richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Fluch und Segen von ebooks oder Der literarische Schweinehaufen

John Kennedy Toole committed suicide at the age of 31,
in part because he failed to see his works published
The Death of the Book
Susanism Blog

Seit gestern, 20. April 2011, können nun auch kindle ebooks über amazon.de gekauft und gelesen werden. Seit längerem war es ja möglich, deutschsprachige kindle.ebooks über amazon.com und amazon.co.uk zu beziehen. Ich war vor einem Jahr dabei, habe aus der Not eine Tugend gemacht und meine Bücher auch in den USA angeboten. Wer also ein kindle Lesegerät hatte, musste sich mit den wenigen deutschen Büchern begnügen, die dort vorrätig, also von den wenigen Verlagen eingestellt waren.

Inwieweit nun mehr kindle Lesegeräte verkauft werden, bleibt die große, wohl entscheidende Frage. Je mehr Lesegeräte, desto mehr ebook-Umsatz, desto lukrativer für viele große und mittlere Verlage ins Geschäft einzusteigen bzw. das Volumen an elektronischen Büchern zu erhöhen. Aber schon jetzt werden die Print-Bestseller – gegenwärtige wie vergangene (erinnert sich noch jemand an einen gewissen Dan Brown, ha?) – natürlich angeboten und in die Auslage gestellt. Kein Wunder also, dass hier zugegriffen wird. Die Regel: Was der Kunde kennt, kauft er auch, trifft im Besonderen in der Buchbranche zu. In der deutschsprachigen Buchbranche, sollte man anfügen.

Wenn man sich die Sache in den USA besieht, so stellt man fest, dass die Leutchen (scheinbar) keine Vorurteile gegenüber unbekannten Autoren und Eigenverleger haben. Auch der (günstige) Preis spielt eine wesentliche Rolle, während hierzulande man eher die Nase rümpft, falls man ein ebook um billig Geld angeboten bekommt. Die US-Boys und Girls scannen die ebooks im Bereich von rund 99 Cent durch und kaufen interessant klingende Titel. Man hat den Eindruck, dass der eine oder andere sich einen Volltreffer erhofft, über einen Autor stolpert, der in späterer Folge groß rauskommen wird. Ohne Statistiken zu kennen, würde ich sagen, in den USA zeichnet sich ein Trend ab: nämlich die Suche nach den Perlen im literarischen Schweinehaufen. Dass diese Suche auch ziemlich schmutzig werden kann, tja, das sollte man nicht verschweigen. Denn wo harsche Kritiker sind, da sind auch Autoren, die ihre Werke in Schutz nehmen. Eine Schlammschlacht, zwischen Blog-Rezensenten und Autorverlegerin, wie man es sich nur wünschen kann: link – wobei, vielleicht ist es auch nur wieder eine perfekte Demonstration von Guerilla-Marketing, who knows?

Der Autorverleger im deutschsprachigen Literaturland hat es nicht leicht. Das ebook wird an der Sache nichts ändern, im Gegenteil, es wird nur noch schwieriger, sich zu behaupten und sich einen Namen zu machen. Je mehr Autoren und solche, die es werden wollen, auf den Markt drängen, in dem sie über die verschiedenen Plattformen ihre ebooks anbieten, desto mehr Schrott (man verzeihe mir diesen brachialen Ausdruck – jedes Geschreibsel hat seinen Wert, wirklich – aber um nicht über die Wertevorstellungen diskutieren zu müssen, nehmen wir für diesen Blogbeitrag einfach an, dass es auch Bücher gibt, die einfach nur schlecht bis zum Erbrechen sind usw. und so fort), also, zurück, zum literarischen Schrott, der in den Webshops gehäuft zu finden sein wird. Viele werden ihre ebooks günstig anbieten, vielleicht sogar gratis. Auch hier wird sich wieder das Bestseller-Phänomen zeigen: eine Minderheit, eine Hand voll Autoren, wird mit ihren publizierten Büchern Aufmerksamkeit erregen – zum Beispiel, weil das ebook auf amazon in den Verkaufscharts ganz oben steht. Deshalb zieht das natürlich weitere Käufer an und so dreht sich die hübsche und lukrative Spirale nach oben – und schließlich kommt dann der Verlagsvertrag und alle zerreißen sich die Mäuler, wie einfach und leicht es nun ist, mit selbst produzierten ebooks reich und berühmt zu werden. Ja, ja.

Wie lange es dauern wird, bis die Leserschaft von ihrem hohen Ross heruntersteigt und Texte nach ihren ureigenen, sehr persönlichen Kriterien beurteilt, nun, das steht in den Sternen. Publikumsverlage werden alles daransetzen, um ihre Rolle als qualitative Filteranstalt in die Köpfe der Käufer zu hämmern. Verlage agieren, wie jedes Unternehmen, das Profit machen muss, in erster Linie nach ökonomischen Gesichtspunkten. Viele Bücher werden gemacht, weil man in den Führungsetagen davon ausgeht, dass sie sich (besser) verkaufen. Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber das muss sein. Genauso, wie die Werbung durch ständiges Wiederholen eine Wahrheit in die Ohren des Konsumenten plärrt, genauso muss ich gegen die Windmühlen des Status Quo ankämpfen. Gewiss, nicht uneigennützig. Jede Revolution macht den Unterdrückten und Gepeinigten ein unerhörtes Versprechen – ohne diesem Versprechen würde es wohl zu keiner Revolution kommen. Mit anderen Worten, es sind zumeist die Unzufriedenen, die eine Entwicklung vorantreiben, die einen gegenwärtigen Zustand in Frage stellen.

Aber wie jede Revolution ihre Kinder frisst, so ist es bei dieser nicht anders. In Anlehnung an das eingangs erwähnte Zitat, dass ein gewisser John Kennedy Toole (ich kannte den Autor nicht – laut Wiki erhielt er postum den Pulitzer Prize) sich unter anderem das Leben nahm, weil eines seiner Manuskripte nicht verlegt wurde, so könnte man in ein paar Jahren das Zitat wie folgt ändern:

John Kennedy Toole committed suicide at the age of 31,
in part because he failed to make a fortune
by selling his self published ebooks.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: