richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Ich mache mir ein ebook und dann gehört mir die ganze Welt!

 

Der Weg zu den Göttern ist von überallher gleich weit.
Utopia
Thomas Morus

 

Hier nun der Versuch einer ersten Antwort auf die Frage: »Was gilt es zu beachten, wenn ich  meinen Text als ebook veröffentlichen möchte?« – Immer mehr Autoren und solche, die es werden wollen, schlagen sich mit dieser Frage herum. Entweder haben die Verlage ihre Texte höflich abgewiesen, oder sie wurden von kleineren und größeren Verlagen aus dem Programm gekickt. Das geht schneller, als man denkt. Im Besonderen, wenn dem Verlag die „Puste ausgeht“, also kaufmännisch sparen bzw. das laufende Geschäft einstellen muss.

Ich gehe also davon aus, dass der Autor die Rechte an seinem Text hat. Zumindest für das Publizieren in elektronischen Medien müssen sie vorliegen. Ansonsten muss man beim Verlag nachfragen und sich die Rechte im Nachhinein zurück holen. Sollte der Verlag sowieso keine Absichten haben, das Programm elektronisch zu veröffentlichen, sollte die Verhandlung nicht all zu schwierig sein. Blöd, wenn der Verlag glaubt, auf einer potenziellen Goldmine zu sitzen und sich weigert diese Rechte dem Autor zurückzugeben. Tja.

Gut. Der Autor hat die Rechte und will endlich losstarten. Schnell ein ebook gemacht und schon klingelt es in der Kassa. Der Ruhm, der einen ereilt, wird schon irgendwie gebändigt werden. Gewiss. In diesem Beitrag werde ich nicht auf das technische Rüstzeug, auf das to do eingehen. Das kommt später. Hier geht es vielmehr darum, aufzuzeigen, dass ein ebook nur eine Tür öffnet, die zuvor verschlossen war. Mehr tut ein ebook nicht. Der Autor wird zum Verleger. Natürlich. Aber in dieser Verwandlung steckt der Keim der Frustration, der Verzweiflung. Man könnte sagen: mit dem ebook treibt man den Teufel mit dem Beelzebub aus.

Der Verleger kennt die Verkaufszahlen (Downloads). Er weiß, wie es um Erfolg und Misserfolg bestellt ist. Das ist eine rein kaufmännische Angelegenheit – aber der Autor in der Brust des Verlegers macht die Sache zu einer emotionalen Hochschaubahn. Natürlich. In einem (literarischen, lyrischen) Text steckt viel Hoffnung und der feste Glaube, etwas Großartiges geschaffen zu haben. Wer möchte gesagt bekommen, dass der Text nichts oder wenig taugt? Eben!

Ich mache es kurz und knapp: ein ebook bietet die (einmalige) Möglichkeit, dein Buch überall und jederzeit anbieten zu können – weltweit, rund um die Uhr, 24/7. Es gibt (noch) niemanden, der einen daran hindern könnte. Du hast einen Text. Gut. Mach diesen heute zum ebook und du kannst es morgen verkaufen. Für bares Geld. Die Rahmenbedingungen sind also besser denn je, will man für sein Buch (zahlungswillige) Leser finden. Aber andere Autoren, andere Verlage sehen es ähnlich und bieten ihre Bücher ebenfalls in elektronischer Form an. Das Ergebnis ist eine Schwemme an ebooks in allen Qualitätsstufen, durch das sich ein neugieriger Leser kämpfen muss. Zumeist bleiben viele beim Althergebrachten, beim Bekannten.

Jeder Autor, der sein Buch veröffentlicht sehen will, soll es tun. Unbedingt. Aber du darfst nicht glauben, dass du wahrgenommen oder dass du Anerkennung finden wirst. Es ist ein stetiges Ringen nach Luft. Wirklich. Und ehe du dich versiehst, wirst du zu einer Spam-Schleuder, weil du der festen Überzeugung bist, die anderen müssten wissen, dass es dein ebook zum Kauf und zum Lesen gibt. Immer öfter verschickst du die News und dann die allerletzten Neuigkeiten, die eigentlich gar keine sind. Immer öfter suchst du das nette Gespräch, ohne es zu wollen. Immer öfter kritzelst du in literarischen Foren an die Wand und teilst der Community mit, dass es dein ebook gibt. Du trittst hunderten von Lese-Gruppen bei und achtest darauf, immer wieder dein ebook ins Gespräch zu bringen. Du veränderst dich. Jeder Kontakt im Web, das wird dir schnell mal klar, ist ein potenzieller Leser, ein möglicher Käufer. Du prüfst. Du sondierst. Du siebst. Und merkst gar nicht mehr, was dieses ebook aus dir gemacht hat: eine seelenlose Verlagsmaschine, die sich einredet, hehre Ziele zu verfolgen. Und so, wie du es tust, so tun es die anderen.

Gut. Das ist natürlich überzeichnet, übertrieben. Aber dieser kleine gedankliche Ausflug soll dazu dienen, dass sich der Autor klar wird, wenn er den Schritt in Richtung ebook macht, dass nichts mehr so ist, wie es zuvor war. Es sei denn, die kaufmännische Seite, die nackten Verkaufszahlen, interessiert ihn nicht die Bohne. Ja, für diese anspruchslosen Seelen ist das ebook eine Offenbarung. Für alle anderen: Vorsicht vor der Verzweiflung, die wie das Damoklesschwert über einen hängt! Huh.

 

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2 Antworten zu “Ich mache mir ein ebook und dann gehört mir die ganze Welt!

  1. Petra K. Gungl Donnerstag, 10 März, 2011 um 9:42

    Aus der Seele gesprochen. So klar, so kalt, die traumfreie Zone. Und notwendig – das kann sich der Unerfahrene nicht vorstellen, wie es ist, dann…Ich ziehe mal wieder den Hut!

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