Geschenkt ist noch zu teuer oder Wer schützt uns vor der Content-Flut?

Am Wochenende also den 12seitigen Text Der blaue Smaragd – ein Märchen ohne Hoffnung zum Herunterladen bereit gestellt. An und für sich gratis. Wer bezahlen möchte, bezahlt mit einer Erwähnung in eines der vielen sozialen Netzwerke. Dadurch, so die Idee, würde sich der Text weiter verbreiten und – im besten aller Fälle – eine virale Kettenreaktion auslösen. Ja, das ist natürlich blanke Theorie. Deshalb der Feldversuch mit einem blauen Smaragd.

In letzter Zeit stoße ich immer wieder auf Beiträge, die gute Tipps für Indie-Autorenverleger bereithalten. Hier übrigens eine Sammlung an Self-Publishing Articles. Aber egal, wie man es dreht oder wendet, ob man für seinen Content, sein Produkt, nichts verlangt oder wenig oder viel, es ist so gut wie irrelevant. Wirklich.

Die entscheidende Frage ist: Wie kommt der potenzielle Leser zu der Information, dass es von dir überhaupt ein Buch oder Musik-Album oder Film oder Game gibt? Ich schätze, es gibt etwa 3921 Trillionen Möglichkeiten, seine Zeit mit anderen Büchern, Musik-Alben, Filmen und Games zu vertun. Man sehe sich hierzu den Kommentar einer Literatur-Bloggerin an, die ob der vielen Indie-Publikationen aufstöhnt und deshalb bei den üblichen Verlags-Büchern bleibt, bei der es bereits eine Filterung gegeben hat. So heißt es.

Jedes Produkt auf ihre Brauchbarkeit und Qualität zu überprüfen kostet Zeit. Zeit, die kaum jemand hat. Zu schnell dreht sich die Welt. Und schlussendlich sehnen wir uns ja doch nur danach von anderen wahrgenommen zu werden. Auf eine ehrliche, persönliche und herzliche Art und Weise. Anders gesagt: Nur wenn uns ein anderer wahrnimmt, auf uns Bezug nimmt, fühlen wir uns als (vollwertiger) Mensch in der Gemeinschaft. Wenn also jemand Zeit übrig hat, soll er dann auf ein Buch oder Musikstück verweisen, das außer ihm (noch) niemand kennt? Gewiss, er kann es tun, aber die Response wird dürftig ausfallen. Und macht er nicht die Empfehlung, weil er hofft, dass es ihm die anderen Danken?

Wenn also der Einzelne weder Lust noch Laune hat, unbekannte Indie-Werke unter die Lupe zu nehmen, dann müssen es objektive Filter-Institutionen tun. Tja. Aber jede unabhängige Einrichtung, die auswählt, hat eine große Verantwortung und lässt sich früher oder später vom Kommerz vereinnahmen. Hm. Wer schützt uns also vor der Content-Flut?  Gut möglich, dass die Gesellschaft immer konservativer wird und sich nur noch an das Altbekannte hält. Welch Paradoxie! In einer Zeit, in der die progressivsten und gefährlichsten und unglaublichsten Ideen veröffentlicht werden, nimmt kaum noch einer Notiz davon. Vermutlich verhält es sich analog der Abstumpfung, die wir durch die Ver-Sexualisierung in der Werbung und in den Medien erfahren haben. Wir glauben uns sexuell liberal, sind aber im Umgang miteinander prüde, distanziert und konservativ.

Also, wer schützt uns vor der Content-Flut?