richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Geschenkt ist noch zu teuer oder Wer schützt uns vor der Content-Flut?

Am Wochenende also den 12seitigen Text Der blaue Smaragd – ein Märchen ohne Hoffnung zum Herunterladen bereit gestellt. An und für sich gratis. Wer bezahlen möchte, bezahlt mit einer Erwähnung in eines der vielen sozialen Netzwerke. Dadurch, so die Idee, würde sich der Text weiter verbreiten und – im besten aller Fälle – eine virale Kettenreaktion auslösen. Ja, das ist natürlich blanke Theorie. Deshalb der Feldversuch mit einem blauen Smaragd.

In letzter Zeit stoße ich immer wieder auf Beiträge, die gute Tipps für Indie-Autorenverleger bereithalten. Hier übrigens eine Sammlung an Self-Publishing Articles. Aber egal, wie man es dreht oder wendet, ob man für seinen Content, sein Produkt, nichts verlangt oder wenig oder viel, es ist so gut wie irrelevant. Wirklich.

Die entscheidende Frage ist: Wie kommt der potenzielle Leser zu der Information, dass es von dir überhaupt ein Buch oder Musik-Album oder Film oder Game gibt? Ich schätze, es gibt etwa 3921 Trillionen Möglichkeiten, seine Zeit mit anderen Büchern, Musik-Alben, Filmen und Games zu vertun. Man sehe sich hierzu den Kommentar einer Literatur-Bloggerin an, die ob der vielen Indie-Publikationen aufstöhnt und deshalb bei den üblichen Verlags-Büchern bleibt, bei der es bereits eine Filterung gegeben hat. So heißt es.

Jedes Produkt auf ihre Brauchbarkeit und Qualität zu überprüfen kostet Zeit. Zeit, die kaum jemand hat. Zu schnell dreht sich die Welt. Und schlussendlich sehnen wir uns ja doch nur danach von anderen wahrgenommen zu werden. Auf eine ehrliche, persönliche und herzliche Art und Weise. Anders gesagt: Nur wenn uns ein anderer wahrnimmt, auf uns Bezug nimmt, fühlen wir uns als (vollwertiger) Mensch in der Gemeinschaft. Wenn also jemand Zeit übrig hat, soll er dann auf ein Buch oder Musikstück verweisen, das außer ihm (noch) niemand kennt? Gewiss, er kann es tun, aber die Response wird dürftig ausfallen. Und macht er nicht die Empfehlung, weil er hofft, dass es ihm die anderen Danken?

Wenn also der Einzelne weder Lust noch Laune hat, unbekannte Indie-Werke unter die Lupe zu nehmen, dann müssen es objektive Filter-Institutionen tun. Tja. Aber jede unabhängige Einrichtung, die auswählt, hat eine große Verantwortung und lässt sich früher oder später vom Kommerz vereinnahmen. Hm. Wer schützt uns also vor der Content-Flut?  Gut möglich, dass die Gesellschaft immer konservativer wird und sich nur noch an das Altbekannte hält. Welch Paradoxie! In einer Zeit, in der die progressivsten und gefährlichsten und unglaublichsten Ideen veröffentlicht werden, nimmt kaum noch einer Notiz davon. Vermutlich verhält es sich analog der Abstumpfung, die wir durch die Ver-Sexualisierung in der Werbung und in den Medien erfahren haben. Wir glauben uns sexuell liberal, sind aber im Umgang miteinander prüde, distanziert und konservativ.

Also, wer schützt uns vor der Content-Flut?

Advertisements

16 Antworten zu “Geschenkt ist noch zu teuer oder Wer schützt uns vor der Content-Flut?

  1. smoel Montag, 16 Mai, 2011 um 15:40

    Das eine Problem hast du ja bereits benannt. Es gibt zu viel Inhalt, als dass man auch nur im Ansatz in der Lage wäre, zumindest einen relevanten Prozentsatz zu überblicken. Hinzu kommt, dass es nicht nur zu viel gibt, in dem „zu viel“ befindet sich auch überwiegend Schrott. Und da merkt die Kommentatorin durchaus berechtigt an, dass man die Filterfunktion der Verlage zu schätzen weiß.
    Ein weiteres Problem kommt aber für mich noch hinzu. Und da ich jetzt keine so extravagante Persönlichkeit bin, dürfte nicht nur ich das Problem haben. Ich lese keine Texte am Bildschirm. Ich habe kein Lesegerät für e-Bücher. Ich kaufe mir auch in absehbarer Zukunft keins, weil ich keins haben will. Und ich drucke mir auch keine Texte, die länger als 3 oder 4 Seiten sind, aus. Außer ich werde dazu gezwungen oder benötige genau diesen Text unbedingt für irgendwas ganz wichtiges. Ist aber eher selten der Fall. Mit anderen Worten: Für mich zählt das Buch in Papierform. Und da wären wir dann wieder beim ersten Problem. Ein Teufelskreis halt.

    • Richard K. Breuer Montag, 16 Mai, 2011 um 16:31

      Oh, der gute Hedoniker ist vermutlich noch immer nicht mit seinem „papierenen“ Frühlingsprogramm durch. Na, das wird schon.

      Aha. Ein E-Book-Verweigerer der strengen Sorte. Schau mal einer an. Aber du musst zugeben, es wäre besser, den literarischen Schrott nur noch als E-Book zu veröffentlichen. Dann ersparen wir uns wenigstens die Ressourcen.

      Das heißt, du liest nicht mal die Leseproben online? Schlapperlot.

      • smoel Montag, 16 Mai, 2011 um 17:04

        Psst, ich verrate dir jetzt ein Geheimnis: Ich lese Leseproben nicht mal gedruckt. Mich interessieren Leseproben nicht. Weil es genügend Texte gibt, die ich mag, die ich aber, hätte ich die ersten paar Seiten als Leseprobe gelesen, vermutlich nicht gelesen hätte, weil der Reiz sich erst über eine längere Lesestrecke entfaltet hat.

      • Richard K. Breuer Montag, 16 Mai, 2011 um 17:08

        Da merkt man wieder den Profi-Leser. Ich hätte natürlich schon längst aufgegeben, wenn mir die ersten Seiten nicht sonderlich behagen.

  2. Blauraum Montag, 16 Mai, 2011 um 15:44

    Schade, du hast die Frage ja gar nicht beantwortet (ok, wäre auch ziemlich schwierig…). Warum wir dann doch lieber bei „Bestsellern“ bleiben? Ich habe dazu neulich noch einen ganz interessentan Gedanken von einem Japaner gelesen und werde nochmal darüber bloggen, ich schicke dir dann den Link.

    Ich hatte ja auch schonmal kommentiert und eben gerade so ein Statement abgegeben: ich finde es zu mühselig, mich durch den großen Haufen Content zu kämpfen. Es könnte aber ausnahmen geben. Wenn zum Beispiel ein (digitales) Buch auch vom Cover her professionell gestaltet ist und nicht irgendein privat Foto genommen wird, auf das dann einfach ein Titel mit Comic Sans geklatscht wird … dann spricht mich das Buch auch äußerlich an. Bei Blogs ist das ja ähnlich: Ich habe mal irgendwo gelesen, Leser vertrauen den Webseiten auch inhaltlich mehr, die äußerlich „professioneller“ gestaltet sind.

    So wäre äußerlich schön verpackter Content schonmal (eventuell) ein guter Wegweiser für uns.

    • Richard K. Breuer Montag, 16 Mai, 2011 um 16:28

      Oh. Die Gedanken des Japaners interessieren mich natürlich sehr, Friederike. Andere Kultur, andere Ideen. Ja, schick mir dann den link – oder kommentiere hier und poste den link, dann haben alle etwas davon 😉

      Die Frage kann man nicht wirklich beantworten, da wird wohl jeder eine Antwort für sich finden müssen.

      Ja, „äußerlich schön verpackter Content“ ist natürlich ein Wegweiser, ich reagiere ähnlich abweisend, wenn ich auf schlecht designte Webseiten oder grottige Blogs komme, aber bei genauerer Betrachtung ist das wieder einmal die Voreingenommenheit, die wir uns allesamt angewöhnt haben. Don’t judge a book by its cover, heißt es immer und doch tun wir genau das, weil wir uns nicht anders zu helfen wissen. De facto ist ein eine schöne Verpackung keine Hexerei, wenn man das Kleingeld dazu hat oder die richtigen Leute kennt. Mit anderen Worten: ein tolles Cover besagt nur, dass ein toller Grafiker/Designer daran gearbeitet hat, aber ob der Text etwas taugt, tja, das wissen wir erst, wenn wir uns die Mühe gemacht haben, reinzublättern. Ach, es ist eine Crux. Ja, ja.

  3. R.C.N. Montag, 16 Mai, 2011 um 16:41

    Dear Richard,

    content Flut – das ist ein gutes Thema. Hab ich doch schon vor Monaten so bei mir gedacht (aber keine Mitstreiter gefunden) – Begründungen häufig (und das ist jetzt nicht als Seitenhieb gedacht) – hab grade keine Zeit für xy Idee. Okay – fair enough. Meine Überlegung war und ist es auch immer noch – jeder schreibt so seinen Blog mehr oder weniger gut, intensiv, blablabla als Einzelkämpfer. Warum sich da nicht einige Blogger zusammentun weiß ich nicht. Will sich niemand das Ruder aus der Hand nehmen lassen oder sich nicht verpflichten – ich weiß es nicht.

    Aktuell kenne ich nur zwei Beispiel wo mehrere Autoren einen Blog führen. Beide amerikanische. Weiß nicht, ob das etwas zu bedeuten hat – will man auch nicht zwangsläufig mehr hinein interpretieren, als vorhanden ist. Ich mag Blogs, die von mehreren Autoren geführt werden. Natürlich wird dort für seine Arbeit geworben, darf, soll auch so sein, dennoch hat man viele Stimmen. Mich interessiert das.

    Anyway, das bezieht sich jetzt aufs reine bloggen. Was Bestsellerlisten angeht, also da lese ich mich schon seit Jahren nicht mehr durch. Mag auch daran liegen, das ich neugierig bin und gerne entdecke – und mich schnell langweile.

    Ich glaube ernsthaft, dass der reine Leser sich wenig für Autorenblogs und deren Webseiten interessiert und social media überbewertet sind. Die Zeit, die verplempert wird mit bloggen und haste nicht gesehen, gehört an den Computer, um zu schreiben. Vielleicht kommt man irgendwann mal als Autor einigermaßen groß raus, vielleicht auch nicht. Hat man eigentlich wenig Einfluss drauf, da kann man noch so bloggen und transparent sein. Weder interessieren mich als reine Leserin irgendwelche Twitteraccounts oder Facebookseiten, noch Verlags Gezwitscher oder Facebookseiten und als Autorin auch irgendwie nicht. Warum, so stelle icih mir die Frage, sollte ich meine Zeit damit vertrödeln, wenn alles was ich will, ist, ein gutes Buch zu lesen?

    Es gehört scheinbar zum gutenTon sämtliche accounts zu haben, die möglich sind – und bis heute habe ich noch nicht eine Statistik gesehen,, die da besagen würde, jajaja supa erfolgreich, dank social media.

    Wer schützt uns vor der content Flut? Wir selbst schützen uns davor (sofern wir unseren Kopf nicht im Hintern haben), indem wir – jeder für sich, nach Kriterien, die wir wichtig finden – entscheiden, was wir wollen und was nicht. Ist das nicht schön? Niemand da, der einen wirklich beeinflussen kann.

    Ich hoffe, ich habe jetzt nicht am content theme vorbeigeschrieben und gehe jetzt schlafen. Gute Nacht 🙂

    • Richard K. Breuer Montag, 16 Mai, 2011 um 17:06

      Also, ich würde vorschlagen, du suchst dir Mitstreiter, die auf der Suche nach guter Indie-Literatur sind. Ich bin sicher, dahingehend gäbe es Bedarf. Dabei reicht es ja, die Leseproben zu „besprechen“. Und es gäbe ein gemeinsames Thema, im Gegensatz zu einem gemeinsamen Autoren-Blog. Wo wäre das das Gemeinsame? Okay, alle schreiben an einem Text, aber sonst? Und da könnte man auch mit Gast-Autoren gut leben. Also, da würde ich vielleicht auch hin und wieder einen Text zerpflücken 😉

      Man könnte einen Blog-Cirkel einführen, d.h., jeder der Teilnehmer liest die Blog-Beiträge der anderen und kommentiert. Dadurch ergäbe sich theoretisch Traffic und Diskussionen. Aber gut möglich, dass einem das über den Kopf wächst.

      (Prosa) Autoren halten sich zumeist für Künstler und sind ego-zentrierte Egoistiker. Ja, ja. So. Jetzt befrage ich schnell mal meinen Spiegel, wer der tollste Romancier im ganzen Land ist. Und wehe …

  4. Hirnrestrukturierer Montag, 16 Mai, 2011 um 22:00

    Was ich cool fände, wenn sämtliche Lesezeit dieser Welt zentral erfasst würde. Mit papierenen Büchern wäre das ein ziemlicher Verwaltungsaufwand, aber mit Ebooks (oder Blogs) bräuchte man nur ein kleines Programm, und flugs hätte man eine Statistik, die wirklich was brächte. Ich könnte etwa sehen, ob die ganzen Bestseller gekauft und nur bis zur Hälfte gelesen oder großteils überflogen werden, und bei welchen Texten die Leute alles vom ersten bis zum Wort genießen und langsam genießen und manchmal wiederholt lesen. Bei Dingen, wo diese Rate hoch ist, würde ich sagen, die interessieren mich, selbst wenn es nur wenige Leser sind.
    Und auch die Leser würden statistisch geordnet werden, und ich könnte sagen, für mich sind nur diejenigen relevant, die auch Musil oder Joyce im Repertoire haben. (Womit die Schwachstelle in dem System, wonach Chicklit-Fans auch alles von der ersten bis zur letzten Seite und wiederholt lesen, beseitigt wäre.)

    Und man könnte das mit einem verbesserten Verrechnungsmodell koppeln, wo man für die tatsächlich gelesenen Mengen bezahlt und keine ganzen Bücher kaufen muss, deren Anfang so toll geschrieben ist (Methode der Bestsellerautoren!), dass sie jeden beeindrucken, aber spätestens im zweiten Kapitel stark abflauen und vorhersehbar werden.

    Ich weiß, meine Ideen sind leider oft zu futuristisch und derzeit nicht machbar, aber solche gefallen mir meist am besten.
    Weil mit den anderen Dingen hab ich viele Probleme, wozu etwa soll ich haufenweise Rezensionen lesen, die mich nicht interessieren, wo ich bloß hin und wieder ein gutes Buch möchte? Oder wozu soll ich mich mit Autoren beschäftigen und sie auf Facebook verfolgen, wo mich literarische Erzeugnisse interessieren und keine Alltagsmeldungen aus dem Leben irgendwelcher Menschen mit einem bestimmten Beruf? (Bestsellerlisten nehm ich sowieso nicht mehr ernst, sonst hätte ich noch ein Problem.) (Und die bekannten Schreiberlinge aus der neueren Zeit beginne ich auch schön langsam zu meiden.)

    Aber gut, die Frage ist ja hier auch von der anderen Seite her zu sehen, wie komme ich als Autor zu den Lesern. Und da gibt’s zwei Methoden, entweder man streut es unters Volk, wo es im Rest des Angebots untergeht, oder man wird persönlich (und öffentlich) geschätzt von Menschen, bei denen bekannt ist, dass sie Qualität zu schätzen wissen.
    Aber die Frage ist ja überhaupt, ob es wirklich so wichtig ist, dass man von anderen wahrgenommen wird, und ob es nicht vielleicht viel wichtiger wäre, sich selbst besser wahrzunehmen.

    • Richard K. Breuer Dienstag, 17 Mai, 2011 um 10:19

      Yep. Deine Ideen sind in der Tat futuristisch. Aber es braucht ja Visionen. Problemlösungs-Ideen gibt’s ja Haufenweise – auch wenn die meisten nix taugen.

      Ach, die Crux mit der Wahrnehmung. Ein Autor muss sich ja ständig fragen: schreibe ich (nur) für mich oder (nur) für die anderen. Und bedenken wir, dass das Publikum eine undankbare Geliebte ist. Sagte Graf Mirabeau vor langer Zeit. Ich schätze, er wusste schon damals, wie der Hase läuft.

  5. R.C.N. Dienstag, 17 Mai, 2011 um 3:33

    Ich gehe jetzt alles ganz gemütlich an. Alles im Leben braucht seine Zeit, damit habe ich mich abgefunden. Mir tut die Einstellung gut und ich habe noch nie geglaubt, dass man überall präsent sein muss, um wahrgenommen zu werden. Gemeinsames bloggen war mal eine Idee, die ich zwar immer noch gut finde, aber jetzt kein Interesse mehr dran habe.

  6. Petra Dienstag, 17 Mai, 2011 um 11:16

    Qualität, Qualität, Qualität – sag ich mal als Voraussetzung. Die hat weniger mit Investitionen zu tun, als vielmehr mit einer gewissen Professionalität (die man nicht in der Schule gelernt haben muss – und auch Leistungen wie Grafik kann man tauschen etc.). Wie bei einem Bewerbungsgespräch sieht man sie auch einem Buch auf den ersten Blick an – und da gehört bei rein virtueller Sichtbarkeit eben unbedingt die Leseprobe dazu. Und das alles bequem findbar und navigierbar.

    Bestsellerformeln gibt es nicht. Aber sehr wohl Studien, durch welche Faktoren Bücher bekannt werden. Ganz oben stehen die persönlichen Empfehlungen und Multiplikatoren; Menschen, die ein Buch auch mehrfach verschenken. Aber jetzt kommt das Interessante: Ernst genommen werden hauptsächlich Freunde, Bekannte und als seriös eingeschätzte Personen, die ganz offensichtlich nicht geschmiert werden und keine Gefälligkeitsrezensionen abgeben. Da siind Leser sehr sensibel! Es überzeugt also das BUCH. Oder auch nicht.

    Zweiter Faktor: Bücher, über die man redet, am besten noch streitet, die sehr unterschiedliche Rezensionen vom Verriss bis zum hohen Lob bekommen, setzen sich leichter durch als Bücher, die nur lobgehudelt werden. ABER: Das muss von Lesern ausgehen, nicht vom Autor. Hier kann Presse helfen, die man als Indie natürlich nicht so einfach bekommt. Hier können Auftritte einiges bewirken. Und natürlich die Themen. Belletristik hat es da immer schwerer als das Sachbuch.

    Bloggen & Co.: Die meisten Autoren machen sich tatsächlich Illusionen über die Wirkung, denn reine Autorenblogs werden meist von KollegInnen, nicht von Lesern konsumiert – das liegt an den Inhalten. Aber gute Social Media Arbeit, die eigentlich nur eine Arbeit für die „Marke“ Autor ist, kann man durchaus steuern.

    Ich blogge z.B. bewusst nicht für meine Bücher, sondern für Kontakte vorwiegend beruflicher Art – und das funktioniert hervorragend. Ich habe aber auch ein Blog für mein neues Buch – und erreiche dort eine völlig andere Leserschaft, Leute, die auch das Buch lesen würden (vielleicht, vielleicht aber auch nicht). Das habe ich für einen Roman schon einmal messbar erfolgreich gemacht. Der Witz dabei ist: Ich darf keine Werbung machen, sondern muss meine LeserInnen ernst nehmen. Ihnen Zusatzstoff zu den Buchinhalten bieten, ihre Neugier auf Themen anstacheln, ihnen Geschichten zu ihren Interessen erzählen. Dann darf ich auch ab und zu mal fallen lassen, ab wann das Buch im Handel ist. Es ist ein wenig wie das, was bei Lesungen beim Glas Wein abläuft. Und weil auch Blogs nicht allein durch Google gefunden werden, muss man natürlich auch für die etwas tun.

    Natürlich muss man das auch nicht tun. Man kann auch mit einer kleinen, sehr treuen, vielleicht sogar regionalen Leserschaft sehr glücklich sein. Man ist mit echten, interessierten LeserInnen ohnehin meist glücklicher als mit reinen KäuferInnen. Aber ohne ein Mindestmaß an „Autor in der Öffentlichkeit“ geht auch bei Verlagen nichts mehr. Wer sich da verweigert, kann je nach Verlag sogar Absagen kassieren. Das ruhige Schreiben im Kämmerlein können sich leider nur die ganz Großen leisten oder diejenigen, denen das alles egal ist. Als Indie hätte ich also auch eher die Möglichkeit, mich einem Verkaufsdruck zu entziehen.

    • Richard K. Breuer Dienstag, 17 Mai, 2011 um 19:40

      Na, du schüttelst die Kommentare nur so aus deinem Handgelenk, Petra, wie? Respekt. Da zieh ich den Hut 🙂

      Ja, der Autor wird sich verstärkt anpreisen und zur Marke machen müssen. Ist nichts Neues. Hier ein toller Artikel in der NY Times über self promotion von Autoren, heute wie damals. Es ist also keine Erfindung der schnelllebigen Internet-Gegenwart.

      Meine bisherige Erfahrung mit Social Media und Blogs zeigen, dass man qualitativ gute Kontakte knüpfen kann (so, wie ich dich getroffen habe), aber die breite Masse holt man mit dem virtuellen Schnickschnack nicht ins Boot. Erst wenn der Autor oder das Buch in der realen Welt wahrgenommen wird, wenn er geschätzt, bewundert und hofiert wird, dann funktioniert das Web als Multiplikator.

      Sonst unterschreibe ich natürlich dein Gesagtes.

  7. Alaska feat. Leonhard Cohen Dienstag, 17 Mai, 2011 um 11:49

    Also doch wieder das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Der Text als Massenprodukt (Masse, weil ad infinitum verfügbar) wird dann Indie, wenn ihn niemand liest. Oder so. Ok, ich geb’s zu, ich argumentiere rezipientenorientiert 😉

    • Richard K. Breuer Dienstag, 17 Mai, 2011 um 19:24

      Also, den berühmten blauen Regen-Umhang gibt’s bei mir nicht. Jedes digitale Produkt, also Musik, Software, Film, Bilder usw. sind ad infinitum verfügbar. Das ist herrlich. Dummerweise haben größere und kleinere Unternehmen etwas dagegen. Künstliche Verknappung heißt das Zauberwort. Indie ist vermutlich das andere 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: