And the Oscar goes to … the Banksters of Wall Street

Hollywood’s a place, where they shoot too many pictures and not enough actors.
Walter Winchell

 

update: hier die privaten Eindrücke eines österreichischen Besuchers, der heimlich mit seinem iPhone filmte. Da ist man hautnah dabei und sitzt ziemlich gut. Respekt.

And the Oscar goes to … Schnarch 2009: link
And the Oscar goes to … wtf*** 2010: link

Das obige Titellied ist aus dem Film 127 Hours von einem gewissen Danny Boyle (Trainspotting, you know!). Der Song ist sehr stimmig und äußerst anschmiegsam. Einfach wohltuend. Im Gegensatz zum nachfolgenden Promi-Geschwätz am roten Teppich, der den Stars und Starlets ausgerollt wurde. Ach ja, die Stars. Liebend gerne hätte ich hier eines der attraktiven Photos des LIFE Magazines über längst vergangene Oscar-Verleihungen eingestellt. Aber das geht natürlich nicht. Wo kämen wir da hin? Also bitte sehr, hier klicken und die Bilderstrecke angucken. Lohnt sich. Wenn man etwas für die „gute alte Zeit“ übrig hat, wo alles noch glamouröser war: Bilderstrecke

Eines der Fotos möchte ich hier gleich mal herausstreichen: link – es zeigt unter anderem Jack Lemmon, Dean Martin, Yves Montand und Simone Signoret, wie sie sich unterhalten, dabei rauchen und sicherlich ein gut gefülltes Glas trinken. Man hat das Gefühl, da stehen oder sitzen echte Menschen, die miteinander sprechen und aufeinander eingehen. So, als würde unsereins sich in einer netten Runde befinden und Spaß an der Freude haben. Gewiss, warum auch nicht? Aber wenn ich heute diese Sterne und Sternchen sehen, wie sie alle in ihrer kleinen Welt leben und von ihren Managern gesagt bekommen, nur ja nicht anecken, immer brav sein und auf gar keinen Fall mit einem gut gefüllten Glas Alkohol abgelichtet werden – die Flasche darf erst im Hotelzimmer ausgepackt werden.

Wenn ich mir also diese alten Fotos so ansehe, dann glaube ich, dass es hier noch ein gewisses Maß an Verbundheit gab. Eine Form von Familie. Keine Sorge, ich weiß, dass dieses Filmbiz schon immer kein Zuckerschlecken war, dass Neid und Eifersucht und Gier und Geiz immer eine wesentliche Rolle spielten. Damals und noch mehr heute. Freilich. Aber es verhält sich vielleicht analog der Formel I (ja, die gestörten Typen, die sich mit 300 Sachen Rad an Rad Duelle liefern und dabei auch noch Spaß haben – also meistens). In den 60ern und 70ern, als dieser Renn-Zirkus (und das ist er auch, mit Sport hat dieser Zirkus nicht viel am Hut) langsam an Attraktivität gewann, war vielleicht viel Ruhm, viel Ehr zu holen, aber kaum Geld. Die Piloten waren zumeist untereinander befreundet. Man lernte sich gut kennen, verbrachte nach den Rennen seine Zeit miteinander, tauschte schon mal die Freundinnen aus und genoss das Leben, immer im Hinterkopf, dass es bald zu Ende gehen könnte (Jochen Rindt 1970, you know?) In der heutigen Formel I ist alles nur noch Bizness. Man kennt sich. So, wie man gute Kollegen im Job eben kennt. Ja, so ähnlich verhält es sich wohl auch im Filmgeschäft. Sagt einer, der es nicht wissen kann. Der nur vermutet.

Eigentlich hätte man sich ja die heurige Oscar-Verleihung sparen können. Weil die Oscars allesamt an die Wall Street hätten gehen müssen. Selten so eine eklatante schauspielerische Leistung gesehen. Allen voran die Bosse, die beteuern, von der Finanzkrise nichts geahnt zu haben, förmlich überrollt worden zu sein, um sich später, mit Steuergelder, die ihren, pardon, Arsch gerettet haben, dicke Bonifikationen auszahlen zu lassen. Ja, ich weiß. Ist ihr gutes Recht. Schließlich sind es ihre Banken, ihre Konten – und wenn die politische Riege nicht fähig ist, Bedingungen auszuhandeln, tja, dann sollte man eigentlich zuerst die Politiker feuern und dann die Banksters aus dem Land jagen. Ist das jetzt harsch? Hey, das ist Hollywood! Wir spielen ne Komödie. Ist ja alles zum Lachen. Falls Sie weinen müssen, gut, dann ist es eben ne Tragödie. So oder so, dieser Film, der da die letzten Jahre abgeht, ist irre. Wahrlich.

Gut. Wollen wir nicht vom Thema abschweifen. Heute geht es ja um den kleinen goldenen Kerl mit der Glatze. Falls Sie sich jetzt angesprochen fühlen, hm, würde mich das sehr wundern. Aber wer weiß denn schon, wer meine Artikel liest, ha? Okay. Es geht gleich los.

Der #gähn rote Teppich, der einfach nur #peinlich ist. Ich bin aufs Schlimmste gefasst. Zuvor muss ich natürlich einräumen, kaum einen der nominierten Filme gesehen zu haben. Wer hat denn schon die Zeit, sich all diese Filme anzugucken? Und die meisten interessieren mich ehrlich gesagt nicht die Bohne.

Aha. Die letzten Tage hat es also in L.A. geregnet. Apropos. In zwei Jahren ist die Stadt vermutlich bankrott. Hm. Stört niemanden. Jedenfalls nicht am roten Teppich. Aha. Spirit Awards der Indie Filme. Black Swan! Bekam vier Auszeichnungen. Da schau her. Gut. Der Film steht auf meiner Liste. Geb ich zu.

Oha. INCEPTION! Na, das ist mal Kino der Extra-Klasse. Warum? Weil Christopher Nolan (Memento, you know!) eine Vision hat und diese umsetzt, komme was wolle. Genauso wie die Coen Brüder. True Grit! Da fühle ich mich dann wohl. Man kann diese kreativen Genies, die über Leichen gehen, um ihre Vision auf Zelluloid (besser: auf ne digitale Scheibe) bannen zu können, lieben oder hassen. Vielleicht sollte man darauf hinweisen, dass die Filmstudios und ihre Filmbosse (besser: die Manager) immer wieder gegen das kreative Aufbegehren der Filmemacher mit aller juristischer Härte und kaufmännischer Bösartigkeit vorgingen. Darüber könnte man Bücher füllen. Aber nicht jetzt.

1:32 Der rote Teppich! Huh. Ich würde gerne die Gedanken der Interviewten lesen können. Die Fragen, die sie zu hören bekommen, sind unter jeder Sau. Will heißen: so banalst, dass sie sogar der debilste Vollmongo noch verstehen kann. Und darum geht es ja, oder? Debile Vollmongos haben Geld und geben dieses gerne aus. Man darf sie nur nicht überfordern. Die erste Regel der Marketing- und Werbeabteilung. Get it? Get it!

1:43 „Und viele zerbrochene Träume“, hört man. Ach ja. „Vergeudung von Talenten“? Freilich. „Im Leben brauchst immer a bisserl Glück.“ Äh, ja. Stimmt. Dostojeswki, so Robert Dornhelm, meinte, dass Armut und Tragik ein guter Nährboden für Künstler ist und nicht Reichtum und Paläste. Aha. Soll ja ein Klischee sein. Sagen jene, die sich mit kreativer Arbeit Paläste kaufen konnten.

1:53 Huh. Firth und Rush am roten Teppich. Das ist eigentlich Paradox. Wie verträgt sich das? Zeit für Tee und Kuchen.

2:04 Während Timberlake (schreibt man den Kerl so?) verpeinlichisiert wird („Colour Terrorist!“), guck ich mal auf Twitter, was da unter #oscar getwittert wird. Momenterl.

 

libbyajoyce Apparently, red is the color this year…. #redcarpet #oscar

HollisCGuerra Due to house moves- missing all the #Oscar fun. And I prepped so well! Twitter- keep me posted on wins and #fashion

camila_praxedes#oscar Susanne Bier, querida está simples mas está elegante…

maksfan87 is james franco blitzed? #oscar

NYDNgossip RT @nydnfashion: Helena Bonham Carter on her velvet #Oscar gown „I have a complex with my bum, thought I’d make it bigger.“

02:12 Nicole Kidman ist mit einem Kind verheiratet? Meine Güte. Aha. Sie trägt Dior. Gut zu wissen. Ich glaub, ich erschieß mich. Aha. Paltrow trägt Calvin Klein. Aha. Der Moderator stellt eine Frage, die ihn über Twitter erreichte. Ich fass es nicht. Die Moderatoren sind peinlich. Das ist bitteschön untertrieben. Völlig untertrieben. Manchmal glaube ich, um diesen Job zu machen, darf der IQ nicht größer sein als der einer Zitrone.

02:16 Twitter meldet mir rund 3.500 neue Tweets, die sich in den letzten Minuten angesammelt haben. Scheinbar gucken ein paar Leutchen die Oscar-Nacht und twittern es in die weite Welt. Yep.

Ach? James Franco und Ann Hathaway moderieren die Nacht. Hm. Schätze, da wird es keine bösen Überraschungen geben. Nebenbei bemerkt, wird ja seit der „Dankesrede“ von Michael Moore („Shame on you, Mister President“) die Live-Übertragung 5 Sekunden zeitversetzt, so dass die Leute an den Reglern noch eingreifen können. Wir wollen ja nicht, dass die TV-Zuseher Sachen hören, die wahr sein könnten. Nein, nein. Besser, wir lullen sie ein. Warum gibt es eigentlich noch keinen Gratisdrink (besser: Gratisflasche)? Das wäre in Summe billiger und würde auch zu zombifizierten Ja-Sagern führen.

02:25 Oh my god. Steven Spielberg tupft einem seltsamen Typen den Schweiß von der Stirn und reicht ihm eine Flasche Wasser. Okay, alles einstudiert. Gewiss. Aber ist es nicht seltsam, dass einer der erfolgreichsten Menschen, die Hollywood jemals gesehen hat (er und Lucas haben die Filmbranche vor dem Bankrott gerettet und den Blockbuster erfunden), sich zum Affen macht. Hat keiner mehr Stil? Keiner mehr Chuzpe? Natürlich: Alle wollen wir geliebt werden. Vermutlich auch ein Spielberg.

02:33 Okay. Franco und Hathaway spielen in den nominierten Filmen mit. Hm. Subtiler Witz geht natürlich anders. Oha. Baldwin rulez! (dazu muss man natürlich mal die Serie „30 Rock“ gesehen haben, die in der ersten Staffel bitterbösen Zynismus auf das Biz-TV-Establishment abfeuert). Oh! Eine Anspielung auf Back to the Future! Wunderbar.

02:39 Hm. Franco Hathaway oder Ann James, die beiden versuchen tatsächlich witzig zu sein. Ich denke, man sollte es ihnen hoch anrechnen, dass sie sich bemühen. Jetzt wird auch noch Francos Großmutter ins TV-Bild gezerrt. Peinlich. Oh. „Lesbians!“ Damit schockt man scheinbar auch niemanden mehr, in Tinseltwon. Gehört jetzt zum Mainstream.

02:42 Tom Hanks. Richtig. Den gibt’s ja auch noch. Art Direction. And the Oscar goes to Alice in Wonderland. Da schau her. Jetzt frage ich mich gerade, ob ich den Film gesehen habe. Peinlich. Ich glaube ja. Hm. Seltsam. Oder war es doch nur der Trailer?

02:46 Cinematography. Wesentlichst für jeden Kinofilm. And the Oscar goes to Inception. Sehr schön. Da ich den Film noch in recht guter Erinnerung habe, geht die Auszeichnung in Ordnung.

02:49 Aha. Gleich kommt die Rubrik Best Supporting Actress. Übergeben von Kirk Douglas. Oh my god. Da passt es ja hervorragend, dass die US-Regierung generell Pensionen kürzen wollen. Frei nach dem Motto: wenn Kirk Douglas noch mit 95 Jahren (!) auf der Bühne steht und damit Geld verdient, dann sollte ein Klempner mit 80 das auch können. Also arbeiten, nicht auf der Bühne stehen. Alles klar? Gut. Dann können wir ja wieder zum Tagesgeschäft übergehen. And the Oscar goes to … okay, das kann jetzt dauern … Mister Douglas braucht noch ein Weilchen … äh, wie heißt sie? Kann man bitteschön ihren Namen einblenden? Puuh. Melissa Leo in The Figther. Aha. Gut. Haben wir das auch erledigt.

03:01 Da ist er ja, der gute Timberlake. Best Animated Feature and Best Animated Short. Haha. Let’s Pollute klingt witzig. Muss ich mal googeln. And the Oscar goes to … The lost thing. Aha. Okay. Nett. Zurück zu Let’s Pollute [aus IMDB: In the spirit of 50’s & 60’s educational films, ‚Let’s Pollute‘ is a modern satire on how pollution is our heritage and keeps our economy growing strong, while instructing us how to be better polluters for a better blighted tomorrow.] Oha. Jetzt die Langversion der animierten Filme. And the Oscar goes to TOY STORY 3. Stimmt. Habe ich auch noch nicht gesehen. Kommt auch auf die Liste. Na, eigentlich steht der Film ja schon ewig darauf, aber die Lust hielt sich in Grenzen. Kommt vielleicht noch. Andererseits …

Ha! Gibt’s ja nicht. Dafür danke ich die Oscar-Nacht, dass ich diesen animierten Kurzfilm kennen lernen durfte. Sensationell! Really!

03:12 Bardem bringt spanisches Flair auf die Bühne. Es geht jetzt um die Screenwriter und Adapted Screenplay. Ach ja. Es soll ja Filme geben, die auf Bücher basieren. The Social Network. Nett, dass sich der Drehbuchautor auch beim Schriftsteller bedankt. Naja, am Ende gibt’s ja keinen Meter Film ohne Text, der nicht auf einem Blatt Papier oder elektronischem Medium (Laptop, you know) geschrieben wurde. Immer braucht es eine Idee, braucht es Gedanken – der fertige Film ist nur das Endprodukt dieses musischen Prozesses. Dass Kalkül eine Rolle spielt, davon später mehr. Jetzt kommt Original Screenplay. And the Oscar goes to … The King Speech. Huh. Ein seriöser Schreiber, den man sich gut in einer kleinen Stube vorstellen kann, wo er an Dialogen feilt und schwitzt. Shit. Jetzt hab ich den Sickerwitz nicht verstanden. Hübsche Tochter hat er ja, der gute Mann. Da schau her. Der Drehbuchautor hat selber gestottert und er wollte den Film immer schon machen – es dauerte dann 40 Jahre. Ja, so lange kann es gehen. Schreiberlinge brauchen Sitzfleisch. Sagt einer, der gerade um 03:22 auf seinem Hintern sitzt und diese Zeile schreibt.

03:24 Die Hathaway kann singen. Respekt. Auch wenn sie Ulk macht. Schad drum. So. Was kommt jetzt. Ich halt’s nicht aus. Franco macht auf Travestie, macht auf Marylin Monroe. Wir sehen, neben „Lesbians“ ist nun „Travesty“ am Hollywood Hof salonfähig geworden. So. Foreign Language Film. And the Oscar goes to … In a Better World. Dänemark rulez! Scheint ein ambitioniertes sozialkritisches Stück Film zu sein. Gut.

03:29 Best Supporting Actor. Na gut. Ich bin ja ein Fan von Geoffrey Rush. Das ist halt ein begnadeter Schauspieler. Witzig ist er, der gute Mann. Wahrlich. And the Oscar goes to … Christian Bale und The Fighter. Gähn. Ist das nicht wieder einer dieser lähmenden Rocky – wir – können – es – schaffen – wenn – wir – nur – die – Arschbacken – zusammenkneifen – Film? Ja, einer dieser Filme, die einem wieder die Illusion vorgaukeln, dass man es schaffen könnte, wenn man verzichtet, wenn man leidet, wenn man mit dem Kopf durch die Wand galoppiert (während die Banksters mit einem Federstrich jede Fata Morgana wahr werden lassen können und weder verzichten, noch leiden müssen; ich sag das nur, weil es gerne ausgeblendet wird).

03:38 Häh. Was ist denn das jetzt? Ne Promotion-Rede von ABC? Gut. Sind die zwei auch wieder weg. Jetzt Nicole Kidman und Hugh Jackman. Sie präsentieren Best Original Soundtrack. Natürlich muss die Star Wars Fanfare als erstes in dieser Best-of-Soundcollage erklingen. John Williams! Was wäre wohl Hollywood ohne diesen Soundklängen? And the Oscar goes to … Trent Reznor & Ross für  The Social Network. Oh. Jetzt weiß ich endlich, wie David Fincher aussieht. Meine Herren. Der gute Fincher war mal der Shooting Star des jungen Hollywood, der frischen Wind in die Studiohallen bringen sollte. Ich sage nur Alien³, das der gute Fincher mit jungen 30 Jahren in Angriff nehmen durfte – ohne vorher einen abendfüllenden Spielfilm gemacht zu haben. Ja, ja.

03:46 Sound Mixing. And the Oscar goes to INCEPTION. Fein. Und nun Sound Editing. Und wieder INCEPTION. Sieht danach aus, als würde der Film die Anerkennung auf diesem Wege zuteil werden. Die Hauptkategorien sind wohl anderwertig vergeben.

03:53 Was haben wir jetzt? Best Make-Up, präsentiert von Cate Blanchett. Na, das nenn ich ne Ausstrahlung. Fesch, fesch. And the Oscar goes to … The Wolfman. Hm. Schon wieder eines dieser „Hey, heut ist Vollmond, da wachsen mir die Haare“ – Filme. Schnarch. Oh. Wieder die gute Cate. Best Costume Design. The Oscar goes to … Alice in Wonderland. Ja, gegen einen künstlerisch abgedrehten Tim Burton Film kann jeder andere Film nur abstinken. Da explodiert die Kinoleinwand förmlich an Farben und Formen, vermengt mit visionären Ideen. Das kann dann schon auch mal ermüden. Aber, hey, it’s a Tim Burton movie!

04:01 Meine Güte. Da muss sogar Mister President herhalten, um seinen all-time-Favoriten zu benennen (Casablanca). Sollte er sich nicht um andere Sachen kümmern? Vermutlich nicht.

04:11 Erste Ermüdungserscheinungen treten auf. Ist alles so mainstreamig glattgebügelt. Überraschungen? Fehlanzeige. Höchstens, ob ich mit meinem Schädel auf die Tischplatte knalle und in ein Hollywood-Koma. Okay. Documentary Short Subject. And the Oscar goes to … Strangers no more. Da schau her. Der Film beschäftigt sich mit Kindern aus allen Herren Länder, die eines gemeinsam haben dürften: sie sind in die USA gekommen – freiwillig oder nicht. So. Nächste Kategorie. Live Action Short Film. And the Oscar goes to God of Love. Haha. Der Kerl ist ja ne Wucht. Schätze, mit seinem Wuschelkopf würde er gut in die 1970er passen. Okay. Gibt’s doch ne Überraschung. Nice!

04:17 Okay. Franco Hathaway werden immer anstrengender. Das ist ja das Schlimmste überhaupt: mit der Brechstange lustig oder witzig oder funny sein zu wollen. Puuh. Zumeist bekomme ich dann Mitleid. Lustig ist es dann aber noch immer nicht. Jössass. Oprah Winfrey. Auf ihrer Couch wollten sie alle sitzen. Die Grande Dame des TV-Biz hatte sie alle. Ich kann mit ihr nichts anfangen. Period. Interessiert mich nicht die Bohne. Documentary Feature. Huh. Allesamt kritische Filme. Sehr gut. And the Oscar goes to … Inside Job. Huh. Thrilling! Massiv Fraud … HAHAHAHAHA! THAT’s MARVELLOUS! THIS GUY MADE MY DAY! Finanzkrise, massive Betrügereien und keiner ist Schuld (und wird angeklagt), sagt der Dokumentarist Charles Ferguson. Muss ich mir angucken. Unbedingt.

04:28 Billy Crystal plaudert über Bob Hope. Hach. Die waren noch funny. Really. By the way: es gab bis jetzt 283.610 Twitter-Meldungen über #oscar. Da ist er ja, der gute Bob Hope. Jetzt geht es um Best Visual Effects. And the Oscar goes to INCEPTION. Aha. Na, das macht sich jetzt aber schon ganz gut, auf den Plakaten, die da nachgedruckt werden, um den Film noch mal zu berwerben. Frage mich gerade, was sich diese Filmbiz-Bosse denken, die das Script bzw. die Synopsis von Nolan gesehen, durchgeblättert und den Kopf geschüttelt haben („What the heck should that be?“) Oh. Film Editing geht an The Social Network. Nicht, dass ich den Zuckerberg-Film gesehen hätte, aber ist der Filmschnitt wirklich so herausragend? Hm. Okay. Durch die Oscar-Nacht werden wohl die letzten facebook-Verweigerer nachdenklich werden. Hab ich schon meinen Klogang auf die Wall gepostet? Es uriniert sich im Moment ganz gut. Moment. Muss ich gleich machen … also posten, nicht urinieren. Andererseits …

04:41 Best Original Song. Huh. Puh. Oooh. Jetzt wird gerade der Song live gespielt, den ich ganz am Anfang verlinkt habe. Sehr schön. Nanu. Gwyneth Paltrow singt? Wer hätte das gedacht? Sieht irgendwie anders aus. Aber ihr Stimmchen ist okay. Der Song Durchschnitt. So. And the Oscar goes to … Randy Newman … Toy Story 3. Enttäuschend. Weil natürlich immer ein Randy Newman drinnen ist, wo Randy Newman drauf steht. Er ist natürlich ne Legende. No question about that. Na, vermutlich geht es um die Historie.

04:50 Rückblick. Ach. Da spielt Hollywood seine Stärke aus. Wenn mit elegischer, melodramatischer Filmmusik die Bilder der im letzten Jahr verstorbenen Filmleute zu sehen sind. Das geht unter die Haut. Weil man eine Ahnung von der Vergänglichkeit der Zeit und des Lebens bekommt. Heute noch jung und aufstrebend, morgen ein Kirk Douglas, der sich zurücksehnt, in ein Leben, als er Womanizer und Alkoholiker war, und beides niemanden störte. Ja, da kann man schon sentimental werden. Denn für einen kurzen Moment lässt die Illusionsmaschine die Wirklichkeit herein. Tony Curtis! Leslie Nielson! Claude Chabrol! Pete Postlewaithe. George Hickenlooper. Robert Culp! Peter Yates! Anne Francis! Arthur Penn! Susannah York! Jill Clayburgh. Alan Hume. Irvin Kershner. Dennis Hopper. Dino De Laurentiis. Blake Edwards. Kevin McCarthy. Das sind nur jene, die mir auf Anhieb etwas sagen. Tja. So ist das. Gut. Der Begleitsong von Celine Dion, äh, war eher mau. Da gab es schon Besseres. Interessanterweise wurde diesmal nicht geklatscht. Seltsam. Die letzten Jahre wurden die Verblichenen mit Geklatsche geehrt. Hat mir jetzt doch sehr gefehlt. Und wer die Möglichkeit hat, der soll sich die wunderbare Doku über und mit Dennis Hopper angucken … Titel fällt mir jetzt nicht ein.

05:02 Best Director. Huh. Spannend. And the Oscar goes to Tom Hooper for The King’s Speech. Ich sag’s gleich, ich kannte den Kerl noch nicht. Muss man sich jetzt wohl hinter die Binden schreiben. Oder sonst wo hin. Huh. Er sieht so jung aus, man möchte meinen, er dürfte in einer US-Bar noch keinen Alkohol ausgeschenkt bekommen.

05:07 Eli Wallach (wer erinnert sich nicht an die Dollar-Trilogie von Sergio Leone mit Clint Eastwood, ha?), Francis Ford Coppola (muss man über ihn überhaupt noch etwas sagen?), Kevin Brownlow (der Filmklassiker restauriert, höre ich gerade) und Jean-Luc Godard (France, tu sais?) wurden geehrt. Schön.

05:11 Ha! Jeff Bridges! Wer hätte gedacht, dass er noch einmal durchstartet? Eigentlich war er schon so gut wie weg vom Hollywood-Fenster. Aber schön, dass er als Big Lebowski noch mal eine Chance bekam. Der Film ist übrigens von den Coen Brüdern, mit denen er nun True Grit drehte. Na, jetzt geht es um Best Actress. Also. Eins, zwei, drei … kann ja wohl nur die gute Natalie Portman sein. Das einzig, wirklich einzig Gute, was man über die Star Wars Prequels sagen kann. Na, bitte! The Oscar goes to … Natalie Portman in Black Swan. Tränen. Das sieht das Publikum gerne. Sind ja Freudentränen, wenn man so will.

05:19 Sandra Bullock? Ach ja. Stimmt. Sie präsentiert die Kategorie Best Actor. Auch nicht gerade unwichtig. Schätze, wir nähern uns dem Ende. Hell ist es noch nicht. Aber man spürt den Morgen nahen. Langsam kriecht er zwischen die Fensterritzen hindurch (no way, bei Schallschutzfenstern, aber es klingt gut, nicht?). Gut. Jetzt bekommt Colin Firth sein Fett weg, respektive seinen Oscar. Also, wenn Hollywood etwas vom Zuckerberg-Film gelernt hat, dann müsste dieser in der Kategorie bester Film gewinnen. Dann sind morgen die Zeitungen und Magazine und – noch wichtiger – die Social Networks voll von Meldungen und Meinungen. Dann verbindet sich Hollywood mit seinem Gegner (huh, Internet-Piraterie, you know?). Eine Liaison, die so lange aufrecht erhalten bleibt, so lange sie nützt. Wir erinnern uns an MySpace, oder? Sodala. Colin Firth holt sich für The King’s Speech gerade den Oscar ab. Nichts Neues unter der Sonne. Aber wir können davon ausgehen, dass er eine Dankesrede schwingen kann. Sehr sympathisch, der gute Mister Darcy, pardon, Firth.

05:30 So. Die letzte Runde wird eingeläutet. BEST PICTURE. Da sind wir ja mal gespannt. Gähn. Oh. Steven Spielberg darf nun das Kuvert öffnen. Respekt. Was hat der Mann nicht geleistet?! Ich bin mit ihm groß geworden, habe seine Blockbusters allesamt gesehen, angehimmelt und vielleicht sogar vergöttert. Auch wenn man mit dem Erwachsenwerden reifer und nachdenklicher wird, man muss Spielberg und seine kreativen Kumpanen danken, dass sie eine zeitgemäße Antwort fanden, auf die Frage nach dem Wohin. Huh. Wo sind die Baldrian Tropfen? Da schau her. Hollywood besinnt sich der klassischen Werte und gibt The King’s Speech den Vorzug. Ein wenig dämmert mir, dass damit vielleicht auch ein politisches Statement abgegeben wird. Immerhin geht es um Krieg. Immerhin geht es darum, diesen Krieg auszustehen. Und leben wir nicht gerade in einer Zeit der Kriege? War on Drugs! War on Terror! Und wie sie alle heißen. Und alsbald … what the heck? Kinder singen „Somewhere over the rainbow“? Was will man uns damit sagen? Dass man Kinder zwar zur Oscar-Verleihung für drei Minuten auf die Bühne lässt, aber zu Hause vor die Tür setzt, weil deren Eltern die Kreditraten für ihre Häuser und Wohnungen nicht mehr zahlen können.?Ich weiß, das will keiner hören. Ich will es ja auch am liebsten unter den Teppich kehren. Aber wenn uns mal die Decke auf den Kopf fällt, dann möchte ich mir nicht sagen lassen, dass ich geschwiegen habe.

Wo kann ich nun „Inside Job“ sehen? Hmm.

 

5:44 Kopf fällt auf die Tischplatte #koma

 

 

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23 Kommentare zu „And the Oscar goes to … the Banksters of Wall Street“

  1. Aus welchem Sender guckst Du denn die Verleihung? Ich bin hier auf „prosieben“ angewiesen, wo Steven Gätjen gerade mit Sätzen: „… einem Traum in Rot“ seinen Senf zu den Gäste abquatscht. Es ist also noch etwas Zeit, um einen weiteren Liter Eistee kaltzustellen.

      1. Hey super, dann ist Dein Blog ja richtig international heute Nacht. Dann können wir ja die Infos ungehindert hin und her schicken. Hauptsache und hoffentlich bist Du nicht wie ich genötigt, alle 10 Minuten, diese blöde Werbung zusehen. 🙂

        Gerade bei den Oskar-Verleihungen ist mir übrigens schon mehrfach aufgefallen, dass sehr schnell die Grenzen zwischen unseren Ländern fallen können: Wenn ein Österreicher nominiert, wird er sofort von den Moderatoren „eingedeutscht“ und es wird von „uns“ und „wir“ gesprochen. Ich freue mich aber auch, wenn ein Franzose, Italiener oder Iraner einen Preis gewinnt – solange der Film toll ist.

      2. Werbung gibt es zum Glück hier nicht. Noch nicht. Ich denke, dann würde ich mir das Ganze nicht mehr antun. Also, wenn ein Deutscher nominiert wird, dann freuen wir uns natürlich auch als Ösis. Ja, ja.

  2. Was läuft denn jetzt gerade bei Dir? Bei mir mal wieder Werbung. Nach jedem zweiten vergebenen Oscar … Sag jetzt bitte nicht, es gibt ein Rahmenprogramm. Dann bin ich wirklich neidisch!

  3. And eine rund Neid goes to Österreich!
    Wie ich gerade auf Twitter lesen konnte, wollen hier nun alle Chanell boykottieren, für dies penetrante Nerverei! 😦

      1. Ne, ich meine die Werbung. Eigentlich könnten die hier „Dauerwerbesendung“ einblenden. So. Und Mumm mag ich auch nicht mehr trinken!

      1. Traurig ist, dass der Grüffelo keinen Oscar bekommen hat, dafür aber The King’s Speech 4 Oscars (bester Fillm), Inception 4 Oscars und The Social Network 3 Oscars. Ich wünsche Dir nun einen guten Wochenstart, ich gehe jetzt eine Runde schlummern. Gute Nacht. 🙂

  4. guten morgen… 🙂 ! das scheint ja eine spannende nacht gewesen zu sein, war ganz erstaunt, nicht den ersten kommentar abgeben zu können…

    naja, musste auf jeden fall 2x lesen. du findest wallstreet wirklich einen oscar wert??? ich fand den film zum gähnen, völlig unrealistisch (vor allem das gespräch auf der treppe mit tochter bzw tochter-vater-beziehung). ehrlich gesagt, ich habe den film schon wieder vergessen und könnte jetzt gar nicht kontern, was genau unrealisitisch etc war. auf jeden fall kein oscar wert!

    1. Haha, na so hatte ich das nicht gemeint, meine liebe M., vielmehr ging es mir um die realen Wall Street Typen, die groß abkassiert haben. Der Film von Oliver Stone, äh, ja, den hab ich eher so nebenbei mal gesehen. Und ja, der ist vermutlich keinen Oscar wert. Wobei, ich müsste ihn mir mal angucken.

      1. Unbedingt NICHT schauen!!!! 🙂

        Uebrigens, lese u schreibe grad auf iphone, text u darstellung von deinem blog kommt gut rüber…

  5. Danke für die heroische Nachtwache! Es macht tatsächlich mehr Spaß, am Morgen (ausgeschlafen) deinen witzigen Bericht zu lesen, als live dabei zu sein. :-))

  6. Cheerio, die Oscars. Sie mussten schon wieder darauf verzichten, von mir betrachtet zu werden, was ihnen sicherlich enorm weh getan hat. =) Abgesehen davon, dass ich dieses Jahr sage und schreibe EINEN der nominierten Filme gesehen habe (Inception!), und lediglich einen weiteren davon sehen WILL (Black Swan! Black Swan! Black Swan!) – das Hollywoodpathosgetue wird sich mir nie erschließen. Deine Berichterstattung hier fand ich hingegen sehr unterhaltsam! =)

    Liebe Grüße! V.

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