richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Nägel mit Köpfen: bitte ein ebook


Wir sind nicht imstande 3 Dinge zugleich zu erfassen,
deshalb die Dreigruppenregel.

Jan Tschichold
Typograph
via @atn8

 

Gut. Nun machen wir mal Nägel mit Köpfen. Du hast nen Text in der Lade liegen. Oder ein Buch, das dein Verlag nicht mehr weiter verlegen wollte. Du hast alle Rechte. Schön. Dann fangen wir mal an. By the way: Längere Blogbeiträge mit Readability lesen. Die Augen danken!

 

  1. Was will ich überhaupt?
    Die erste Frage, die du dir stellen musst: wie ernsthaft willst du die Sache betreiben? Möchtest du es nur mal ausprobieren, sozusagen die kleine Zehe ins kalte, dunkle Wasser halten oder kopfüber hinein? Je nach dem sind dann die Zugangsmöglichkeiten andere. Nehmen wir mal an, du willst es nur ausprobieren, willst wissen, wie es sich anfühlt, ohne dabei viel Geld und Nerven zu verbraten. Später kannst du ja immer noch aufs Ganze gehen, nicht wahr?
  2. Ich hab nen Text, aber wie komme ich zu einem ebook?

    [PDF] Bevor ich dich mit Unmengen langweiligen Details förmlich erschlage, gibt es natürlich die einfachste Variante: man nehme das PDF seines Textes und voilà, schon hat man ein ebook. Wer jetzt meint, ein PDF sei kein richtiges ebook, der hat vermutlich recht. Andererseits kann jeder mit einem PC oder Mac oder sonstigem Gerät ein PDF lesen (vorausgesetzt der Adobe Reader ist installiert). Sogar dein Opa. Oder eine Erbtante. Das ist nicht zu verachten. Wirklich nicht. Somit kann niemand aus deinem Bekanntenkreis sagen: „Hey, ich habe keinen eReader!“ 

    [kindle/amazon] Am einfachsten gestaltet es sich wohl bei amazon.com, aus einem Text oder PDF oder HTML ein ebook zu machen. Am besten mit diesem amazon.kindle.tool – oder online.

    [epub] Wenn du technisch nicht sonderlich beschlagen bist, dir schon bei einer Warnmeldung deines Browsers die Nackenhaare zu Berge stehen und dann auch noch schlecht schläfst, dann, tja, dann empfehle ich, deinen Text von einem „Fachmann“ in das Standard-ebook-Format konvertieren zu lassen. Hm. Das Problem bei der Sache ist: jeder kann sich als Fachmann ausgeben und dir das Blaue vom Himmel erzählen. Blöd. Erfahrungen mit externen Profis habe ich bis dato noch keine gemacht. Auch kann ich nicht sagen, wie teuer so eine Erstellung ist. Die gute Petra van Cronenburg, die sich gerade ihrerseits mit dieser Publishing-Malaise auseinandersetzt, hat Preise zwischen € 80,- und € 250,-  recherchiert. Ich bin natürlich immer ein wenig vorsichtig, da manche Profis sehr kreativ sein können, wenn es um zusätzliche Kosten geht. Aber gehen wir davon aus, dass die Leute seriös sind und nur das Beste im Sinn haben. Die mindeste Voraussetzung sollte wohl sein, dass das fertige ebook im epub-Format den epubcheck besteht. Nur wenn diese Hürde genommen ist, darf das ebook im ibookstore von Apple verhökert werden. Theoretisch. Das Gute an der Sache ist, dass man diese Prüfung im Vertrag mit dem Dienstleister aufnehmen bzw., dass man die Prüfung selber durchführen kann. Einfach das ebook-File auf der genannten Seite hochladen und innerhalb von Sekunden weiß man, woran man ist. Meine ersten ebooks haben so viele Fehler- und Warnmeldungen gehabt, dass ich graue Haare bekam und in der Nacht schlecht schlief. Anzumerken ist, dass diese „fehlerhaften“ ebooks trotzdem im Adobe Digital Edition ordentlich angezeigt wurden. Und Adobe gilt dahingehend als erste Referenz (weil es keine anderen gibt – und dann gibt es noch dieses böse Wort DRM). Ja, ja.

    [soziales Netzwerk] Die beste Möglichkeit, um aus seinem Text ein ebook zu machen, ist wohl die, einfach in seinem sozialen Netzwerk (auch Zuckerberg-Universum genannt) herumzufragen. Vielleicht meldet sich ja tatsächlich jemand, der meint, er würde es gerne probieren oder bietet sich an oder macht es zum Freundschaftspreis. Im Moment ist die Social Media Welt (und dazu gehören auch irgendwie die ebooks) der Wilde Westen unserer Generation. Man kann davon ausgehen, dass alsbald ein strengeres Regiment einziehen wird – schließlich wollen sich Politiker nicht auf dem Kopf herumtanzen lassen und Multi-Unternehmen nicht auf Einnahmen verzichten. Outlaws wird es natürlich immer geben. Und Robin Hoods sowieso.

    [was ich bis jetzt weiß] Ich habe mich mal umgehört und dabei wurde mir die ebook-manufaktur als Empfehlung genannt. Das Unternehmen Blackbetty zähle ich auch mal auf – schon deshalb, weil mir der Gründer im Verlegerseminar übern Weg gelaufen ist. Viele Jahre her. Petra van Cronenburg meinte noch, dass viele PoD-Dienstleister (Print-on-Demand) diesen Konvertierungsdienst anbieten. Jener, mit dem sie zusammen arbeiten wird, stellt hier seine Dienstleistungen samt Preise vor: ruckzuckbuch

    Nehmen wir also an, du hast nun dein ebook (in einem späteren Blog-Beitrag werde ich gerne die Entstehungsgeschichte eines ebooks nachzeichnen und erzählen, wie man sich eines selber machen kann). Wie geht es weiter?

  3. Verkaufen! Verschenken! Verteilen! Oder was?

    [verschenken] Jetzt können wir daran gehen, das hübsche ebook im Format PDF oder epub oder mobipocket (andere Formate lassen wir mal außen vor) zu verteilen. Willst du keine Münzen für deinen Text, dann kannst du die Verteilung natürlich im Privaten machen – in dem du jedermann und jederfrau das gewünschte ebook per E-Mail schickst. Oder du stellst es auf deine Webseite zum Download – und bietest es in Foren und Gruppen an. Nicht glauben, dass du deshalb bestürmt wirst, weil du ein ebook verschenkst. Da draußen gibt es viele, die das machen. Wirklich. Du kannst natürlich für dein ebook auch gleich einen eigenen Blog eröffnen. Ist ja auch gratis und kostet nur deine Zeit. Nur so als Tipp.
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    [Literatur-Community] Wer vorerst mal kein Geld sehen will, kann seine Texte in Literatur-Autoren-Ansammlungen einstellen, die die besten Texte als ebook oder sogar als gedrucktes Buch veröffentlichen. Meine (lange und breite) Ausführung gibt es hier nachzulesen. Wer es kürzer haben will, bitte sehr: neobooks, epidu, bookrix, euryclia (yep – bei euryclia bin ich auch mit einem Manuskript/Text dabei) und sicherlich noch mehr.
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    [verkaufen] Willst du Münzen für dein Werk, wird die Sache schon ein wenig aufwändiger. Natürlich kannst du noch immer die ebooks per E-Mail verschicken und der Käufer überweist dir das Geld. Nicht anders, wie bei einem pBook, also einem gedruckten Buch (ja, mit Seiten und Umschlag). Möchtest du aber dein ebook gegen Münzen ordentlich verteilen, dann kommen die virtuellen Distributionskanäle zum Einsatz. Also Portale, Webseiten (vulgo ebook Shops), die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ebooks zu verkaufen. Natürlich wollen sie dafür eine Entschädigung, eine Provision.
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    [Shops] Dahingehend gibt es natürlich schon eine ganze Reihe. Generell können die Preise individuell festgesetzt werden. Die Buchpreisbindung gilt auch für ebooks, wobei man sich natürlich die Frage stellen muss, ob sie auch gilt, wenn das ebook keine ISBN hat. Aber wollen wir mal keine Spielverderber sein und bei jedem Shop die gleichen Verkaufspreise festsetzen. Wer nur einen Shop bedient, kann natürlich über die Zeit mit verschiedenen Preisen operieren. Sogar mal für eine kurze Zeit das ebook gratis anbieten, auch das sollte gehen.
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    [beam] Ich bin seit einem Jahr bei beam und kann es getrost empfehlen. Vor ein paar Tagen habe ich meine (erste) Abrechnung auf das Konto überwiesen bekommen. Und das Handling auf der Webseite ist vorbildlich. Wichtig ist, dass der Shop keine ISBN für das ebook verlangt, denn die haben wir ja nicht (noch sind wir in der „ich steck meine Zehe ins kalte Wasser“-Phase). Ich würde vorschlagen, man versucht es mal mit einem Shop, oder jedenfalls mal mit einer überschaubaren Anzahl, bevor einem das Ganze überfordert. Schließlich ist mit jedem Shop ein Vertrag abzuschließen. Man hat auch gewisse Verpflichtungen zu erfüllen, zum Beispiel, dass das ebook funktioniert.
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    [Apples iBookstore] Haha. Selten so gelacht. Da gibt es noch viele Hürden zu überwinden. Davon später mal mehr. Eventuell könnte man natürlich sein Buch in eine App verzaubern. Aber dahingehend habe ich (noch) keine Erfahrung. Aber reizvoll wäre das natürlich. Ein bisserl interaktives Herumklicken, ein bisserl lesen und voilà, schon hat man einen veritablen Volltreffer gelandet. Eigentor inklusive.
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    [kindle/amazon.com] Die Jungs wissen, wie man’s macht. Völlig unkompliziert klickt man sich durch den Vertrag und akzeptiert ihn, ohne jemals eine Unterschrift geleistet zu haben. Vorbildlich (ob es rechtlich hält, so ein virtueller Vertrag, kann ich freilich nicht sagen). Amazon verlangt keine ISBN, jeder ist also eingeladen, Opas Tagebuch hochzuladen, einen Preis festzusetzen und schon rollt der Rubel. Naja. Der Nachteil ist, dass das Ganze nur für die USA und UK wirklich Sinn macht. Deutschsprachige ebooks sind Mangelware. Wer sich meine angucken möchte, bitte sehr – hier in UK und hier in USA (warum Brouillé in Authors Central unter den Teppich gekehrt wird? Hm. Keine Ahnung. By the way: amazon ist so ziemlich die unübersichtlichst strukturierte Webseite auf diesen Planeten! Period!) Sollte, wie gesagt, amazon.de mit dem Verkauf von ebooks beginnen, könnte die Sache sicherlich interessant werden. Vorausgesetzt, die kindle-Nutzer legen zu. Übrigens: einen US-Wohnsitz braucht man nicht. Einzig, die böse US-Steuerbehörde, die würde gerne bestätigt haben, dass man kein US-Citizen ist. Und ausgezahlt wird erst, wenn man USD 100,- an Royalities, also an Einnahmen erwirtschaftet hat. Bei einem Rabatt von 75 % (für Nicht-US-Verleger), kann man sich vorstellen, wie lange es braucht, bis der Scheck (ist wirklich einer) ins Haus flattert. Bei mir flattert derweil nichts.
  4. Ich gehe jetzt essen! Vom virtuellen Geschreibsel wird man bekanntlich nicht satt. Diese Weisheit sollte man nicht vergessen. Nicht, wenn man über ebooks und texte und blogs und dem web schwadroniert. Habe ich schon erwähnt, dass der Wiener P.E.N. Club insolvent ist?
    ._
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9 Antworten zu “Nägel mit Köpfen: bitte ein ebook

  1. PvC Donnerstag, 10 März, 2011 um 20:55

    Herzlichsten Dank für solche Beiträge, Richard – und dass du das Wissen mit uns teilst. Es ist ja wirklich ein Dschungel, sich durchzufinden und umso wertvoller, sich mit Kollegen auszutauschen.

    Dass E-Books (noch) keine ISBN brauchen, bringt mich auf eine andere Cowboyidee: Dadurch ließen sich leichter zwei Versionen herausbringen (vllt. variiert im Untertitel). Eine Vollversion zu normalem Preis und ein Auszug zum Anfüttern in diesem Amazon 99-Cent-Bereich. Wäre ein hervorragendes Marketinginstrument und man würde das Buch nicht durch massive Verschenkaktionen entwerten (die ja nur bei Promis wirklich laufen).

    In dem Bereich wären Autoren natürlich auch sehr viel flexibler als Verlage. Na, mal abwarten, bis ich mich ernsthaft damit befasse, denn vom Nijinsky soll es eine abgespeckte Version als E-Book geben. Abgespeckt schon deshalb, weil die Fotorechte bei Sachbüchern durch E-Books übel explodieren können. Die Rechteinhaber kalkulieren da bereits den globalen Run mit ein. Soviel zum Thema. „In ein E-Book hat man doch viel schneller und billiger ein Foto geklatscht“.

    PS: Manchmal will wordpress Kommentare unter langen Artikeln einfach nicht schlucken 😦

    • Richard K. Breuer Donnerstag, 10 März, 2011 um 23:10

      ad Verschlucken: Ich glaube, wordpress braucht immer ein Weilchen, bis es diese Wortmengen verarbeiten kann. Ich hoffe, du kopierst dir immer deine Kommentare, bevor du sie postest. Das erspart nochmaliges Schreiben.

      Ja, Foto und ebook ist überhaupt so eine Sache. Das ist ja dann sowieso die Meisterprüfung, wenn es ans Formatieren geht. Und da die gängigsten eReader ja nur mit eInk ausgestattet sind, sehen Fotos ja nicht gerade umwerfend aus. Und Layout gibt’s ja auch keines mehr.

      99-Cent-eBooks ohne ISBN können dann halt nur bei gewissen ebook-shops angeboten werden, die eben keine ISBN voraussetzen. Darüber sollte man nachdenken. Aber ob verschenken oder 99 Cent, am Ende muss man sich trotzdem um Aufmerksamkeit prügeln. Boxhandschuhe kann man zu Hause lassen. Wir brauchen einen Schlagring 😉

      • PvC Freitag, 11 März, 2011 um 11:28

        Aj, Kommando zurück, ich hatte das mit der ISBN falsch verstanden – das gilt ja nur für bestimmte Bücher und Shops, aha! Ist also keinesfalls eine Erleichterung.
        Dann doch lieber „offizielles“ E-Book und lange Leseprobe.

        Was die PR betrifft, glaube ich nicht an Schlagringe, im Gegenteil: zuviel Werberisches vergrault. Ich denke, es wird immer wichtiger, sich als Autor zur Marke aufzubauen – und da unterscheidet sich der Selbermach-Markt dann überhaupt nicht vom herkömmlichen Verlagsgeschehen.

      • Richard K. Breuer Freitag, 11 März, 2011 um 14:18

        Yep. Autor = Marke = Juhu. Aber da muss man viel Zeit und Hirnschmalz investieren. Einfach ist das nicht. Aber vielleicht machbar.

  2. Peter Freitag, 11 März, 2011 um 12:01

    Schöner Artikel, vielen Dank! Ich nutze XinXii zum Verkauf meiner eBooks und bin zufrieden mit den Konditionen (70%) und der Resonanz (ich bewerbe meinen Roman aber auch selber aktiv über Blog, Facebook usw.). Die Plattform ist in Deutschland meiner Meinung nach die erste Anlaufstelle für selbstveröffentlichende Autoren und ergänzt Deine Liste:

    http://www.xinxii.com

  3. Pingback: Ein ebook veröffentlichen oder Anleitung zum Glücklichsein « richard k. breuer

  4. pebowski Montag, 22 Oktober, 2012 um 17:59

    Na, da hat sich bei amazon in der Zwischenzeit auch einiges getan: amazon.de: ja natürlich, Kindle Geräte auch, Leseapps für alle Plattformen, Verleihservice kommt jetzt auch in deutsche Lande und es gibt ein InDesign Plugin – und sogar der Pebo, der immer gesagt hat, es wird noch eine Weile dauern bis sich das hierzulande durchsetzt, hat jetzt einen Kindle, ein eigenes ebook hochgeladen (schließlich braucht man auch praktische Erfahrung), hat seine erste Lesung nur mit diesem Ding absolviert (was gleich die erbaulichsten Diskussionen im Anschluss ergeben hat – momentan ist ein Kindle noch ein ähnlich guter Sozialkontaktmultiplikator wie ein Hund – jeder will ihn anfassen und streicheln) und einen Vortrag bei der GAV über ebooks gehalten und Fragen beantwortet (so leicht wird man zum Experten ;-))
    The times they are achangin‘

    • Richard K. Breuer Dienstag, 23 Oktober, 2012 um 8:27

      Ja, Pebo, Times they are a changin, wie der Zimmermann vor Jahrzehnten bereits gesungen hat. Ich werde mich wohl auch demnächst mal umschauen, jetzt, wo es beleuchtete eReader gibt, gerade am Abend, wenn die Lichtquellen zu hell oder zu dunkel, also einfach unbefriedigend sind, dann ist so ein „strahlender“ eReader natürlich ne feine Sache. Zukunft, wir kommen 🙂

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