Ebook, Social Media und die Goldräusche der Verlage

@dschun Sehe gerade deine großartigen Bücher sind auch als eBooks verfügbar. Sehr gut
Tweet from @ludren 22/02/2011


Aus gegebenem Anlass. Gestern. Mit einem kleinen engagierten Verleger geplaudert. Er wolle nun auf eBook setzen, für seine Bücher. Warum? Weil er immer wieder hört, dass man damit ein Vermögen machen kann. In den USA. Aber die eBooks, so meint er, würden auch bald nach Europa kommen und dann müsste man dabei sein, vor den anderen. Und dann sah er mich fragend an, weil ich seinen Redeschwall nur mit „hmm“ und „naja“ und „tja“ und „äh“ kommentierte.

update: Die Explosion des eBook Marktes in den USA link

Tja. Wo fangen wir da an. Gut. Ein elektronischen Buch, vulgo eBook hat viele Vorteile für verlegerische Underdogs, will heißen für die verschmähten kleinen und mittleren Verlage, die vom buchhändlerischen Establishment nicht wahrgenommen werden. Das mag jetzt gar nicht so sehr mit böser Absicht sein, sondern ist vielmehr eine Kapazitätsfrage. Wenn viele tausende Bücher jedes Jahr neu erscheinen, aber nur wenige hunderte in eine Verkaufsstelle gelangen können, tja, dann muss beinhart ausgesiebt werden. Ja, so ist das.

Mit einem elektronischen Buch hat man (theoretisch) keine böse Schranke zu meistern. Wer auf amazon sein kindle-ebook hochlädt, der ist herzlich dazu eingeladen. Das können Ur-Opas Kriegserlebnisse sein (falls jemand solche zu Hause herum liegen hat, bitte mit mir in Kontakt treten, ja?) oder die ersten Gedichte des Töchterleins (nein, dafür habe ich keinen Bedarf. Danke!). Lektorat? Korrektorat? Häh? Nope. Interessiert hier keinen. Umschlagentwurf? Häh? Nope. Mach, wie du glaubst. Ein paar Gestaltungshinweise gibt amazon natürlich frei Haus, aber egal was du tust, wie du es tust, keiner wird den Kopf schütteln und dir sagen „Tut mir Leid, aber das passt leider nicht in unser Sortiment!“.

Amazon hat tatsächlich den hermetisch abgeschlossenen Buchmarkt aufgebrochen. Anfänglich beim gedruckten Buch, wo jedes eine Platzierung im virtuellen Bücherregal fand (gut, gefunden muss es erst einmal werden) und nun – mit voller Wucht – beim elektronischen Buch. Wahrlich, es ist die Demokratisierung des Verlegens. Kein Wunder, dass diese Bösartigkeit in den USA ihren Anfang nahm. Und weiters darf es einen nicht verwundern, dass amazon dadurch viel Umsatz machte und macht – ob die Profite stimmen, kann ich nicht sagen.

Das europäische (sagen wir, ich spreche hier eigentlich vom deutschsprachigen) Verlagswesen hat auf diese Demokratisierung zurückhaltend reagiert. Natürlich. Wer nämlich im Boot saß, wollte keine anderen aufnehmen. Und wer nicht im Boot saß, wollte unbedingt hinein. Der übliche kapitalistische Raufhandel um einen Platz an der Sonne, respektive am Esstisch. Ein großer Publikumsverlag, der zahlreiche alteingesessene Verbindungen in Medien, Handel und Politik (wir dürfen nicht vergessen, dass Bücher zuweilen auch Politik machen) unterhält, wird sich nicht sonderlich wohl fühlen, wenn diese Strukturen aufbrechen: die Medien wandern von Print in den Online-Bereich ab, wo die Leser ihre Kommentare abgeben können und so jeden PR-Beitrag ad absurdum führen können (während im Print nickt der Leser den Artikel ab). Es gibt Literaturblogs, die sich nicht so einfach überreden lassen, eine wohlfeile Rezension zu schreiben (im Gegensatz zum Sub-Unter-Neben-Tochter-Firma des Medienkonglomerats). Und dann ist da die letzte Bastion, der stationäre Buchhandel. Zwar sind die Buchhandelsketten auf den Geschmack gekommen, am Profit der Verlage mitnaschen zu wollen (und natürlich machen manche Verlage gehörige Profite – sonst würden sie in einer Soll-und-Haben-Welt nicht existieren – freilich, die Vielzahl der anderen darbt und leidet). Der Buchhandel – und vorgelagert die Auslieferung und der Verlagsvertreter – sortieren knallhart die guten von den schlechten Äpfel aus. Schließlich geht es ums Geschäft, nicht um Literatur. Aber der Handel wird immer mehr an die Wand gedrückt. Ein Zeichen der Zeit, wo der kleine familiär geführte Einzelhandel kaum noch eine wirtschaftliche Lebensfähigkeit hat. In Wien sagte man in den späten 70ern Jahren das Greißlersterben (der Greißler ist der Wiener Tante Emma Laden) voraus. Ich kann mich noch erinnern, in Meidling, wo ich meine Kindheit verbrachte, ums Eck einen Greißlerladen aufgesucht zu haben. Die besten Topfengolatschen weit und breit gab es dort. Jahre später gab es ihn natürlich nicht mehr. Dafür aber diese grooooßen KONSUM Einkaufstempeln, die – ironischerweise – in späteren Jahren wirtschaftlichen Schiffbruch erlitten und heute nur noch eine anrührige Ruine der sozialistisch genossenschaftlichen Marktwirtschaft darstellen.

Wir sehen: das Verlagsgeschäft hat sich verändert. Das eingespielte Team (nicht umsonst heißt es: Never change a winning team or a running system!) ist nicht mehr so stark wie ehedem, aber noch vorhanden. Neue Vertriebs- und Werbekanäle müssen gefunden und richtig bespielt werden. Nicht einfach. Wahrlich nicht.

Und da stand ich nun, mit dem engagierten Verleger, der, ich wusste es, wenig Budget hat und mit Internet und Web und Social Media nur am Rande herum tut. Tja. Was würde ihm dann ein eBook nutzen, wenn er darauf nicht aufmerksam machen kann? Nicht in den Kanälen, die dafür notwendig wären.

Ein wenig erinnert mich diese digitale Aufbruchsstimmung in den verschmähten und frustrierten Verlagen an den Goldrausch in Kalifornien, wo jeder so schnell wie möglich dorthin musste, um sein Glück und ein Vermögen zu machen. Schlussendlich haben viele profitiert, aber zumeist waren es nicht die Goldgräber, sondern jene, die eine Infrastruktur bereit stellten. Freudenhäuser, you know?

Aus meiner eigenen Erfahrung – ich habe im Jänner 2010, also vor rund einem Jahr begonnen, meine eBooks über beam ebooks (Formate: epub, pdf, mb) und amazon.com (kindle) anzubieten. Ich denke, ich habe im Social Media Bereich (facebook, twitter, xing, …) soweit es mir möglich war, immer wieder auf mich und meine Bücher und meine eBooks aufmerksam gemacht. Auf meiner Webseite werden diese aufgelistet – auch wenn es dahingehend sicherlich bessere, schmuckere Möglichkeiten gäbe, wer meine Bücher als eBook haben möchte, der sollte sie finden. Aber der Umsatz, in diesem Jahr, mit meinen vier Titeln, ist, bescheiden. Wirklich. Freilich, ein kurzes Gratis-Download-Angebot bescherte mir für Tiret rund 4000 neue Leser. Wobei, in unserer Gratiskultur, wird mal schnell etwas heruntergeladen. Ob es aber jemals gelesen, oder wenigstens angelesen wird, who knows. Ich könnte jedenfalls nicht sagen, dass ich durch diese Downloads in weiterer Folge kaufmännisch profitierte. Freilich, wer einmal mein Buch anklickt, liest den Titel, liest etwas über mich – und damit ist schon mal das erste Saatkorn gesät, denn merke: Werbung ist die Wiederholung der Wiederholung. Nur was einem immer wieder über den Weg läuft, wird positiv wahrgenommen. Eine einzige Werbeeinschaltung – und mag sie noch so groß, so überdimensioniert sein – bringt nichts.

Was ich damit sagen will, ist, dass es einerseits mühsam und zeitaufwändig ist, eBooks selbst herzustellen (mit Ausnahme natürlich eines PDFs, einem Abfallprodukt des Printbuchs, wenn man so will). Ich werde nun herangehen, und die letzte Version von der Freeware Sigil auf Herz und Nieren prüfen. Aber der erste Eindruck dieser epub-Konvertierungs-Software macht einen tollen Eindruck. Gut möglich, dass es bald Tools gibt, die mit einem Klick hübsche (und korrekte) eBooks fabrizieren. Das ist der große, wirklich große Vorteil von amazon und seinem kindle-System: die Konvertierung macht amazon und man kann sich das Endergebnis in einem virtuellen kindle-reader angucken, also prüfen, ob alles in Ordnung ist. Damit kann man getrost zu Bett gehen, wissend, dass alles in Ordnung ist. Im Gegensatz zu den epub-Büchern, die einem Wirrwarr an verschiedenen eReadern gegenüberstehen und dann gibt es noch diese Schranke iBookstore von Apple, die mit einem Prüftool gleich mal die Spreu vom Weizen trennen. Wer da nicht technisch auf der Höhe ist, scheidet leider aus.

Natürlich kann man für die Erstellung eines eBooks bezahlen (Infrastruktur, you know!), aber dahingehend habe ich noch keine Erfahrung gesammelt und der Preis soll ab 100,- aufwärts sein – je nach dem, wie kompliziert der Text aufbereitet ist bzw. werden soll. Und ob das fertige Produkt dann wirklich alle Prüftools (die da vielleicht noch kommen) übersteht, das sei mal dahingestellt.

Und natürlich wäre es nicht Europa/Deutschland, würde sich nicht das Establishment auch hier noch die eine oder andere Schranke einfallen lassen: ISBN. Yep. Viele virtuelle Verkaufsstellen (die seltsamerweise mit stationären in direkter Verbindung stehen) verlangen nach einer ISBN pro ebook und Format. Im Prinzip ist es keine Hexerei, sich ISBNs zu besorgen, wenn man sich mit dem System ein wenig beschäftigt. Aber wer nur die Ur-Opa-Tagebücher hochladen möchte, der mag sich nicht mit diesem Verlags-Kram herumschlagen. Und dass ISBNs auch kosten, sei mal gleich hinzugefügt. Dass hier die Österreichische Agentur  (HVB) wieder mal den Vogel abschießen, ist klar: für 100 ISBNs berappt man stolze EUR 360,-  während die Deutsche Agentur keine EUR 50,- veranschlagt (okay, da gibt’s ne Einmalgebühr von rund EUR 150,-).Ich schätze, die Freudenhäuser in Kalifornien waren zu Zeiten des Goldrausch auch nicht gerade billig.

Wir sehen: kleine und größere Fallstricke wohin das unbedarfte Auge sieht – gewiss, alles ist machbar, alles ist schaffbar, wie man bei mir sieht *zwinker*.

Bleibt nur noch die Mühen und Leiden zu erwähnen, die Social Media mit sich bringt. Für kleinere und mittlere Verlage, die sich bereits jetzt an ihrer Leistungsgrenze befinden – besser: die Ausbeutung der eigenen Person und der mit Herzblut bei der Sache seienden KollegInnen. Ihnen bürdet man nun auch noch die Interaktion in den sozialen Medien des Webs auf. Keine Frage, wer Zeit und Lust hat, der fühlt sich alsbald wohl, im Pool der Geschwätzigkeit und Selbstdarstellung. Alle reden, kaum einer hört zu. So ist das. Und man wird überschüttet mit Informationen. Keine Frage, viele sind gute, wichtige, richtige Informationen, an die man sonst nicht gekommen wäre. Aber sie rauben einem wieder ein Stück von den 24 Stunden, die jeder Mensch zur Verfügung hat. Mag er noch so wenig schlafen, noch so wenig freie Zeit verbringen, am Ende hat sein Tag nur diese 24 Stunden. Get it? Get it!

Die Arbeit wird mit diesen Instant-Messages ja noch einmal um eine Potenz, vielleicht sogar zwei, stressiger. Während du dir bei einer E-Mail noch Zeit lassen kannst, sie zu beantworten, geht man bei Twitter und facebook davon aus, dass es eine zeitnahe Response gibt. Muss natürlich nicht. Aber dann spielst du auch nicht wirklich mit. Ich, für meinen Teil, sehe hier meine Kapazitätsgrenze zuweilen erreicht. Eine One-Man-Show kann und soll Vieles, aber er darf sich nicht zu sehr ablenken lassen. Vielleicht hänge ich noch einer Generation an, die step-by-step, das eine oder andere erledigen muss, bevor es sich der nächsten Aufgabe widmet. Gewiss, ich arbeite gleichzeitig an mehreren Tasks, aber es ist einer seriellen Monogamie zu vergleichen, im Gegensatz zur gleichzeitigen Vielweiberei, die einem schon Nerven und Kräfte kosten kann. Also immer vorsichtig.

Social Media wird ja von vielen als eine Informationsplattform gesehen. Da knallen Verlage (aber auch andere Unternehmen) ihre nüchternen Informationen raus („Neuerscheinung hier, Lesung da …“), die kaum jemanden interessieren, es sei denn, die Leutchen hängen schon am Angelhaken. Ich denke, die soziale Komponente wird hier gänzlich vernachlässigt. Da steckt kein Leben drin. Und um das geht es ja. Ich will als Mensch wahrgenommen werden, in dieser Bits-und-Bytes-Welt, und wer das nicht tut, dem schenke ich keine Liebe (okay, sagen wir: keine Aufmerksamkeit oder kein Geld oder beides). Aber sozial interagieren, also, huh, das ist die Meisterprüfung schlechthin. Da draußen, im Web, laufen viele Menschen herum, die sich ins Rampenlicht stellen wollen, die einen Knacks haben, die lügen, die lachen, die trinken, die Sex haben wollen (mehr sage ich jetzt mal besser nicht) und mit all diesen Leuten soll man plaudern, kommunizieren? Ach ja, eine Message gilt es ja auch noch rüberzubringen („Hey, ich bin ein Verlag und habe tolle Bücher, die dich sicherlich interessieren!“) – also, nein, das ist nicht easy going. Das ist Schwerstarbeit. Wirklich. Oder sagen wir: es kommt auf den Menschen an. So wie es die einen gibt, die ungezwungen mit Fremden plaudern können, offen und immer freundlich sind, und andere, die eine Anpassungsstörung haben (erst gestern gelernt!).

update: Artikel in meedia.de über die Entwertung der Kommunikation in facebook.

Und wenn wir schon von Goldräuschen sprechen, dann muss man auch gleich dazu sagen, dass das World Wide Web noch immer der Wilde Westen unserer zivilisierten Gesellschaft ist. Auch wenn bereits viele Reglementierungen und Hürden vorhanden sind, es gibt nichts, was es nicht gibt. Irgendwo findet sich eine Webseite, die genau das bietet, was man gestern noch so schmerzlich vermisste. Aber der Nachteil ist natürlich: wer schneller zieht, lebt länger. Okay, das ist jetzt natürlich überzeichnet. Aber es geht um Schnelligkeit. Die Chose dreht sich immer schneller. Es rückt eine Generation nach, die Gadgest, Apps, APIs im Blut und im Kopf hat, sie ist ja damit aufgewachsen. Ich erinnere mich  gut, dass ich in den 80ern meinen Vater belächelte, weil er einen Videorekorder (yep, VHS, you know?) nicht ohne Hilfe programmieren konnte, obwohl es mir so einfach schien. Und heute? Bin ich überfordert bei A. am TV-Schirm den richtigen Sender einzustellen, weil dieser über Tuner, Surround-Anlage, DVD-BlueRay-Abspieler und Festplatten-Rekorder gekoppelt ist. Da liegen gefühlte zehn Fernbedienungen herum und ich habe einfach keinen Tau mehr, welche Tasten ich in welcher Reihenfolge ich drücken soll. Ja, so sieht das aus. Und ich schätze, es wird nicht einfacher. Nicht für mich. Nicht für uns.

Am Ende, seien wir ehrlich, geht es doch nur darum, dass wir mit einem Menschen ins Gespräch kommen, etwas aus diesem Gespräch mitnehmen und uns gut fühlen. Es ist wie diese leidige Sache mit dem Fetisch Auto. So toll es auch sein mag, seine Bestimmung ist, dass es mich von A nach B bringt. Wenn mir das Ziel B nicht behagt, wenn ich dort nicht hin will, nutzt mir auch das beste Auto der Welt nichts. Ich wäre unzufrieden. Und so verhält es sich auch mit Social Media und den eBooks. Sie sind nicht die Lösung. Sie sind ein Mittel, um ein Ziel zu erreichen, das jeder für sich selbst finden muss. Und manchmal kann es Sinn machen, auf das Auto zu verzichten und ein Stück zu Fuß gehen. Wirklich!

 

 

 

 

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8 Kommentare zu „Ebook, Social Media und die Goldräusche der Verlage“

  1. Ich hab in letzter Zeit viel mit Freunden und Bekannten aus der schreibenden Szene gesprochen. Fast alle denken, dass eBooks jetzt die große Chance der „Kleinen“ sei, die Selbstverleger und beim Publikumsverlag Durchgefallenen könnten jetzt ganz ohne die fett und faul gewordenen Verlage und Buchgroßhändler ihren Reibach machen.

    Gerne zitiert wird dann ein Paolo Coelho oder Cory Doctorow, die ihre Bücher elektronscih verschenken und trotzdem – oder gerade deswegen – mehr Papierbücher verkaufen. Und gerne wird dann vergessen, dass das schon etablierte Autoren waren, deren Name schon als Marke funktionierte, lange bevor man ihre Bücher kostenlos downloaden konnte.

    Ich beobachte das ganze schon einige Zeit, und meine Schlußfolgerungen sind da ganz ähnlich zu deinen: Egal in welcher Form du dein Buch verkaufst, als Papier, als Hörbuch oder als Download. Du musst gefunden werden, und der Leser muss mögen, was du machst. Was er dann letztlich kauft (Download oder Papier) ist reine Geschmacksfrage. Und an diesem Spiel hat sich – Digitalisierung hin und her – nichts geändert.

    Klar ist es einfacher über Facebook, Twitter oder andere Netzwerke Leute anzuspechen. Früher wäre man halt von Buchhandlung zu Buchhandlung getingelt, von Lesung zu Lesung usw. Macht man halt alles jetzt vom Schreibtisch aus. Den Aufwand sollte man trotzdem nicht unterschätzen.

    Wenn man es geschafft hatte, bei einem Verlag unterzukommen um ein gedrucktes Buch zu veröffentlichen, hatte man gute 100.000 Konkurrenten auf dem deutschsprachigen Markt. Die Chance, einen Bestseller zu landen, sind zwar besser als Lotto zu spielen, aber sicher nicht groß.

    Jetzt, wo es sozusagen „jeder“ elektronisch kann (und viele es leider auch machen!), und die Großverlage mit Macht in den Markt drängen, gegen wieviel Konkurrenz muss man sich da behaupten? Wer trennt noch die Spreu vom Weizen? Wie soll man als Leser überhaupt noch wahrnehmen, was da so an einem vorbeirauscht?

    Meine Twitter-Timeline hat an einem durchschnittlichen Tag gute 12.000 Tweets. Wenn ich viel Zeit habe, lese ich davon 2-3%, meistens von Leuten, die ich in extra Listen gepackt habe, weil ich gerne auf dem Laufenden bleibe, was die so treiben. Die Chance, dass die Empfehlung eines Buches an mir vorbeirauscht ist also enorm hoch. Leute, die permanent sich selbst empfehlen (Wiederholung der Werbung!) werden ähnlich der Fernsehwerbung entweder geistig schon nicht mehr wahrgenommen oder mittels Filter ausgeblendet.

    Persönlich finde ich es heute viel schwieriger ein Buch zu finden, dass mich interessiert, als noch zu Zeiten, wo ich stundenlang in der Buchhandlung mit schiefem Kopf an den Regalen entlangwanderte. Zugegeben: Seit ich selbst schreibe und verlege, bin ich auch viel kritischer mit dem, was ich lese. 🙂

    Was Segen ist, gleichzeitig auch Fluch: Noch nie war es so einfach soviele Menschen zu erreichen. Aber es war auch noch nie so wahrscheinlich, gar nicht erst wahrgenommen zu werden. Das vergessen die meisten eBook-Bestseller-Autoren in spe, die sich in Goldgräberstimmung ihr Ränzel schnüren und Richtung Amazon und Apple marschieren.

  2. Auch ich kann das in einem Satz zusammenfassen: PR will gelernt sein, egal in welchem Medium.
    Ob sich dann die eierlegende Wollmilchsau, die alles kann und kaum noch zum Schreiben kommt, wirklich lohnt? Ob sich das Beauftragen von Profis in allen Bereichen rechnet, wenn man es doch als Verlagsleistung kostenlos haben könnte?

    Alle Erfolgsbeispiele aus dem deutschsprachigen Raum, die mir zu Ohren kommen, stammen ausschließlich aus den Bereichen IT, Journalismus u.ä. – ohnehin webaffinen Räumen, in denen sich leicht Communities aufbauen lassen. Wie aber „lohnen“ sich z.B. Elfriede Jelineks Verschenkaktionen in Sachen Hochliteratur – hier bürgt doch wirklich ein großer Namen?

    Ich rate jedem Selbermacher in Sachen E-Books, sich genauestens anzuschauen, welche Art von Büchern an welches Zielpublikum gelangen soll. Es gibt immer noch eine Menge Themen, die nur auf Papier laufen und nur im Buchhandel. Erst müssen die Reader billiger werden, erst muss Amazon seinen Kindle mit Shop überhaupt einmal in deutschsprachige Länder bringen…

    Und bis dahin sollten Autoren jede Plattform und jedes Angebot auf Herz und Nieren prüfen. Bei meiner Recherche fand ich nicht nur extrem unterschiedliche Preise, sondern auch unsägliche Knebelverträge, unzumutbare Konditionen (gegenüber dem vom VS empfohlenen Normvertrag), schlecht bis überhaupt nicht zugängliche AGBs für Verlegende, dafür aber jede Menge vollmundiger Versprechungen und Illusionen übers „Entdecktwerden“.

    Auch die Konditionen der seriösen und etablierten Anbieter schwanken untereinander derart, dass man sich den Anbieter genau aussuchen sollte.

    PS: Ich fände bei so langen Artikeln eine Gliederung auch hilfreich!

    1. Yep, Petra. Wir müssen akzeptieren, dass Literatur und Buch genauso dem Markt unterworfen ist wie jedes andere Konsumgut. Da wie dort gibt es Leute, die auf Kosten anderer verdienen wollen. Das kann sich rechnen, muss sich aber nicht.

      Schreibst du noch einen Essay über die ebook-erstellungsservice-odysee online? Ich werde ja hie und da gefragt, was das kostet und bei wem man das machen lassen kann.

      Yep. Gliederung ist natürlich immer hilfreich. Ich werde das beim nächsten Mal im Hinterkopf behalten.

  3. Ich antworte auf diesen Artikel als Fotograf und Autor. Meinen Vorredner haben eigentlich die wichtigsten Dinge angesprochen. Ein Autor sollte heute gleichzeitig Marketingfachmann sein um seine Bücher + Arbeit selbst vermarkten zu können, mit der Nutzung aller dazu zur Verfügung stehenden Mittel.
    Ich möchte mir im Moment nicht vorstellen, wie meine Wildlife Fotos aus meinen Büchern auf einen kleinen E-book Lesegerät aussehen ….

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