Eine Idee wider des literari(s)chen Einheitsbreis.

update: Wer mal wissen möchte, was (US) Linguisten zu den ersten Sätzen in Dan Browns Bestseller The Da Vinci Code zu sagen haben, der möge hier klicken. Oder die Aufzählung der 20 schlimmsten Sätze aus seinem letzten Werk The lost Symbol im The Telegraph. Funny!

»My French stinks, Langdon thought, but my zodiac iconography is pretty good.« And they say the schools are dumbing down.

Gerade auf dem hübsch renovierten Blog von @doncish gewesen und ihren (in deutsch verfassten) neuen Beitrag Ceci n’est pas une recension gelesen (reimt sich das jetzt?) – Jedenfalls möchte sich @doncish mit (an)gelesenen Büchern auseinandersetzen und ihre ersten und zweiten Gedanken bloggend festhalten. Keine profunde wissenschaftliche Arbeit soll es werden, vielmehr geht es um Eindrücke, Notizen und vage Gedanken zum Text. Gut.

Nun ist es so, dass ich die letzten Tage eine Überlegung anstellte. Ausgehend davon, dass es einen unüberschaubaren Anteil an Büchern und Texten gibt, die kein Mensch mehr in seiner Ganzheit erfassen kann. Andererseits bietet das Web die Möglichkeit eines einfachen Zugangs zu Büchern und Texten. Warum also diesen Vorteil nicht ausspielen? Liegt das nicht auf der Hand? Eben!

Also. Primär geht es dem Menschen ja darum, einer Gruppe zugehörig zu sein oder sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen. Deshalb funktioniert ja das Marketing- und Verkaufstool namens Bestsellerlisten so perfekt. Wenn alle ein Buch gelesen haben, dann muss ich es auch tun, um mitreden zu können, um dabei zu sein. Man kann sich dagegen kaum erwehren. Nun ist es aber so, dass ein Buch zu kaufen ins Geld geht, andererseits auch eine Menge Zeit beansprucht. Von beiden Ressourcen haben wir nicht unendlich zur Verfügung, deshalb müssen wir selektieren, auswählen. Gut.

Mit den ebooks sprießen die Indie-Autorenverleger vulgo Selbstverleger, wie Pilze aus dem Boden. Natürlich ist es zu befürworten, dass das digitale Zeitalter keine (theoretischen) Schranken mehr kennt. Jeder darf. Jeder kann. Aber es führt natürlich zu der oben erwähnten Flut an Veröffentlichungen, die keiner mehr überblickt. Die Lösung (der Publikumsverlage) sieht natürlich vor, dass der Leser bei den üblichen Büchern bleiben soll, die Verlage für ihn selektiert haben und die sich bestens verkaufen. Dadurch beschränken wir uns aber selber, werden wir kaum mehr Neues, Gewagtes, Anderes zu Gesicht bekommen. Der laue Einheitsbrei und das runde Mittelmaß setzen sich ja schon seit Längerem durch. Also, was dagegen tun?

Die Lösung liegt klar auf der Hand, oder? Wir nehmen eine bereits bestehende Plattform, sagen wir amazon, bei der es möglich ist, Leseproben herunterzuladen. Diese wenigen Seiten müssten ausreichen, um herauszufinden, ob der Text  Potenzial hat oder nur ein laues fehlerhaftes Geschreibsel eines unbegabten Teens im Pensionsalter ist. Der springende Punkt ist nämlich, dass jeder, der sich für den Text zu interessieren beginnt (oder für die Besprechung), sich weder in Unkosten stürzen (gratis, you know) und – wichtig – nicht zig hundert Seiten lesen muss. Er kann innerhalb von wenigen Minuten die Textprobe gelesen und in weiteren wenigen Minuten bereits seinen Kommentar abgegeben haben. Dadurch könnte sich eine Diskussion entspinnen – so, wie es jetzt schon bei Bestseller-Büchern üblich ist.

Warum gerade Autorenverleger? Abgesehen davon, dass ich selber einer bin, gehe ich davon aus, dass die wichtigen zukunftsweisenden Bücher genau von diesen Autorenverleger kommen werden. Weil diese sich keinen wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Konventionen unterwerfen müssen. Sie können frei von der Leber weg schreiben. Sie müssen sich vor niemandem rechtfertigen (außer vor sich selber), ja, sie können jedes Genre auf den Kopf stellen oder neue, abwegige Themen aufgreifen. Nichts ist verboten. Alles erlaubt. In der Tat träumten die Autoren der Vergangenheit ja (fast) alle von solch einer freien Welt. Nehmen wir den Literaturklassiker Lolita. Würde heutzutage ein russischer Exilant in den USA so ein Buch schreiben und verlegen dürfen?

Wenn wir es schaffen, aus dieser literarischen Perlentaucherei einen Sport zu machen, dann wage ich zu behaupten, würden die Texte besser, das literarische Verständnis erweitert und die Zufriedenheit aller Beteiligten gesteigert werden. Jeder Einzelne könnte sich dann an seine Fahnen heften, einen Text (und den Autor) auf die Beine geholfen zu haben. Im Moment, wenn man sich ansieht, welche Bücher zu meist besprochen oder erwähnt werden, dann hilft es vorwiegend einem Publikumsverlag und seinen Aktionären bzw. Geldgebern. Und wenn man diese Überlegungen weiterspinnt, dann könnten sich Leute finden, die bereit sind, für einen von ihnen hochgelobten Text, auch in eine Print-Publikation zu investieren oder als genossenschaftlicher Verlag aufzutreten oder am Buch selbst mitzuarbeiten. Gewiss, das Ganze ist nur mal schnell aus der Hüfte geschossen und bedarf wohl weiterer Überlegungen. Aber wir sollten endlich begreifen, dass uns das Web und die Sozialen Medien neue Beziehungs-Modelle offerieren – man sehe sich die Open-Source-Bewegung in der Softwarebranche an. Die Wirtschafts-Clique und ihre Handlanger wollen davon natürlich nichts wissen, weil diese Modelle ihr Geschäft stört.

So! Das ist mal meine vage Idee wider des literarischen Einheitsbreis. Niedergeschrieben in Wien, anno 2011.