Schon mal ne Roman-Serie geschrieben?

„Könntest du dir vorstellen, auch mal eine Serie/Reihe zu schreiben?“, möchte Alexandra Künzler für ihren Zürcher Literaturblog Bücherwahnsinn von mir und zwei weiteren Autoren wissen. Die anderen, bereits von mir beantworteten Fragen sind auf ihrem Blog natürlich nachzulesen.

Das schöne an der Frage ist, dass ich sie direkt und ohne Brei beantworten kann: Yep. Ich habe nicht nur daran gedacht, eine Roman-Serie zu schreiben, sondern ich habe es auch gemacht. Kewl, wa? Wobei, natürlich war zuerst die Idee da, dann später erst die Umsetzung. Aber der Reihe nach.

Es war Stefan Zweigs Buch Fouché, das mich auf eine derart spannende Art und Weise in die Französischen Revolution von 1789 eingeführt hat, dass ich mir dachte, diesen historischen Hintergrund wähle ich für mein nächstes Buchprojekt. Anfänglich wollte ich eine amüsante Geschichte schreiben. Das klingt ein wenig seltsam, war doch die Revolution eine blutige Angelegenheit, aber der Witz steckt bekanntlich in der Grausamkeit – siehe dazu die fulminante Komödie von Ernst Lubitsch über den Nazi-Einmarsch in Polen. Vermutlich ist der Humor die letzte Waffe gegen den ganz normalen Wahnsinn dieser Welt. Das nur am Rande angemerkt.

Jedenfalls kam es anders. Aus dem absurd witzigen Stoff wurde eine doch ernsthaftere, aber zuweilen augenzwinkernde historisch akkurat recherchierte Geschichte über einen stoischen Gelehrten aus Polen und einem gewitzten Aristokraten aus Frankreich. In Filmsprache übersetzt heißt das dann: Buddy-Movie. Bon. Jetzt war es aber so, dass ich mich natürlich nicht mit nur einem Buch zufrieden geben wollte. Also legte ich schwunghaft den Subtitel des ersten Bandes fest: Mosaik der Französischen Revolution in mehreren Bänden. Angemerkt sei hier, dass ich keinen Schimmer hatte, ob mich meine Muse dahingehend unterstützen würde, weitere Bände zu schreiben. Es hätte also gut möglich sein können, dass es nur bei diesem ersten Band geblieben wäre – weshalb natürlich kein Verlag der Welt das Buch verlegt hätte, ohne schon en detail zu wissen, wohin die Geschichte führt, wie sie sich entwickelt und und und. Tja. Aber ich zog die Veröffentlichung des ersten Bandes durch. Das ist der Vorteil der Selbstverlegerei. Ich entscheide. Und niemand sonst. Ja, ja.

Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich von anderen Schriftstellern höre, wie sie gleich zu Beginn alle weiteren Bände im Kopf oder am Papier skizzierten. Da werden schon Hochzeiten in Band IV geplant und Todesfälle in Band VII notiert. Charakterentwicklung. Roter Faden. Und ein Ende, das alle ausgelegten Irrungen und Wirrungen, auflöst. Schön. Bei mir ist es anders. Freilich.

Etwa ein halbes Jahr nach Erscheinen des ersten Bandes habe ich mich dann zum Schreibtisch gesetzt. Ein zweiter Band musste her. Also begann ich zu schreiben. Und ich schrieb viel. So viel, dass ich zuerst zwei Bände daraus machen konnte. Später wurden es dann drei. Und jeder Band hatte und hat seine eigene Wirkung, seine eigene Geschichte. Während andere Roman-Serien (soweit ich das jetzt weiß, gelesen habe ich bis dato keine) einfach nur die Geschichte weiterführen, aber nicht das Genre oder den Blickwinkel wechseln, habe ich mir die Freiheit erlaubt (Révolution, tu sais?), zu tun, was mir meine Muse ins Ohr flüstert. Oui, oui.

Während also der erste Band Tiret ein historisches Sittengemälde ist, kommt der zweite Band Brouillé als verdrehte Agatha-Christie-Poirot-Parodie daher. Der dritte Band Madeleine (zwar fix und fertig, aber noch nicht gedruckt) folgt dem klassischen Road-Movie-Setting: eine Kutsche, die quer durch Europa reist, vier Passagiere und eine illustre Schar an Häschern, die nicht zimperlich sind, in ihren Methoden. Während die ersten beiden Bände noch in einem hellen, leichten Ton geschrieben sind, verdunkelt sich beim dritten Band die Welt. Das Ende, ein hübsch blutiger Überfall, der natürlich aus den Fugen gerät, ist für sensible Seelen nicht zu empfehlen (während man die vorherigen Bände getrost seiner Erbtante zu Weihnachten schenken kann). Der vierte Band Penly schlägt dann schon dem gewalttätigen Fass den Boden aus und beschreibt einen heftigen Showdown auf einer Festung im Meer in allen Details. Tarantino meets Peckinpah. Wenn man die beiden Filmregisseure kennt. dann sollte man wissen, woran man ist. Der vierte Band ist in der Überarbeitung, meine Lektorin ist noch nicht zur Gänze zufrieden, aber ich gehe davon aus, dass er noch am Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres erscheint. Bon.

Wie es danach weitergeht, mit der Serie, kann ich nicht sagen. Die ersten vier Bände haben ja nur mal vom vorrevolutionären Frankreich erzählt. Noch muss wohl zumindest ein Band geschrieben werden, bis die Bastille, am 14. Juli 1789, gestürmt wird. Im Kopf schwebt mir eine spannende Polit-Satire über die Generalständeversammlung in Versailles vor (Mai/Juni 1789) – immerhin wurde dort Geschichte geschrieben. Und dann, dann lenken wir den Fokus auf Paris. Oui, oui. Aber bis dahin kann viel passieren. Wirklich.

einer für alle, alle für einen

 

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