richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Nrtn, Ksprsky und andere Militärchefs anno 2011

Yep. Auf seinem betagten PC mit XP eine alte Internet Security „abzusetzen“ und eine neue einzusetzen respektive zu installieren, ist, als würde man in einem instabilen Staat die Militärführung auswechseln. Hilft nix. Was getan werden muss, muss sein. Oder sagen wir: man glaubt, dass es sein muss.

Es gab mal eine Zeit, da hatte ich noch den Überblick, über die Hardware, über die Software und was zu empfehlen war und was nicht. Wirklich. Es klingt ein wenig nach Märchen und beinahe kommt es mir auch so vor, aber ich interessierte mich für die Computerei, schraubte an PCs herum, setzte sie auf und ärgerte mich. Es war ein wenig der Wilde Westen der Elektronik. Heute geht es zivilisierter zu, dafür muss man häufig in die Tasche greifen und Schutzgelder berappen. Aber auch das schützt einen nicht vor Angriffen und bösartigen Krankheiten. Aber im Kopf fühlt man sich sicher. Immerhin.

Wir leben in einer Zeit, in der wir die absolute Sicherheit wollen – derweil wusste schon der gute Schnitzler, dass es Sicherheit nirgends gäbe. Es scheint für alle, wirklich alle Unwahrscheinlichkeiten eine Versicherung. angeboten zu werden. Freilich, bezahlen muss man sie können. Während der Mensch von jeher nicht abschätzen konnte, was einmal sein wird (in Wirklichkeit kann er es heute genauso wenig), haben wir in den letzten Jahrzehnten, mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, eingetrichtert bekommen, dass man sich vor der Zukunft zu schützen habe. Sie wurde entweder dunkel und bös und krank gezeichnet – oder das genaue Gegenteil. Je nach dem!  Je nach dem, was man uns verkaufen wollte. Ja, so ist das.

Und neben der Sicherheit fiel mir auf, dass unser Leben nur noch ein Wirrwarr an Verträgen und Verpflichtungen kennt. Überall versucht man uns in Abhängigkeit zu bringen. Die Tabak-Industrie macht eigentlich keinen Hehl daraus, weiß um die Gefährlichkeit der Nikotin-Abhängigkeit, trotzdem wird das Ganze als Genuss-Mittel verkauft, das so gut wie keine Nebenwirkungen kennt. Seltsam, dass sich das eine aufgeklärte und intelligente Bürgerschaft gefallen lässt. Natürlich soll jeder wie er möchte, so lange er niemand anderen dabei stört – aber warum können (besser: wollen) wir nicht den Teufel beim Namen nennen? Du kaufst dir eines dieser hübsch verpackten Auftau-Mikrowellen-Gerichte und solltest eigentlich wissen, dass du genauso gut die Verpackung essen könntest, vom Nährwert bleibt es sich vermutlich gleich (Salz und Pfeffer nicht vergessen). Aber auf der Kartonage sieht man hübsche Bilder, von dampfenden leckeren Speisen, gegen die unsere Ratio kaum etwas entgegen zu setzen hat.

Gab es früher auch schon diese Abhängigkeit? Gewiss, man hatte Verpflichtungen. Immer schon. Aber heute ist man so vielen Institutionen etwas schuldig (Dauerauftrag, Einzugsermächtigung – und schon rollt der Rubel), ohne dass es einem groß auffallen würde. Aber mit jedem Vertrag werden wir unfreier, auch wenn wir meinen, uns damit zu befreien. Ein seltsame Paradoxie. Nicht die einzige.

 

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5 Antworten zu “Nrtn, Ksprsky und andere Militärchefs anno 2011

  1. lichtermeer Dienstag, 22 Februar, 2011 um 2:40

    ja, genau, früher, da kannte ich jeden trick im word, im excell und powerpoint. ich fühlte mich wie eine (erwachsene) jane im urwald und wusste jeden trick um nicht unterzugehen.
    heute habe ich mühe die basisfunktionen meines iphones zu begreifen (obwohl das ja immer einfacher werden sollte)
    dafür koche ich immer frisch, weil ich eben diesen schönen bildern nicht traue. aber auch da: wie viele vitamine sind noch in einem broccoli, der zwei tage auf reisen war, zwei tage im supermarkt und eventuell noch ein bis zwei tage im kühlschrank, dann wird er aufgekocht. niemand konnte mir das bis jetzt darüber aufklären. mein menschenverstand sagt: nahe null. stimmt das wohl?
    ohja, ich vermisse die einkäufe direkt beim biobauer ums eck.
    liebe grüsse aus hong kong.

    • Richard K. Breuer Dienstag, 22 Februar, 2011 um 8:54

      Tja. Ich befürchte, an unserem Geschreibsel kann man unser Alter erkennen. Aber ich denke, wir machen das Beste daraus und kämpfen uns durch den Alltag und die Stricke, die dieser ausgeworfen hat.

      Habe übrigens bei deinem Blog-Beitrag über das „Schlossfeeling“ in HK herzlichst mitgezittert, vor Kälte. Brrr. Da ist ja auch so eine Sache: zum Einen wünscht man sich in eine Zeit, als alles noch so einfach und überschaubar war, zum anderen will man aber auch ein wohlig warmes Badezimmer mit allen Annehmlichkeiten. Ja, so sind wir. Wir wollen alles, oder sagen uns: wir wollen nur ein bisschen, aber davon sehr viel 🙂

      • Peter Hellinger Dienstag, 22 Februar, 2011 um 10:18

        So ein bisschen „Zurück zur Natur – aber bitte nicht zu Fuß!“ steckt halt in jedem von uns. Die Sehnsucht nach derm Überschaubaren in einer Welt die zunehmend – dank Internet „kleiner“, aber auch immer komplizierter und schrecklicher wird. Die Unbekümmertheit der Jugend wird wohl im Alter durch die Erkenntnis ersetzt, dass wir selbst im privaten Umfeld kaum wirklich etwas ändern können.

      • Richard K. Breuer Dienstag, 22 Februar, 2011 um 11:01

        Okay, heute können wir nichts ändern, an der Welt, aber morgen, ja, morgen werden wir die Weltherrschaft an uns reißen. Äh. Naja … 😉

  2. Pingback: Tweets that mention Nrtn, Ksprsky und andere Militärchefs anno 2011 « richard k. breuer -- Topsy.com

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