richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Wie Monthy Python bei der Papstaudienz auf Speed – so liest sich das!

Eine sehr erfreuliche Rezension zu Schwarzkopf gibt es zu vermelden. Nein, weder habe ich sie geschrieben, noch dafür bezahlt. Die Verfasserin weiser111 hat bis jetzt 1.430 Rezensionen auf ihrem Konto. Das ist schon allerhand. Respekt. Deshalb freut’s mich umso mehr, dass das Buch wohlwollend aufgenommen wurde. Ich erlaube mir, nicht nur in Auszügen zu zitieren, sondern einfach die ganze Rezi abzudrucken. Das schmeichelt das Ego und wärmt das Herz. Wirklich.

Papier und ebook

[amazon.de / weiser111:] »Kann man sich Bedrohlicheres vorstellen als eine Neuverfilmung des „Dritten Mannes“ nach dem Drehbuch von Steven Knight? — Oh ja; sogar dieses Horrorszenario lässt sich steigern, nämlich zu einer entfesselten Groteske, der nichts heilig ist, und die hat unter anderem diese Drehbuch-Rohfassung im terrorverdächtigen Fluggepäck: „Ein rumänischer Erzbischof, der Leute zum Vergnügen aufschlitzt, und ein drogensüchtiger Polizist geraten im altehrwürdigen Stephansdom in einen Schusswechsel, werden schwerst verletzt, kopulieren sich die Seele aus dem Leib, entzünden zu guter Letzt eine geweihte Kerze … und sterben“. Nein, keine Angst, dazu kommt’s nicht. „Schwarzkopf“ ist noch viel absurder, komischer — und vermutlich viel, viel näher dran an der Realität, nicht nur in Wien. Sie werden’s sich bereits denken: Ein Kriminalroman für behagliche Abendstunden ist das nicht, sondern eine Art Drehbuch-Rohfassung (auch formal eine Graham-Greene-Hommage der anderen Art), dessen Handlung sich ausschließlich aus Dialogen, Regieanweisungen sowie typographischen und Layout-Zugaben für Genießer ergibt. Eigentlich geht’s ja nur um Remake des „Dritten Mannes“, mit Vorgaben, die einen schaudern machen. Aber dann fliegen die Pläne der Beteiligten immer rasanter aus der Kurve, derweil sich Vorfälle ereignen, die verdächtig an den Originalfilm erinnern.

Also ruhig Blut, liebe Leser, das mit dem rumänischen Erzbischof zitiert nur die Rohfassung eines unter Zeit- und sonstigem Druck entstandenen Drehbuchs von Harald Schwarzkopf, und nicht die Romanhandlung. Die ist noch viel abgedrehter und liest sich wie Monty Python bei der Papstaudienz auf Speed. Wie dieser bemerkenswerte Plot entstehen konnte, wer aus der Kultur- und Politikprominenz sich im Laufe der aberwitzigen Handlung von seiner unvorteilhaftesten Seite ausgiebig präsentieren konnte, und welche Heiligtümer der Film- und Kulturgeschichte hier gründlich durch den Kakao (mit Schlagobers) gezogen werden, unter Mitnahme sämtlicher Wien-Assoziationen — nun, das können und sollten Sie, geneigter Leser, in Richard K. Breuers Krimi-Comedy „Schwarzkopf“ nachlesen.

Wer das Wienerische in möglichst vielen seiner Varianten im Ohr hat, sollte sich besonders viel Zeit lassen beim Lesen, auch wenn’s gerade noch so komisch sein sollte. Genauso stellt man sie sich nämlich vor, diese herzigen Adabeis vom Frühstücksfernsehen und diese parlierenden Politik-Kapazunder. Haargenau so. Man liest die Dialoge und hat die Figuren in allen Details vor Augen. Ganz zu schweigen von rezeptpflichtigen Slapstick-Szenen nach Stummfilmzeit-Manier, die Breuer aus unschuldigem Anlass heraus entwickelt, mit exakt ausbaldowertem Timing, die ihre Eigendynamik entwickeln und nur noch durch energisches Eingreifen dauergrantelnder Wiener Polizeibeamter zu bremsen sind (naja, energisch… wir befinden uns schließlich in Wien…). Jedenfalls stellen Szenarien wie z.B. das Chaos, in das der Wiener Flughafen unter Mitnahme sämtlicher Beteiligten taumelt, oder die Folgen der gedopten Kinderbowle beim Pitch Meeting (um nur zwei unter einigen gleich großartigen herauszuheben) so einiges in den Schatten, das derzeit vom Feuilleton übern Schellenkönig gelobhudelt wird. Und wie man aus den nur scheinbar einfachen Zutaten Dialog und Regieanweisung parallele Handlungsverläufe und Perspektivwechsel konstruieren kann, die auch ausgebuffte Leser verblüffen, das kann der aufmerksame Leser hier am lebenden Objekt studieren.

Yep, the third man!

Bei alledem sind allein schon die Figuren a leinwande Sache, allen voran die authentisch inkompetenten Bundeskanzler, Innenminister und Großkopfeten der Wiener Polizei. Allerliebst sind der deutsche Kulturminister samt Piefke-Gemahlin oder Schwarzkopfs chronisch bis zum nicht vorhandenen Stehkragen zugekokster Kompagnon Ernesto. Die Wien-Exilianten mit deplazierten Heimatgefühlen und ebensolchen Erinnerungen an das Jahr 1938 sind ihr politisch unkorrektes Eintrittsgeld ebenfalls wert, und nicht zu vergessen zahlreiche Nebenfiguren vom Schwechater Bodenpersonal bis zum exaltierten Dirigenten, die in ihrer unbeirrbaren Verkennung der Situation direkt aus dem echten Leben entsprungen sein müssen. Ja — und die herzigen Reporter Bernhard und Bianca vom AustriaLIVE-Frühstücksfernseh sind dermaßen dämlich — die   m ü s s e n   echte Vorbilder haben; sowas kann man nicht erfinden.

Die Figuren stolpern fünf Tage lang mit Turbo von einem Fettnäpfchen ins nächste, die Handlung stolpert mit ihnen, und der eh schon vor Lachen nach Luft ringende Leser hechelt ihnen hinterher. Trotz des ungewöhnlichen Aufbaus ist „Schwarzkopf“ nicht unübersichtlich, dafür sorgen schon gliedernde Momente, die einem bald vertraut werden — jedes Moment ein Bündel von running gags: Die allmorgendliche Fernsehsendung, die improvisierte Sitzung beim Bundeskanzler, Heinzi und sein bemerkenswerter Bratwürstl-Stand, die chronisch pikierte Gattin des Piefke-Ministers, das Familienleben des ambitionierten Medienfuzzis Grünlich, natürlich die allmorgendliche Variation über das Thema „Entlassung aus der Arrestzelle“ — und noch so einiges mehr.

Manchmal gehen Breuer die Gäule ein wenig durch, nämlich dann, wenn die Freude an der aberwitzigen Situation überhand nimmt, sodass die Handlung selber darunter ein wenig leidet. Viel macht das aber nicht aus. Einem Leser, den das inkommodiert, ist der Humor garantiert im Flughafen Wien-Schwechat abhanden gekommen, will sagen: Sein Humor wurde vom Sicherheitsdienst versehentlich gesprengt, oder er wurde gen Havanna verfrachtet, zusammen mit einem gewissen Kosmetikkoffer.

Kultivierte Cineasten müssen sich — aber das werden Sie sich bereits denken — auf allerhand gefasst machen. Freilich gibt’s auch außerhalb der Generallinie „Dritter Mann“ zuhauf „Dritter Mann“-Zitate, -Anspielungen und -Parodien, und zwar nicht nur die üblichen Verdächtigen. Allein schon die alte Bissgurn Rahmhappel als verschärfte Reinkarnation von Anna Schmidts Vermieterin… hmpffff. Auch Paul Hörbigers berühmter Filmschnitzer in Sachen vertikale Desorientiertheit (nur im englischen O-Ton des Films zu hören) wird in turkifizierter Form so gewürdigt, wie Hörbiger das redlich verdient hat. Und freilich wirft der eigenartige (vorsichtig formuliert) Hollywood-Zampano Ernesto Ostwaldo mit Filmtiteln als Passepartout-Zitaten nur so um sich, ob er nun die Filme kennt oder nicht. Aber es gibt auch jede Menge Filmanspielungen für Fortgeschrittene, so als Zuckerln, von „Pulp Fiction“ über den „Paten“ bis zu „Ein Fisch namens Wanda“. Wenn einem die entgangen sind, macht das aber nix. Is eh Blunzn.
In diesem Sinne: Gehma! Und lesen’s unbedingt das Büchl. Und lachen’s bittschön nicht allzu laut, wenn Sie’s in der Bahn lesen, damit die Herrschaften ringsum trotz Ihrem Gekicher und Gegacker die Durchsagen verstehen können.«

Coolio, oder? 🙂

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2 Antworten zu “Wie Monthy Python bei der Papstaudienz auf Speed – so liest sich das!

  1. R.C.N. Donnerstag, 5 Mai, 2011 um 2:58

    Und ob das cool ist. Da kann ja nur dein Autorenherz lachen.
    Glückwunsch vom anderen Ende der Welt.

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