richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Das Geheimnis von Fräulein Erfolg oder Was würde Gutenberg sagen?

Ever tried. Ever failed.
No matter. Try again.
Fail again. Fail better.
Samuel Beckett

Erfolg hat, wer Erfolg hat. Hm. Sagen wir es anders: Erfolg hat, wer keinen Misserfolg hat. Hm. Sagen wir es anders: Das Glück ist ein Vogerl. Wirklich.

Patentrezepte gibt es nicht. Hat es noch nie gegeben. Ansonsten würden wir vermutlich eine Lizenzgebühr an ein Multi-Unternehmen zahlen, die das Rezept patentrechtlich weltweit geschützt hätte. Money rulez! Aber das wissen wir. Natürlich wissen wir das.

Wir leben ja in einer äußerst seltsamen Epoche. Jeder Text könnte theoretisch innerhalb von Sekunden an einem beliebigen Ort auf diesem Planeten abgerufen und gelesen und (hopefully) verstanden werden. Ist das nicht wunderbar? Ich meine, träumte die Menschheit nicht davon? Dass Ideen und Gedanken alle Menschen dieser Welt erreichen können. Ohne Mühe. Ohne Kosten. Ohne Einschränkung.

Gutenberg und sein Buchdruck (gewiss, die Chinesen waren da wohl schon früher dran) hat die Welt revolutioniert. So sagt man. Und es mag auch stimmen. Weil Texte nun mit geringerem Aufwand als zuvor (Handschrift!) gedruckt, also kopiert, werden konnten. Ich frage mich, wie hoch die Verunsicherung in den althergebrachten Schreibstuben waren. Zumeist wurde in Klöster geschrieben und kopiert und Bücher verwahrt bzw. weggeschlossen. Ich denke, sie waren nicht sonderlich glücklich. Die Kirche verlor ihren Einfluss auf das Geschriebene. Tja.

Was würde Gutenberg sagen?

Nehmen wir an, jemand würde Gutenberg erzählen, wie es im Jahre 2011 um die Welt der Bücher und Texte bestellt sei. Würde er zufrieden nicken oder entsetzt schweigen? Wenn wir uns im Web bewegen, müssen wir unweigerlich feststellen, dass es eine Masse an Texten, Bildern, Musikstücken und Clips/Videos gibt. Würde sich niemand bereit erklären, diese Daten bereit zu stellen, gäbe es kein Internet. Jedenfalls würde es mit Sicherheit nicht so aussehen, wie es heute aussieht.

Wer hat also dem Web zu diesem unglaublichen Erfolg verholfen? Jeder Einzelne, der Zeit, Energie und Mühe aufgewendet hat, ohne dafür entlohnt worden zu sein. Erst später, als abzusehen war, dass man ohne Web nicht mehr auskommen würde, mussten die Medien, die Unternehmen, auf den Zug aufspringen. Aber ein Geschäftsmodell gab es damals wie heute nicht. Das Web stellt die Geschäftswelt vor einer (fast) unlösbaren Aufgabe. So lange es freien Content gäbe, so lange kann man für den seinen kein Geld verlangen. Gewiss, exklusive Beiträge könnten funktionieren – aber diese Beiträge könnten wiederum innerhalb von Sekunden auf anderen Seiten (illegal) angeboten werden. Dumm.

Profit! Nothing else!

Die Bizness Eliten dürfen wir nicht unterschätzen. Noch immer haben sie Möglichkeiten gefunden, die Allmende, also das Gemeinde-Eigentum, in ihren Besitz zu bekommen, um Profit und Einfluss zu steigern. Natürlich zum Gemeinwohl der Allgemeinheit. Die Botschaft wird von medialen Massenverdummungswaffen verbreitet und von willfährigen Politikern gerne umgesetzt. Machen wir uns nichts vor. In erster Linie geht es einem Unternehmen und ihren Polit-Günstlingen um Profit-Maximierung. Was sich nicht rechnet, interessiert sie nicht. Am eindringlichsten kann man es nun bei der Atomstrom-Debatte verfolgen. Die Atom-Lobbyisten sprechen von Sicherheit (die sie in Wirklichkeit nicht gewährleisten können) und von geringeren Strompreisen (die aber die ernormen finanziellen und gesellschaftlichen Kosten für Endlagerung und Unfälle verschweigen). Um sich einmal ein Bild zu machen, wie so eine Politmarionette agiert(e), der schlage beim österreichischen EU-Abgeordneten Strasser nach, der sich als Lobbyist anpreist und sich doch nur gegen Geld verkaufen möchte: NEWS

Freiwillige vor? Ach, keiner?

Wir haben im Jahre 2011 nun eine interessante Konstellation zu bestaunen: Der mündige Bürger bemerkt, dass ihm auf der Nase herumgetanzt wird, wenn es um das Thema AKW und Atomstromgewinnung geht. Geld regiert, nicht die Politik. Freilich, eine Binsenweisheit, die jeder im Hinterkopf hat. Aber plötzlich wird es einem klar und deutlich vor Augen geführt. In Fukushima glühen Brennstäbe fröhlich vor sich hin, können die Einsatzkräfte nur unter erheblicher Strahlenbelastung die Reaktoren kühlen und so Schlimmeres verhindern. Die Frage ist: Was, wenn sich keiner der Hilfskräfte bereit erklärt, sich dieser Strahlung auszusetzen? Was dann? Können wir jemanden zwingen, in den (langsamen, langwierigen) Tod zu gehen? In der UdSSR mag das noch möglich gewesen sein. Aber in einer Demokratie? Mit anderen Worten: Falls ein Reaktorunfall in Europa passierte, so unwahrscheinlich der auch sein mag (laut Angaben der Atomlobby und ihren gekauften Politmarionetten), wer soll, wer muss vor Ort Hilfe leisten und sich einem extremen Gesundheitsrisiko aussetzen? Also, noch einmal gefragt: Was, wenn sich keiner findet?

Pflichten? Haha!

Gewiss. Es wird immer Menschen geben, die ihr Leben und ihre Gesundheit opfern, um anderen zu helfen. Die Vergangenheit zeigt es. Aber ist das selbstverständlich? Rechnen die Atomlobbyisten also mit Menschen, mit Bürgern, die freiwillig in den Tod gehen? Die Frage sollte man stellen. Unbedingt. Bevor das nächste Unglück anklopft. Vermutlich werden sie antworten, dass es nun mal eine notwendige Pflicht der professionellen Einsatz- und Hilfskräfte gibt. Aha. Die Frage ist, welche Pflichten dann Bizness-Leute, Banksters und Finanzjongleure haben, neben  Profitmaximierung und marktwirtschaftlichen Einflussnahme. Ich meine, welche Pflicht haben (besser: hätten) sie, gegenüber dem Bürger, der Gemeinschaft? Vielleicht sollte man dahingehend einmal reden? Wäre es nicht an der Zeit?

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