richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Hitchcock, Osama, Obama und andere Komödien

Seit ich in die Politik gekommen bin, haben sich mir immer wieder Männer anvertraut. Einige der größten Unternehmer der Vereinigten Staaten haben vor etwas Angst. Sie wissen, das es da irgendwo eine Macht gibt, die so organisiert, so subtil, so wachsam, so verzahnt, so vollständig, so durchdringend ist, dass sie besser nur flüstern, wenn sie darüber sprechen. Since I have entered politics, I have chiefly had men’s views confided to me privately. Some of the biggest men in the United States, in the field of commerce and manufacture are afraid of something. They know there is a power somewhere so organized, so subtle, so watchful, so interlocked, so complete, so pervasive, that they better not speak above their breath when they speak in condemnation of it.

Woodrow Wilson
28. Präsident der  USA (1913 bis 1921)
Friedensnobelpreisträger

Ich bin Schriftsteller und habe eine blühende Phantasie. Wirklich. Ich kann mir also die Absurdität, in der die gegenwärtige Weltpolitik herumstolpert, gut vorstellen. Eigentlich wäre es zum Totlachen, wenn es nicht so schlecht um die Zukunft stünde. Andererseits, Lubitsch, Charlie Chaplin und Mel Brooks machten sich einen ernsthaften Spaß aus Hitler – vermutlich ist Humor die letzte Bastion gegen den kollektiven Wahnsinn, der 24/7 an unsere Tür klopft.

Dass Osama bin Laden – kurz OBL – nun seinen Tod gefunden hat, hätte Hitchcock nicht goutiert. Er wusste, will man das Publikum in Angst und Schrecken versetzen, durfte man das Grauen nicht zeigen. Die Phantasie des Zuschauers malt jedes Monster, jeden Psychopathen schrecklicher und grausamer als es ein Maskenbildner oder ein Spezialeffekte-Team  je könnte – ausgenommen vielleicht Giger und seine Alien-Kreation. Auf der anderen Seite wusste Hitchcock, um eine Handlung voranzutreiben, brauchte es ein Objekt, um das sich alles dreht. Dieses Objekt war in Wirklichkeit völlig nebensächlich, aber notwendig, um die Motivation des Protagonisten (und seiner Verfolger) dem Publikum zu erklären. Hitchcock nannte dieses Objekt einen MacGuffin (Schwarzkopf-Leser werden jetzt vielleicht ein aha-Erlebnis haben). Ein Koffer voller Geheimdokumente wäre zum Beispiel so ein MacGuffin. Oder eine Person, die wichtige Informationen zu haben scheint. Oder der Kopf einer Terror-Organisation, die für viele Anschläge verantwortlich gemacht wird. Man kann sagen, OBL ist der MacGuffin der US-Regierung. Es spielt keine Rolle, dass OBL im Dienste der CIA stand und US-Gelder und US-Waffen an die Afghanischen Freiheitskämpfer verteilte, damit sie den Russen ordentlich den Hintern versohlen konnten. Ach ja, die angeworbenen Söldner wurden auch mit US-Steuergelder (bzw. Drogen-Gelder) bezahlt. Als die Russen abzogen, haben sich die Clans um die Vorherrschaft in Afghanistan gestritten und so nebenbei ihre eigenen Städte mit den US-Waffen in Schutt und Asche gelegt. Das hat die Amerikaner nicht sonderlich gejuckt.

Mit dem OBL-MacGuffin konnten die Neocons (Bush jr., Cheney, Rumsfeld, Wolfowitz, Rice …) ihre Visionen eines Pax Americana in die Tat umsetzen. Oder sagen wir: sie konnten das Fundament legen. Zum Einen haben sie die Staatskassen geleert, ihre Taschen gefüllt, Günstlinge (Großunternehmer, Banker und die Top-1%-Elite) beschenkt und Schulden gemacht, in einem Ausmaß, das unvorstellbar ist: 14,5 Billionen USD as of today. Zum anderen haben sie die US-Bevölkerung (eigentlich die gesamte westliche Welt) ordentlich Angst eingejagt. Und mit Angst lässt sich herrlich Politik und Schulden machen. Wirklich. Man muss sich nur anschauen, wie leichtfertig die Bürger ihre Freiheit abgegeben haben, um sich dafür Sicherheit zu erkaufen. Am Ende werden wir allesamt weder das eine noch das andere haben. Das wusste schon Benjamin Franklin.

John Pilger -The War You Don't See

John Pilger -The War You Don't See

Mit Barack Obama und seinen Mentoren ist hingegen nicht zu Spaßen. Wirklich nicht. Sie lassen die Neocons wie eine lächerliche Schauspielertruppe aussehen (die sie auch waren). Ja, Bush jr. spielte die Rolle des einfältigen, aber zu allem bereit seienden Cowboys besser als Reagan (und der war ja tatsächlich berühmt für diese Rolle im TV). Rückblickend betrachtet wusste man, woran man bei der Cheney-Rumsfeld-Clique war. Man konnte es ihnen ansehen, wie sie Spaß hatten, die Leute für Dumm zu verkaufen. Die Pressekonferenzen mit Rumsfeld waren durchaus amüsant, der Mann hatte Sinn für Humor. Und Bush jr. konnte auch witzig sein (zumeist unfreiwillig – aber auch da ist die Frage, ob er das nicht einstudierte). Humor in Machtpositionen zeigt eine gewisse Menschlichkeit. Diktatoren, die etwas auf ihre Grausamkeit halten, machen keine Witze. Jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit.

Zurück zu Barack Obama und seine Entourage. Als er 2008 zum Präsidenten der USA gewählt wurde, war ich live dabei. Also vor dem TV-Schirm. Ich war in der Tat von der Euphorie hin- und hergerissen, wenn gleich ich (gottlob) relativierte und meinte, dass auch ein braver, mutiger Präsident sich den politischen Gegebenheiten anpassen wird müssen. Aber nicht im Traum hätte ich gedacht, dass Obama den letzten Akt einläuten werden würde. Klingeling! Alles oder nichts.

Machiavelli wusste schon um 1513, dass ein kluger Fürst dafür sorgen müsse, dass die Bürger ihn für nötig hielten, dann würden sie ihm treu bleiben. Eine politische Clique, die sich behaupten will, muss also weiterhin auf die Kriegstrommel schlagen. Krieg ist Frieden. George Orwell hat das Script dazu geschrieben. Ein anderes Script ist von Stanley Kubrick. 1999. Eyes Wide Shut. Die Verfilmung von Arthur Schnitzlers Traumnovelle. Ich habe mich ja immer gefragt, warum gerade Kubrick diese Novelle für seinen letzten Film, für sein Vermächtnis gewählt hat. Das war mir nicht einsichtig. Bis ich gestern begonnen habe, das Script zu lesen. Tja. Und da sind wir wieder beim Eingangszitat eines Woodrow Wilson. More to come.

33 Conspiracy Theories that turned out to be true.

Advertisements

Eine Antwort zu “Hitchcock, Osama, Obama und andere Komödien

  1. Pingback: 9/11 – von Terroristen und Hexenmeister im Club der Inquisition2.0 « richard k. breuer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: