Ist Schwarzi zu Wienerisch?

 

Schwarzkopf Krimicomedy in Wien
Wien, Wien, nur du allein ...

»Du, sag einmal, ist dir der Schwarzi zu Wienerisch?« »Aber geh«, würde jetzt wohl ein Wiener darauf sagen und eine wegwerfende Handbewegung machen. Gut. Nun ist es so, dass sich eine renommierte deutsche Vertriebsgesellschaft  für Schwarzkopf interessiert, aber die Frage stellt, ob das Buch nicht zu wienerisch für Deutschland ist. Hm. Eine gute Frage. Die bisherigen Rückmeldungen deutscher Leser finden gerade den Wien-Bezug und die Sprach gelungen. So nachzulesen in den deutschen Literatur-Portalen leser-welt und tcboyle oder in den drei Kritiken auf amazon.de – und zu guter Letzt hat mir die Literaturkritikerin der Leipziger Volkszeitung geschrieben, dass sie das Buch »hinreißend komisch«fand. Aber das reicht natürlich nicht aus, um eine profunde Einschätzung abzugeben.

Ich werde nun versuchen, den einen oder anderen deutschen Leser zu bitten, einen kurzen oder langen Kommentar an dieser Stelle abzugeben, wie er den Wiener Einschlag im Buch empfunden hat. Zu viel? Oder gerade richtig? Auf gut deutsch: »Hat was net passt?« Mal sehen, welche Antworten mich hierzu erreichen. In der Hoffnung, dass es niemanden blunzn ist, werde ich einstweilen ein Kaffeetscherl trinken.

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Eine Kleinauflage für Erik! Wer will, wer hat noch nicht?

So! Wer also auf der Plattform euryclia seine Vorbestellung abgegeben hat, möge diese nun mir zukommen lassen, zum Beispiel mittels E-Mail an erik[at]1668.cc oder mittels Kommentar auf diesen Artikel oder mittels eines tweets an @dschun oder mittels Posting/Nachricht auf facebook – Informationen, sowie Leseproben zum Buch, wie gehabt, hier: www.erik.1668.cc – Marion Schwehr, die Begründerin der Plattform euryclia, war so freundlich, die VorbestellerInnen über den neuen Sachverhalt zu informieren. Dieses Schreiben will ich an dieser Stelle gerne publizieren. Falls es Fragen hierzu gibt, ich stehe Gewehr bei Fuß. Ja, ja. Beitrag geschrieben im Sektor5 coworking space, beim Jelly Day – übrigens, gerade wurde ich von der wunderbaren Karin Ruthardt (sie ist der Mann fürs Grobe hier) fotografiert – nur für den Fall, dass irgendwann, irgendwo ein Foto von mir auftaucht, wo geschrieben steht: „Schriftsteller bei der Arbeit“ – ja, das hier ist Arbeit. Sieht gar nicht so aus, wie?

Liebe Freunde, Förderer und Fans des Erik van der Rohe,

das Manuskript „Der Fetisch des Erik van der Rohe“ von Richard K. Breuer hat es im letzten halben Jahr auf euryclia auf über 120 Vorbestellungen geschafft. Das ist eine Anzahl, die es Richard ermöglicht, das Buch risikolos selbst herauszubringen. Und genau dies wird er nun tun. In seiner gewohnt professionellen Art wird er den Erik zu einem schönen Paperback machen, mit einem Umfang von ca. 250 Seiten. Damit das klappt, bitte ich Sie Ihre Bestellung des Erik auf euryclia, nochmal direkt bei Richard K. Breuer zu bestätigen. Mit einer kurzen Email an: erik[at]1668.cc bestellen Sie das Buch „Der Fetisch des Erik van der Rohe“ zu einem Preis von 11,90 € plus Versand direkt beim Autor vor. Oder Sie geben mir einfach die Erlaubnis, Ihre Vorbestellung des Erik bei euryclia direkt an Richard weiterzugeben!

Und bitte denken Sie daran: „Der Fetisch des Erik van der Rohe“ kann nur als Buch erscheinen, wenn nahezu alle 120 Vorbestellungen tatsächlich bestätigt werden!

Ich freu mich, wenn Sie für Erik weiterhin dabei sind! Ich bin´s und schicke meine verbindliche Vorbestellung gleich los.

Und wer es noch nicht ist, kann bei der Gelegenheit auch gleich noch Fan von Erik auf Facebook werden: www.facebook.com/erikvanderrohe

Viele Grüße
Marion Schwehr

euryclia GmbH
Ligusterstraße 7
80939 München

mediale Sandkastenspiele und erschreckende Wahrheiten

Seltsam. Wirklich. Durch Zufall bin ich in facebook auf ein Posting gestoßen, das die Transparenz der deutschen Waffenindustrie, in Bezug auf Libyen, mit einem ironischen Unterton hinterfragte. Der Name Konstantin Neven DuMont sagte mir nichts. Ehrlich. Aber seine Postings gefielen mir, soweit ich sie mir durchsehen konnte. Auch der Rest des Profils machte einen ordentlichen Eindruck. Da wollte jemand die Welt zum Besseren verändern. Das sage nicht ich, das stand und steht als Zitat im Profil.

 

eine bloggende Schlammschlacht

Wie dem auch sei, hörte ich später, dass es eine Affäre gegeben haben muss. Eine bloggende und kommentierende Schlammschlacht, zwischen einem Medienjournalisten und dem Sohn eines mächtigen Verlegerpatriarchs aus Köln. Unter dem Titel Ein Sandkasten für Konstantin Neven DuMont kann man nachlesen, was der eine dem anderen vorwirft. Bis dato hält dieser Blog-Eintrag bei stolzen 3.647 Kommentaren. Der Originalbeitrag datiert vom Jänner 2010, ist also schon eine Weile her. Übrigens, mit ein wenig Schadenfreude durfte ich erkennen, dass der Artikel gerade 9 Mal geflattrt wurde. Wenn man sich also diese intensive Kommentarfrequenz vor Augen führt, ist diese Flattr-Ausbeute beschämend gering. [Flattr ist die Möglichkeit, den Blog-Schreiber für einen Artikel oder für seinen Blog mit einer primär sehr kleinen Geldsumme zu fördern – mein Account kann man hier einsehen: link]

 

Querdenker mit Machtanspruch

Was mir auffiel. Bei der Geburtstagsfeier des jungen DuMonts im Jahre 2009, wo hochkarätige Wirtschaftsleute und Politiker anwesend waren, hielt er eine Rede, in der er die Finanz- und Politikerkaste kritisierte. Der Rest, wir können es uns denken, ist ein Beispiel, wie mit Querdenkern, die eine mediale Machtposition inne halten, in den zivilisierten Ländern umgegangen wird. Wenn ich über die korrupten Machenschaften einer Elite schreibe, juckt es niemanden in den Chefetagen. Das ist nun mal so. Aber wenn es um den zukünftigen Verlagschef von Mediengrößen wie der Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung und Hamburger Morgenpost geht, dann sieht die Sache freilich anders aus. Siehe dazu den Artikel in der Die Presse. Dass darin „anonyme Mitarbeiter“ zitiert werden, ist, nun ja, nicht gerade die feine Presse-Klinge und sollte in einem objektiven Bericht nichts zu suchen haben. Es sei denn, die Redaktion hat sich bereits ein Urteil über die (verfahrene) Situation gemacht.

 

Die Wahrheit?

Im Übrigen kann man sich mit dem jungen DuMont in facebook anfreunden. Dann hat man die Möglichkeit, aus erster Hand über die (zurückliegenden) Geschehnisse informiert zu werden. Natürlich ist das nur eine Sichtweise – aber man sollte eines nicht vergessen: Nur weil eine »Wahrheit« in mehreren Zeitungsblättern abgedruckt wird, ist sie noch lange nicht wahr.

 

Terror? Christoph Hörstel spricht Klartext!

Die Medienlandschaft ist, leider, leider, nicht mehr frei und unabhängig. Am besten, man sieht sich dieses Interview mit dem ehemaligen ARD-Korrespondent und Nahost-Experten Christoph Hörstel an. Der Mann weiß, wovon er spricht. Und auch wenn nur die Hälfte wahr ist, ist diese schon erschreckend genug.

Terrormanagement im 21. Jahrhundert – Interview mit Christoph Hörstel

Im Interview geht Hörstel davon aus, dass westliche Geheimdienste in den großen Terroranschlägen der letzten Zeit involviert waren. Sei es 9/11, sei es Madrid, sei es London. Das ist natürlich höchst brisant. Scheint aber die Medienwelt in keiner Weise zu interessieren. Da ist der gute, aber leider tote Knut, der Eisbär, natürlich wichtiger für die Menschheit. Ja, ja.

neobooks goes shopping oder Wie man ebooks verkauft

 

Wissen Sie, Louis, ich habe mein Leben verpfuscht. Im Grunde mag ich nur Menschen, die scheitern. Von dem Tag an, als ich Geschäftsmann wurde, habe ich meine echten Freunde verloren. Wir redeten nicht mehr über die gleichen  Dinge. Ich habe nur Geld. Aber Geld zu haben nützt mir gar nichts.
Louis Guilloux über den Verleger Gaston Gallimard
Aufzeichungen (Carnets)

 

Vor wenigen Tagen erreichte mich die Nachricht von Sarah, dass man nun die Literatur-Autoren-Community neobooks um den ebook-shop erweitert habe. Wunderbar. Das wollte ich mir genauer ansehen.

 

eine Erklärung vorweg

Wer neobooks noch nicht kennt, dem ist der folgende Beitrag ans Herz zu legen, in dem die unterschiedlichen Autoren-Communitys erklärt und gegenüber gestellt werden. Vereinfacht gesagt, ist neobooks eine Plattform, die Autoren und solche, die es noch werden wollen, eine Möglichkeit bietet, ihre Manuskripte zu veröffentlichen und von der Leserschaft bewerten zu lassen. Die Manuskripte mit der besten Bewertung werden nach und nach vom Lektorat des Droemer Knaur Verlags (zu dem neobooks gehört) durchgesehen und für eine offizielle Publikation – sei es ebook, sei es print, in Betracht gezogen. Aber auch, wenn das Manuskript nicht verlegt wird, so erhält man ein gutes oder wenigstens brauchbares Feedback. Jeder, der ein Buch in der Lade liegen hat, weiß, wie schwierig es ist, überhaupt Rückmeldungen zu erhalten. Das ist die große Stärke dieser Literatur-Autoren-Portale.

 

 

Vorteil von neobooks

neobooks hat natürlich den großen Vorteil, sich auf einen renommierten und großen Publikumsverlag stützen zu können, damit ist die wichtige Seriösität gegeben; nebenbei sieht die Plattform einladend und sympathisch aus – und dass die Manuskripte mit livebook im Browser durchgeblättert werden können, ist eine feine Sache und hat den Hintergrund, dass die Software aus dem Hause des Knaur Verlages kommt; ich habe mich mal auf der Frankfurter Buchmesse erkundigt und musste feststellen, dass diese Software, würde ich sie für meine Bücher auf meiner Webseite einsetzen wollen, doch meine Budget erheblich belastete. Alternativ gäbe es da das kostengünstigere book2look oder das überhaupt gratis erhältliche issuu mit allen Vor- und Nachteilen. Notiz am Rande: Möchte man auch am Publikations-Wettbewerb mitmachen, verlangt neobooks noch ein Exposé und Informationen zu Details im Text, sowie die Bekanntgabe der Zielgruppe, um es dem Lektorat bzw. der Marketing-Abteilung leichter zu machen.

Auch nicht unerwähnt bleiben sollte die Tatsache, dass man als Autor sein Buch/Manuskript entweder im PDF Format hochladen oder, ohne technischem Wissen, als Text online erfassen kann.

Dass man Bücher/Texte mit facebook verknüpfen kann – entweder liken oder teilen – ist heutzutage ja für jede Community ein Must und neobooks macht da keine Ausnahme.

 

der ebook shop

Jetzt mal zum wesentlichen Teil, dem neuen ebook-shop. Es ist also nun möglich, die Texte zu verkaufen. Der Preis kann selber festgelegt werden, muss aber als „Endung“ 59 oder 99 aufweisen. Rund 70 % des Erlöses geht an den Autor, der Rest an neobooks. Das ist sicherlich in Ordnung. Ausbezahlt wird, wenn die summierten Erlöse aus den Verkäufen für den Autor € 50,- ausmacht. Wichtig für österreichische oder schweizer Autoren:  im Moment wird nur auf deutsche Konten überwiesen; ausländische sollen aber folgen.

Als Leseprobe wird 40 % des Inhalts freigeschaltet. Eine gute und vor allem notwendige Entscheidung, da niemand vorab den Inhalt einer Prüfung unterzieht. Jeder beliebige Text könnte demnach hochgeladen und verkauft werden. Ob lektoriert oder korrigiert, spielt keine Rolle. Der konservative Buchmensch würde da die Hände vor Entsetzen zusammenschlagen, aber ich bin pragmatisch: Wenn jemand mit orthografischen Unzulänglichkeiten in einem Text kein Problem hat, dann soll und muss es okay sein. Genausowenig, wie die Grammatik-Polizei üble facebook-Postings überführen darf, genausowenig steht es ihr an, die eingestellten Texte (und ihre Autoren) zu prügeln. Prinzipiell steht es jedem frei, einen Text zu lesen bzw. zu kaufen.

Ich, für meinen Teil, habe mal zwei Texte eingestellt, um zu sehen, wie der Shop-Mechanismus funktioniert. Generell ist das Hochladen und Verkaufen bei vielen Shop-Portalen gar nicht so sehr das Problem (natürlich gibt es da große Unterschiede), aber viel wichtiger ist, wie die Bücher/Texte präsentiert und sortiert und wie nach ihnen gesucht werden kann. Ich gehe davon aus, dass die Einstiegsseite eines Portals ähnliche Wirkungen hat wie eine Bestsellerliste oder das sichtbare Ausstellen in der Buchhandlung. Was auf der Einstiegsseite  angepriesen wird, wird auch wahrgenommen. Ein gedrucktes Buch, das in der Buchhandlung in einer oberen Regalhälfte vor sich hinstaubt, wird ja nicht deshalb gekauft, weil sich keiner für den Text interessiert, sondern weil keiner weiß, dass es dieses Buch überhaupt gibt. Und dadurch, dass es so „unerreichbar“ für den Kunden ist, löst es gar nicht erst ein Bedürfnis aus. Es ist wie mit dem stiefmütterlichen Kind. Sozusagen Aschenputtel, nur mit dem Unterschied, dass die Buchbranche keine Märchen kennt.

Und zu guter Letzt, die größte Hürde im Web: das Bezahlen. Nicht jeder hat eine Kreditkarte, nicht jeder will eine Kreditkarte verwenden. neobooks bietet da, neben der obligaten Kreditkarte, Paypal, Sofortüberweisung und Lastschrift an. Soweit so gut.

 

Literaturmarkt im Kleinen

Mich fasziniert ja das neobooks-Projekt ungemein. Weil man hier viele Facetten des Literaturbetriebs im Kleinformat abbildet. Die Community kann demnach durchaus als Literaturmarkt herhalten. Freilich, ich kenne jetzt keine Statistik, wie sich dieser kleine Markt zusammensetzt. Gut möglich, dass es mehr Verkäufer (Autoren) als Käufer gibt. Ich denke ja, dass es vermutlich gar nicht so schwer ist, Autoren zu finden, die bereit sind, ihre Texte gegen Geld und Ansehen hochzuladen. Schwieriger ist es, Leser zu finden, die vorderhand bereit sind, ihre Zeit und ihr Büch-Knowhow unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, um Texte zu lesen und zu bewerten. Gut möglich, dass es einmal üblich sein wird, auch Rezensenten für ihren Aufwand zu entschädigen.

Wenn also neobooks genauso funktioniert, wie der Literaturmarkt, dann sollte es alsbald die Bestseller geben, um die sich alles dreht. Weil die Regel nun einmal ist: Ein Text wird so oft gekauft und besprochen, wie er gekauft und besprochen wird. Eine Spirale, die jedem Verleger Tränen in die Augen treibt. Freudentränen, natürlich. neobooks wird sich also mit der Frage auseinander setzen müssen, wie man Texte der Leserschaft präsentiert. Sollen qualitative oder quantitative Kriterien herangezogen werden? Der Vorteil dieser Portale ist ja, dass sie tatsächlich einen »Qualitätsmaßstab« eingeführt haben, in dem sie die Leserschaft über die eingestellten Texte abstimmen lassen. Dass es hier – genauso wie im Literaturbetrieb – eine spezielle Dynamik gibt, davon kann ausgegangen werden: Jene Texte, die viel Aufmerksamkeit generieren, generieren viel Aufmerksamkeit, während andere still und leise unberührt bleiben. Und ist die Masse überhaupt geeignet, Qualität zu erkennen? Oder läuft sie immer nur einer (vorgegebenen) Mode-Erscheinung nach, die viele anzieht, weil ihr viele nachlaufen, weil sie viele anzieht? Alles klar?

 

ein kluger Verleger ist …

Und wer ein kluger Verleger ist, der würde gleich mal so viele ebooks von sich kaufen, dass sein Buch als Bestseller auf der Eingangsseite des Portals aufscheint. Das ist natürlich nicht gerade fair. Aber hier geht es ja um den Markt, nicht um einen Kindergeburtstag. Demnach wird neobooks (und die anderen Portale) unweigerlich zu einer interessanten Diskussion beitragen, nämlich, warum der eine Text gekauft und der andere nicht gekauft wird, obwohl sie sich qualitativ kaum unterscheiden. Des Weiteren wird man beobachten können, wie die aufstrebenden Autoren in ein nervenaufreibendes Warten und Hoffen und Bangen verfallen. Es geht um ein paar Münzen. Nur um ein paar Münzen. Also um nichts. Also um alles.

Wie freie Marktwirtschaft funktioniert oder Ich will mitspielen

Von allen uns bekannten Mitteln, eine traditionelle Gemeinschaft
zu zerstören, Religion, Gewalt, was auch immer,
das sicherste Mittel ist Geld.

Bernard Lietaer
Professor für internationales Finanzwesen
3sat Doku „Der Schein trügt“

 

Laut der Berliner Zeitung kostet ein Tag in der Strafvollzugsanstalt, vulgo Knast, etwa € 88,70 pro Tag. Für ein Jahr würde sich das dann auf etwa € 32.000,- summieren. Kein schlechtes Sümmchen, nicht? Gehen wir einfach mal davon aus, dass dieser Betrag auch in Österreich gilt. Tja. Ein selbstständiger Schneider, im Vergleich, erhält ein durchschnittliches Bruttogehalt von € 11.600,- und ein Ackerbauer sage und schreibe € 7.590 und ein Bilanzbuchhalter € 56.000,-

Ich habe mich ja oft gefragt, ob es eigentlich nicht günstiger ist, für eine zivilisierte Gesellschaft, die Hälfte der Gefängniskosten an seine Bürger auszuschütten, um sich damit viel Kummer und Leid und Tragödien zu ersparen. Gewiss, manche Verbrechen werden ja aus Leidenschaft oder Gier oder Habsucht oder was auch immer getan, aber nicht, weil man nichts mehr zum Essen oder kein Dach mehr über den Kopf hat. Andererseits, würde es nicht viele Berufstätige (und solche, die es werden wollen) die Angst nehmen, in einer instabilen Wirtschaft zu leben, wo es jeden Tag sein könnte, dass der Betrieb seine Pforten schließt oder man gekündigt wird, weil der Posten, den man bis dato ausgefüllt hat, sich nicht mehr rechnet. Ach ja, die kalkulierte Effizienz!

Die freie Marktwirtschaft, vulgo Kapitalismus oder Neo-Kapitalismus, ist ein System, das funktioniert. So wird es uns gesagt. Immer wieder. Wenn wir uns umsehen, dann kommen wir zum Schluss, dass es wohl so sein muss. Immerhin kann ich für ein paar Münzen meinen Magen füllen, für wenige Scheine ein T-Shirt erstehen und für viele Scheine das neueste Gizmo aus dem Apfelland mein Eigen nennen (kleine Randnotiz: die wahren Kosten bezahle aber nicht ich, sondern die Niedriglohnländer und die zukünftigen Generationen dieser Welt). Es geht uns gut, weil wir uns alles kaufen können, wenn wir wollen und, natürlich, wenn wir das Geld dazu haben. Also, wo ist das Problem, Mann?

 

Ein Blick zurück. BRD und DDR vor 1989.

Versuchen wir uns in die Zeit vor 1989 zurückzuversetzen, als es noch eine BRD und eine DDR gab. Dort die freie Marktwirtschaft mit diesem Überangebot an leuchtenden und blinkenden Waren, da die leeren Regale, die einem anzeigten, dass man sich gedulden müsse. Und für exklusive Güter, die aus dem Westen importiert hätten werden müssen, gab es nur in Ausnahmefällen die Möglichkeit, diese zu beziehen. So weit so klar, nicht? Die westliche Welt musste also nur die Regalreihen der beiden Supermärkte gegenüberstellen, um klar zu machen, welches Wirtschaftssystem das bessere ist.

Der Quell einer zerstörerischen Kraft.

Aber interessanterweise gibt es einen Knackpunkt, der damals wie heute übersehen wird. Nun, die DDR-Bürger waren sauer und unzufrieden, weil sie ausreichend Geld in der Tasche hatten, aber keine Waren, die sie dafür kaufen hätten können. Darin liegt der Quell der zerstörerischen Kraft. Man gibt dir mit dem Geld das Versprechen in die Hand, dass du dir einen Wunsch erfüllen kannst und dann wird das Versprechen nicht eingehalten. Du fühlst dich betrogen. Du siehst über die Mauer und erträumst dir diese freie Marktwirtschaft herbei, mit den vollen Supermarktregalen und siehst es vor dir, den prall gefüllten Einkaufswagen. Herrlich. Schön.

 

Was man uns verschweigt

Was man aber geflissentlich verschweigt, also unter den Teppich kehrt, ist, dass die freie Marktwirtschaft nur für den bestens funktioniert, der im System mitspielt und Regeln nach belieben ändern kann. Ein junger Mann, eine junge Frau aus reichem Hause kann, ab Volljährigkeit, sofort mitspielen, ohne sich große Gedanken machen zu müssen. Sie können kleine Betriebe eröffnen oder Künstler werden, sie können sich im süßen Nichtstun ergehen oder umtriebig Bizness machen. Sie haben die Wahl. Herrlich. Schön.

 

Ich will auch mitspielen!

Dumm, wenn man aber Menschen nicht am System mitspielen lässt oder ihnen anzeigt, dass sie früher oder später nicht mehr mitspielen dürfen. Das ist weder herrlich, noch schön. Die Folgen, die aus diesen Zuständen entstehen kennen wir, oder? Psychische Leiden mit gesundheitlichen Auswirkungen nehmen in einem bedrohlichen Maße zu. Die Unzufriedenheit wächst und wächst. Keiner wundert sich, wenn sich einer das Leben nimmt oder es versucht, weil er den Job verloren hat oder einem Stress ausgesetzt war, den er nicht mehr standgehalten hat. Mit einmal haben prall gefüllte Supermarktregale keine Bedeutung mehr. Mit einmal erkennen wir, worin das bestehende System besteht: aus einer Illusion!

Warum gibt es keine Revolution?

Der DDR-Bürger, mit dem Geld in der Tasche, machte seinen Staat, seine Regierung und ihre Planwirtschaft für seine Misere verantwortlich. Der Bürger der westlichen Welt, ohne Geld in der Tasche, machte und macht sich selbst für seine Misere verantwortlich. Darin liegt die größte Vertuschungsaktion der Menschheitsgeschichte. In dem ein System ihren immanenten Fehler von sich weist und auf jeden Einzelnen zurück projiziert. Deshalb gibt es keine Demonstrationen, keine Revolutionen gegen eine freie Marktwirtschaft, die nur eine kleine Gruppe von Menschen frei macht, die anderen hingegen in Ketten legt. Wirklich.

 

Ein Beispiel. Nur eines.

Ich denke, damit ist alles gesagt. Eines noch. Ein Beispiel, um zu verdeutlichen, welche zerstörerische Kraft diesem einen System verinnerlicht ist. In den USA werden viele Gefängnisse und Strafvollzugsanstalten privatisiert. Die Betreiber sind große Unternehmer die nur ein Ziel haben: Profit. Während also eine humane und zivilisierte Gesellschaft danach trachtet, die Verbrechensrate zu verringern, ist jedes Unternehmen, das von einer steigenden Rate profitiert, gezwungen, alles zu tun, um diese zu befördern. Das mag unmoralisch und unethisch sein, aber nicht ungesetzlich. Lobbyisten könnten also Politiker beeinflussen, strengere, rigorosere Gesetze zu verabschieden. Man könnte die Medien dazu bringen, Druck auf die Exekutive auszuüben, in dem gesagt wird, dass die Bürger ein »härteres Durchgreifen« wünschen. Richter und Staatsanwälte würden dahingehend beeinflusst, dass Delikte öfter zu unbedingten und längeren Gefängnisstrafen führen. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Überlegen wir mal. Nehmen wir an, du wärst der Unternehmer, der gutes Geld (aber auch Achtung, Anerkennung und Lob) erhält. Was würde dir einfallen, um den Profit zu steigern? Dir würde nicht einfallen, im Sinne der Gesellschaft zu agieren. Warum auch? Was du tust ist ja sowieso gut für die Gesellschaft, du sperrst nichtsnutziges Gesindel weg. Auf die Frage, wer eigentlich an den steigenden Verbrechensraten Schuld sei, zuckst du mit der Schulter und sagst: natürlich ist jeder für sich selbst verantwortlich. Und dann, dann erfährst du, dass dein Bonus für dieses Jahr auf deinem Konto eingelangt ist. Und es macht dich Glücklich.