richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Wir sind Helden für einen Tag oder Wider der Gier!


Ich weiß, dass ihr wisst,
und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Judith Holofernes
Wir sind Helden

Über die Tageszeitung
BILD
und der Versuch, die Band
in das Werbe-Boot zu locken.
link

Phänomene, wohin man guckt

Aus gegebenem Anlass. Im Web macht die Absage von Judith Holofernes, der Frontfrau der deutschen Band Wir sind Helden, die Runde. Sie schlug das Angebot einer Werbeagentur aus, für die BILD-Zeitung zu werben. Das ist freilich nicht üblich. Ganz und gar nicht. Zum einen, weil niemand gerne ein paar Münzen verliert. Zum anderen, weil man es sich nicht mit der auflagenstärksten Zeitung Deutschlands (oder gar der Welt?) verscherzen möchte. Für mein Dafürhalten ist das Phänomen BILD-Zeitung ein nicht zu unterschätzendes. Wir müssen uns vorstellen, dass sich Deutschland und seine über 80 Millionen Einwohner als aufgeklärtes und intelligentes Volk wahrnimmt. Vermutlich wie jedes Volk. Österreich hat seine KRONEN Zeitung. Wobei, gegenwärtig würde ich sagen, dass die KRONE eine Lichtgestalt des Boulevards war, wenn man sich ansieht, welche Blätter aus ihrem Windschatten marschieren. ÖSTERREICH und ihre Gratiszeitungs-Ableger lassen einem vernünftigen, an die Bildung und Aufklärung glaubenden/hoffenden Menschen verzweifeln.

Gratiszeitung? What the fack!

Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, gratis etwas herzuschenken? Lazarus? Oder gab es da nicht hübsche Geschichten von Hingabe und Aufopferung in diesem dicken Buch, das Gutenberg (das Original) als erstes auf seiner revolutionären Maschine druckte? Geben sei seliger denn nehmen, hieß es da. Und heute? Wenn dir einer etwas umsonst anbietet, kann man sich sicher sein, dass man sich in eine Abhängigkeit begibt oder der andere profitiert auf eine unschöne Art und Weise. Ist es nicht seltsam (es sollte einem auffallen!), dass es keine intellektuelle oder wenigstens kritische Gratis-Zeitung gibt. Boulevard rulez. Natürlich sind hier die Gemeinden nicht unschuldig. Weil sie die Möglichkeit angeboten haben, hässliche Aufsteller zu platzieren, aus denen sich der unbedarfte Bürger seine Gratiszeitung nehmen darf. Aha. Was, wenn hundert andere auf diese Idee kämen? So viele Aufsteller würden in keine U-Bahn-Station passen. Wer hat also hier das Sagen? Wer gab hierzu seinen Segen? Tja. Ich schätze, das bedarf einer genaueren Untersuchung. Frei nach dem Motto: „Wir sind alle nur gekauft.“

Eigentlich will ich jetzt darüber gar nicht schreiben!

Ich wollte wirklich nur den obigen Link posten. Aus. Schluss. Aber dann musste ich doch meiner Unmut Luft machen. Es tut gut, wenn sich Künstler und Kreative getrauen, einen oder zwei Schritte nach vor zu machen. Das ist mutig und gehört belohnt. Und wer weiß, vielleicht bekommt auch noch Deutschland sein Madison, Wisconsin. Und Österreich? Haha. Da wird nicht revoltiert. Ist per Dekret abgeschafft.

P.S.

Das Schreiben richtet Holofernes ja nicht an die BILD-Macher, sondern vielmehr an die Werbeagentur. Diese seien ehemalige intelligente Studienkollegen, die eben wissen, was sie da anstellen, meint Holofernes recht unverblümt. Ja, das ist ja die Krux an der Misere. Es gibt sie, die aufgeklärte Bürgerschicht, die es in der Hand hätte, eine Elite aus Funktionären und Abkassierern und Verdummern und Erz-Corporatisten das Handwerk zu legen. Oder es ihnen wenigstens schwerer machen. Aber sie haben die Aufstiegschance und das Auskommen gewählt. Egal um welchen Preis. Gewiss. Den werden wir zahlen. Alle. Bald. Bestimmt.

P.S.S.:

Und sollte sich herausstellen, dass das Angebot der Werbeagentur nur ein Fake war, sich die Putzfrau, der Putzmann, einen herzlichen Spaß erlaubt haben, dann macht das nichts. Rein gar nichts. Es zählt die Antwort! Nur die Antwort.

P.S.S.S.:

Und sollte sich herausstellen, dass die Sache vom Musiklabel der Band inszeniert wurde, dann, hm, ja, dann muss ich mal in mich gehen und dabei einen Kopfstand machen. Oder zwei. Je nach dem.

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Eine Antwort zu “Wir sind Helden für einen Tag oder Wider der Gier!

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