richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

NAPOLEON von Stanley Kubrick, 1969

Nach zwei Jahren war Kubrick ein wirklicher Gelehrter, was die
Französische Revolution und ihre Auswirkungen auf Europa anging.
Kubricks Schwager

Durch Zufall auf das rund 150seitige Script von NAPOLEON gestoßen und gelesen. Faszinierend, wie Filmzauberer Stanley Kubrick versucht hat, das Leben und die Ereignisse rund um das Leben Napoleons in 180 Minuten exemplarisch darzustellen und zu inszenieren. Gewiss, 1969 war das Script vermutlich seiner Zeit voraus. Heute, nun ja, wäre es eher ein TV-Dokudrama, als ein episches Hollywood-Stück. Am ehesten vergleichbar mit der TV-Mini-Serie Napoléon von 2002.

Eines aber lässt mich nachdenklich zurück. Wie konnte es einem Regisseur vom Format eines Stanley Kubricks passieren, dass er nicht die Unzulänglichkeiten der Stoff-Aufbereitung bemerkte? Im Besonderen und vor allem, dass der ganze Film hindurch mit historischen Erklärungen aus dem Off begleitetet werden muss. Ist es noch zu Beginn eines gewichtigen Stoffes sinnvoll und notwendig, so ermüdet nach einer Weile die narrative Aneinanderreihung den Zuschauer (der nichts von den vielen historischen Bezügen und Querverweisen versteht). Generell gilt ja, dass der Film eine visuelle Umsetzung der Geschichte sein soll, ohne dass dabei jemand aus dem Off etwaige Erklärungen hinzufügen muss. Aus meiner Sicht kann das Script nicht funktionieren. Noch mehr, wo ich mich ein wenig in die Historie eingelesen habe. Nicht so intensiv, wie es Kubrick getan hat bzw. getan haben soll, aber immerhin kann ich mir von Fouché und Talleyrand ein einigermaßen gutes Bild machen. Zwar bekräftigt Kubrick im Script, dass diese beiden historischen Persönlichkeiten eine wichtige Rolle im Film spielen, tatsächlich bleiben sie im Script unbedeutend. Hm.

Man könnte sich beinahe in die (böse) Vermutung versteigen, dass das Script keine sonderliche Aufmerksamkeit von Kubrick erhielt, obwohl es (angeblich) sein Herzblut-Projekt war. Oder übersehe ich hier etwas?

By the way, eine witzige Anekdote am Rande ist ja, dass es die konspirative Theorie gibt, dass Kubrick die Mondlandung 1969 für die NASA inszeniert hat. Seine Weltraum-Extravaganz 2001: Odyssee im Weltraum erschien im Jahr 1968 und stellte alles bisher Dagewesen an Weltraum-Spezialeffekten in den Schatten (»Es ist voller Sterne!«). Was liegt demnach näher, als Kubrick mit einer inszenierten Mondlandung in Verbindung zu bringen? Eben. Und Kubrick selbst soll im Film Shining ein paar Hinweise versteckt haben. Wer mehr wissen möchte, der kann als Einstieg den DiscoveryNews Artikel Faked Moon Landings and Kubrick’s ‚The Shining‘ lesen. Seltsamerweise wurde der Beitrag vom Server genommen, obwohl der Autor keinen Hehl daraus macht, dass er diese Theorie lächerlich findet. Im Cache von google ist der Artikel noch zu finden – und sicherlich auch im Internetarchiv.

Bevor man mich mit kommentierenden faulen Tomaten bewirft, muss ich hinzufügen, dass ich keine Ahnung habe, was im Juli 1969 geschehen ist. Ich war damals gerade mal ein Jahr alt und hatte vermutlich andere Probleme (Hunger und ne volle Windel!), als mich um solche Sachen wie die bemannte US-Raumfahrt zu kümmern. Heute, Jahrzehnte später, ist es ein seltsam unbestimmtes Gefühl, das ich mit dem Apollo-Programm verbinde. Ich sehe die Bilder und Filme von damals. Sehe die vielen, nahezu perfekten Fotos, die die Astronauten, mit einem herkömmlichen Fotofilm, aus der Hüfte schossen (im wahrsten Sinne des Wortes). Hm. Wenn ich mir überlege, wie viele Bilder ich mit meiner digitalen Spiegelreflexkamera schieße, um wenigstens ein gutes Foto zu bekommen, dann ist das schon recht erstaunlich, wie die Apollo-Boys in einer völlig feindlichen Umwelt (Scheiß kalt im Schatten, Scheiß Heiß in der Sonne), ohne Hilfsmittel, ohne Ausleuchtung oder Spots, Fotos zum Niederknien machten. Respekt.

Da fällt mir ein. Ein Fotograf, der während der Tschernobyl-Katastrophe vor Ort war und Fotos schoss, zeigte Bilder, die von den atomaren Strahlen verändert wurden. Die Radioaktivität war so intensiv, dass sie auf dem Fotofilm Spuren hinterließ und manche Filmrollen sogar zerstörte. Ich habe natürlich keine Ahnung, wie hoch die natürliche Strahlung auf dem Mond ist, aber ich denke, ohne einem schützenden Magnetfeld sollte es dort oben schon recht heftig zur Sache gehen. Naja. Ich bin kein Astrophysiker. Nur ein Schriftsteller mit viel Phantasie. Und vielen Fragen.

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2 Antworten zu “NAPOLEON von Stanley Kubrick, 1969

  1. Victoria Montag, 11 April, 2011 um 23:25

    Ja, ja, die flatternde Flagge auf dem Mond… 😉 Vielleicht ist das noch eine dritte Variante: Mondlandung fand statt, mit unbrauchbarem Beweismaterial, und dann wurde die Angelegenheit halt nachgestellt und um ein paar (Dreh)tage nach hinten verlegt? Frei nach dem Motto: ein Ereignis ist nur so stark wie seine Bilder?

    Hah. Eigentlich bin ich nur hier, um über Napoleon zu spammen. =) Das Script werde ich mir ganz sicher zu Gemüte führen, sobald eine Nuance mehr Zeit gegeben ist. Die Miniserie von 2002 und ich haben uns nie so richtig angefreundet – abgesehen von ein paar wunderbaren Elementen (John Malkovich als Talleyrand? EPIC WIN, egal was der Rest der Welt sagt. Selbst wenn die Details nicht stimmen).
    Kennst Du übrigens „Le Souper“ (jenes von 1992). Ein sehr, sehr eigenartiger (und relativ bizarr gecasteter) Film, im Prinzip eine Charakterstudie von Fouché und Talleyrand. Vielleicht etwas für Dich. Ich jedenfalls mag diese Filme der leiseren Töne, die nicht ein Leben in drei Stunden oder vier Episoden quetschen wollen, sondern sich mit kleinen Gesten den Charakter hinter der historischen Person widmen, statt den bekannten Taten.

    Nächtliche Grüße
    V, die mit siebzehndreiviertel um sich von den Maturavorbereitungen abzulenken, einst ein ziemlich seltsames, Holzhammer-postmodernes Theaterstück über Talleyrand auf dem Totenbett schrieb. Weil… ja. Genau.

    • Richard K. Breuer Dienstag, 12 April, 2011 um 0:22

      ad Mondlandungsdingsbums: Eines steht fest. Nämlich, dass sich keiner der US-Chefitäten einen FLOP erlauben hätte dürfen. Man stelle sich vor, Neil Amstrong steigt aus dem Spielzeug-Gefährt und wird von den Strahlen zerbruzelt. Live. Haha. Das wäre ja dann wohl ein Schuss ins Knie gewesen. Die Mission musste ein Erfolg werden. Und wenn ich für das Unternehmen verantwortlich gewesen wäre, also, mir wäre viel eingefallen, damit es ein totaler Erfolg wird. Period!

      ad Napoleon: Also, John Malkovich als Talleyrand, nun, das war ja wohl der Griff ins Klo. Ich mag den guten Malkovich, aber in der Rolle konnte er mich gar nicht überzeugen. Mon dieu. Sonst war die Mini-Serie okay, auch wenn ich den Hauptdarsteller, der Napoléon verkörperte, aus einer absurd komischen Rolle her kannte. Irgendwie hatte das Ganze ein Hauch von Komik in sich 🙂

      ad „Le Souper“: Non, kenn ich nicht. Werde ich mir wohl irgendwie besorgen müssen, in den Weiten des Webs. Natürlich legal. Oui, oui.

      ad 17 3/4: Ja, wenn sich die gute V. mal in einen Charakter verbeißt, dann lässt sie nicht locker. Ein bisserl nerdig halt. Schön. Wir harren der Theater-Aufführung.

      Hoffe, du hast jetzt endlich deinen Zeppelin im Griff.

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