richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Mafia? Nein, nein, nur ein paar Konzerne.

The one aim of these financiers is world control
by the creation of inextinguishable debt.
Henry Ford

In Italien wird davon ausgegangen, dass die Mafia und ihre Gefolgsmannen rund 90 Milliarden Euro im Jahr einnehmen. Unversteuert. Natürlich unversteuert. Ihr Betätigungsfeld reicht von Drogenhandel und Korruption bis hin zur sehr einträglichen Schutzgelderpressung (»Wenn du nicht zahlst, fackeln wir dein Ladenlokal ab, kapiert?!«). Man kann sagen, dass die Mafia ein profitables Unternehmen ist. Moralisch zweifelhaft. Aber hey, wenn du als Mitarbeiter des ehrenwerten Vereins gut verdienst, wenn du geachtet bist, in deinem persönlichen Umfeld, warum solltest du deinen Job hinterfragen? Macht ja keinen Sinn. Nicht für dich. Du musst ja von etwas leben. Du hast eine junge Frau, die will bei Laune gehalten werden. Vielleicht ist es auch deine Mama, die eine ärztliche Rundum-Versorgung benötigt. Wer soll das zahlen, wenn du es nicht tust? Der Staat? Haha. Der ist ja so gut wie bankrott. Warum? Zu viele Ausgaben. Und, ja, zu wenige Steuereinnahmen.

 

die Medicis schon wieder

Die politischen Aufdeckungen von kleinen Dokumentar-Filmemachern häufen sich. Vielleicht gab es kritische Stimmen und Bücher schon immer. Aber gerade der Dokumentarfilm hat die Möglichkeit, mit Untertitel, global verbreitet zu werden. Youtube, you know? Innerhalb von 50 oder 90 Minuten kann die Botschaft auf den Punkt gebracht werden. Man muss sich nicht durch Sachbücher quälen, so es sie überhaupt in deiner Muttersprache gibt. Jedenfalls, ohne Web würde man gar nicht wissen, was da so vor sich geht, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Kirche oder im Militär. Vermutlich, nein, ganz sicherlich, gab es auch schon früher, in der »guten alten Zeit«, Korruption und moralische Verwerflichkeiten. Machiavelli führte bereits in der Renaissance aus, was es heißt, ein erfolgreicher Fürst zu sein. Schwäche oder Mitgefühl zu zeigen, empfahl er dabei nicht. Und dass ein ausgeklügeltes Kreditwesen in dieser Zeit von den Medicis entwickelt wurde, kommt nicht von ungefähr. Mit einmal war es für die Fürsten möglich, Söldnerheere gegen geliehenes Geld anzuwerben. Demnach hatten die Fürsten noch mehr Druck, eine kriegerische Unternehmung zum Erfolg zu führen. Ja, Schulden sind ein guter Motivator, um einem anderen eine auf den Schädel zu geben und zu nehmen, was gut und teuer ist.

 

Bitte kurz Anhalten!

Wir müssen endlich einmal kurz in uns gehen. Anhalten. Tief ein-, tief ausatmen. Am besten, wir suchen einen Ort auf, der nicht von Autos frequentiert wird, wo man keine Autos hört. Solche Plätze sind gar nicht leicht zu finden. Jedenfalls, wenn man weit weg ist, vom Trubel, der Hektik und den neuesten Gizmos, dann sollte man sich fragen, um was es eigentlich geht. Ja, fragen wir uns das. Worum geht es? Und? Antwort gefunden? Natürlich.

Bitte wählen Sie!

Wir haben ein System erschaffen (vom Himmel ist es jedenfalls nicht gefallen), das uns keine Wahl lässt. Seltsam, nicht? Kein Mensch, der bei Verstand ist, würde einem System zustimmen, das ihn Dinge tun lässt, die er eigentlich nicht will. Das wäre demnach eine Unfreiheit. Aber der Mensch strebt nach Freiheit. Im Tun. Im Sein. Warum sonst gibt es Aufstände, Umstürze, Revolutionen? Weil eine unterdrückte Masse nach Befreiung giert. Aber – seltsam – diese aufgebrachte Masse, die einen Despoten aus dem Palast kicken würde, ist apathisch und hilflos, wenn es um ein System geht. Ja, das ist die Krux. Das ist die Tragödie, an dem der Mensch scheitern wird. Ich bin kein Hellseher, natürlich nicht, aber die letzten Jahre und Monate und Wochen zeigen, wie unmöglich es scheint, dem System entgegen zu treten.

 

eine Parteispende, die die Welt in Schutt und Asche legte

Vielleicht braucht es auch einen hässlichen Spiegel, den wir uns vors Gesicht halten müssen, um zu verstehen, welchen Pakt Unternehmer eingehen, um das System am Laufen zu halten. Als in den 1920ern ein kleiner Mann mit Bärtchen lautstarke Reden schwang, juckte das keinen. Erst als er mit viel Geld bedacht wurde, er seine Mannen in martialische Uniformen kleiden und sie mit nagelneuen LKWs zu bolschewistischen Kundgebungen fahren ließ, wo sie mit ihren Schlagstöcken und einer gehörigen Brutalität für Angst und Schrecken sorgten, da wurde der Mann auf der Straße hellhörig. Eine Partei, die sich das alles leisten kann, ist vielleicht genau richtig, um die Wirtschaftskrise zu bekämpfen. Jetzt dürfen wir uns freilich kurz fragen, woher dieses viele Geld kam, das man natürlich als demokratisch legitimierte Parteispende ansehen muss? Tja. Es waren in- und ausländische Großunternehmer, die befürchten mussten, dass eine kommunistische Regierung in Germanien an die Macht kommen könnte. Und was hätte so eine Regierung gemacht? Richtig. Sie hätte den Unternehmern ihre profitablen Unternehmen einfach weggenommen. Verstaatlichen, nennt sich das – und das ist natürlich ein böses Wort. Pfui. Weil es ein System auf den Kopf stellen würde. Da investiert man besser in Schlagstöcke.

 

Du Doomster, du!

Es gibt sie. Jene Menschen, die all jene verteufeln, die dunkle Wolken an die Wand malen und dabei leise murmeln, dass man nichts mehr ändern wird können. Tatkräftigen, die sich nicht klein kriegen lassen wollen, versuchen die Masse aufzupeitschen, ihnen zu sagen, dass man gemeinsam viel verändern kann. Und dann gibt es auch noch das Schlagwort: Abgestimmt wird mit dem Konsum. Kaufe das gesündere Produkt A und schon müssen die anderen nachziehen. Tja. Das ist gut gemeint, ändert aber am bestehenden System nichts. Ja, stellt es ja nicht einmal in Frage. Noch mehr wird diese »der Kunde hat mit seiner Geldbörse abgestimmt«-Phrase sogar dazu benutzt, um das System als funktionierend hinzustellen. Aha.

 

Torwächter bitte vortreten!

Machen wir uns nichts vor. Das System hat seine Torwächter installiert. Analog der Türwächterparabel in Franz Kafkas »Der Prozess«. Da stehen sie, diese mächtigen Wächter und drohen und belächeln all jene, die um Einlass bitten. Natürlich sind die Wächter nur so stark und wirkmächtig, wie wir, die wir davor stehen, wie wir sie machen. Aber die Illusion, sie wirkt so verheerend auf uns, dass wir uns klein und schmächtig fühlen. Verdammte Illusion, möchte man sagen. Aber woher kommt sie? Sie kommt von einem Apperatus, der uns tagtäglich vor Augen führt, was es heißt, brav und angepasst zu sein.

 

Bist du nicht für mich …

Das globale Unternehmertum und ihre Offiziere, wollen wir die elitären Führerpersönlichkeiten so benennen, haben viel Geld zur Verfügung, um die Welt nach ihren Gutdünken zu beeinflussen. Das kann ein gewöhnliches Flugblatt sein. Das kann eine langweilige PR-Meldung sein. Oder eine TV-Werbung. Oder das Interview mit einem bekannten Werbeträger. Stellen wir uns vor, wir hätten Millionen, nein, Milliarden Euros oder Dollars zur Verfügung. Was würde uns da einfallen? Das System kennt nur ein Ziel: das System muss erhalten bleiben, um jeden Preis. Denn du profitierst davon. Würde das System auf den Kopf gestellt werden, würdest du demnach ein Nichts, ein Niemand sein. Das darf nicht geschehen. Und wenn es da einen Politiker gibt, der Anstalten macht, dir und dem System gefährlich zu werden, also, so ein kleiner Unfall ist mal schnell inszeniert. Gewiss, vorher wirst du versuchen, ihn zu bestechen.

 

Bitte klatschen. Danke.

Das klingt nach Ian Fleming. Oder nach einem obskuren Polit-Thriller. Ich weiß. Aber die Spielregeln habe nicht ich gemacht. Sie funktionieren nun mal auf diese Weise. Auch wenn ich nicht weiß, was hinter verschlossenen Türen ausgeheckt wird, so reicht, die wenigen, aber aussagekräftigen Puzzleteile zusammenzufügen. Warum, nur diese eine Frage sei erlaubt, wurde nach Tschernobyl nicht ein sofortiger Ausstieg aus dem Atomprogramm proklamiert? Da wurde auf Zeit gespielt oder die Sache alsbald unter den Teppich gekehrt. Seltsam, nicht? Und jetzt? Fukushima glüht fröhlich vor sich hin, aber die Politiker zucken mit der Schulter, spielen wieder auf Zeit. Und die Atomlobby? Ach so ja, die halten sich dezent zurück – und lassen Claqeure klatschen und Souffleure besänftigende Lieder flüstern. Immer und überall wird es sie geben, diese Leute, die sich bezahlen lassen und darin nichts Unmoralisches sehen. Ein Job. Nur ein Job. Gut bezahlt. Das verschafft Ansehen. Natürlich.

 

Nennen wir es Spirale des Profits

Ich frage mich, ja, das muss ich, ob dieses aus den moralischen Fugen geratene System, uns nicht langsam, aber sicher auffrisst. So, wie die Fürsten Machiavellis am Ende Gefangene ihrer einmal in Gang gesetzten Gefräßigkeit wurden: Schulden machen, Krieg führen, noch mehr Schulden machen, noch mehr Krieg führen usw. – Bezahlen mussten schlussendlich die Bürger und Bauern der Fürstentümer, während die Medicis und all die anderen Unternehmer, die den Krieg finanzierten bzw. von diesem profitierten, enormen Reichtum anhäuften. Das war damals so. Das ist heute nicht anders. Trotz Aufklärung. Trotz Bildung. Trotz Demokratie. Die PR Leute der Medicis würden vermutlich sagen: »Krieg ist der neue Frieden«. Und ich denke, mit ein paar hundert Millionen Euro lässt sich das ziemlich gut in den Köpfen der Bürger verankern.

 

Im Klartext: Wir, die aufgeklärten Bürger, die (noch) nicht korrumpiert sind, müssten all diese Türwächter mit einem nassen Fetzen verjagen. Dummerweise können diese Leutchen aber ziemlich unangenehm werden. Das ist leider keine Illusion. Das ist die Realität. Verdammte Realität. Also gut, dann würde ich vorschlagen, wir greifen auf Plan B zurück. Der hat noch immer funktioniert. Wirklich.

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