel, auch hier der Link zu der wunderbaren Doku über den Einfluss der Werbung: „Advertising & the End of the World“ (Media Education Foundation) Clip

      Ausführlicher und schonungsloser geht Adam Curtis in der 4teiligen BBC-Doku „The Century of the Self“ mit der politischen und kommerziellen Einflussnahme im 20. Jahrhundert. Angefangen hat es wohl mit einem Cousin oder Neffen von Sigmund Freud, der den Terminus PUBLIC RELATIONS erfunden hat.

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