richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

neobooks goes shopping oder Wie man ebooks verkauft

 

Wissen Sie, Louis, ich habe mein Leben verpfuscht. Im Grunde mag ich nur Menschen, die scheitern. Von dem Tag an, als ich Geschäftsmann wurde, habe ich meine echten Freunde verloren. Wir redeten nicht mehr über die gleichen  Dinge. Ich habe nur Geld. Aber Geld zu haben nützt mir gar nichts.
Louis Guilloux über den Verleger Gaston Gallimard
Aufzeichungen (Carnets)

 

Vor wenigen Tagen erreichte mich die Nachricht von Sarah, dass man nun die Literatur-Autoren-Community neobooks um den ebook-shop erweitert habe. Wunderbar. Das wollte ich mir genauer ansehen.

 

eine Erklärung vorweg

Wer neobooks noch nicht kennt, dem ist der folgende Beitrag ans Herz zu legen, in dem die unterschiedlichen Autoren-Communitys erklärt und gegenüber gestellt werden. Vereinfacht gesagt, ist neobooks eine Plattform, die Autoren und solche, die es noch werden wollen, eine Möglichkeit bietet, ihre Manuskripte zu veröffentlichen und von der Leserschaft bewerten zu lassen. Die Manuskripte mit der besten Bewertung werden nach und nach vom Lektorat des Droemer Knaur Verlags (zu dem neobooks gehört) durchgesehen und für eine offizielle Publikation – sei es ebook, sei es print, in Betracht gezogen. Aber auch, wenn das Manuskript nicht verlegt wird, so erhält man ein gutes oder wenigstens brauchbares Feedback. Jeder, der ein Buch in der Lade liegen hat, weiß, wie schwierig es ist, überhaupt Rückmeldungen zu erhalten. Das ist die große Stärke dieser Literatur-Autoren-Portale.

 

 

Vorteil von neobooks

neobooks hat natürlich den großen Vorteil, sich auf einen renommierten und großen Publikumsverlag stützen zu können, damit ist die wichtige Seriösität gegeben; nebenbei sieht die Plattform einladend und sympathisch aus – und dass die Manuskripte mit livebook im Browser durchgeblättert werden können, ist eine feine Sache und hat den Hintergrund, dass die Software aus dem Hause des Knaur Verlages kommt; ich habe mich mal auf der Frankfurter Buchmesse erkundigt und musste feststellen, dass diese Software, würde ich sie für meine Bücher auf meiner Webseite einsetzen wollen, doch meine Budget erheblich belastete. Alternativ gäbe es da das kostengünstigere book2look oder das überhaupt gratis erhältliche issuu mit allen Vor- und Nachteilen. Notiz am Rande: Möchte man auch am Publikations-Wettbewerb mitmachen, verlangt neobooks noch ein Exposé und Informationen zu Details im Text, sowie die Bekanntgabe der Zielgruppe, um es dem Lektorat bzw. der Marketing-Abteilung leichter zu machen.

Auch nicht unerwähnt bleiben sollte die Tatsache, dass man als Autor sein Buch/Manuskript entweder im PDF Format hochladen oder, ohne technischem Wissen, als Text online erfassen kann.

Dass man Bücher/Texte mit facebook verknüpfen kann – entweder liken oder teilen – ist heutzutage ja für jede Community ein Must und neobooks macht da keine Ausnahme.

 

der ebook shop

Jetzt mal zum wesentlichen Teil, dem neuen ebook-shop. Es ist also nun möglich, die Texte zu verkaufen. Der Preis kann selber festgelegt werden, muss aber als „Endung“ 59 oder 99 aufweisen. Rund 70 % des Erlöses geht an den Autor, der Rest an neobooks. Das ist sicherlich in Ordnung. Ausbezahlt wird, wenn die summierten Erlöse aus den Verkäufen für den Autor € 50,- ausmacht. Wichtig für österreichische oder schweizer Autoren:  im Moment wird nur auf deutsche Konten überwiesen; ausländische sollen aber folgen.

Als Leseprobe wird 40 % des Inhalts freigeschaltet. Eine gute und vor allem notwendige Entscheidung, da niemand vorab den Inhalt einer Prüfung unterzieht. Jeder beliebige Text könnte demnach hochgeladen und verkauft werden. Ob lektoriert oder korrigiert, spielt keine Rolle. Der konservative Buchmensch würde da die Hände vor Entsetzen zusammenschlagen, aber ich bin pragmatisch: Wenn jemand mit orthografischen Unzulänglichkeiten in einem Text kein Problem hat, dann soll und muss es okay sein. Genausowenig, wie die Grammatik-Polizei üble facebook-Postings überführen darf, genausowenig steht es ihr an, die eingestellten Texte (und ihre Autoren) zu prügeln. Prinzipiell steht es jedem frei, einen Text zu lesen bzw. zu kaufen.

Ich, für meinen Teil, habe mal zwei Texte eingestellt, um zu sehen, wie der Shop-Mechanismus funktioniert. Generell ist das Hochladen und Verkaufen bei vielen Shop-Portalen gar nicht so sehr das Problem (natürlich gibt es da große Unterschiede), aber viel wichtiger ist, wie die Bücher/Texte präsentiert und sortiert und wie nach ihnen gesucht werden kann. Ich gehe davon aus, dass die Einstiegsseite eines Portals ähnliche Wirkungen hat wie eine Bestsellerliste oder das sichtbare Ausstellen in der Buchhandlung. Was auf der Einstiegsseite  angepriesen wird, wird auch wahrgenommen. Ein gedrucktes Buch, das in der Buchhandlung in einer oberen Regalhälfte vor sich hinstaubt, wird ja nicht deshalb gekauft, weil sich keiner für den Text interessiert, sondern weil keiner weiß, dass es dieses Buch überhaupt gibt. Und dadurch, dass es so „unerreichbar“ für den Kunden ist, löst es gar nicht erst ein Bedürfnis aus. Es ist wie mit dem stiefmütterlichen Kind. Sozusagen Aschenputtel, nur mit dem Unterschied, dass die Buchbranche keine Märchen kennt.

Und zu guter Letzt, die größte Hürde im Web: das Bezahlen. Nicht jeder hat eine Kreditkarte, nicht jeder will eine Kreditkarte verwenden. neobooks bietet da, neben der obligaten Kreditkarte, Paypal, Sofortüberweisung und Lastschrift an. Soweit so gut.

 

Literaturmarkt im Kleinen

Mich fasziniert ja das neobooks-Projekt ungemein. Weil man hier viele Facetten des Literaturbetriebs im Kleinformat abbildet. Die Community kann demnach durchaus als Literaturmarkt herhalten. Freilich, ich kenne jetzt keine Statistik, wie sich dieser kleine Markt zusammensetzt. Gut möglich, dass es mehr Verkäufer (Autoren) als Käufer gibt. Ich denke ja, dass es vermutlich gar nicht so schwer ist, Autoren zu finden, die bereit sind, ihre Texte gegen Geld und Ansehen hochzuladen. Schwieriger ist es, Leser zu finden, die vorderhand bereit sind, ihre Zeit und ihr Büch-Knowhow unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, um Texte zu lesen und zu bewerten. Gut möglich, dass es einmal üblich sein wird, auch Rezensenten für ihren Aufwand zu entschädigen.

Wenn also neobooks genauso funktioniert, wie der Literaturmarkt, dann sollte es alsbald die Bestseller geben, um die sich alles dreht. Weil die Regel nun einmal ist: Ein Text wird so oft gekauft und besprochen, wie er gekauft und besprochen wird. Eine Spirale, die jedem Verleger Tränen in die Augen treibt. Freudentränen, natürlich. neobooks wird sich also mit der Frage auseinander setzen müssen, wie man Texte der Leserschaft präsentiert. Sollen qualitative oder quantitative Kriterien herangezogen werden? Der Vorteil dieser Portale ist ja, dass sie tatsächlich einen »Qualitätsmaßstab« eingeführt haben, in dem sie die Leserschaft über die eingestellten Texte abstimmen lassen. Dass es hier – genauso wie im Literaturbetrieb – eine spezielle Dynamik gibt, davon kann ausgegangen werden: Jene Texte, die viel Aufmerksamkeit generieren, generieren viel Aufmerksamkeit, während andere still und leise unberührt bleiben. Und ist die Masse überhaupt geeignet, Qualität zu erkennen? Oder läuft sie immer nur einer (vorgegebenen) Mode-Erscheinung nach, die viele anzieht, weil ihr viele nachlaufen, weil sie viele anzieht? Alles klar?

 

ein kluger Verleger ist …

Und wer ein kluger Verleger ist, der würde gleich mal so viele ebooks von sich kaufen, dass sein Buch als Bestseller auf der Eingangsseite des Portals aufscheint. Das ist natürlich nicht gerade fair. Aber hier geht es ja um den Markt, nicht um einen Kindergeburtstag. Demnach wird neobooks (und die anderen Portale) unweigerlich zu einer interessanten Diskussion beitragen, nämlich, warum der eine Text gekauft und der andere nicht gekauft wird, obwohl sie sich qualitativ kaum unterscheiden. Des Weiteren wird man beobachten können, wie die aufstrebenden Autoren in ein nervenaufreibendes Warten und Hoffen und Bangen verfallen. Es geht um ein paar Münzen. Nur um ein paar Münzen. Also um nichts. Also um alles.

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6 Antworten zu “neobooks goes shopping oder Wie man ebooks verkauft

  1. Ina Fuchshuber Dienstag, 29 März, 2011 um 15:15

    Danke für den schönen Artikel! Die Livebook Software stammt allerdings nicht von uns, sondern von ID.on. 🙂

  2. Andreas J. Kampe Sonntag, 11 November, 2012 um 15:37

    Salut, Herr Breuer,
    mit neobooks ist es nicht so einfach, Rückmeldungen gibt es bei vielen Skripten gar nicht. Viele AutorInnen denken, Leute hätten am Tag oder in der Woche 2, 3, 5 Stunden Zeit, für ihre Geschichten, und würden sich dann königlich amüsieren wollen, über eine Fantasiegeschichte. Das Normalbürger soviel Zeit zur Verfügung hätten, das ist ja ein Trugschluss.
    Alle Schreibenden konkurrieren um eine freie Zeit am Tag, in der Woche, im Monat, die bei den meisten überhaupt nicht da ist.

    Fotos und Bilder lassen sich bisher noch nicht einbringen, und das Leseformat bei den Readern und Kindles ist grad mal etwas größer als eine angewachsene Postkarte.
    In meinem Umfeld ist eine Gotteserscheinung, -Durchscheinung, die auch auf Fotos und Abfotografierungen zu sehen ist: Nur ein schweigendes Antlitz einer „Gnadenerscheinung“ ist zu erkennen und zu sehen, es ist beständig und für viele Leute sichtbar sichtbar, nonstop seit 1976.
    Doch wie gesagt, kann ich nur einen langweilig wirkenden Textfluss auf neobooks abgeben, diese Fotos nicht. Und Reaktionen? Nach dem Beispiel anderer wohl ganz guter Sachen, wird es leider wohl wenig Aufhebens geben –

    Bei neobooks habe ich mal eine Aspekt-Sammlung, eine Test-Ausgabe eingestellt, unter meinem Namen Kampe:
    https://1668cc.wordpress.com/2011/03/26/neobooks-goes-shopping-oder-wie-man-ebooks-verkauft/
    Verkaufen wollen, wer das nicht will, hat es gewiss besser. Beim „Verschenken wollen“, und dass das Thema ein wenig bekannter wird, schreibt sich`s zwanglos freier und lockerer –
    Schönen Gruß, Andreas J. Kampe, Sichtoffenbarung, seit 1976

    • Richard K. Breuer Sonntag, 11 November, 2012 um 16:07

      Alle Schreibenden konkurrieren um eine freie Zeit am Tag, in der Woche, im Monat, die bei den meisten überhaupt nicht da ist.

      Ja, so ist es in der Tat. Es geht zuerst um die Aufmerksamkeit, dann ums große Geld. War vermutlich schon immer so.

  3. Andreas J. Kampe Sonntag, 11 November, 2012 um 21:22

    Hab bei neobook bei Ihren Arbeiten geschaut, Herr Breuer,
    machen einen professionellen Eindruck. Sie betreiben die Kunst der Einführung-Unterstützung recht angenehm. Dieses Antlitz, übrigens, können viele sehen, wurde nun schon recht oft bestätigt.
    Und andere können a u c h darüber schreiben. Auf neobooks habe ich unter „Kampe“ als Test-Version eine AspekteSammlung.
    Das „Prof.-Bender“ Institut IGPP in Freiburg hat 2011 positiv bestätigt, dass mehrere Wissenschaftler so etwas wie ein Angesicht, Antlitz, ziemlich schnell heraussahen (Fälschungen müssen ganz sicher weiterhin ausgeschlossen werden).
    Sieht praktisch schon fast „ein Blinder mit dem Krückstock“, ist um die abfotografierte Kirche dort herum zu sehen. Ist natürlich para- oder hypernormal, wenigstens nicht esoterisch in dem Sinn. Unter „Sichtoffenbarung“ gäbe es mehr Infos –
    Alles Gute für Ihre schöpferischen Gedanken –
    Die werden mit Hochdruck daran arbeiten, solche eReader Foto- , Bild- und Illustrationstauglich zu bekommen und attraktiver zu machen, dann wie ein größeres tablet –
    Da kann ich noch viel keyboard-üben, bis es so weit ist…

  4. Andreas J. Kampe Freitag, 23 November, 2012 um 20:05

    Eure Buchgestaltung bei neobooks, Richard, ist wirklich herausragend, ich werde noch ein paar mal reinschauen.
    Das mit dem „großen Geld“ läßt mir keine Ruhe, nun: Fast alle Insider schreiben, eine „Putze“ oder ein Wachmann verdienen das Mehrfache, in der Stunde, als das, was ein Schriftsteller bekommt. Hauptsächlich werden diejenigen Publikationen bevorzugt, deren Autoren eh schon in Lohn und Brot stehen, sei es als Lehrer, Dozenten, Instruktoren, usw.. Da ist was dran? Und sagen hauptsächlich, von der Schriftstellerei allein kann niemand leben, es sei denn, es gibt eben die Ausnahmebegabungen, die ich euch allen wünsche.

    Oh, hm, das Blut und die Energien wallten mir, als ich vor kurzem tatsächlich eine richtige, fragende Mail von einem Verleger selbst bekam, nicht nur von seinen Mitarbeiten. Ich hatte angefangen, mich im Juni zu bewerben, die positiven Seiten dermaßen ausgewalzt. Und habe nicht mehr mit einer Re: gerechnet. Dieser ist kein „Kleiner“, kein 1-Mann-Betrieb, auch kein Zuschussverlag.
    Für das schrottig Wirkende, Aufgeplusterte an den Seiten habe ich mich dann entschuldigt. Life goes on, hope. Nun habe ich mir ein 17 Zoll notebook geleistet, und kann mal, wie Ihr, outdoors schreiben, bzw. vorbereiten. Mit Notebook und einem recht großen Bildschirm zusätzlich (was ich so nicht wusste, dass man dies so machen kann) ist es eine famose Schreib- und Meditationsfläche.
    Arbeitstitel in etwa:
    Reise zum sichtbaren Antlitz Gottes,
    viele können es sehen oder sehen lernen –
    Wahrer Bericht einer Entdeckung.
    Tschü… Andreas J. Kampe, Sichtoffenbarung seit 1976

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