richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Sechs Jahre und zwei Glaserln Wein später

@ 2005-04-25 – 19:13:55 das war er also, mein erster Blog-Eintrag auf blog.de – damit hat Vieles, nicht Alles begonnen. Für den geschätzten Leser ist das freilich nicht von Bedeutung. Geburtstage kommen und gehen. 

***

Von meinem Schreibtisch kann ich die Donau sehen. Ja, sie fließt bei mir vorbei. Nicht blau, nicht braun, nicht grün. Von allem ein bisschen. Und damit sind wir auch schon bei der Seele des Wieners angekommen. Von allem ein bisschen – aber eben nichts Ganzes. In meinem ersten Roman »Azadeh oder die 13 Tage des Leutnant Johann Gottfried von Märwald« – eine Theaternovelle, die im Wien der Jahrhundertwende (1899) spielt, spazieren der alte Graf von Popovic und der junge Leutnant von Märwald durch die Wiener Innenstadt und kommen (freilich, freilich) zum Stephansplatz.

[Popovic:] »Ich wundere mich immer wieder, Märwald, wie man diese große Kirche mögen kann, mit ihrem halben zweiten Turm. Sie ist ein steinerner Krüppel, unfertig, nichts Ganzes. Hier, auf einem Platz, wo keiner ist, zwischen kleinen Gassen und Straßen, in Mitten des stinkenden Pferdemists, hat man ihn eingepfercht, ragt er hervor und auch wieder nicht. Andere, sogar kleinere Städte haben imposantere, beeindruckendere Dome! Aber bevor ich mich in hässliche Worte versteige, muss ich gestehen, dass er mir ans Herz gewachsen ist, in seiner so wehleidigen, melancholischen Art. Er entspricht dem Wiener Gemüt vortrefflich, das sich so mächtig und besonders glaubt, bis man über die Unzulänglichkeiten, zuweilen großen Schwächen befindet, sie aufdeckt. Was bleibt? Wehmut! Aber mit ein oder zwei Glaserln Wein sehen die innere Befindlichkeit und der Steffl wieder besser aus. Und wisst Ihr warum? Weil er uns zu verstehen gibt, dass man es nicht zu einer begnadeten Vollendung bringen muss, um berühmt und sagenumwoben zu werden!«

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